Krängung

Kraengung1Hat freilich nix mit kränkeln zu tun, Boote werden ja nicht seekrank. Seefahrer schon, in Zürich indes selten. Selten weht ein Wind, in dem Boote sich krängen, ihre Passagiere seekrank werden könnten. Mancher wird ja schon seekrank, wenn er vom Steg aufs Boot steigt. Angst, auch ohne Wind. Der weht seit Tagen, aus Nordnordost. Südländer würden sagen, er stürmt. Würden nur mit der Genua das Anlegemanöver segeln. Segelten es auch, die Genua schlug, als sie im Wind standen. Lehrbuchmäßiges Anlegemanöver, auch das Großsegel hätte geschlagen. Es war schon gefallen, behinderte nun vermutlich den Vorschoter, weil es an Deck herumlag. Er klagte freilich nicht lautstark, fehlt die Übung. Für die Übung bräuchte es ja Wind. Der geht selten, stürmte nie, seit fast einem Jahr. Sturm geht, wenn sich Schleswig-Holsteiner gegen den Sturm lehnen können, ohne umzufallen.
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Mauerfall

Bin freilich zu früh dran. Kann ja aber schon einmal werben, für Deutschland. Ein halbes Jahr vor dem Mauerfalljubiläum. Saß vor 19;5 Jahren in einer Schleswiger Turnhalle, sah ein Sportfest. Nach der Pressekonferenz gab es eine Durchsage, die nicht ins Showprogramm passte. DDR-Bürgern sei die Ausreise erlaubt worden. Die Show wurde so nie wieder gezeigt. Mit der Durchsage.

Die Durchsage tönt heute: „Klusplatz, bitte alles aussteigen“. In dem Tram hinter der Reklame. Die wirbt: „Deutschland. Einfach freundlich.“ Zu Schweizern nicht, offenbar. Ein Nationalrat schimpfte über den „hässlichen Deutschen“. Meinte auch Peer Steinbrück. Zog Vergleiche mit Leder bemäntelten Gestalten, die vor 60 Jahren durch Gassen stiefelten. Grusel. War vor 70 Jahren, Herr Nationalrat. Oder auch vor 20 Jahren. Hinter der Mauer. Zum Glück fiel sie.

Eszett

Freue mich ja bei jedem Eszett, das ich mit einem Tastendruck erreiche. Auf der kleinen Tastatur, auf dem kleinen Schreibtisch. Nicht mit fünf – Alt, Null, Zwei, Zwei, Drei. Auf der großen Tastatur im Büro. Auf den großen Schreibtisch, freilich. Schreibe dort E-Mails auch mit Eszett, die Grüße nach Deutschland meist, zumindest. Auf Schweizerdeutsch heißen die ja Grüsse. Bekommen die schweizerdeutschen Empfänger auch so zu lesen. Kein Altnullzweizweidrei. Schröder als Absender ist Hochdeutsch genug.
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Personenfreizügigkeit (1)

Hat freilich nix mit leicht bekleideten Personen zu tun. Nicht einmal auf Schweizerdeutsch. Ist ein Vertrag mit der EU, über dessen Verlängerung am Sonntag abgestimmt wird. Auch. Denn die Abstimmung ist gekoppelt an das Votum über die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien. Die zwei jüngsten EU-Mitgliedsländer. Beigetreten im Januar 2007. Die Personenfreizügigkeit – genannt die Bilateralen – zwischen der EU und der Schweiz gilt seit 2005. Damals mit knapp 55 Prozent Ja-Stimmen angenommen – bei nicht ganz 57 Prozent Wahlbeteiligung.

