Zwiebelhand

zwiebelhand1Gibt in Deutschland lustige Waagen, die erkennen Obst und Gemüse. Handys nicht, Hände auch nicht. Auf der CeBIT stand so eine Waage, außerhalb des Hauses der Zukunft, dem schicken Fraunhofer-Stand. Die Waagen sind kein Forschungsprojekt mehr, hörte ich. Sie stehen in Lebensmittelabteilungen. Dort ist meine Hand auch eine Zwiebelhand.

Auf der CeBIT auch, gibt ja auch Menschen mit Möhrenhänden. Tatsächlich. Hörte, dass das Erkennen von Gemüse und Obst unglaublich schwierig sei. Von den Forschern. Weiterlesen

Zitat (14)

Und die Gewalt einer Liebe wird immer falsch bemessen, wenn man sie nur nach ihrem Anlaß wertet und nicht nach der Spannung, die ihr vorausgeht, jenem hohlen, dunkeln Raum von Enttäuschungen und Einsamkeit, die vor allen großen Ereignissen des Herzens liegt.

Schreibt freilich Stefan Zweig. Auf Seite 21. Wer sonst, wo sonst? In „Brennendes Geheimnis“. Blickte freilich auf, von Seite 21, die die Sonne beschien. Wieder einmal an der Tramstation Lochergut. Wie es dort wohl aussieht? Zu meinem Glück gibt es Sonnenbrillen, getönte. Schützen die Augen, das Auge auch. Verbergen Blicke. Muss mir angewöhnen, den Kopf nicht zu drehen beim Blicken. Verbergen die Augen vor Blicken anderer. Müssen nicht alle die Augen sehen. Beide. Genügt schon, wenn ich den Wäscheständer nicht sehen kann, tatsächlich. Immerhin hören, den Wäscheständermitbesitzer. Christbaumständermitbesitzer auch. Hörte, wie der See Wellen wuchtig gegen das Ufer warf. Kein sanftes Plätschern. Spannung im See. Vor den großen Ereignissen des Herzens. Den.

wolkig

wolkigAm Zürihorn. Noch kein Frühling in Sicht, in der Luft. Tropfen in der Luft, füllen den See, das Niedrigwasser etwas auf. Etwas. Verdunstet rasch, wenn Sonne strahlt auf Seebesucher. Am Wochenende lockt das Seeufer Leser an. Entschied mich gegen die Zürich-Affäre, gönne dem Auge die Worte des netten Herrn Zweig. Was schreibe ich, Wortgemälde sind auch eine Beleidung. Verzeihen Sie, deren 67. Todestag ich zuletzt betrauern musste, bitte. Hörte erst vor einem Jahr Schwärmerei, tatsächlich. Damals noch nicht tatsächlich. Aber über den netten Herrn Zweig. Heute fragte ein Raucher mich nach der „Schachnovelle“. Weiterlesen

Abkühlung (1)

Die wäre schon am Gepäckband in Hamburg dringend notwendig gewesen. Unbedingt auch. Bugsierte den 20-Kilo-Koffer nur mit Ach und Krach vom Laufband. Einhändig, brauchte die andere Hand zum Drücken. Nur Daumen und Zeigefinger, genau genommen. Zum Daumendrücken. Bringt Glück, hörte ich. Der See ja auch. Er war so nett, sich mit dem Daumen beim Glückbringen abzuwechseln. Vor der Schifffahrt, tatsächlich. Nach dem Besuch des Lighthouse, der ja viel schöner im Deutschen heißt: Leuchtturm. Im Spanischen auch: Faro.
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Wasseralarmsirenen

wasseralarmsirenenAngst am Schreibtisch. Sollte mich darunter verkriechen. An der Trambahnwendeschleife quietscht schon einmal ein Tram. Im Fünfminutentakt quasi, wenn die alten Wagen der Linien 8 und 15 einfahren. Wenden. Das Quietschen nahm heute kein Ende. Das ist der alljährliche Sirenentest, wusste das Bayernmitglied. Sagte das auf Berndeutsch, freilich. Wusste nicht, dass der Kanton Bern nicht in das landesweite Sirenenfernsteuerungsnetz eingebunden ist. Angst im Kanton Bern, auch.
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Honignehmer

honignehmerGehört freilich zum Standardrepertoire des Geschenkideenausdenkers. Für schwierige Fälle, gibt ja Menschen, die schon wirklich alles haben. So richtig alles, also auch schon den roten Karmann Ghia, das braune Quietscheentchen, das Arzt-Deutsch-Wörterbuch, das Leuchtfeuer, das Wasser aus dem netten See, das Moritz-Bier, die Schlauchbrille, das Do-it-yourself-Hot-Dog-Set mit Küstennebel, den 78-er-Portwein, das Mikrofaserputztuch, den Spritzenrotstift, den Tablet-PC. Wunschlos, quasi. Weiterlesen

