Kalbsgeschnetzeltes

Wenn jemand eine Reise tut, wird er freilich permanent an die Heimat erinnert. Erinnert ihn der Versicherungskonzern, freilich auch. Auch das gute Essen. Das Zürcher Kalbsgeschnetzelte. Das natürlich am besten in Zürich schmeckt. In der Zürcher Kronenhalle. Lustige Zürcher dürfen aber auch gern widersprechen. Wiener indes eher nicht, Koblenzer auch nicht. Starkoch Alfons Schuhbeck auch nicht, Unilever freilich auch nicht. Die wissen ja nicht einmal, wie Zürcher Kalbsgeschnetzeltes geschrieben wird. Wie Zürcher Kalbsgeschnetzeltes gekocht wird vermutlich auch nicht. Habe weder das Wiener, Koblenzer, Alfons Schuhbecks, Unilevers Zürcher Kalbsgeschnetzeltes probiert. Hatte große Angst vor dem i. Das Zürcher Kalbsgeschnetzeltes verdirbt. Heißt ja auch nicht Wienier, Koblenzier, Alfons Schuhbecki, Unileveri. Hochdeutsche würden womöglich unterstellen, das sei Schweizerdeutsch. Stimmt freilich gar nicht. Genau wie freilich nicht Schweizerdeutsch ist, Hochdeutsch freilich auch nicht. Freilich aber schade, ist freilich doch so ein schönes Wort. Zürcher Kalbsgeschnetzeltes freilich auch eine leckere Speise. Indes nicht mit i.
Weiterlesen

Fußgängerstreifen

Der Bürgersteig heißt in der Schweiz zum Glück schon Trottoire. Hieße sonst vermutlich demnächst so. Denn Bürgersteig ist freilich diskriminierend. Für Bürgerinnen ungeeignet, quasi. Nur für Bürger, Fußgänger auch. Allerdings meint Fußgängerstreifen auch gar nicht den Streifen für Fußgänger, neben dem Streifen für Fahrräder, Verzeihung Velos, auf dem Trottoire. Fußgängerstreifen, Verzeihung, Fussgängerstreifen freilich, heißt der schöne Zebrastreifen auf Schweizerdeutsch. Jetzt auch auf Schweizerdeutsch, quasi, wenn es nach der Dame und den Herren in der Stadtverwaltung Bern geht.

Die Dame und die Herren hörten und lasen viel Häme in den vergangenen Tagen. Auch, selbstredend. Für ihren Sprachleitfaden „Geschlechtergerecht formulieren„. Die ist freilich auch etwas albern. Hochdeutsch, auch, wie beim Zebrastreifen. Auch ja aber Englisch: Die freilich gruselige Mannschaft ist ein Team, das gruselige Benutzerhandbuch ein Manual. Politisch korrekt auch, endlich, auch: Der wirklich extrem gruselige Führerausweis Weiterlesen

Integrationsformel

Fehlt noch das Ausrufezeichen. Hinter den Forderungen. Der Integrationsformel „Fördern und Fordern“. In der Lesart der Initiatoren: „Gute Ratschläge zu Alltagsthemen erleichtern – wenn Sie befolgt werden – das friedliche Zusammenleben aller.“ Befolgen kommt von folgen. Folgen den Schweizern, Zürchern vielmehr. Die Initiatoren sind Zürcher. Nur den Zürchern sollen Migranten folgen. Laut den Forderungen. Laut den Initiatoren geht die Integrationsformel auch „durchaus alle Zürcher etwas an“. Freilich nur im Internet, auf den Plakaten steht davon nix. In den täglichen Inseraten für vermutlich jeweils fünftausend Franken freilich auch nix.

