Wäscheklammernsack

Gibt Dinge, die findet man nur, wenn man sie nicht sucht. Einen Wäschklammernsack zum Beispiel. Der hing unverhofft im Kaufhaus der Genossenschaft. Fand dort Steckdosenadapter, die braucht man auch nicht suchen, die gibt’s dort immer. Massenweise Steckdosenadapter, für viele Zugezogene. Wer einen Steckdosenadapter benötigt, braucht womöglich auch einen Wäscheklammernsack, dachten sich vermutlich geschäftstüchtige Genossenschaftseinkäufer. Womöglich auch, Wäscheklammernsäcke benötigen freilich auch lustige Schweizer, die ja gar keinen Steckdosenadapter brauchen. Aber ja genug haben vom unpraktischen Kunststoffsack, der natürlich an keiner Leine hängenbleibt. Oder auch genug von der Wäscheklammernschürze, die natürlich unschön aufträgt. Oder aber auch genug vom Wäschekorb, in dem die Wäscheklammern natürlich immer unter der schön gewaschenen Wäsche liegen, sie hervor gewühlt werden müssen. Wie praktisch ist da ein Wäscheklammernsack, Weiterlesen

galoppierende Teutonisierung

Zürich verfilzt zusehends. Freilich tragen Zürcher keine verfilzten Kleider, die Straßen und Trottoirs werden auch nicht mit Filz ausgekleidet. Auch nicht mit deutschem Filz, obgleich der ja sogar günstig zu haben wäre. Bei der Genossenschaft, in der Großpackung. Die verkauft auch Steckdosenadapter. Freilich nicht in der Großpackung, so viele Ausländer leben dann auch nicht in Zürich. Aber ja zum günstigen Preis. Überall auch. Der Schweizer, Ruander auch, müsste in Konstanz zu einem Reisestecker greifen, wollte er seine Kaffeemaschine, überlebensnotwendigen Sandwichtoaster, an gruselige deutsche Steckdosen anschließen. Müsste freilich dafür tief in die Tasche greifen. Im Gegensatz zum deutschen Bewohner Zürichs.

Bewohner des schönen Zürcher Kreises eins freilich auch, im wunderschönen Rathausquartier ja auch. Dort ist jeder dritte Einwohner Nicht-Schweizer, jeder dritte Nicht-Schweizer Deutscher. Jeder zehnte Einwohner ist Deutscher, um die Verwirrung komplett zu machen. In der Stadt Zürich ist der Anteil der Deutschen kleiner, vermutlich jeder dreizehnte. Allerdings werden im schönen Kreis eins ja nun auch nicht so viele Wohnungen gebaut, im Rathausquartier freilich auch nicht. Seit über zehn Jahren schon nicht mehr, weder noch. Schade, freilich. So sind mit den lustigen Leerwohnungsziffern von null Komma null fünf, null Komma null neun netterweise im Rathausquartier natürlich die Chancen auf eine Wohnung im Kreis eins, Rathausquartier auch, eher gering. Die Leerwohnungsziffern sind dann natürlich auch nicht so richtig lustig, es sei denn, man wohnt im Kreis eins, oder auch im Rathausquartier. Weiterlesen

Zitat (36)

Man konnte einfach nicht überhören, daß er zunächst einen Sturmhimmel entwarf, unter dem einige Kräfte ziemlich aneinandergerieten, und er machte es dem Frühling keineswegs leicht, sich durch all das Wühlen, all das Tosen, den dunklen Trotz hindurchzuarbeiten und schließlich seine blaue Fahne aufzuziehen – wenn das etwas sagt. Dann jedoch ließ er den Frühling ausdauernd triumphieren mit Möwenruf und Schiffssirene, mit kleinem Wellenschlag, mit fröhlichem Glucksen und einer Art besessenem Murmeln;

Ja, Herr Siegfried Lenz, das sagt etwas. Wünschte mir freilich, der Frühling stünde wirklich schon vor der Tür, nicht der gruselige Winter. In dem ich meine eigene „Deutschstunde“ habe, keine Strafarbeit zwar, eine Fleißarbeit aber. Protagonisten erschaffen für einen Roman, einen Kriminalroman Weiterlesen

