Reisestecker

Reise freilich gar nicht. Höchstens in Zürich herum. Ohne Elektrogeräte allerdings, normalerweise. Benötige zum Lesen am See nicht unbedingt einen Föhn, Kaffeemaschine, Toaster. Obgleich die ja so nett wären, den Leser bei Minusgraden aufzuwärmen. Gibt am See allerdings auch gar keine Steckdose, benötigte für die allerdings auch einen Reisestecker. Für Fön, Kaffeemaschine, Toaster. Den überlebenswichtigen Sandwichtoaster freilich auch.

Reise von Zeit zu Zeit doch einmal. Auch zu Menschen mit Reisesteckern. Sie reisen aber freilich auch gar nicht, sind höchstens auf der Durchreise. Parkiert quasi, auf Schweizerdeutsch. In München. In jeder Münchner Steckdose steckt ein Reisestecker. Föhn, Kaffeemaschine, Toaster würden passen. Der überlebensnotwendige Sandwichtoaster auch. Äpfel, Fernseher, Lichterkette aber nicht. Nicht in München, nicht in Zürich. Könnten einen Reisesteckerringtausch machen, oder auch ein Kabelmassaker. Weiterlesen

Wüste

Gibt eine Steigerung von Gefängnis. Nordamerikanisches Gefängnis. Öffne kein Fenster, reguliere keine Klimaanlage, nehme keine Brause ab, reiße kein Toilettenpapier ab, trinke kein Wasser. Immerhin läuft kein Schröderprogramm, bin ja auch dankbar. Etwas. Vermutlich wissen nordamerikanische Hoteliers schlicht nur nicht, wie sie Schröder auf ihrer nordamerikanischen Tastatur eintippen können. Können aber nette Tischler beauftragen – wüsste da sogar welche –, schöne Fenster zu tischlern mit einem Griff und einer Mechanik, regulierbare Klimaanlagen bräuchte es dann gar nicht so dringend, Dollars wären da für Sanitärinstallateure, die lustige Regenwaldbrausen installieren, dickes Toilettenpapier mit Perforationen gleich mitliefern, Chlorfilter auch noch im Sortiment haben. Die installieren auch, unbedingt dringend. Putze noch nie so gern mit Colawasser die Zähne, ohne Gas auf Schweizerdeutsch. Ungechlortes Wasser gibt’s in der Wüste nur in Flaschen.
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Biervielfalt

Biervielfalt gibt’s freilich nur in der Schweiz. Die passende Gesellschaft jedenfalls: die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt. Die musste zuletzt einen herben Rückschlag hinnehmen. Paff. Die gruseligen ausländischen Biere werden häufiger und mehr getrunken als die Schweizer Biere. Verkneife mir das Adjektiv vor den Schweizer Bieren. Grusel. Acht von zehn in der Schweiz getrunkenen Bieren braute eine Schweizer Brauerei. Die anderen zwei brauten gruselige ausländische Brauereien. Dass zwölf der neunzehn Schweizer Brauereien auch gruseligen ausländischen Brauereien gehören, verschweigt die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt freilich. Ist ja auch gruselig. Weiterlesen

Güselsack

Endlich sitzt er hinter Gittern. Quasi. Unbedingt verdient ist ja die Verurteilung, wegen skrupelloser Züri-Sack-Fälschung. Ausrufezeichen. Dem skrupellosen Handel mit gefälschten Züri-Säcken vielmehr. Nichts desto trotz Ausrufezeichen. Fälschte freilich nicht selbst. Malte keine blauen Buchstaben auf graue und nicht schöne weiße Züri-Säcke, zog auch keine andersfarbig blauen Bändel durch die grauen, nicht schönen weißen Bändelschlaufen. Benutze auch keinen dünnen Kunststoff, las ich, haben die Männer mit den großen Lupen nicht so gut hingeschaut. Trotz der großen Lupen, sahen sicher andere gruselige Dinge durch die großen Lupen. Wer weiß, Sahen aber auch keine schwachen Schweißnähte, wegen denen die gefälschten Züri-Säcke leichter reißen. Der Güsel auf schöne Fliesen fällt.

