Whisky (1)

Die Nordamerikaner brauchen noch ein e. Iren auch, Schotten nicht. Füllen ja aber auch den besseren Whisky ab. Wobei das impliziert, dass nordamerikanischer Whiskey gut ist. Grusel. Trank noch keinen guten. Trank aber auch noch keinen japanischen, soll ja gut sein, las ich. Wie wohl neue Baumwoll-T-Shirts, Leinenhandtücher, Ananas auf poliertem Holz schmecken? Wie Waldboden, Muscheln mit Tabasco, französisches Toastbrot mit schwarzem Tee? Wie der weltbeste Single Malt Whisky. Selbstredend. Eine Kategorie mit beeindruckenden zweiundvierzig Unterkategorien – auf keinen Fall festlegen auf einen Whisky, könnte einer zu kurz kommen. Einer kam. Freilich vollkommen skandalös, dass mein Lieblingswhisky nicht prämiert wurde. Ausrufezeichen. Weiterlesen

Züri-Wies’n

Zueri-Wiesn1Ein Bon blieb übrig. Freilich für ein alkoholfreies Getränk auf der Züri-Wies’n. Trank kein alkoholfreies Getränk, Bier ja auch fast nicht. Aus gruseligen, frisch gespülten Maßgläsern. Die auch so rochen. Stanken, vielmehr. Viel mehr. Sind offenbar rar auf der Züri-Wies’n, trotz Münchner Servierdamen. Servierdüsen auf Schweizerdeutsch. Sind vermutlich geschafft von Schweizern in München. Deutschen vermutlich hauptsächlich. Servieren trotzdem einen halbe Monat lang im Festzelt in der Zürcher Hauptbahnhofshalle. Aber eben nicht mit Münchner Tempo. Das legen Zürcher Züri-Wies’n-Besucher beim Trinken aber wohl vor, wenn sie sich an die Maßgläser gewöhnt haben. Volle, freilich, vermutlich auch ein Grund dafür, dass Servierdüsen den Bestellungen hinterher hetzen. Sind vermutlich doch schnell genug, die Maßgläser aber ja in München rascher gefüllt als in Zürich. Oder auch Weiterlesen

Festwiese

Festwiese1Der Himmel hatte sich schick gemacht. Im blauen Kleid mit dezenten weißen Tupfern und einem gelben Punkt. Für die Million Münchner, Millionen Gäste Münchens ja auch. Die hatten sich freilich auch schick gemacht. Weiße Rüschen blaue Karos. Blauweiß gestreifter Hemdkragen. Für den Besuch auf der Festwiese. Die Millionen strömten aus allen Himmelsrichtungen. Blauen. Aus Hotelzimmern ja auch, die sind auch immer ganz gruselig. Acht Euro für den Blog, dreißig für dreißig. Oder auch null für null. Das neu eröffnete Hotel wirbt zurzeit mit günstigen Zimmerpreisen. Fünfundsechzig, nicht hundertfünfundfünfzig. Während der Wies’n.
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Oktoberfest

Hölle, Hölle, Hölle. Ein Stern, der deinen Namen trägt. Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit. Jeden Abend bis elf. Schallt es durch die Gasse, weite Weite. Durchs Telefon bis nach München. Oktoberfest bis zum zweiten Novemberwochenende. In Zürich, einen Monat, länger als in München. Kleiner, freilich auch. Aber mit Personal von der Wies’n. Zelte mit blauweißkarierter Plane. Zwei, genau genommen. Im Bahnhof und auf dem Bauschänzli.

Touristenfalle ist übrigens die Internetseite: Nur wer den Mast legt, schießt vor dem Bauschänzli in den Wind. Aufschießen zum Anlegen. Die Quaibrücke lässt nur Boote ohne Mast auf die Limmat. Oder mit gelegtem Mast. Blödsinnige Animation, Mast legen war wohl zu aufwändig? Jedoch neidische Blicke der Münchner Oktoberfestbesucher: Mit dem Boot vors Bierzelt.

