deutscher Filz (1)

Im Gegensatz zu Aushang kann ich den deutschen Filz nicht unkommentiert stehen lassen. Obwohl das ja auch nur ein Aushang war. Wie Aushang, den muss ich nicht wohl nicht erklären, kann mich dem nur anschließen. Auch ein Deutscher wünscht sich von den Moslems, dass sie ihn mit den Christen nicht allein lassen. Sehr gruselig, dass so etwas überhaupt jemand schreiben muss. Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch.

Die lustigen Bewohner des Cabaret Voltaire schreiben auf Hochdeutsch. Den neuen Aushang. Der Ausdruck finanziert auch von der Stadt Zürich. Würde auch Franken überweisen, einen Drucker kaufen, Toner, Papier. Deutsche Professoren an Zürcher Universitäten, Hochschulen vermutlich auch. Akademische Räte, Doktoranten. Der deutsche Filz halt. „Der deutsche Filz“ – der nächste Coup der Initiatoren der Minarett-Initiative. Bin freilich zutiefst beeindruckt von der Argumentation, wurde aber von einem Schweizer auch schon gefragt, ob ich’s überhaupt noch hören kann. Weiterlesen

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Nackt-Schneeschuhwandern

Gibt Dinge, die muss man nicht unbedingt sehen. Nackt-Schneeschuhwandern gehört sicher auch dazu. Erspare mir hier das Foto, sieht nicht sonderlich gesund aus. Ist ja auch richtig ungesund. Gut, eine Lungenentzündung kriegt man auch ohne Nackt-Schneeschuhwandern, mit aber ganz sicher auch. Eine Busse oben drauf, schweizerdeutsche. Buße auf Hochdeutsch. Gibt aber nur in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden eine Busse fürs Nacktwandern. Zweihundert Franken. In Luzern und Obwalden nur ein Verbot. Aber sicherlich fürs Nackt-Schneeschuhwandern auch, ist ja auch eine Art des Wanderns. Oder Nackt-Schneeschuhwanderer entdecken Weiterlesen

Zitat (29)

Die Tramtüren springen auf. Fahrgäste hinaus, mit einem Satz über die drei Stufen, manche. Vorbei am dick verpackten Taschenträger, der jede Stufe einzeln erklimmt, die behandschuhte Hand am Geländer. Der oben einen Platz fernab der Türen sucht und findet, sich platziert, die Tasche auf dem Schoß. Ledertasche, kalte. Birgt ein Buch, Lesen bedeutete aber Exposition der Kälte. Der Leser liest nur im Warmen, das ist eine echte Krankheit. Liest sonst auch im Dunklen, im Regen, bei Wind. Liest seit einem Monat:

Aber gäll, hochmüetig und gyzig wey mr nie werde, zum Krüzer luege und i dr Liebi blybe und nie vrgesse, für e Vater z’bete alli Tag, und nie vrgesse, woher alles chunt und wem mr alles z’vrdanke hey?

Nicht nur, aber ja auch. Schweizerdeutsch, Berndeutsch, schreibt Pfarrer Albert Bitzius. Besser bekannt unter dem Namen des Protagonisten seines Erstlingswerks „Der Bauernspiegel“. Jeremias Gotthelf. Von dem der Literaturhistoriker Walter Muschg neunzehnhundertsiebenundfünfzig schrieb: „der größte, sondern der einzige Erzähler ersten Ranges in der deutschen Literatur, der einzige, der sich mit Dickens, Balzac oder Dostojewskij vergleichen läßt“. Aber ja auch: „es scheint ausgeschlossen, daß er jemals in die Weltliteratur eingehen wird. Nicht nur deshalb, weil nur ein Schweizer die Fülle seiner barbarischen Sprache ermessen kann.“ Weiterlesen

Tragtaschen

Auf Schweizerdeutsch heißen Tragtaschen gar nicht Tragtaschen. Versichern die Kollegen Redaktoren. Sack ist Schweizerdeutsch für Tragtaschen. Besonders ulkig, wenn die Metzgerfachverkäuferin fragt, ob der Mittagstischesser seine Mahlzeit in einen Sack verpackt haben möchte. Fragt auf Hochdeutsch, freilich. Klingt wie Müllsack. Ist’s freilich gar nicht. Möchte aber nie einen Sack.