Fiel freilich nicht, auf schöne Fliesen in der Küche, im Treppenhaus auch nicht. Das Güsel, Schweizerdeutsch für Abfall. Güselsäcke statt Abfallsäcke, quasi. Beutel sagt der Hochdeutsche. Tönt aber auch ulkig, wenn der Hochdeutsche Sack sagt. Beim Züri-Sack nicht ganz so ulkig, kauft die aber auch nicht jede Woche. Besaß noch einen Vorrat an Züri-Säcken, als der Betrug aufflog. Weiterlesen

Herbstlaub

Herbstlaub1Freue mich schon aufs Frühlingslaub nach dem vielen Herbstlaub. Neunhundert Tonnen in Zürich. Angeblich. Die Blätter werden gereinigt und dann kompostiert. Auch angeblich. Ist dann wohl günstiger, die Blätter mit dem Wischfahrzeug aufzuwischen, das mit der eingebauten Blätterwaschanlage. Vermutlich auch. Weiche Schwämme waschen Blätter ab, mit Wasser und etwas Seife. Biologisch abbaubar, auch vermutlich. Dann bläst ein Fön jedes Blatt trocken, glättet es, damit es nicht so viel Platz braucht. Bei neunhundert Tonnen. Auf vierundvierzig Quadratkilometern grünem Zürich.

Derzeit freilich nicht mehr, braun, verästelt. Immerhin nicht schwarz, auch der Boden nicht. Das geteerte Trottoir, Schweizerdeutsch für Bürgersteig. Französisch vielmehr. Auch. Überall geteert, nun geht sich’s bequem auf dem laubbedeckten Teer. Weiterlesen

Dosen

DosenDie Schweizer waren auf Großeinkauf, kauften dreizehn Millionen Dosen. Freilich keine Ravioli oder Königsberger Klopse, wären aber lecker gewesen. Hätte vielleicht ja sogar eine abbekommen. Aber die Dosen will ich gar nicht, sind nicht lecker. Dreizehn Millionen Dosen Impfstoff. Für sieben Komma sieben Millionen Schweizer. Könnte auch ein Nichtschweizer Dosen brauchen, wenn er nicht in seinem Haus geblieben ist. Wenn sie oder er mehrere Grippesymptome spüren. Ja noch einen Tag, nachdem das Fieber vollständig abgeklungen ist. Mindestens. Unbedingt auch. Im schönen Haus mit Dreiecksgiebel. Ein Bewohner hat den Test gemacht. Weiterlesen

Fahrzeugfahndung

Winterthur ist freilich immer eine Reise wert. Insbesondere für einen Buchtipp von einem Winterthurer, wenn Winterthurer Buchhändler das Buch auch verkaufen. Mir. Der Buchtipp war Jeremias Gotthelfs „Meistererzählungen“, „Die schwarze Spinne“ vielmehr. Kostet in Winterthur allerdings doppelt so viele Franken wie Euros im schönen München. Wird ja aber auch von dem Kritiker „eine der größten Novellen in deutscher Sprache“ genannt. Las auch die größte, die gab’s nicht in Winterthur.

Fahrzeugfahndung1Dafür gibt’s Kurzparkzonen für Radfahrer in Winterthur. Reiste freilich nicht mit dem Rad nach Winterthur. Velo auf Schweizerdeutsch. Schlicht mit der Bahn, im schönen ersten Stock. Dort liest es sich ja gut, lange, auf der langen Reise nach Winterthur. Veloreisende müssen sich ja eilen, haben sie ihr Velo am Bahnhofplatz an der Ecke Turner-Strasse parkiert. Dort wird das Velo nach dreißig Minuten durch große Lupen beäugt. Freilich von den Männern mit den großen Lupen. An der Stadthausstrasse ja erst nach zwei Tagen. Weiterlesen

Züri-Wies’n

Zueri-Wiesn1Ein Bon blieb übrig. Freilich für ein alkoholfreies Getränk auf der Züri-Wies’n. Trank kein alkoholfreies Getränk, Bier ja auch fast nicht. Aus gruseligen, frisch gespülten Maßgläsern. Die auch so rochen. Stanken, vielmehr. Viel mehr. Sind offenbar rar auf der Züri-Wies’n, trotz Münchner Servierdamen. Servierdüsen auf Schweizerdeutsch. Sind vermutlich geschafft von Schweizern in München. Deutschen vermutlich hauptsächlich. Servieren trotzdem einen halbe Monat lang im Festzelt in der Zürcher Hauptbahnhofshalle. Aber eben nicht mit Münchner Tempo. Das legen Zürcher Züri-Wies’n-Besucher beim Trinken aber wohl vor, wenn sie sich an die Maßgläser gewöhnt haben. Volle, freilich, vermutlich auch ein Grund dafür, dass Servierdüsen den Bestellungen hinterher hetzen. Sind vermutlich doch schnell genug, die Maßgläser aber ja in München rascher gefüllt als in Zürich. Oder auch Weiterlesen