Freilich legen aber Summen wie diese die Vermutung nahe, dass die Initiatoren es durchaus ernst meinen könnten. Oder auch eine Notwendigkeit sehen. In Zürich. Freilich nur. Nur für den Kanton Zürich gilt die Integrationsformel. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden freilich nicht, dort ist ja aber auch Nacktwandern erlaubt. Eine Integrationsformel wäre überflüssig, quasi. Würden aber auch die Forderungen anders lauten. Zürich versucht es erstmalig mit einem vereinfachten Schweizerdeutsch. Vereinfacht in Klammern, schreiben die Initiatoren. Schreiben auch immer die Übersetzung dazu, auf Hochdeutsch Weiterlesen

Sonderziele

Hundertzwanzig Sonderziele gibt es ist Zürich, staunt der Redaktor. Hat offenbar noch viel anzuschauen, findet hoffentlich auch alle hundertzwanzig Sonderziele ohne Auto, Navigationsgerät. Das zeigt neuerdings auch Sonderziele in Zürich an. Sagt der Hersteller. Beeindruckt freilich sehr: hundertzwanzig. Auch Großmünster, Fraumünster mit fünf Chagall-Fenstern, Kunsthaus, Nachtclub Mascotte, Platzspitz, Regenwaldhalle, Zoo. Alles freilich auch ganz schön, so als Sonderziele. Sind sicher dann auch detailliert beschrieben, auf dem Navigationsgerätbildschirm. Fehlerfrei, freilich auch. Das Großmünster findet vermutlich trotz seiner zwei Türme kein Navigationsgerätbesitzer alleine. Das heißt freilich Grossmünster. Auf Schweizerdeutsch. Aber halb so wild, denn jeder Zürcher kennt ja den Weg zum Grossmünster, auch wenn der Navigationsgerätbesitzer mit Eszett fragt. Jeder Zürcher fragt aber auch, welches Fraumünster mit fünf Chagall-Fenstern der Navigationsgerätbesitzer meint. Das schöne Fraumünster hat sechs Chagall-Fenster, kann quasi also nicht gemeint sein. Insbesondere, weil das sechste Fenster quasi nicht zu übersehen ist, wenn Weiterlesen

Gehirnwoche

Unsere Anatomiedozentin sollte Recht behalten: Ich hatte im Beruf nie ein menschliches Großhirn in der Hand. Werde vermutlich auch nie ein menschliches Großhirn in der Hand haben. Ist ja aber auch nicht unbedingt erforderlich, als Redaktor. Als Psychologe freilich auch nicht, zur Jenaer Psychologenausbildung gehörte aber eine Vorlesung, ein Praktikum Anatomie. Klausur freilich auch, zum Lernen gab’s zum Glück den lustigen Taschenatlas der Anatomie. Prüfungspräparat freilich nicht, präparierten trotzdem menschliche Großhirne. Die wurden in einer Kunststoffwanne angeschwemmt, quasi. Aus der fischte sich jeder fünfte Psychologiestudent ein Großhirn für seine Präpariergruppe. Die schnitt dann drauf los, freilich mit dem aufgeschlagenen Taschenatlas der Anatomie auf dem Präpariertisch. Manchmal war Wasser in den Ventrikeln eingeschlossen, das ergoss sich über den Taschenatlas der Anatomie. Beim Aufschneiden des Großhirns. Sehr gruselig.

Heute wollen Dozenten einer nordamerikanischen Universität schon Kindern das Großhirn erklären. Auf der Seite „Neurowissenschaften für Kinder“ etwa. Mit lustigen Malvorlagen, auch von Neurologinnen. Typische Neurologinnen, haben mindestens einen dicken Zeigefinger, tragen Hornbrille, Schlips. Stecken ihre Oberkörper durch Löcher in der Wand. Weiterlesen