Voll sind die wie die großen. Auf der Wies’n. Reserviert auch. Von Montag bis Donnerstag sind bis halb fünf noch Plätze frei, Freitag bis Sonntag bis um drei. Sagt der Türsteher, freundlich. Wurden am Freitag unfreundlich abgewiesen. Bier stattdessen unterm Neorenaissancedachfenster. Dort endete auch einer, der durchkam. Mit Presseausweis vom Blick. Schweizerdeutsch für Bildzeitung. Feldschlösschen ist Schweizerdeutsch für Wies’n-Bier. Ganz gruselig. Neid auf München, in dem Fall. Etwas auch auf die Anwohner, tatsächlich. Gehen nicht mehr dreimal durch die Hölle.

Schäkel

Den Gittern fehlen Ösen, in beiden Fenstern. Für Fensterläden, grüne. Sie dämpfen etwas den Lärm der Fußgängerzone, nächtliche Schreie Betrunkener. Zürichs Puls geht laut. Die Profimusiker auf dem Bauschänzli lassen keinen Wies’n-Hit aus. Hölle, Hölle, Hölle. Auch nachbarschaftliche Blicke erblinden in Fensterläden. Nette Nachbarn, freundlich grüßend. Aus dem Fenster über den Köpfen der besichtigenden Touristen. „Dies ist die Altstadt.“

Kaufte vor Jahren einen Schäkel und einen Karabiner im hohen Norden. Ohne Grund, nur Andenken quasi. An Segeltörns auf der Schlei, mit gutmütigen Padua-Jollen. Großsegel und Fock sind mit Schäkeln und Karabinern befestigt. Beste und wohl auch teuerste Adresse für Segelequipment: Carl Julius, die gibt’s nicht einmal im Internet. Aber dort gibt’s Schäkel.

Der Schäkel schließt jetzt Fensterläden zu. Der Karabiner passt nicht durch die Gitter, der Schäkel ist da flexibler: Bolzen herausgeschraubt, Bügel durch die Gitterstäbe geschoben, Bolzen wieder festgeschraubt. Das klappt nicht, Karabiner. Respekt, Schäkel.

Rampenverkauf

Keiner verkauft dort Rampen. Bier von der Rampe, Zürcher. Das war Schweizerdeutsch. Für einen Einwohner oder Waren aus Zürich. Vier Waren: Club, Goldsprint, Rekord und Start. Münchner angeblich im Herbst. Zum Oktoberfest. Schrieb ich vor acht Jahren auf die Seite, sagte der Verkäufer. Stattdessen gibt’s Club, mit Apfel. Gruselig, wie alle Schweizer Biere. Immerhin Zürcher. Selbstgeißelung für den Lokalpatriotismus, quasi. So schlimm ist’s auch nicht, Rekord und Sprint sind o.k. Im Vergleich ist das Bier aus der einzigen Brauerei in Münchner Besitz eine Gaumenfreude. Das hasse ich ja, auch.

Kein Pfand, wirft der Automat den Flaschen vor. Das Bier gab’s nicht in der Regerstraße, nur am Rosenheimer Platz. Aus der zweiten Heimat. Die Jenaer Brauerei war vier Jahre geschlossen, als das Zürcher Brauhaus eröffnete, in 1997. Gruselig, in Jena. Fast ganz Ostdeutschland feierte Jan Ullrichs Tourgewinn, trauerte um Lady Di. Fast ganz. Die Wernesgrüner aber. Brauten leckeres Bier. Heute noch, auch.

Mit dem Kasten durch halb Zürich, vor Monatsfrist noch jeden Tag. Die Flaschen akzeptiert kein Automat. Besonderer Schluck für die Gäste. Und den geschafften Redaktor. Am Abend, das Tagwerk Revue passieren lassen. Stunden rasen vorbei. Hat die Natur gut eingerichtet: Gefällt es dem Menschen, nimmt er keine Notiz davon, wie die Zeit vergeht. Danke für die Minuten zum Lesen beim Bierholen, auch.

Melancholie

Straßen voller Trachtträger, Reklametafeln voller Bierwerbung, Bahnhöfe voller Oktoberfest-Wegweiser. Landtagswahlplakate noch dazu, der historische Absturz droht. 50 minus x, schlechter als 1966. Oh mein Gott. Am zweiten Wies’n-Wochenende, Italiener-Wochenende, auch. Grusel.

