Geburtstag (3)

Von: oderauch
An: stefan.zweig@stefanzweig.com.br
Gesendet: So 28.11.2010 21:21
Betreff: Herzliche Glückwünsche

Verehrter Herr Zweig,
herzliche Glückwünsche zu Ihrem hundertneunundzwanzigsten Geburtstag. Wie vermutlich Millionen Leser auf der ganzen Welt wünsche auch ich mir heute, Sie hätten uns noch mit vielen weiteren Werken beschenkt. So dürfen wir uns trotzdem glücklich schätzen, schon in der Schule die „Schachnovelle„, womöglich die historischen Miniaturen zu den „Sternstunden der Menschheit“ und die grandiose Novelle „Angst“ gelesen zu haben.

Sie war meine erste Bekanntschaft mit Ihnen, allerdings nicht in der Schule, sondern erst viele Jahre später. Viel zu viele. Ich bekam sie als Buchtipp geschenkt. Welch großes Geschenk dieser Tipp wurde, konnte ich damals noch nicht ermessen. Spätestens nach „Der Stern über dem Walde“ wusste ich es aber. Danke dafür tatsächlich.
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Zitat (35)

Dieser Prozeß der Kondensierung und damit Dramatisierung wiederholt sich dann noch einmal, zweimal und dreimal bei den gedruckten Fahnen; es wird schließlich eine Art lustvoller Jagd, noch einen Satz oder auch nur noch ein Wort zu finden, dessen Fehlen die Präzision nicht vermindern und gleichzeitig das Tempo steigern könnte. Innerhalb meiner Arbeit ist mir die des Weglassens eigentlich die vergnüglichste.

Die Jagd am Schreibtisch. Beethovens mächtigem Schreibtisch. Mächtige Jagden, vermutlich auch. Hunderte Seiten Beute quasi, bei „Marie Antionette“. Bei „Maria Stuart“ auch, leider nicht mehr an Beethovens Schreibtisch. An englischen Schreibtischen, gemieteten, Jagdrevier London, Bath. Dort jagte Stefan Zweig auch durch „Die Welt von Gestern„, in der er uns Lesern sein Pläsier offenbart. Ein ganz großes Vergnügen, die Jagd. Auch. Heute auch noch an Schreibtischen, im Jagdrevier Computer. Weiterlesen

Todestag (1)

Gibt’s leider mehrere davon. Zu viele schon, viel zu viele. Achtundsechzig Jahre gibt es diesen Tag schon. Ganz gruseliger Tag für die Menschen. Uns besonders, die wir gerne Bücher lesen. Hörte vor zwei Jahr tatsächlich Schwämerei, über einen Stefan. Kannte ich sonst gar nicht aus dem Mund, über einen Stefan. Stefan auch, freilich. Mark schwärmt heute auch von einem Stefan, tippte den Namen vermutlich schon hundertmal in Suchfelder ein. Fand selten etwas Erbauliches. Über diesen Tag jedenfalls. Heute ist der achtundsechzigste Todestag von Stefan Zweig.

Trug existentialistisches Schwarz, wie der Kollege bemerkte. Wusste nicht, warum, verriet es auch nicht. Er hätte es auch nicht nachschauen können, die Internetenzyklopädie weist auf den neunzigsten Weiterlesen

Büste (1/3)

Pfeifen trillerten, hatte kaum einen Fuß in den Park gesetzt. Garten, Verzeihung. Jardin de Luxembourg, ist schon eher ein Park denn ein Garten. Des Palais de Luxembourg, passierte es im Westen, wollte doch in den Osten. Reiste von Osten aus an, mit der Metro, der Station Avenue Émil Zola. Der Lausanner Buchtipp „Die Muscheln von Monsieur Chabre“ ist von Émil Zola. Danke dafür auch. Danke freilich auch für die Einladung. Des Redaktors. Nach Paris. Der wurde geflogen, chauffiert, gegleist, vom Kapitän, Autofahrer, Metroschaffner. Auf seiner Reise in den Jadin de Luxembourg. Dorthin reiste freilich gar nicht der Redaktor, der Leser vielmehr.

Mit einem Buch in der Tasche, für eine Lesung. Stille. Auf einer Parkbank, Verzeihung, Gartenbank. Oder auch einem metallenen Stuhl, die Büste schaut über die Schulter. Kennt freilich den Text, nur zu gut, schrieb ihn ja selbst. Würde vermutlich lächeln, über die Schulter des Lesers. Über den Buchtipp auch. Danke dafür auch, tatsächlich. Oder auch über den Leser, der bei Minusgraden im Park, Verzeihung, Garten, ein Taschenbuch liest. Dabei besitzt er doch die schöne Erstausgabe. Daheim, auf schönen Riemenböden. Hinter grünen Fensterläden auch. Aber Weiterlesen

Spur (1)

Viel zu früh stand er auf, auch auf dem Platz. Am Ufer des Sees, kaum zwanzig Schritte trennten ihn vom Wasser. Kalten. Auf Pfählen schrien Möwen, auf Persennings auch. Für die Zigarre war es noch zu früh, für den Spaziergang am See nie. In salzigem Wind schwangen sich Möwen in die Luft, segelten. Segelten als einzige, Holzboote fest vertäut. Der Weg zurück zum Café gesäumt von Seglern. Von Laub, Ahornblättern, wirbelte um die Schuhe. Kaum drei Dutzend Schritte bis zum ersten Kaffee, in Sichtweite des verkuppelten weißen Baus. Drüben war noch alles still, hier öffnete sich die verglaste Tür. Kaffeeduft wärmte die fröstelnde Nase, Hand die warme Tasse. Nach zwei Schlucken schmeckte auch die Zigarre. Gemütliche zwei Stunden bis zum Beginn der Probe im Zürcher Stadttheater.
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Uppsala

Glaube nicht an Zufälle, irgendwie tatsächlich. Las in der Zeitung von Uppsala. Dachte Uppsala. Es gibt keine Zufälle, Glück aber schon. Zum Glück. Tatsächlichirgendwie.

Der Dom in UppsalaIn Uppsala tagte die Synode der Schwedischen Kirche. Unternahm einmal einen Ausflug nach Schweden. Fuhr freilich nie nach Uppsala, Schweden. Fuhr aber auch nie nach Tirol. Bin reich, trotzdem schon beide Orte bereist zu haben. Ging barfuß über weiches grünes Moos, beschuht über hellbraune staubige Feldwege. Blickte zum immerblauen Himmel auf, die Sonne stach ins Auge. Sie lachte einerorts, andernorts höhnte sie unbarmherzig, auf mich hernieder. Auf Wege auch, die bitte nie enden. Schöne moosige, entlang des spiegelglatten Sees, in dem Schilf wächst, getränkt. Im See, in dem die Sonne ihr Lachen probierte, Weiterlesen

Amburana cearensis

Amburana cearensis1Ist ein Baum, der in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Peru wächst. Hauptsächlich freilich, vielleicht hat sich auch eins der seltenen Samen nach Chile oder Uruguay verflüchtigt. Illegaler Grenzüberflug, quasi. Dann wächst dort auch ein Baum, einer vielleicht, ist ja auch so schon selten genug. In Mittelamerika gibt’s ihn gar nicht, lese ich. In der Furniersammlung steht skandalöser Weise Mittel- und Südamerika. Spekulierte freilich auf geheime Anbaugebiete in Guatemala. Züchtungen auf Plantagen nahe dem schönen Wasser, eventuell. Verspekuliert, offenbar. Gibt ja schon in Südamerika nicht mehr genug. Von den vom Aussterben bedrohten Bäumen. Ist ganz gruselig, leider.
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