personenfreizuegigkeit1Freilich gibt’s Zank um die gekoppelte Abstimmung. Angst wird geschürt vor den gruseligen Bulgaren und Rumänen. Von der Schweizer Rechten. Ist ja mit circa 29 Prozent die stärkste Partei, mit geschätzten zwölf Millionen Franken auch die werbefreudigste. Gefolgt von den Sozialdemokraten mit nicht einmal 20 Prozent, den Freisinnigen mit rund sechs Millionen Franken. Angst schürten auch die Bankiers. Vor der Verlängerung der Bilateralen. Wegen dem schönen Bankgeheimnis, auch. Die gruselige EU will durch großen Lupen auf Schweizer Bankkonten glotzen. Böse Zungen behaupten, Bankiers klebten Raben-Plakate. Am Zürcher Limmatquai. Auch.
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Dias

Schätze in Anführungsstrichen. Schätze sind ja oft auf Dias zu sehen. Die waren vergraben, die Schätze. In Anführungsstrichen. Habe das Glück, bald 500 Dias als Digitalbilder zu besitzen. Aus den Jahren 1971 bis 1984. Gibt nur ein gutes Foto von mir, bisher. Entdeckte ich vor Jahresfrist, tatsächlich. Geknipst in Schleswig, im Sommer 1978. Die Augen waren noch braun, das T-Shirt grün. Heute ist’s manchmal umgekehrt.
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Internationaler Erd-Rotations-Service

Sind wir mal froh, dass es für fast alles einen Service gibt. Outsourcing, fällt dem Redaktor ein. Aus gleich mehreren Ländern offenbar, sonst wäre der Service wohl kaum international. Vermutlich. Die Erd-Rotation veranstalten die Franzosen für uns, müssen wir uns nicht drum mühen. In Zürich nicht, in München nicht und schon gar nicht in Schleswig. Das wäre wohl auch kraftraubend, am Zahnrad für die Erd-Rotation drehen so weit entfernt vom Äquator. Besser Paris, dort drehen Franzosen am großen Zahnrad. Die Mitarbeiter des Internationalen Erd-Rotations-Services.
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Brei

Was ist mit dem Krokodil? Fragte die Künstlerin, als ich vom werbefreien Blog sprach. Werbefrei ist er ja gar nicht, schreibe immerhin über die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Damit ist freilich gar nicht das krisengeschüttelte Geldinstitut gemeint. Nur die dänische Modemarke, die in den vergangenen Jahren das gleiche Logo nutzte. Auf meinen Jacken, Strickwaren, Hemden, Polos, Socken. Hier im Norden kennt die jeder, die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Halten auch ewig. Mittlerweile ist das Logo wieder rot und grün. Die Klamotten wieder dunkelblau, maritim. Aber die Kunden wollten keine Reklame laufen, für die Deutsche Bank. Die Filialen in Koblenz, München, Nürnberg, Schleswig geschlossen. In Kappeln gibt’s noch eine, dort verkaufen sie beige Polos. „Soll es unbedingt die Deutsche Bank sein?“, fragte die Verkäuferin. „Nicht soll, muss.“ In Zürich gibt’s die gar nicht.

breiIn Zürich freilich verkauft wird Jenaer Glas. Zu meinem Glück. Ja, Frau Künstlerin, schon wieder Werbung. Dafür gern, sehr sogar. Das patentierte für den Herd. Ist wie die Deutsche Bank: Heute auch nicht mehr das, was es einmal war. Geblieben ist die Wagenfeld-Serie. Auch wenn der Geschenkideenausdenker sie tatsächlich nicht bewerben konnte. Längst nicht mehr produziert wird die kleine Schüssel aus Jenaer Glas. Daraus aß ich Brei.