Kantönligeist

Zürcher sind die schönsten Eidgenossen. Sagen die Eidgenossen, nicht ich, freilich. Aber auch die arrogantesten, dümmsten, am meisten gehassten. Ihr Dialekt auch. Sage freilich auch nicht ich, sagen Aargauer, Berner, Basler. Aargauer sind die schlechtesten Autolenker der Schweiz, tragen weiße Socken. Beim Autofahren, vermutlich, Sportsocken, passend zum sportlichen Fahrstil. Berner sind die beliebtesten Schweizer, die langsamsten, sprechen aber den schönsten Dialekt. Dialekt sprechen hat dabei nix mit der Berner Langsamkeit zu tun, sage ausnahmsweise mal ich, Verständlichkeit auch nicht. Aber geht schon. Basel geht gar nicht, ist ganz gruselig. Unsympathisch, der hässlichste Dialekt. Sage nicht ich, in dem Fall. Gruselig schon, wurde aber nicht gefragt. Der Gruselfaktor, nicht ich. Hätte auch noch mehr zu ergänzen gehabt, Weiterlesen

Joggeli

Die passende Wurst gibt’s dazu freilich auch. Im Stadion aber nur, wäre natürlich auch doof, wenn Wurstbräter die Wurst auch außerhalb des Stadions verkaufen. Schmeckt aber nicht gut, fad, mit einer lieblosen halbtrockenen halben Brotscheibe serviert. Senf, selbstredend. Auch fad. Das Stadion ist ja aber auch unspektakulär, der Basler Sank-Jakobs-Park, kurz Joggeli. Auf Schweizerdeutsch, Entschuldigung, Baseldeutsch, sonst beleidige ich vermutlich alle Schweizer außerhalb von Basel, Baselland. Reiste erstmals ins guselige Basel. Angst, etwas, auch. Nicht wegen des Fußballs, auf den setzte ich die Hoffnung. Der Tabellenzweite gegen den Tabellenersten, macht Mut. Sah auch Fußball, aber hauptsächlich vom Weiterlesen

deutscher Filz (1)

Im Gegensatz zu Aushang kann ich den deutschen Filz nicht unkommentiert stehen lassen. Obwohl das ja auch nur ein Aushang war. Wie Aushang, den muss ich nicht wohl nicht erklären, kann mich dem nur anschließen. Auch ein Deutscher wünscht sich von den Moslems, dass sie ihn mit den Christen nicht allein lassen. Sehr gruselig, dass so etwas überhaupt jemand schreiben muss. Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch.

Die lustigen Bewohner des Cabaret Voltaire schreiben auf Hochdeutsch. Den neuen Aushang. Der Ausdruck finanziert auch von der Stadt Zürich. Würde auch Franken überweisen, einen Drucker kaufen, Toner, Papier. Deutsche Professoren an Zürcher Universitäten, Hochschulen vermutlich auch. Akademische Räte, Doktoranten. Der deutsche Filz halt. „Der deutsche Filz“ – der nächste Coup der Initiatoren der Minarett-Initiative. Bin freilich zutiefst beeindruckt von der Argumentation, wurde aber von einem Schweizer auch schon gefragt, ob ich’s überhaupt noch hören kann. Weiterlesen

Nackt-Schneeschuhwandern

Gibt Dinge, die muss man nicht unbedingt sehen. Nackt-Schneeschuhwandern gehört sicher auch dazu. Erspare mir hier das Foto, sieht nicht sonderlich gesund aus. Ist ja auch richtig ungesund. Gut, eine Lungenentzündung kriegt man auch ohne Nackt-Schneeschuhwandern, mit aber ganz sicher auch. Eine Busse oben drauf, schweizerdeutsche. Buße auf Hochdeutsch. Gibt aber nur in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden eine Busse fürs Nacktwandern. Zweihundert Franken. In Luzern und Obwalden nur ein Verbot. Aber sicherlich fürs Nackt-Schneeschuhwandern auch, ist ja auch eine Art des Wanderns. Oder Nackt-Schneeschuhwanderer entdecken Weiterlesen

Zitat (29)

Die Tramtüren springen auf. Fahrgäste hinaus, mit einem Satz über die drei Stufen, manche. Vorbei am dick verpackten Taschenträger, der jede Stufe einzeln erklimmt, die behandschuhte Hand am Geländer. Der oben einen Platz fernab der Türen sucht und findet, sich platziert, die Tasche auf dem Schoß. Ledertasche, kalte. Birgt ein Buch, Lesen bedeutete aber Exposition der Kälte. Der Leser liest nur im Warmen, das ist eine echte Krankheit. Liest sonst auch im Dunklen, im Regen, bei Wind. Liest seit einem Monat:

Aber gäll, hochmüetig und gyzig wey mr nie werde, zum Krüzer luege und i dr Liebi blybe und nie vrgesse, für e Vater z’bete alli Tag, und nie vrgesse, woher alles chunt und wem mr alles z’vrdanke hey?