Leckwarner

Freilich eine ganz großartige Erfindung, der Leckwarner. Eines Schweizers. Der vermutlich genug von Wasserschäden hatte. Von Lüfterungetümen auch, die zwar beim Mauerwerktrocknen zwar nicht viel Lärm machen, aber ja dann auch nicht viel Mauerwerk trocknen. Von Kehrblechen vermutlich auch, die zwar als Wasserschaufel taugen, aber ja die Quelle nie austrocknen können. Oder auch von Haarrissen in Wasserschläuchen, die kein Auge sieht, auch eins nicht, aus denen ja aber trotzdem Wasser rinnt. Wenig. Wenig rinnt aber auch. So erfand der Schweizer eben Pastillen, wenn’s mal wieder länger dauert beim Mauerwerktrocknen, Wasserschöpfen, Schlauchabdichten. Freilich auch den Leckwarner, der macht quasi Pastillen überflüssig. Denn Mauerwerk trockenlegen, Wasser schaufeln, Haarrisse suchen sind dank des Leckwarners freilich überflüssig. So der Plan.

Der Plan eines Schweizers. Er plant immer noch, plant vermutlich auch den weltweiten Vertrieb des Leckwarners. Schweizweiten zumindest vorerst, Deutschschweizweiten ganz sicher. Zürcher Hausbesitzer sind ganz sicher froh um den Leckwarner, Zürcher Wohnungsmieter freilich auch Weiterlesen

Traumhausmodell

Auch das Traumhausmodell steht nicht in Zürich, Verzeihung liebe Hausbesitzer. Könnte indes bald auch in Zürich stehen, allerdings ja nur auch. Ein großes Traumhausmodell steht aber im Berliner Bauhaus-Archiv. Das ist sehr streng mit seinen Gästen. Kein Gast darf ein Foto knipsen, vom Traumhausmodell, der Kandem-Leuchte, der Wagenfeld-Lampe. Verständlich, freilich, wollen die Erben der Bauhaus-Lehrer und Bauhaus-Schüler doch nicht, dass gruselige italienische, chinesische, nordamerikanische Kopien von den Originalobjekten produziert und verschleudert werden. Einen ganz anderen Grund haben die Bauhaus-Archivare allerdings beim schönen großen Traumhausmodell: Ihm fehlt schlicht eine Wand. Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Rettungsgrabungen

Wohne neuerdings quasi im Neubau. Von einem Tag auf den nächsten, ohne zu zügeln, freilich. Im Haus aus dem sechzehnten Jahrhundert. Was ist das schon gegen die Seeufersiedlung aus der Steinzeit, Bronzezeit, auch? Ein Neubau. Nicht einmal fünfhundert Jahre alt. Die Seeufersiedlung ist fünftausend Jahre alt. Freilich liegt die nicht so schön, im Untergeschoss. Vierten vermutlich.

Am Ort der Seeufersiedlung entsteht ein echter Neubau, freilich an guter Lage. Mit Seeblick, aus dem Aufzug jedenfalls. Wenn das Auto parkiert ist, im Untergeschoss, vierten, möglicherweise. Wo lustige Bauarbeiter nun Überreste einer Seeufersiedlung fanden. Fanden, sie könnten mal Archäologen anrufen, bevor sie weiter lustig Parkplätze ausschalen. Freilich eine einfache Arbeit, ist der Theaterplatz doch nur aufgeschüttet, war einmal eine Seebucht, Weiterlesen

Ausnüchterungsstelle

Sechshundert Zürcher torkeln nachts durch Zürich. Pro Jahr, versteht sich. Ab morgen haben sie ein neues Zuhause im schönen Kreis eins. Zwar nicht mit Limmatblick, aber nur wenige Meter zum Fluss. Im historischen Gebäude, selbstredend, mit Portier, Sicherheitsdienst selbstredend auch. Schlimmstenfalls auch mit ärztlicher Betreuung. Auch dieser schlimmste Fall kostet nicht einmal mehr, Miete. Die Miete ist freilich hoch, im schönen Zürcher Kreis eins. Stundenmiete, in dem Fall, Stundenhotel, quasi. In dem auch minderjährige Zürcher bedient werden. Skandalös, quasi. Allerdings werden ja aber die Erziehungsberechtigten von dem Besuch, Bedienung, unterrichtet. Holen die Minderjährigen dann fix ab, sonst wird’s noch teurer. Drei Stunden kosten sechshundert Franken, genannt Kurzzeit-Pauschale. Mehr als drei neunhundertfünfzig. Flatrate, quasi. Die Betreiber des Etablissements rechnen trotzdem nicht mit dem großen Reibach. Weiterlesen

Wahlwerbung

Zürich wählt. Die größte Stadt der Schweiz, rotgrün regiert. Kandidaten und Parteien fluteten bis Freitag die Briefkästen mit Wahlwerbung. Auch Briefkästen, an denen Hochdeutsche Namen stehen. Manchmal auch die falschen, daran sind aber nicht die Kandidaten, Parteien schuld. Freilich.

