Kalbsgeschnetzeltes

Wenn jemand eine Reise tut, wird er freilich permanent an die Heimat erinnert. Erinnert ihn der Versicherungskonzern, freilich auch. Auch das gute Essen. Das Zürcher Kalbsgeschnetzelte. Das natürlich am besten in Zürich schmeckt. In der Zürcher Kronenhalle. Lustige Zürcher dürfen aber auch gern widersprechen. Wiener indes eher nicht, Koblenzer auch nicht. Starkoch Alfons Schuhbeck auch nicht, Unilever freilich auch nicht. Die wissen ja nicht einmal, wie Zürcher Kalbsgeschnetzeltes geschrieben wird. Wie Zürcher Kalbsgeschnetzeltes gekocht wird vermutlich auch nicht. Habe weder das Wiener, Koblenzer, Alfons Schuhbecks, Unilevers Zürcher Kalbsgeschnetzeltes probiert. Hatte große Angst vor dem i. Das Zürcher Kalbsgeschnetzeltes verdirbt. Heißt ja auch nicht Wienier, Koblenzier, Alfons Schuhbecki, Unileveri. Hochdeutsche würden womöglich unterstellen, das sei Schweizerdeutsch. Stimmt freilich gar nicht. Genau wie freilich nicht Schweizerdeutsch ist, Hochdeutsch freilich auch nicht. Freilich aber schade, ist freilich doch so ein schönes Wort. Zürcher Kalbsgeschnetzeltes freilich auch eine leckere Speise. Indes nicht mit i.
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Masseneinwanderung

Jeden zweiten Dienstagmorgen ist Altpapiersammlung im Zürcher Dorf. Altpapier wird nur in Bündeln mitgenommen, weshalb vermutlich Seilfabrikanten in Zürich ein gutes Geschäft machen. Zürcher bevorzugen auch Schweizer Seilfabrikate. Schweizer Seilfabrikanten sind allerdings auch Weltmarktführer. Dorfbewohner können auch die Altpapierbündel mit weltmarktführenden Seilen aus Fenstern mit schönen grünen Fensterläden in die Gassen herablassen. Für die Altpapiersammlung. Wenn sie sich zum Beispiel über die Widersprüche ärgern. Oder auch wundern. Wie den auf dem Informationsblatt des Komitees gegen Masseneinwanderung. Das ist im Web unter http://www.stopp-masseneinwanderung.ch zu finden. Oder via E-Mail zu erreichen unter info@masseneinwanderung.ch. Bittet via E-Mail quasi dringend um Masseneinwanderung, möchte im Web die Masseneinwanderung offenbar aber unbedingt stoppen. Oder auch nicht: Denn wer sich die Mühe macht, http://www.stopp-masseneinwanderung.ch einzutippen, wird umgehend auf http://www.masseneinwanderung.ch weitergeleitet.

Immerhin ist der übrige Text des Informationsblatts stimmig. Anhand von Zahlen des fleißigen Bundesamts für Statistik wird aufgezeigt, welche Einflüsse die Einwanderung auf das Leben in der Schweiz hat. Dafür haben die Autoren aus dem quasi unerschöpflichen Fundus des Bundesamts freilich Zahlen herausgesucht, die zu ihrer Argumentation passen. Die Zahlen, die nicht so gut passen, Weiterlesen

Mensa-Tisch

Auch in Zürich sind Touristen von Zeit zu Zeit lästig. In Dessau freilich auch. Ist aber kein Grund, Touristen großen Quatsch zu erzählen. Wie die Touristenführerin in der Mensa des Bauhauses Dessau: „Was fällt Ihnen an den Tischen auf – abgesehen davon, dass sie aussehen wie Tische eines schwedischen Möbelfabrikanten, der andauernd beim Bauhaus abkupfert?“ Nach einminütigem Schweigen zeigt ein Tourist auf und stößt hervor: „Sie sind sehr hoch.“ Die Touristenführerin doziert: „Richtig, die Tische sind höher als normale Esstische. In Spitzenzeiten mussten in der Mensa über einhundert Menschen verköstigt werden. Das musste schnell gehen. Walter Gropius stattete die Mensa deshalb mit höheren Tischen aus. So verkürzte er den Weg vom Teller zum Mund – die Studierenden konnten schneller essen.“
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Reiseausweis

Der Auslandsdeutsche darf freilich im schönen Zürich nicht abstimmen. Wählen natürlich auch nicht. Wählen in Deutschland freilich auch nicht, wenn er sich nicht bei der deutschen Botschaft einen Briefwahlantrag stellt. Dann darf er auch nur den Bundestag und das Europaparlament wählen, an Kommunalwahlen und Landtagswahlen selbstverständlich aber nicht teilnehmen. Hat sich ja ordnungsgemäß beim regionalen Einwohnermeldeamt abgemeldet, dort natürlich nix mehr mitzubestimmen. Hat sich natürlich auch beim regionalen Einwohnermeldeamt im Ausland angemeldet, inklusive der obligatorischen Bestätigung für die deutsche Behörde, die ausländische Behörde freilich auch. Freilich gilt es keine direkten Gespräche zwischen den beiden Behörden. Wäre ja noch schöner, würden sich womöglich noch lustig machen über den Auslandsdeutschen. Würden schreiben: Juhu, ein Trottel weniger, dem wir Briefwahlunterlagen schicken, einen Personalausweis ausstellen müssen. Oder auch einen Reiseausweis.