Nicht nur, aber ja auch. Schweizerdeutsch, Berndeutsch, schreibt Pfarrer Albert Bitzius. Besser bekannt unter dem Namen des Protagonisten seines Erstlingswerks „Der Bauernspiegel“. Jeremias Gotthelf. Von dem der Literaturhistoriker Walter Muschg neunzehnhundertsiebenundfünfzig schrieb: „der größte, sondern der einzige Erzähler ersten Ranges in der deutschen Literatur, der einzige, der sich mit Dickens, Balzac oder Dostojewskij vergleichen läßt“. Aber ja auch: „es scheint ausgeschlossen, daß er jemals in die Weltliteratur eingehen wird. Nicht nur deshalb, weil nur ein Schweizer die Fülle seiner barbarischen Sprache ermessen kann.“ Weiterlesen

Tragtaschen

Auf Schweizerdeutsch heißen Tragtaschen gar nicht Tragtaschen. Versichern die Kollegen Redaktoren. Sack ist Schweizerdeutsch für Tragtaschen. Besonders ulkig, wenn die Metzgerfachverkäuferin fragt, ob der Mittagstischesser seine Mahlzeit in einen Sack verpackt haben möchte. Fragt auf Hochdeutsch, freilich. Klingt wie Müllsack. Ist’s freilich gar nicht. Möchte aber nie einen Sack.

Obgleich ich nun endlich eine Möglichkeit kennen würde, den zu entsorgen. Im Einwurf für Tragtaschen, unterstelle, ein Synonym für Sack. Müsste aber wohl bis zum Wochenende warten, mit dem Einwurf an der Zürcher Untere Zäune. Denn die Tagtaschensammelbehälteraufsteller mahnen zur Rücksicht auf die Anwohner. Unbedingt, auch, vorbildlich, quasi. Hat ein Flaschentrinker sein Leergut fein säuberlich farblich getrennt eben noch vor sieben in die Glascontainer entsorgt, Dosen daneben, wäre es ein skandalöses Verhalten, würde er nach sieben noch die Tragtasche, Weiterlesen

Bratwurst-Jetons

Der Geschenkideenausdenker hat immer Konjunktur. Zurzeit hoch. Von Zeit zu Zeit muss er ja aber auch gar nicht so lange denken an Geschenkideen. Die liegen quasi auf der Straße. Strasse vielmehr, auf Schweizerdeutsch. An der Strasse, auch, eigentlich, auf der Strasse liegen leider keine Bratwurst-Jetons. Obwohl das schon ganz schön wäre, dann könnte der Geschenkideenausdenker Bratwurst-Jetons auflesen und sich selbst beschenken. Mit leckeren Bratwürsten. Bratwurst-Jetons sind allerdings freilich eine doofe Geschenkidee, gelten die doch nur am Zürcher Vorderen Sternen.

Allerdings kann die Bratwurst vom Vorderen Sternen Tage retten. Hörte ich. Erfreut, sehr. Abende verlängern. Weiß ich, sehr erfreut. Gewärmt auch. Freilich auch von den Heizstrahlern. Im Zelt des Sternen-Grills. Gegenüber zieht’s, kein Zelt und Heizstrahler wärmen den Zürichseebesucher. Ein Punsch indes schon, nicht Glühwein, auf Schweizerdeutsch. Kombiniert mit einer Geschenkidee, die lag auch an der Strasse. Bildlich geschrieben freilich nur, wäre sehr unappetitlich. Appetitlich ist sie ja schon. Bleibt aber geheim, die Geschenkidee. Weiterlesen