Christbaumständer

Jedes Jahr das gleiche Drama? Nein, heuer erstmals. Ein schöner Christbaumständer in der guten Stube. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik. Hui. Ein Niederbayer hat ein Patent darauf, er verspricht: Christbäume stehen immer gerade, egal, wie schief sie gewachsen sind. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik sind Bäume im Wasser, würde der Restaurator sagen. In München sah ein Auge einen kleinen, schönen Christbaum. Der stand schief. Im Wasser. Trotz patentierter Rundum-Ein-Seil-Technik. Glanz in fünf Augen im Antlitz des Baums, kleinen, großartigen, irgendwie tatsächlich, auch.

christbaumstaenderJedes Jahr das gleiche Drama? Ja. Nach guter, alter Sitte. Christbaum mit drei Schrauben befestigt. Im Christbaumständer. Befestigt vom Christbaumverkäufer am Vormittag des Heiligen Abends. Auf dem Schleswiger Wochenmarkt. Der große Baum für die ganze Familie. Die Kinder wünschen sich seit Jahren einen kleinen Baum, im Topf, auspflanzbar im neuen Jahr. Gekauft wird ein großer, gefällter, die Christbaumständermontage gibt’s gratis dazu. Auch heuer wieder. Freilich schief, Rundum-Ein-Seil-Technik fehlt, Wasser auch. Christbaumständer mit dem Marktführer Nordmanntanne kippen erst bei mehr als fünf Grad. Lese ich. Bäume von dänischen Plantagen, auch. Viel Lesestoff unter dem Baum. Lesen gefährdet die Dummheit, warnt der nette S. Fischer Verlag. Verleger des heuer schönsten Geschenks für ein Auge. Fünf Augen glänzen im Antlitz des Baums. Großen, dramatischen, wie jedes Jahr.

Ølvæksel (1)

oelvaekselIst gar kein Dänisch. Deutsch und Dänisch, fast willkürlich zusammengesetzt. Dem Dänen sträubt sich jedes Haar vermutlich, jeder Deutsche liest das Wort dreimal. Wie geschriebenes Schweizerdeutsch. Der schweizerische und der britische Bruder bereisten Kruså für den Ølvæksel. Der Restaurator und der Butterkutter-Man nicht dabei. Leider. Leider macht auch Rita keinen Ølvæksel mehr, irgendwie tatsächlich. Die læckersten Hot Dogs gibt’s trotzdem hinter der Grænse. In einer Hot-Dog-Bude, neben Tankstelle und Supermarkt, voller dänischer Læckereien. Remoulade, roten, vermutlich rein chemischen Pølser auch für Vegetarier und freilich Øl. Juløl auch, passend zur Jahreszeit. Den Ølvæksel gibt’s seit vielleicht sieben Jahren, den Ausflug nach Dänemark, Hot Dogs essen, ein Øl trinken. Ein Øl freilich, einer muss schließlich zurück fahren. Über die Grænse, ins heimatliche Schleswig. Zu Weihnachten, immer. Schöne Weihnachten, Euch Lesern.

Singing Christmas Tree

Singing Christmas Tree Nichts erspare ich Euch Blog-Lesern. Blog-Hörern nicht, seid froh und munter. Bin sicher ein Kulturbanause, sagen die Zürcher. Auf Schweizerdeutsch. Wird schließlich von der Stadt Zürich als Kulturprojekt gefördert, von Schulchören bevölkert, von Tausenden fotografiert. Großeltern, Tanten, Onkeln, Eltern, Schwestern und Brüdern. Weihnachtseinkäufern auch, Glühweintrinkern und Chäsfondue-Essern. Denn freilich steht der singende Weihnachtsbaum nicht allein auf dem schattigen Werdmühleplatz. Mit Buden und Zelten bildet er einen Halbkreis. Jede Bude verkauft alkoholhaltige Getränke, in Zelten sitzen Glühweintrinker auf Bierbänken und trinken Glühwein. Klar, was wohl sonst. Essen Chäsfondue, auch, lauwarmes. Die weiße Zeltplane mit durchsichtiger Front schneidet schneidene Kälte ab. Die steht rum auf dem schattigen Platz, lädt nicht zum Verweilen ein. Nur die stolze Familie. Trottelige Touristen und zugezogene Zürcher zieht die Neugier an. Oder der Glühwein. Angebliche Feuerzangenbowle, freilich ohne brennenden Zuckerhut. Wohl noch nie Heinz Rühmann als Oberprimaner Pfeiffer gesehen? Im Studentenkino in Jena Notfalls. In zwei Vorführungen pro Abend, wenn’s beliebt. Alle ausverkauft, schlecht für zugereiste Zürcher. Der zugereiste Schleswiger führte vor. Den schönen alten Film aus gruseligen Zeiten. Sehr gruseligen. Nicht ganz so ist der Gesang des „Singing Christmas Tree“. Jedoch wurde ich am Wochenende gefragt, warum keine Kinder auf dem Baum stehen, die singen können. Die Frage ging mir im Kopf herum als ich Feuerzangenbowle bestellte, bei der zweiten auch noch. Danach vergaß ich sie und stürzte mich ins adventszeitliche Einkaufsgetümmel. Auch Geschenkideenausdenker müssen mal einkaufen, dringend, heute wieder.