Dias

Schätze in Anführungsstrichen. Schätze sind ja oft auf Dias zu sehen. Die waren vergraben, die Schätze. In Anführungsstrichen. Habe das Glück, bald 500 Dias als Digitalbilder zu besitzen. Aus den Jahren 1971 bis 1984. Gibt nur ein gutes Foto von mir, bisher. Entdeckte ich vor Jahresfrist, tatsächlich. Geknipst in Schleswig, im Sommer 1978. Die Augen waren noch braun, das T-Shirt grün. Heute ist’s manchmal umgekehrt.
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S-Bahnhopping

s-bahnhoppingDas geht freilich in Zürich gar nicht. Denn hier gibt’s keine Laserkette. Die annonciert, in der S-Bahn. Wie in München, den Augenlaser. Angst, noch immer, etwas. Die annoncieren noch immer, in München. Heute in U-Bahn-Schächten, an Rolltreppenwänden, in S-Bahnwagons. Wie vor einem Jahr. Abends um kurz vor zehn stieg ich in die Tram 25. Die Tram wohlgemerkt. Hochdeutsch in München. Am Rosenheimer Platz begann das S-Bahnhopping. Weiterlesen

Schuhschrank

schuhschrankKaum ein Boden ist eben, kaum eine Decke gerade. Im schönen kleinen Heim. Die Besuchergalerie hängt im Wasser. Die Besucher gucken trotzdem schräg, weil niemand eine schiefe Decke vermutet. Gucken einander an, die Besucher. Zwei starren ins Leere, tatsächlich irgendwie. Frau Werkstattmeisterin blickt herab. In der Galerie. Jeder Besucher ist dort schon ausgestellt. In der Galerie. Im Spiegel. Für den fehlt der Platz in der Garderobe. Bald steht dort immerhin ein Schuhschrank. Endlich nicht mehr aus dem Möbelhaus mit dem Elch, Studienzeiten sind endlich Vergangenheit. In Aachen kaufte ich die ersten Regale, sie füllten in München das Wohnzimmer. Heute steht darauf der Butterkutter. Oder es liegt der Plan darauf. Des Butterkutters. Bin stolzer Besitzer der ersten Kopie, leider nicht handsigniert. Noch hängt er nicht, der Plan, über Riemenböden unter schrägen Decken.
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Brei

Was ist mit dem Krokodil? Fragte die Künstlerin, als ich vom werbefreien Blog sprach. Werbefrei ist er ja gar nicht, schreibe immerhin über die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Damit ist freilich gar nicht das krisengeschüttelte Geldinstitut gemeint. Nur die dänische Modemarke, die in den vergangenen Jahren das gleiche Logo nutzte. Auf meinen Jacken, Strickwaren, Hemden, Polos, Socken. Hier im Norden kennt die jeder, die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Halten auch ewig. Mittlerweile ist das Logo wieder rot und grün. Die Klamotten wieder dunkelblau, maritim. Aber die Kunden wollten keine Reklame laufen, für die Deutsche Bank. Die Filialen in Koblenz, München, Nürnberg, Schleswig geschlossen. In Kappeln gibt’s noch eine, dort verkaufen sie beige Polos. „Soll es unbedingt die Deutsche Bank sein?“, fragte die Verkäuferin. „Nicht soll, muss.“ In Zürich gibt’s die gar nicht.

breiIn Zürich freilich verkauft wird Jenaer Glas. Zu meinem Glück. Ja, Frau Künstlerin, schon wieder Werbung. Dafür gern, sehr sogar. Das patentierte für den Herd. Ist wie die Deutsche Bank: Heute auch nicht mehr das, was es einmal war. Geblieben ist die Wagenfeld-Serie. Auch wenn der Geschenkideenausdenker sie tatsächlich nicht bewerben konnte. Längst nicht mehr produziert wird die kleine Schüssel aus Jenaer Glas. Daraus aß ich Brei.

Christbaumständer

Jedes Jahr das gleiche Drama? Nein, heuer erstmals. Ein schöner Christbaumständer in der guten Stube. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik. Hui. Ein Niederbayer hat ein Patent darauf, er verspricht: Christbäume stehen immer gerade, egal, wie schief sie gewachsen sind. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik sind Bäume im Wasser, würde der Restaurator sagen. In München sah ein Auge einen kleinen, schönen Christbaum. Der stand schief. Im Wasser. Trotz patentierter Rundum-Ein-Seil-Technik. Glanz in fünf Augen im Antlitz des Baums, kleinen, großartigen, irgendwie tatsächlich, auch.

christbaumstaenderJedes Jahr das gleiche Drama? Ja. Nach guter, alter Sitte. Christbaum mit drei Schrauben befestigt. Im Christbaumständer. Befestigt vom Christbaumverkäufer am Vormittag des Heiligen Abends. Auf dem Schleswiger Wochenmarkt. Der große Baum für die ganze Familie. Die Kinder wünschen sich seit Jahren einen kleinen Baum, im Topf, auspflanzbar im neuen Jahr. Gekauft wird ein großer, gefällter, die Christbaumständermontage gibt’s gratis dazu. Auch heuer wieder. Freilich schief, Rundum-Ein-Seil-Technik fehlt, Wasser auch. Christbaumständer mit dem Marktführer Nordmanntanne kippen erst bei mehr als fünf Grad. Lese ich. Bäume von dänischen Plantagen, auch. Viel Lesestoff unter dem Baum. Lesen gefährdet die Dummheit, warnt der nette S. Fischer Verlag. Verleger des heuer schönsten Geschenks für ein Auge. Fünf Augen glänzen im Antlitz des Baums. Großen, dramatischen, wie jedes Jahr.