Überholspur

Schön, einmal wieder durchs Englische Viertel Zürichs zu fahren. Mit dem netten Tram, der Nummer fünfzehn. Sie fährt entlang an Häusern, die im neunzehnten Jahrhundert im englischen Stil erbaut wurden. Lese ich, hatte ich wohl so auch vermutet. Sehe ich freilich nicht, bin ja aber auch verwöhnt von London, den engen Häusern mit auf Putz verlegten Abflussrohren, windig verglasten Fenstern und der Souterrainwohnung unterhalb des Bürgersteigs. Trottoire auf Schweizerdeutsch, hörte ich. Entschuldigung. Lese allerdings ein Buch, sehe und höre nix. Auf der eine Minute kürzeren Fahrt durchs Englische Viertel zum Bahnhof Stadelhofen.
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Untergeschoss

Untergeschoss1Zweimal Untergeschoss für Sechsfünfundneunzig. Lese ich auf der Quittung des Eisenwarenhandels. Kaufte freilich gar nicht zwei Untergeschosse, kaufte im zweiten Untergeschoss. Konnte dort aber nicht bezahlen. Musste den gruseligen kleinen Lift nehmen ins Erdgeschoss. Dort gibt’s Magnete für schöne Sideboardtüren, die ja auf schiefen Riemenböden immer offen stehen. Wenn sie nicht abgeschlossen sind, freilich nur. Oder das Schloss noch in der netten Restaurierungswerkstatt liegt, der Schmied den Schlüssel noch schmieden muss. Vorerst sind die Magneten so nett, die Türen zuzuhalten. Musste freilich Originalsubstanz vernichten um sie anzuschrauben. Originalsubstanz hatte ja der Restaurator auch schon vernichtet, als er ein Loch in die Rückwand stemmte. Brach. Für das Antennenkabel. Bin froh, nicht noch mehr Originalsubstanz vernichten zu müssen, führe die Stromkabel aus dem Antennenkabelloch heraus. Damit sich der Verstärker im schönen Sideboard verstecken kann. Der DVD-Player ja auch.
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Wohnungsbewerbung

Vor einem Jahr war die Quote schlecht. Trotz der Wohnungsbewerbung. Der vollständigen Bewerbungsunterlagen. Inklusive der Schufa-Verbraucherauskunft. Brauchte die ja nie wieder, hätte sie vermutlich auch vor einem Jahr nicht gebraucht. Bei der Wohnungsbewerbung. Bei neun Wohnungsverwaltungen und einem Hausbesitzer. Einer Hausbesitzerin freilich auch. Sollte ja unbedingt am Sonntag den Mietvertrag unterschreiben, nach der Zusage am Samstag. Unterschrieb freilich nicht, schrieb nur noch Absagen am Montag. Schrieb freilich auch keine Wohnungsbewerbungen mehr, für Zürcher Wohnungen. Die vorgeblich unter den Todesanzeigen gesucht werden. Drei Zusagen, drei eigene Absagen bei zehn Bewerbungen. Zweistellig quasi, schlechte Quote, freilich.
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Niveauausgleich

Muss freilich kein Niveau ausgleichen, zwischen irgendwem und mir. Auch kein Wohnniveau ausgleichen. Wohne ja hoch genug. Die anderen könnten etwas höher wohnen. Können sie derzeit nicht. Ist grad keine Wohnung frei. Zwei im Haus Bellevue sind angeblich auch vermietet. Für 20.000 Franken. Jeweils, freilich. Monatlich, auch freilich. Die Mieter wohnen am Eingang zum gruseligen Zürcher Niederdorf, lese ich. Den Eintrag zum Oberdorf gibt’s nicht, deshalb beginnt das Niederdorf wohl am Bellevue. Würde ja keine 20.000 Franken für eine Wohnung am Niederdorf bezahlen. Monatlich. Muss ich ja auch nicht. Müsste dann vermutlich doch das Niveau ausgleichen, quasi. Wegen doofen Touristenfragen: Wo ist denn die Spiegelgasse? Auch.
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Nächte

Naechte1Traf vergangene Woche eine Dame am Flughafen. Wir hatten den gleichen Weg in die Stadt, so begleitete ich sie. Nächtens. An Bahnhöfen, sind Damen in Zürich sicher, wie in München. Freuten uns, nicht am gruseligen Hauptbahnhof aussteigen zu müssen, wo niemand zuhause ist. Der schicke Bahnhof Stadelhofen hat’s besser: Er ist kaum hundert Meter vom schönen Oberdorf entfernt. Dort ist jemand zuhause.

Erreichte gestern Nacht wieder Stadelhofen. Freilich ohne den Nachtzuschlag zu zahlen, vom Hauptbahnhof nach Stadelhofen. Wäre der erste Nachtzuschlag gewesen. Stampfte auch das erste Mal Limonen, Zimt und Zucker. In der Caipirinha-Bar an der Schifflände. In Schaffhausen, freilich. Die Zürcher wartet noch auf ihr Fest. Seit nicht ganz einem Jahr.
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Moosgrün

Am Morgen stand ein Topf Farbe vor der Tür. Moosgrün, ein Pinsel auf dem Deckel. Die schönen Fensterläden sind gar nicht schön grün. Moosgrün. Müssen auch nicht gestrichen werden, die Fensterläden, sind ja schon moosgrün. Die Beschläge und der Spanner aber nicht, die Schraube in die alte dicke Wand auch nicht. Warme Wand. Sie weist Wärme ab: Hier nicht hinein. Kälte auch: Du musst draußen bleiben. Hinter der Wand wird es niemals warm, nachts niemals kalt. Trotz sperrangelweit geöffnetem Fenster. Die Brise Seeluft geht über schöne Riemenböden.
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Verschluss