Spazieren auf bekannten Wegen, durch die Schwanthaler Höhe, Schwabing, Sendling, Thalkirchen. Wege ins Geschäft, zu Freunden. Hundertmal gegangen, keines Blickes wert. Sind sie schon, die Wege. Manches Blickes. Bahnen mir den Weg. Am Rande stehen Menschen, Häuser, Sträucher, Blumen, Halme. Dekorieren den Weg. Dumpfe Stille übertönt Kreischen von Waggonrädern, Heulen von Martinshörnern, Passanten, die nach dem Weg fragen. Kenne jeden Weg, nach acht Jahren. Münchner gelten als auskunftsfreudige Wegweiser. Freudig ist mir nicht zumute, auf den Wegen. Grüble. Ihr befreundeten Ziele fehlt mir in Zürich. Schwere Kehle, Nässe in den Augen. Nicht nur von Sätzen, anschmiegsamen. Aber auch. Lese sie, auf sonst langen Wegen. Nun sind sie kurz. Das Wies’n-Gelärme dringt nicht ans Ohr, Gedanken schreien lauter. An euch versteckte Menschen. Auf diesem Blog.

Wasser (2)

Mein Bruder schlug vor, ich sollte Geschenkideenausdenker werden. Wie diese: Wasser. Aus dem See, dem netten. Zutraulich, auch. Möchte ihn verschenken, wenigstens ein paar Milliliter. Die von dem bringen Glück. Haben sie schon, tatsächlich. Nicht nur tatsächlich, auch.

In der sehenswerten Odeon Apotheke gibt’s nur hässliche braune Flaschen. Und kein Etikett, fürs Seewasser. Hab‘ gefragt. Wollten ihren Namen nicht beschmutzen. Mit Seewasser? Trinkwasserqualität. Schröder ist doof, dachten sie vermutlich. Geschenkideenausdenker.

In der Bellevue-Apotheke gibt’s immerhin schicke Flaschen. Wenn auch nur im Lager, im zweiten Stock. Die Apothekerin hasst den Schröder. Hat sie zum Frühsport gezwungen. Zwei Mal treppauf, treppab. Um sieben. Morgens, freilich. Für drei Franken. Zwei wasserdichte Flaschen, bitte. Für Seewasser. Nach dem Etikett traute ich mich nicht mehr zu fragen. Für Seewasser?

Am See war Mirko längst besiegt, in der Schachnovelle. Las fröstelnd in kalter Seeluft, von Windungen des Dr. B. Schmiegsame Sätze wärmen am nebligen Morgen. Mirko gewann, das Buch war aus. Der See kalt. Flasche auf der Steintreppe. Kaum liegt sie dort, gehen Wellen. Schuhe unter Wasser, Seewasser in der Flasche. Auf dem Etikett steht: See, nett.

PS: Bin gemein, heute. Zu Euch, Ihr treuen Leser. Vom Wasser weiß ich schon seit Dienstag. Heute verschenke ich’s. Soll freilich eine Überraschung sein. Das Wasser. Deshalb musstet Ihr warten. Verzeihung, bitte. Redaktor auf der Wies’n. Im schönen München, auch.

Silo

Volksfest im Untergrund, hätte das auch sein können. Lustige Rutschen, Schaukeln, Wippen, Laufbänder für die Züri-Säcke. In der Altstadt. Unter der Altstadt vielmehr. Kein Spaßfaktor für Züri-Säcke. Auf Wendelrutschen in den Untergrund, über Wippen, Schaukeln und Fließbänder in die Deponie. Stattdessen nur freier Fall wie auf der Wies’n. Ein schlichtes Silo, Schweizerdeutsch Unterflurcontainer. Verbirgt sich unter Einwurfstutzen. Für Züri-Säcke. Schweizerdeutsch für Abfallsack. Züri-Deutsch vielmehr.

Tram 25

Blau weiß karierte Wimpel flattern im Fahrtwind, wenn Gäste in der Stadt sind. Zur Wies’n oder während des Fußballsommers. Wind geht hier fast nie, während des Fußballsommers lief ich lieber – glücklich umschlungen vom neuen Deutschlandgefühl. Die Wimpel flatterten, die blauweißen und die schwarzrotgoldenen. Damals weder die einen noch die anderen, obwohl München Gäste hatte, aber keine Wies’n oder WM.

Zwei Gäste waren da. Keiner hat’s gemerkt, kein Auflauf, keine neidischen Blicke, kein Wimpel. In der Neuhauser Straße hätten es jedem auffallen müssen. Weiterlesen