Bohrmaschine

Bohrmaschine1Einkaufen kann man ja ganz gut auf der Zürcher Bahnhofstraße. Bahnhofstrasse, freilich, auf Schweizerdeutsch. Der größte Buchhändler Zürichs, auch an der Bahnhofstrasse, hat umgetopft, das Paradies verpflanzt, quasi. Nun gedeiht das Paradies bei den Klassikern, der Belletristik nicht mehr. Braucht neue Setzlinge. Bekam den Tipp, einer sei Peter Bieri. Einer von zehn. Zwischen den Zweigen. Drei Zweige blühten im Paradies. Nun nur noch einer. Die Zürcher Bahnhofstrasse verliert an Attraktivität. Rapide.

Die Zürcher Bahnhofstrasse war ja noch nie eine gute Adresse. Für Restauratoren. Weiterlesen

Abstimmungszeitung

AbstimmungszeitungNur ein Schelm sehe die Stadtzürcher Angestellten wieder in Facebook. Ist freilich komplett irrwitzig zu glauben, dass die Ankündigung in der Zürcher Abstimmungszeitung etwas mit der Facebook-Sperre zu tun hätte. Niemals, quasi. Die Angestellten der Stadt Zürich müssen wohl weiterhin ohne das lustige Facebook auskommen. Haben sie sich auch ein bisschen selbst zuzuschreiben, quasi. Hatte sie der Stadtrat doch ermahnt: Geschätzte Mitarbeiter, im März wart ihr über drei Millionen Mal bei Facebook angemeldet. Das geht so nicht. Im Juli dürft ihr Euch höchstens eine Halbe Million Mal dort anmelden, sonst ist der Ofen aus. Quasi. Hochachtungsvoll. Euer Stadtrat. Oder so ähnlich, schreibe nicht so gut Behördenschweizerdeutsch. Die Stadtzürcher Angestellten lasen offenbar auch nicht so genau Behördenschweizerdeutsch. Oder wollten nicht so genau lesen können, gibt’s ja auch. Einige lasen genau, prompt sank die Zahl der Anmeldungen im Mai auf eins Komma eins Millionen, stiegen im Juni aber wieder auf eins Komma sechs, im Juli auf über eins Komma sieben Millionen. Das guckte sich freilich der Stadtrat nicht länger mit an. Sperrte flink Facebook.

Darüber schrieb der Redaktor am Morgen, am Abend schrie ihn aus dem Briefkasten das Komitee Ja zum Rechenzentrum Albis an. Weiterlesen

Überholspur

Schön, einmal wieder durchs Englische Viertel Zürichs zu fahren. Mit dem netten Tram, der Nummer fünfzehn. Sie fährt entlang an Häusern, die im neunzehnten Jahrhundert im englischen Stil erbaut wurden. Lese ich, hatte ich wohl so auch vermutet. Sehe ich freilich nicht, bin ja aber auch verwöhnt von London, den engen Häusern mit auf Putz verlegten Abflussrohren, windig verglasten Fenstern und der Souterrainwohnung unterhalb des Bürgersteigs. Trottoire auf Schweizerdeutsch, hörte ich. Entschuldigung. Lese allerdings ein Buch, sehe und höre nix. Auf der eine Minute kürzeren Fahrt durchs Englische Viertel zum Bahnhof Stadelhofen.
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Scanbuch

ScanbuchHabe mir überlegt, ich könnte mal etwas Reklame machen. Für das Scanbuch. Das heißt freilich gar nicht so gruselig, sondern „Digitalisieren von Dias und Negativen“. Der Autor nennt es aber Scanbuch. Er muss es ja wissen. Er weiß es, ist mein unwissendes Urteil. Er weiß auch, wie jemand richtig Dias und Negative digitalisiert. Er war der jemand, auch. Er ist Perfektionist, zumindest wenn’s ums Digitalisieren von Dias und Negativen geht. Lesen lohnt sich, gucken auch. Guckte nur, las nicht, besitze ja nur ein Dia und einhundert Pocketfilmnegative, die müssen freilich unbedingt und dringend digitalisiert werden. Die Fotos aus Jena Anfang der neunziger Jahre. Die einzigen Bilder des Einzeldurchgangszimmers, zwei gingen durch. In der Lobedaer Platte, nicht renoviert, freilich. Das war auch gruselig, die Schimmelflecken im Bad auch.
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