Sicherheitsinstruktionen

Sind selbstredend unspektakulär, entsprechend häufig ignoriert, auch. Da fällt es quasi gar nicht auf, wenn sich mal ein Fehler einschleicht. Das Flugzeug hat sieben statt acht Notausgänge zum Beispiel. Ein lustiger Zeichner war gerade abgelenkt, vergas mir nichts, dir nichts ein Oval auf die Bordwand zu malen, einen roten Pfeil hindurch zu ziehen. Passagiere wundern sich, warum die Flugbegleiterin ihnen das Öffnen der Notausgangstür erklärt, sie zum Verstauen des Gepäcks in den Handgepäckstauräumen auffordert. In den Sicherheitsinstruktionen steht doch gar nix von dem Notausgang. Verdammt, meint der Chefzeichner, zweite Auflage. Passagiere wissen nicht, wohin mit ihren Händen. Hinter den Kopf, den Kopf auf die Knie ziehend. Vor die Brust, aufrecht sitzen bei der Wasserlandung, wie es die Sicherheitsinstruktionen zeigen. Verdammt, meint der Chefzeichner, dritte Auflage. Vorher erst einmal eine Zigarette, meint der Zeichner. Zeichnet hinterher freilich ein lustiges Quadrat mit abgerundeten Ecken, darin einem länglichen waagerechten Rechteck mit zwei Wellen an einem Ende. Sehr dekorativ, meint der Chefzeichner, bei einer Zigarette. Aber verdammt: es fehlen zwei rote Striche. Vierte Auflage. Bei der fünften Auflage könnte der Zeichner noch lustige Wellen Weiterlesen

punschen

Das Haupthaar ist blond, der Schal verbirgt die schwarzen Spitzen, Ränder. Zum Glück, danke, Schal. Erst auf den zweiten Blick trägt sie keine Perücke. Die Haare blondiert, geschwärzt, Strähnen sind nicht mehr in Mode. Bei jeder zweiten Frau, vermeide das Wort Dame. Unbändiges Lachen quillt aus den weit aufgerissenen Mündern, die abwechselnd von der Zigarette und dem Punsch aus Glasbechern gefüllt werden. Abgefüllt, keine Lebkuchen, kein Marzipan. Davon gab’s zuhause mehr als genug, dicke Wangen plappern ohne Unterlass. Schnacken, beim Punschen.

Junge Mädchen, keine Deern, sie sind nicht schmuck genug, punschen auch. Schubsen sich nicht umher, höchstens den letzten Schluck im Glasbecher. Umklammern den nächsten, Weiterlesen

Planten un Blomen

Planten un Blomen1Die Pflanzen und die Blumen auf Plattdeutsch. Stehen in Hamburgs Stadtpark. Gleich neben dem gruseligen Siebzigerjahrebau CCH. Für den es nur Saalpläne ohne Himmelsrichtungen gibt. Jede Etage aus einer anderen Himmelsrichtung abgebildet, freilich. Mit Türen, die Besucher nur hinaus lassen. Der Hausmeister des CCH weiß schon warum. Will freilich keine ungebetenen Besucher haben. Die gebetenen Besucher aber auch nicht, wenn sie zu doof sind und die Tür zufallen lassen. In der Pause. Beim Frischluftschnappen, die steife Brise. In der Fahnen stehen. Auf der CCH-Terrasse. Auf der Landschaftspfleger Unkraut jäten. Keine Gärtner, vermutlich, die hätten mehr als zwanzig Zentimeter Sandweg innerhalb von zehn Minuten geschafft. Mit einer Zigarettenpause freilich.
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Zack (2)

Zack21Das Weisse Brauhaus ist ja als solches schweizerkompatibel. Ohne Eszett. Weiß auch der Schweizer Besucher, was weiß ist. Weißbier, freilich. Der Kaffeetrinker wird von der ausnehmend freundlichen Kellnerin nicht gefaltet. Zack. Freilich am anderen Tisch, der Kaffeetrinker. Gab Weißwurst, Weißbier, Senf aus dem Keramiktopf und freilich Brezn. Festspeise quasi. Im stilvollen Ambiente, stimmte das Bayernmitglied zu, lecker Weisswurst [sic], Bier und gute Kellnerin auch. Der Bannerschubser fand sie gar nett, nicht verwöhnt, die Schweizer als solche. Von den Kellnerinnen zumindest. Vom Bier ja auch nicht. Zack. Der Digitale gab neun von zehn Punkten, der mütterlichen Kellnerin auch. Sie fragte um elf mit Engelszungen: Darf es noch ein zweites Weißbier sein? Nach zwei Weißwürsten. Die sind als solches O.K., aber im Allgemeinen überbewertet. Vom Digitalen nicht, der urteilte verheerend.
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Zitat (19)

Lese ja seit zwei Tagen nicht mehr. Nur noch quer. Auf der Suche nach einer Textstelle. In einem Buch, das man nicht gelesen haben muss. Hörte ich heute, von einem Krimifan. Spaßeshalber tat ich’s. Wegen des Titels: Die Zürich-Affäre. Ist kein Kitschroman, ein Thriller von einem Zürcher. Armin Och. In der Erstausgabe. Ausgeliehen von einem Zürcher. Neu-Zürcher, wie ich. Ihm schulde ich noch eine Revanche, (3) vielleicht. Nun noch ein Bier. Fürs Buch. Geliehen, freilich. Frage mich, wie das gedruckt werden konnte. Lektoriert, vielleicht. Wegen der Passage, die ich nach zwei Tagen fand. Endlich.

