Kindlifresserbrunnen

Für den schämen wir uns, er hätte schon lange abgerissen werden sollen. Hörte ich, von einem Berner. Er stellt einen Juden dar, der Kinder frisst, Hörte ich auch. Erkenne freilich nicht, dass die Brunnenfigur angeblich einen Judenhut trägt. Der gefrässige Oger mit dem Sack, in den ein Kind ein Loch gerissen hat, um zu entkommen. Rudolf von Bern entkam 1294 angeblich nicht, lese ich. Wurde rituell ermordet, von den Juden vorgeblich, bei denen die Berner Schulden hatten. Hohe offenbar, auch. Wurden nach dem vermeidlichen Mord vertrieben, von den Bernern, die Schulden quasi mit ihnen. Schon ziemlich gruselig, der Mord und der Kinderfresserbrunnen. Andere Berner schreiben, der Brunnen zeige eine lustige Fastnachtsfigur, die unflätige Kinder erschrecken soll. Angst in den Gassen Berns, quasi. Angst um das Image von Bern, haben die Berner, auch. Deshalb steht der gruselige Kindlifresserbrunnen auch mal lieber nicht unter den Sehenswürdigkeiten, sondern besser unter der Stadtgeschichte. Auf dem Stadtportal gar nicht.

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9 Gedanken zu „Kindlifresserbrunnen

  1. Schämen sollte man sich auch für diese kitschige Farbfassung. Ob da überhaubt richtig befundet wurde oder nur nach gutdünken gepinselt?
    Stehen lassen sollte man ihn vielleicht zu mahnen wie unrühmlig eine verschuldete Stadt den Volkszorn mit falschen Angaben schürt um seine Gläubiger loszuwerden….

  2. Mag ja die schönen Farben der Deutschen Bank. Aber die war sicher kein Sponsor der Restaurierung, die gibt’s ja in der Schweiz gar nicht. In Bern gibt’s ein lustiges Memory-Spiel mit dem Kindlifresserbrunnen als eines der Motive. Da gruseln sich Berner Kinder, auch ohne durch die Altstadt zu spazieren. Angst vor dem Aufdecken, quasi.

  3. …der schwarze Peter sozusagen….. keiner will ihn haben den armen Brunnen, vielleicht mal beim Herren Ahmadinedschad nachfragen ;-)

  4. Also Farben hin oder her und was immer er auch wirklich darstellen soll, in meinem Vorgarten möchte ich die Fresse auch nicht haben. Allerdings, für das, dass die Berner ihn angeblich nicht mögen, schaut das Kerlchen recht gepflegt aus… ich mein ja nur. ;-)

  5. @ Schmidden: Herr Ahmadinedschad hat hoffentlich derzeit andere Sorgen, als sich um Berner Brunnen zu kümmern. Wäre freilich großartig, wenn er in Rente geht. Frührente quasi, dringend auch. Dann hat er Zeit für den Brunnen, die Berner liefern den sicher auch gern in den Iran.

    @Drenegadt: Der Kindlifresserbrunnen steht inmitten der Berner Altstadt, die ist freilich gepflegt. Gleich um die Ecke der Zytglogge. Dem Unesco-Welterbe mit öffentlichem Pissoir. Das ist freilich auch gepflegt, quasi.

  6. Pingback: Mandelbögli « oder auch

  7. ..der brunnen erinnert daran, dass geldverleih, zins und zinseszins auch ohne arbeit zu logarithmisch wachsendem besitz führen – nur die neuordnung der besitzverhältnisse kann das ändern. einen vorgeblichen grund dafür wird es immer dann geben, wenn es den schuldnern zu eng wird.

  8. Der Chindlifresserfigur ist nicht ein Oger und schon gar nicht ein Jude.Wohl eher ein Sultan. Die kannibalistische Figur trägt eine Damenhandtasche,wahrscheinlich eine Anspielung auf das Tuntendasein(weiblicher Part bei den Soiniggel) der Figur.Gleichgeschlechtliche Befriedigung statt Liebe und Zeugung von Nachwuchs; der Kreis der Bären stammt wahrscheinlich aus späterer Zeit.Sie bewachen den Unhold der auf der Säule zur Schau gestellt ist (Pranger). Rätselhaft sind die Schärpen der Bären.Das Schweizer Banner ist erst im 19. Jhd. aufgekommen. v/e/k/s

  9. Léonie, Königin und total stolze Bewohnerin von Bern, der schönsten Stadt der Welt! sagte am :

    Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung…. An alle die hier schon kommentiert haben!!!!

    Durch die ganze Stadt fliesst der alte Stadtbach. Dort hinein sind früher die Kanalisationsleitungen geflossen und der Stadtbach war damals noch nicht unterirdisch. Leider sind oft Kinder hineingefallen und ertrunken. Irgendwann wurde er dann geschlossen. Der Brunnen ist ein Mahnmal, und er erinnert an all die Kinder die hineingefallen sind.
    In der Altstadt ist der untere Teil des Stadtbachs noch ersichtlich; er fliesst in der Mitte der Strasse, abgedeckt durch Stahlplatten.
    Grüsse aus Bern, Ihr Banausen!

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