Der fehlte freilich. Ohne den kann nicht geschossen werden. Schieß einer. Angst, auch, etwas. Vor dem Sturmgewehr 90. Das Schweizer Soldaten mit nach Hause nehmen dürfen. Andere Schweizer Soldaten dürfen nur ihre Pistole mit nach Hause nehmen. Enttäuschend. Das Wegsperren der Sturmgewehre ins Zeughaus stößt auf großen Widerstand. Das Wegsperren der Taschenmunition sei kein taugliches Mittel, um blutige Taten zu verhindern. Lese ich. Angst. Vor Bluttaten rätoromanischer Bannerschubser. Zügelte deren Sturmgewehr 90. Ohne Verschluss. Wiederhole mich.

War keine Revanche, das verhinderte angeblich der Weka. Angeblich. Der. Der mit Verschluss. Mit Taschenmunition. Mit Sturmgewehr 90. Das baut ja der älteste aktive deutsche Schusswaffenhersteller, den Schweizer wieder verkauften. Weiterlesen

Revanche (2)

Endlich. Endlich Ausrufezeichen. Stehe ja noch immer tief in der Schuld der Zügelitruppe. Seit heute nicht mehr ganz so tief, zügelte das Bayernmitglied nach Zürich. Nicht nach Zürich, genau genommen. Zürcher Vordorf, mit Fertighäusern und Fluglärm. Zügelte auch nicht, auch genau genommen. Keine Kiste verstaut, keinen viel zu großen Transporter beladen, keine Strecke gefahren, kein Möbel aufgebaut. Wie die Zügelitruppe. Nur Stunden auf gestaute Neu-Zürcher gewartet, am Bahnhof, freilich. Kein Wort über das Bayernmitglied verloren, freilich, gegenüber der Flugbegleitung. Nur Stunden später den Transporter leergeräumt. Nur knapp die Ladefläche gefüllt, zwei Kartons übereinander gestapelt. Höchstens. Eine Zügelitruppe wie meine hätte sich andauernd im Weg gestanden. Die Transporterbodenbedeckung nahm den Weg in den dritten Stock, innerhalb einer Stunde. Wieder keine echte Revanche.
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Zeitungsausträger

Zeitungsausfahrer müsste der heißen. In Zürich. In München ja nicht unbedingt. Hörte mal einen Austräger, in München, in früher Morgenstunde. Der klapperte mit den Briefkastenklappen. Versteckte mich im Keller, aus Angst. Er könnte mich sehen. Im eigenen Haus. Später entdeckte ich, wie schön es ist, die Wohnung zu betreten. Die nicht sehr schöne Wohnung. Aber schön. Von dort aus zügelte ich in eine schöne Wohnung. Nach Zürich.
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Wasserfleck

Auf dem schönen Sofa. Neuen Sofa. Immerhin tropfte kein Wasser auf den Riemenboden. Der ist ja noch viel schöner. Überbelichtet auf dem Foto, damit der Wasserfleck zu sehen ist. Der Riemenboden. Wird geschont von durch Filzgleiter. Unter den Sofafüßen. Den Schienen auch, ist schließlich ein Schlafsofa. Schläft sich gut auf den Sofa, höre ich. Trotz des Wasserflecks. Gibt freilich ein Spannbettlaken für das Schlafsofa, das überdeckt den Wasserfleck.
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verspiegelt

Alle Zimmer des kleinen Heims. Schönen Heims, auch. Schöne Spiegel auch, viele kleine, die gucken sich noch gegenseitig an. In die Unendlichkeit quasi, aus fünf gucken schon Augen. Acht Paare, bebrillte, verdunkelte, auch. Junge freche wie die der Frau Werkstattmeisterin sind die einzigen, die in den kleinen Spiegel an der gegenüberstehenden Wand gucken. Darf mich nicht beklagen, knipste ich doch die Fotos alle selbst. Acht fehlen noch, aber nur die Fotodrucke, von Augen. Auch. Menschen, auch. Der Fotodrucker steht im Wandschrank, der sich nun endlich auch im Spiegel sehen kann. Bohrte mit der geliehenen Schlagbohrmaschine Löcher in dicke Mauern, weiche, alte, auch. Für den Spiegel, der nur ein Rahmen sein sollte. Für den Butterkutterplan. Der wird aufgezogen, sieht sich dann auch im Spiegel. Weiterlesen

Einbahnstraße (1)

Darf ich fragen, wo hin Sie fahren? Der Taxifahrer war guten Gewissens auf den Sihlquai eingebogen, hatte Schiffbau und Escher-Wyss-Platz verstanden. Aus dem Mund des hochdeutschen Fahrgastes. Nicht nachgefragt auf Schweizerdeutsch. Guten Gewissens auf dem Weg ans andere Ende Zürichs. Übertreibe freilich maßlos. Limmatquai kannte er, drehte um, ohne Entschuldigung oder das Taxameter anzuhalten. In der nächsten Woche soll es schneien, versuchte er beim Herunterklappen der Sonnenblende abzulenken, auf dem richtigen Weg. Mittlerweile.
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