Obgleich ich nun endlich eine Möglichkeit kennen würde, den zu entsorgen. Im Einwurf für Tragtaschen, unterstelle, ein Synonym für Sack. Müsste aber wohl bis zum Wochenende warten, mit dem Einwurf an der Zürcher Untere Zäune. Denn die Tagtaschensammelbehälteraufsteller mahnen zur Rücksicht auf die Anwohner. Unbedingt, auch, vorbildlich, quasi. Hat ein Flaschentrinker sein Leergut fein säuberlich farblich getrennt eben noch vor sieben in die Glascontainer entsorgt, Dosen daneben, wäre es ein skandalöses Verhalten, würde er nach sieben noch die Tragtasche, Weiterlesen

Bratwurst-Jetons

Der Geschenkideenausdenker hat immer Konjunktur. Zurzeit hoch. Von Zeit zu Zeit muss er ja aber auch gar nicht so lange denken an Geschenkideen. Die liegen quasi auf der Straße. Strasse vielmehr, auf Schweizerdeutsch. An der Strasse, auch, eigentlich, auf der Strasse liegen leider keine Bratwurst-Jetons. Obwohl das schon ganz schön wäre, dann könnte der Geschenkideenausdenker Bratwurst-Jetons auflesen und sich selbst beschenken. Mit leckeren Bratwürsten. Bratwurst-Jetons sind allerdings freilich eine doofe Geschenkidee, gelten die doch nur am Zürcher Vorderen Sternen.

Allerdings kann die Bratwurst vom Vorderen Sternen Tage retten. Hörte ich. Erfreut, sehr. Abende verlängern. Weiß ich, sehr erfreut. Gewärmt auch. Freilich auch von den Heizstrahlern. Im Zelt des Sternen-Grills. Gegenüber zieht’s, kein Zelt und Heizstrahler wärmen den Zürichseebesucher. Ein Punsch indes schon, nicht Glühwein, auf Schweizerdeutsch. Kombiniert mit einer Geschenkidee, die lag auch an der Strasse. Bildlich geschrieben freilich nur, wäre sehr unappetitlich. Appetitlich ist sie ja schon. Bleibt aber geheim, die Geschenkidee. Weiterlesen

Reisestecker

Reise freilich gar nicht. Höchstens in Zürich herum. Ohne Elektrogeräte allerdings, normalerweise. Benötige zum Lesen am See nicht unbedingt einen Föhn, Kaffeemaschine, Toaster. Obgleich die ja so nett wären, den Leser bei Minusgraden aufzuwärmen. Gibt am See allerdings auch gar keine Steckdose, benötigte für die allerdings auch einen Reisestecker. Für Fön, Kaffeemaschine, Toaster. Den überlebenswichtigen Sandwichtoaster freilich auch.

Reise von Zeit zu Zeit doch einmal. Auch zu Menschen mit Reisesteckern. Sie reisen aber freilich auch gar nicht, sind höchstens auf der Durchreise. Parkiert quasi, auf Schweizerdeutsch. In München. In jeder Münchner Steckdose steckt ein Reisestecker. Föhn, Kaffeemaschine, Toaster würden passen. Der überlebensnotwendige Sandwichtoaster auch. Äpfel, Fernseher, Lichterkette aber nicht. Nicht in München, nicht in Zürich. Könnten einen Reisesteckerringtausch machen, oder auch ein Kabelmassaker. Weiterlesen

Wüste

Gibt eine Steigerung von Gefängnis. Nordamerikanisches Gefängnis. Öffne kein Fenster, reguliere keine Klimaanlage, nehme keine Brause ab, reiße kein Toilettenpapier ab, trinke kein Wasser. Immerhin läuft kein Schröderprogramm, bin ja auch dankbar. Etwas. Vermutlich wissen nordamerikanische Hoteliers schlicht nur nicht, wie sie Schröder auf ihrer nordamerikanischen Tastatur eintippen können. Können aber nette Tischler beauftragen – wüsste da sogar welche –, schöne Fenster zu tischlern mit einem Griff und einer Mechanik, regulierbare Klimaanlagen bräuchte es dann gar nicht so dringend, Dollars wären da für Sanitärinstallateure, die lustige Regenwaldbrausen installieren, dickes Toilettenpapier mit Perforationen gleich mitliefern, Chlorfilter auch noch im Sortiment haben. Die installieren auch, unbedingt dringend. Putze noch nie so gern mit Colawasser die Zähne, ohne Gas auf Schweizerdeutsch. Ungechlortes Wasser gibt’s in der Wüste nur in Flaschen.
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