Schon schuld sind die Kandidaten, Parteien an dem, was in den Wahlwerbeprospekten steht. Können nicht immer nur die Werbetexter schuld sein. Freilich schreiben die auch viel Schund, Kandidaten, Parteien aber auch. Las freilich alles. Las von der Sozialdemokratischen Partei, kurz SP: „Dabei wurden innovative Ansätze verfolgt wie die Zusammenlegung zu einer gemeinsamen Schuleinheit mit dem Schulhaus Hirschengraben und die Neuaufteilung des Einzugsgebietes über drei Schulkreise hinweg.“ Bin freilich schwer beeindruckt, unglaublich innovativ. Die Grünen schreiben sich ähnlich Innovatives ins Regierungsprogramm: „Sicherer und komfortabler Veloverkehr, autofreies Wohnen und weniger Parkplätze!“ Ausrufezeichen. Stellt sich für mich die Frage nicht, welche Kandidaten, Partei ich wählen würde: Für ein Auto ist nun wirklich kein Platz auf dreiunddreißig Quadratmetern. Einparkieren müsste ich überdies wohl mit einem Kran, denn einen Fahrstuhl haben wir nicht. Rückwärts vermutlich ja auch. Zurück nehmen die Liberalen hoffentlich die sechs, in Worten: sechs, Wahlwerbeprospekte. Eine Kandidatin sieht sich durch die Hobbys „Kantorei Enge, Militär-Sanitätsverein Zürich, Nothilfekurse, Sanitätsdienste“ für den Gemeinderat bestens qualifiziert. Weiterlesen

Revanche (3)

Revanche3Nahm noch einmal Revanche, nach der missglückten Revanche (2). War je keine richtige Revanche, diesmal schon. Mehr als die Ladefläche des Umzugswagens bedeckt, mehr als acht Arme trugen Kisten, den Schrank, das Sofa, Benno freilich, den nicht benutzen Staubsauger drei Stockwerke treppab. Füllten die Ladefläche, den Stauraum bis unters Dach, zwölf Arme trugen keine Kiste, keinen Schrank, kein Sofa, keinen Benno freilich, keinen nicht benutzten Staubsauger vier Stockwerke treppauf. Der Aufzug trug. Der fuhr nur, wenn jemand mitfuhr. Egoistischer Aufzug, quasi, fährt nicht allein. Dabei fährt er ja auch ohne jemand nicht allein, Kisten wären mitgefahren, ein Schrank, ein Sofa, Benno freilich, ein nicht benutzter Staubsauger. Schlechte Gesellschaft verglichen mit der Zügelitruppe.
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Leerwohnungszählung

Lustige Leute gingen in der ganzen Schweiz herum, zählten Wohnungen. Leere, daher hat die Leerwohnungszählung vermutlich ihren Namen. Zählten auch bewohnte Wohnungen, illegal, vermutlich. Denn bewohnte Wohnungen zählen ja gar nicht. Bei der Leerwohnungszählung. Quasi.

LeerwohnungszaehlungFreilich hätten die Neuenburger Statistiker nicht die Leerwohnungsziffer errechnen können, wenn die lustigen Leute bei der Leerwohnungszählung nicht die bewohnten Wohnungen gezählt hätten. Für die Leerwohnungsziffer müssen, auch wenn es um leere Wohnungen geht, auch die bewohnten Wohnungen gezählt werden. Damit die Leerwohnungsziffer den Anteil leerer Wohnungen am gesamten Schweizer Wohnungsbestand ausdrücken kann. Drückt sich recht klar aus: Weiterlesen

Messegast

Gibt Leute, die in den ersten Märzwochen Urlaub machen. Eine Märzwoche, andere fahren zu Freunden oder Verwandten, auch eine Märzwoche. Dritte räumen das Kinderzimmer, Schlafzimmer, WG-Zimmer, oder besitzen ein Gästezimmer. Die Leute fragen nach Butter, Margarine, Mohnbrötchen, Schwarzbrot, Marmelade, Honig, harten Eiern, weichen Eiern, Kaffee, Tee. Manchmal auch nach der Morgentoilette, immer nach dem Geld, dem Haustür- und Wohnungsschlüssel. Fragen den Frühstücker auch nach der Heimat, der Wohnung, dem Beruf, der Arbeit, manchmal nach Karten. Der Messegast hat immer Karten, in den letzten Jahren übrig, auch.
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