Ex-Krieg

Dreißigjähriger Krieg, dreißigjährige Kriegerin müsste es heißen. Heute Ex. Krieg. Trotzdem grusel. Wegen dem Krieg, nicht dem Menschen, will mal nett sein. Ausnahmsweise. Nur. Willkommen junger Ross. Bekam nur eine Carbon Copy – schöner: Kohlepapierdurchschlag –, dafür gilt die E-Mail-Regel nicht. Typisch: zu doof. Zehn Tage zu spät endlich Glückswünsche.

ex-kriegAm Abend wieder eine Station zu weit gefahren, mit dem Tram. Zum See, der bringt ja Glück, den Rossen auch. Ausflugsdampfer und Butterkutter liegen seit Wochen fest vertäut. Für die Weinmesse. Kein Schiff schlägt Wellen. Seit Wochen. Sanfte Wellen gingen im Schein der lichterkettenbehangenen Boote.

Zügelitruppe

Danke auch sehr, euch. Ihr Truppe. Fürs Zügeln. Auf Hochdeutsch Reisen, Räumen, Klettern, Blicken. Das erste Blog im neuen Heim. Wohnlich dank euch. Warm, sogar sehr. Die Kehle wurde mir schwer bei der Abfahrt. Des Transporters, der alles aus München brachte, zwei Freunde auch, und mich. Wir sind beruhigt, dich in guter Gesellschaft zu wissen. Sagten sie. Ich auch.

Am Samstagmorgen war ich Statist. Schlechtes Gewissen, schlecht vorbereitet. Legte nicht einmal den Bleistift aus der Hand bis der Transporter voll war. Striche, Zahlen, Kartoninhalte. Schrieb ich in die Liste mit Übersiedlungsgut. Trotz Vollbremsung weit vor zwölf an der Grenze.
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Schnitzmesser

Drei Geschenke bekam ich mit auf den Weg. Nach Zürich. Keine Abschiedsgeschenke. Wiedersehensgeschenke. Hoffe ich mal, auch. Ein Lustiges Taschenbuch für den Fußballsommer, ein Fußballfeuerzeug und ein Schnitzmesser. Schweizer Messer gibt’s ja hier genug. Auch nicht jeder Schweizer hat ein Schweizer Messer. Ich brauche auch keins, habe schließlich ein Schnitzmesser. Danke dafür, auch.

Das liegt auf der Fensterbank, zwischen Mauern, dicken, warmen. Zusammen mit dem Lustigen Taschenbuch. Und dem Fußballfeuerzeug. Mit Schweizerkreuz. Marie Antoinette liegt auch dort, sie begleitete mich. Auf der Suche, der erfolgreichen. Im einzigen nicht ölgedämpften Küchenschrank steht Zimt. Das mag ich ja, eigentlich, tatsächlich auch.

Vorsicht beim Toilettendeckel, hörte ich. Schließt automatisch, ölgedämpft, auch. Nicht zuknallen. Waschbecken mit Handtuchhalter, ein Handtuchwärmer in der Dusche. Dort fehlt die Seifenschale, noch. Entschuldigung. Die wäre längst da, hätte ich sie kaufen dürfen. Jetzt übernachten das Lustige Taschenbuch, das Fußballfeuerzeug, das Schnitzmesser, Marie Antoinette und Zimt ohne sie. Und mich. Bald nicht mehr. Auch.

Flughafen

Steril seid ihr, kühl. Kein Willkommen. Aber Großzügig eingerichtet, mit Polstergruppen, Einzelplätzen. Niemand sitzt gern neben Fremden. Liegt unbequem auf zwei Ritzen zwischen Sitzen. Weitläufig seid ihr. Weit laufen hauptsächlich, das muss man in euch. Auf Marmorböden, maschinell gefeudelt. Auf Laufbändern mit Ansage am Ende, Stolperfallen für Gespräche. Unvermittelt in den Arm fallen. Auf Laufbänder fürs Gepäck, hinter Theken mit hübschen jungen Damen. Sie wiegen, kontrollieren, blicken, fragen. Haben Sie den Koffer selbst gepackt? Hat Sie jemand gebeten, etwas mitzunehmen? Müssen sie. Zweihundert am Tag. Drücken dann den Knopf für die Reise. Des Koffers. Warten auf Vorfeldern, großen, die dürfen nicht betreten werden. Ausnahmsweise vom Bus zur Treppe. Treppauf husch, husch. Hinein in die Röhre.

Anspruchsvoll seid ihr auch, verlangt Lebensstunden. Zwei. Kostet Zeit. Teure, unbezahlbar. Mit Gold nicht aufzuwiegen, auch mit Blei nicht. Auch wenn’s schwerer ist. Bleierne Trägheit. Immer das gleiche. Die Reise zu euch dauert nochmal Stunden. Von euch weg auch, vorbei an wartenden Taxis, Schlangen, mit wartenden Fahrern. Unangenehm. Weil ihr so viel Platz braucht. Warten, meist unnütz. Auch Menschen warten in euch, manchmal sehnsüchtig auf Menschen. Nette auch. Mit Schildern. Auch nett. Für Menschen habt ihr Rüssel. Auf Rädern.

Vertrag

Klimaanlagen sind heimtückisch. Lohnt es sich vielleicht sogar, die Jacke anzuziehen? Vor dem Bürohaus laufe ich gegen eine Wand. Eine warme. Die stand da, Luft. Keine Jacke. Marie Antoinette kam allein aus der Tasche. Zwei Rapperinnen wollten ihr die Show stehlen, sie blühte auf und die Mädels stiegen aus. Nur einen Blick für die Limmat, die anderen gehören den Buchstaben. Schon wieder Hubertus.