Der Auslandsdeutsche verliert das Recht auf den Personalausweis. Übergangsweise zwar nur, aber bis Ende zweitausendzwölf kann er sich die Diskussion um den elektronischen Personalausweis im komfortablen Scheckkartenformat vom bequemen Sessel aus verfolgen. Dort hingefläzt, muss er sich mit dem sperrigen Reisepass begnügen, den freilich bei der Botschaft, dem Honorarkonsul beantragen. Die selbstverständlich vollkommen ahnungslos Weiterlesen

Wäscheklammernsack

Gibt Dinge, die findet man nur, wenn man sie nicht sucht. Einen Wäschklammernsack zum Beispiel. Der hing unverhofft im Kaufhaus der Genossenschaft. Fand dort Steckdosenadapter, die braucht man auch nicht suchen, die gibt’s dort immer. Massenweise Steckdosenadapter, für viele Zugezogene. Wer einen Steckdosenadapter benötigt, braucht womöglich auch einen Wäscheklammernsack, dachten sich vermutlich geschäftstüchtige Genossenschaftseinkäufer. Womöglich auch, Wäscheklammernsäcke benötigen freilich auch lustige Schweizer, die ja gar keinen Steckdosenadapter brauchen. Aber ja genug haben vom unpraktischen Kunststoffsack, der natürlich an keiner Leine hängenbleibt. Oder auch genug von der Wäscheklammernschürze, die natürlich unschön aufträgt. Oder aber auch genug vom Wäschekorb, in dem die Wäscheklammern natürlich immer unter der schön gewaschenen Wäsche liegen, sie hervor gewühlt werden müssen. Wie praktisch ist da ein Wäscheklammernsack, Weiterlesen

galoppierende Teutonisierung

Zürich verfilzt zusehends. Freilich tragen Zürcher keine verfilzten Kleider, die Straßen und Trottoirs werden auch nicht mit Filz ausgekleidet. Auch nicht mit deutschem Filz, obgleich der ja sogar günstig zu haben wäre. Bei der Genossenschaft, in der Großpackung. Die verkauft auch Steckdosenadapter. Freilich nicht in der Großpackung, so viele Ausländer leben dann auch nicht in Zürich. Aber ja zum günstigen Preis. Überall auch. Der Schweizer, Ruander auch, müsste in Konstanz zu einem Reisestecker greifen, wollte er seine Kaffeemaschine, überlebensnotwendigen Sandwichtoaster, an gruselige deutsche Steckdosen anschließen. Müsste freilich dafür tief in die Tasche greifen. Im Gegensatz zum deutschen Bewohner Zürichs.

Bewohner des schönen Zürcher Kreises eins freilich auch, im wunderschönen Rathausquartier ja auch. Dort ist jeder dritte Einwohner Nicht-Schweizer, jeder dritte Nicht-Schweizer Deutscher. Jeder zehnte Einwohner ist Deutscher, um die Verwirrung komplett zu machen. In der Stadt Zürich ist der Anteil der Deutschen kleiner, vermutlich jeder dreizehnte. Allerdings werden im schönen Kreis eins ja nun auch nicht so viele Wohnungen gebaut, im Rathausquartier freilich auch nicht. Seit über zehn Jahren schon nicht mehr, weder noch. Schade, freilich. So sind mit den lustigen Leerwohnungsziffern von null Komma null fünf, null Komma null neun netterweise im Rathausquartier natürlich die Chancen auf eine Wohnung im Kreis eins, Rathausquartier auch, eher gering. Die Leerwohnungsziffern sind dann natürlich auch nicht so richtig lustig, es sei denn, man wohnt im Kreis eins, oder auch im Rathausquartier. Weiterlesen

Rockstar Großhirnrinde

Über zu wenig Kultur können wir uns in Zürich nun wirklich nicht beklagen. Im Mai wird aber ein echtes Glanzstück geboten: die internationale Psycho-Combo „Großhirnrinde“ ist einen Tag lang live zu sehen. In der Originalbesetzung selbstverständlich, mit Doktor Congedo aus Grenoble, Professor Doktor Doppelmayr aus Salzburg, Professor Doktor Herrmann aus Oldenburg, Professor Doktor Pineda aus San Diego. Unter den weiteren Dozenten der Philosophie und Neurowissenschaften sind vermutlich ja auch noch diverse virtuose Künstler, die den Tag zu einem Erfolg machen. Ein Augenmerk auch auf die Vorgruppen, stattliche drei an der Zahl: Empathie, Großhirn, Interventionen. Angemessen allerdings auch, angesichts des Stars des Abends. Großhirnrinde. Der natürlich im Grossen Hörsaal auftritt, im Universitätsspital Zürich. Wenn sich die Veranstalter mit dieser Location – die selbstredend angemessen ist – mal nicht verkalkuliert haben. Angesichts eines so großartigen Starauftritts.

Sicher mit der Einladung sind die Veranstalter aber nicht. Denn manchmal ist der Konjunktiv zwar unglaublich höflich, aber fehl am Platz. Genau wie ein langer Satz: Weiterlesen