Er saß in einem kleinen Raum eines Hauses in Zürich. Vor ihm stand eine halbgefüllte Kaffeetasse, im Aschenbecher brannte eine Zigarette still vor sich hin.
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Geldstrafe

Hübsche spanische Frauen fahren keine Metro. Spanier kaufen keine Zigaretten. Hübsche spanische Frauen fahren Fahrstuhl. Quasi. Rauchen in der Metro ist freilich verboten. Streng. Fast wie Schwarzfahren. 9,95 Euro billiger. In Barcelona. Denke bei jedem Besuch an Montserrat Cabelle und Freddy Mercury. Ihren Hit „Barcelona“, großartige Komposition von Klassik und Pop. Unbezahlbarer Genuss.

geldstrafe1Rauchen im Metro-Wagon kostet 30,05 Euro. Hat der rauchende Passagier auch noch keinen Fahrschein, zahlt er 70,05 Euro. Geldstrafe. Angst. Haben vermutlich hübsche spanische Frauen. Oder sie sind zu häufig rauchend mit der Metro gefahren. Haben kein Geld mehr um Zigaretten zu kaufen. Fahrstuhl fahren ist ja kostenlos. Für hübsche spanische Frauen. Rauchende freilich auch. Quasi.

Kaffeeautomat

Der Zürcher Klusplatz ist offenbar Brennpunkt krimineller Machenschaften. Angst, etwas, auch, bei jedem Überqueren. Morgens und abends. Vor Wochen fiel ein Schuss, nun einen Raub. Wieder reisten die Männer mit den großen Lupen an, starrten auf verdächtige Zigarettenkippen, eilig das Tram besteigende Pendler. Aussteigende Redaktoren auch, die traurig gucken, weil sie nun arbeiten müssen und nicht mehr ihr Buch lesen dürfen. Nach nicht einmal zehn Minuten Fahrt.
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Angeberbildschirm

Bin zum Glück nicht eine Stunde früher aufgestanden. Länger liegen, im blauen Bett, huschen über unsymmetrisch verlegte Fliesen, warme Riemenböden. Heizung aus bei knapp zweistelligen Temperaturen. Übergangsmantel genügt für die Reise ans Mittelmeer. Wo Wellen unwirsch schlugen, schäumendes Wasser Füße umkräuselte auf dem Lieblingsfoto. Zeit fürs Foto vom Angeberbildschirm war, erinnerte die Abflugzeit beim Blick auf den Zugfahrplan nebendran. Eine Stunde zu spät. 58 Minuten von Stadelhofen bis Gate B06. Vergas den Stempel auf der Sechsfahrtenkarte. Blickte auf vom Buch an der Hartbrücke, eilte treppab zum Entwerter. An der Tür erlosch grünes Licht, blinkte, wie ein Zwinkern des Zugführers. 39 Minuten vom Flughafenbahnhof bis Gate B06, Check-in in Reihe zwei schon geschlossen. Frauen! Wetterte die Schalterdame, während sie den Hörer auf die Gabel warf. Check-in wieder offen, 30 Minute bis Gate B06. Dort noch eine Viertelstunde, kaufte Schokoladenzigarren, zart schmelzende. Paffen mit den nichtrauchenden Reaktorkollegen im rauchfreien Spanien. Beim Gratiskaffee fahren Gedanken Fahrstuhl. In den Keller des Atriums, zum Rauchen mit dem Cappuccinorührer. Gratiskaffee zum Entschädigungsfrühstück. Beginne, 60 Minuten nach Abflugzeit abermals am Gate B06 sitzend, zu schreiben: „Bin zum Glück nicht eine Stunde früher aufgestanden.“

Durchmesserlinie

Punkt ch. Steht in armlangen Lettern auf Plakaten im Bahnhof. Rätselte schon bei der Ankunft, was damit wohl beworben wird. Informiert wird. Auf Durchmesserlinie Punkt ch. Über die Durchmesserlinie. Synonym für Durchgangslinie. Oder Schweizerdeutsch. Für eine Linie des öffentlichen Personennahverkehr, die von einem Ort zum anderen mitten durch die Innenstadt verläuft. Gelegt ist, besser. Laufen kann die ja gar nicht. Gelegt werden Schienen aber. Wie in Zürich. Unterirdisch, unter Wasser. Der Limmat. Die wird untergraben, unterbohrt. Von einer Tunnelbohrmaschine. Wovon sonst?