20 Minuten 20 Minuten. Pflichtlektüre, wenigstens einmal am Tag ein paar Wörter aus der Welt. Einen Monat ohne Fernsehen. Der zieht nicht mit, nach Zürich.

Buchstaben am Morgen, formell, der Betreff Willkommen und in Klammern der Einschub Sie dürfen auch nachfragen. Schmunzeln. Formular, Standard, der Vertrag. Unterschrieben, jetzt darf ich. Eben lag er noch unauffällig auf dem Schreibtisch, geschickt mit Priorität.

In Riemenböden spiegelt sich die Sonne. Krepppapier versperrt den Weg. Keinen Schritt, die dürfen glänzen. Holzfolienkleber sind Verbrecher. Hinter blauer Kunststofffolie weiße Küchenfronten, die Sicherheitsstange, damit der Herr Schroeder nicht in die Abfallgasse fällt. Kino auf der Wand gegenüber, Sessel in Küche und Dusche, Halsstarre auf der Designerkeramik. Die fehlt noch. Genau wie die Seifenschale, die ich nicht kaufen durfte. Die hätt‘ ich längst. Montiert auf unsymmetrischen Fliesen. Vermutlich brauche ich keine Klimaanlage, ich habe Wände, dicke, warme.

Langeweile

Trambahnfensterscheiben halten müde Arme. Darauf stützen sich Köpfe. In ihnen Augen, Blicke leer. Dabei gäb’s viel zu sehen an der Strecke. Stattdessen Langeweile. Am Hauptbahnhof fährt Tram 3 ein, noch warte ich auf sie. In jedem Fenster das gleiche Bild. Die Rahmen laden zum Abstützen ein. Breites Gummi, willkommen nach dem langen Tag. Auf mancher Tram 3 jubeln Fußballfans, die Arme und Köpfe strecken sich ins Fensterglas. Zürcher Müdigkeit hinter Geheimfavoriten. Oder Deutschen, auch.
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Siemens

Mein Handy klingelt nie. Vibrieren statt Star Wars reicht, so wichtig bin ich nicht. Die Aufgabe Wecker verschob ich um einen Tag. Dann geht’s nach München, kurz nach dem Start. Nicht im Einzelzimmer. Mag hören, wie die Kollegen ticken. Zu viele Fragen für den Gang übern Flur.

Fahren bis zur Endstation, von Siemens aus. Ideal und praktisch, Tram 3. Jeden Tag eine Gratiszeitung Probe lesen. In 20 Minuten, sicher hält die Gleichnamige nicht, was sie verspricht. Kaffee im Magen und ein etwas flaues Gefühl. Das verschwindet am Klusplatz, auch.

Gast

Erstmals kein blau. Blau ist ja tatsächlich schön auch, wenn’s nur nicht so heiß wäre. Die Schweizer witzelten nach dem Spiel: Petrus ist Deutscher, er weint mit euch. Auf dem Münsterplatz saßen alle. Wenn überhaupt, dann fassungslos. Keiner traurig. Zwei standen, vor mir. Genau. Ihre Köpfe rahmten das Fernsehbild ein. Ich stand wie ein Auswärtsfan. Im Trikot gleich zu erkennen. Zu schüchtern um zu fragen, ob sie sich bitte hinsetzen würden. Wie alle anderen auf dem Münsterplatz.

Der Regen brachte Kühle mit. Aber Zürichs Mauern sind so nett, Wärme zu spenden. Dicke Mauern. Grau, aber warm. Wie die Stadt. Ein dauernd lachender Beamter im Kreisbüro, großzügige Bankiers, chattende Versicherungsberater. Willkommen, Gast, die Türen sind auf. Sie führen auch durch dicke Mauern. Warme.
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Tram 25

Blau weiß karierte Wimpel flattern im Fahrtwind, wenn Gäste in der Stadt sind. Zur Wies’n oder während des Fußballsommers. Wind geht hier fast nie, während des Fußballsommers lief ich lieber – glücklich umschlungen vom neuen Deutschlandgefühl. Die Wimpel flatterten, die blauweißen und die schwarzrotgoldenen. Damals weder die einen noch die anderen, obwohl München Gäste hatte, aber keine Wies’n oder WM.

Zwei Gäste waren da. Keiner hat’s gemerkt, kein Auflauf, keine neidischen Blicke, kein Wimpel. In der Neuhauser Straße hätten es jedem auffallen müssen. Weiterlesen

Gefängnis

Belanglose Dudelmusik dröhnt aus Lautsprechern hinter Kunststoff. Das Fernsehprogramm ist für jeden ein anderes, begrüßt es ihn doch mit Namen. Der Stuhl schräg am Schreibtisch lädt zum Sitzen ein, der Block mit Stift darauf zum Schreiben. Alles heißt: Willkommen!

Der erste Tastendruck ist rot. Stille. Endlich. Der Stuhl trägt statt der Schultern das Gepäck, die sind müde von der Reise. Im Flieger, der Bahn, im Auto, überall sitzen, nicht schon wieder. Zeit zum Schreiben war unterwegs genug. Die Taschen leeren, die Reise ist vorbei. Ticket, Portemonnaie, Haustürschlüssel, Feuer, Zigaretten und Zimmerkarte verdrängen Block plus Stift vom Schreibtisch. Angekommen. Zwei Betten, Klimaanlage, Wandschrank, schnell weg hier, es drückt. Wasser in Gesicht und Händen spült die Anstrengung weg. Wenn die Hemden auf der Stange hängen und die Tür ins Schloss fällt, bin ich frei. Entkommen aus dem Gefängnis Hotelzimmer.