Plakate wären nicht schlimm. Die Seite auch nicht. Im Briefkasten, dem neuen, mit Paketfach, lag eine Wurfsendung. Durchmesserlinie, mit großem L. Aber nur als Titel. Überall klein sonst. So wird’s nix mit der Markenbildung.

Freilich unsägliche Texte. Laserkette, fast. Der Manager des Einkaufszentrums im Hauptbahnhof kann auf verschiedene Immobilienausbildungen zurückgreifen. Respekt, Immobilien Hochdeutsch gelehrt vermutlich, Rechnen auch. Er erzählte den Werbetextern, es mache keinen Sinn, jetzt schon Mieter zu suchen. Man wisse ja nicht genau, was 2010 gefragt sei. Nö, stimmt. Sinn machen ist eine grottige Übersetzung. Das schreibt kein Redaktor. Werbetexter auch nicht. Es sei unsinnig, jetzt schon Mieter zu suchen. Ist auch kürzer, Platzschinder. Schlimmer aber noch: der Grund. Wer mag raten, was wir in etwas mehr als einem Jahr im Bahnhof kaufen? Fahrkarten, Bücher, Zeitschriften, Zigaretten, Lebensmittel und Souvenirs? Nein, sicher nicht, weiß der Einkaufszentrumchef. Gruselige Dinge gibt’s in etwas mehr als einem Jahr. Im Bahnhof. Neuartige Produkte: Fahrkarten, Bücher, Zeitschriften, Zigaretten, Lebensmittel und Souvenirs. Angst, auch, etwas.

Hitzewallungen

Manche Werbung macht mir Angst, auch. Medikamententests in den Wechseljahren mit Hitzewallungen. Mein erstes Vorstellungsgespräch hatte ich bei Bayer: Marktforscher für Kosmetika. Grusel. Gereicht hat’s damals zum Redaktor. Schon. Schön auch. Beim besten Bewerbungsgespräch meines Lebens, jetzt erst einmal eine Zigarette. Heut‘ ist’s auch da gruselig.

Hitzewallungen in der U-Bahn. Nicht wirklich. Beim nächsten Mal nehmen wir ein Taxi. Wir liefen. Als Betthupferl Eis, dritter Gang nach Döner und Currywurst. Typisch berlinerisch. Aßen schon für das Doppelte nur den Nachmittagssnack. Salat, Clubsandwich und Burger. Elendige Völlerei. Aber lecker. Schokoladentafel schmilzt in der Mikrowelle, für Triple Chocolate Brownies. Zum Einzug in Zürich, was leichtes. Die Mikrowelle hat die Werkstattmeisterin. Gut so, auch.

Street Parade

Es gibt Dinge, die will man nicht sehen. Auch in Zürich, am Bellevue. Oma im weitmaschigen Strick, mehr weit als Masche. Flanieren über die Quaibrücke. Nur fürs Foto die Jacke ausgezogen, heimlich, ungesehen. Bin ganz froh, dass ich nicht so gut sehe links. Woanders immer viel Leib, Plüsch. Technofans, jung, ungezügelt. Immer eine Dose Bier in der Hand, in der anderen immer eine Kippe. Immer, beides.

Auf dem Weg zum Foto Perspektiven testen. Einäugig, wie die Kamera. Auf dem See wird eingeparkt. Sehen und gesehen werden. Gesehen ist wichtiger, wohl. Außer die Quaibrücke von unten sieht dort keiner etwas. Höchstens die Rundumlichter der Partylaster. Ich sah See, Quaibrücke, Laster und unwirsche Technofans. Viele, junge. Deutsche. Grusel. Merkwürdige Partystimmung, viel Aggression in der Luft. Schade.

Der Löwenplatz ist am Morgen leer gefegt. Am Bahnhof eine Gruppe. Der Kehrwagen kreist durch die Vorhalle. Dringend. Fast bleibe ich kleben, auf dem Weg zum Kiosk. Zürich erwacht langsam am Sonntagmorgen. Ein Schwan thront auf der Limmat, scheint in sein Spiegelbild unter sich zu schauen. In fünf Minuten zum Central, lieber laufen übers Wasser.

Geld

Gar nicht so einfach, das in Zürich los zu werden. Zehre immer noch von den Franken vom Rosenheimer Platz. Auch größere Mengen nimmt nicht jede Bank, schon gar keine Zürcher. Kantonalbank. Das Konto können wir nicht eröffnen, wurde mir beschieden. Doof auch. Service leisten wir auch nicht, die Aussage fehlte. Nur mit ihrem Geld arbeiten, das würden wir wohl tun. Quasi. Wenn sie die zweite Unterschrift bringen, vom Besitzer. Ihn verpasste ich um 20 Minuten. Schade, auch. Verputzer raucht in der Küche, sein Kollege trägt Jahrhunderte alten Treppenhausboden ab. War versucht, nach dem Stein zu greifen. Bald liegen dort alte Fliesen, wieder. Vor der Waschküche.
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