starren

starrenEine Drehautomatik ist in Männerhälse eingebaut. Sie funktioniert bei Sportwagen. Italienischen besonders reibungslos, roten. Gelben auch, bronzefarbenen erst recht. Auch Geschmacklosigkeit hat Grenzen. Grüne, schwarze und silberne britische Limousinen. Will mich gar nicht ausnehmen: orange Käfer, türkise Trabanten, lila Corsas. Selbstschutz auch etwas. Angst und grusel, auch.

Eingebaut ist die Drehautomatik von Geburt an, geschmiert wird sie auf der IAA. Im Norden fuhren in den 80-ern kaum rote italienische Sportwagen. Sahen sie auf dem Frankfurter Messegelände, jugendliche Brüder als Beuteltiere. Prospektsammler, an Wochenenden auch in heimischen Autohäusern. Kurzsichtige Verkäufer erkannten nicht die Autokäufer von morgen. Sollten ein gutes Auge bewiesen haben: Nur ein Bruder kaufte ein Auto bisher, für eine Mark. Das Eine-Mark-Auto fuhr nicht lange, kurz darauf kam das Starren. Nicht gut für Autoverkäufer. Für Angeber auch nicht, für Damen auch nicht. Für keinen, um ehrlich zu sein. Menschen jedenfalls. Gibt viel zu starren in Aachen, alles eigentlich. Dort fuhren keine lila Corsas.

Fishfinder

Ganz blöd sind Fische ja auch nicht. Denke beim Passieren von Angelgeschäftschaufenstern immer an die Schröder-Brüder vom Rehwinkel. Sie hatten ein schönes großes gelbes Haus dort, ein Aquarium und hinter dem Wall einen Teich. Mit Fischen drin, freilich. Bekamen vor vielleicht 30 Jahren zwei Angeln geschenkt. Die mussten sofort ausprobiert werden, selbstredend. Sie verloren indes rasch den Reiz des Neuen, weil sie nicht zum Fische fangen taugten. Schröders nicht zum Angeln, vermutlich eher. Zu ungeduldig und zu laut. Kein Fisch ging ihnen an den Haken, dabei sollte sogar ein Hecht in dem Teich schwimmen. Gruseliger Hecht, mit großem Maul, beißt kleine Kinderfinger ab. Er biss nicht, die anderen Fische auch nicht.

Auf den Anlegestegen der Züriseeschiffe stehen Kinder mit ihren Ruten. Denke wieder an die Schröder-Brüder und ihre vergeblichen Angelversuche. Was den Zürcher Kindern fehlt ist der Fischfinder.

Garmin Fishfinder 160CVom Hersteller von Navigationsgeräten. Ausgestellt im Angelgeschäftschaufenstern im Oberdorf. Schlendere jeden Abend dran vorbei, denke: So ein Betrug. Mit Echolot spüren Angler heute Fische auf. Wo bleibt da der Ehrgeiz, die Kunst des Angelns? Die Ruhe, das sich in Geduld lernen. Verwöhnte Kinder wünschen sich zu Weihnachten nicht mehr eine lange Rute, eine tolle Rolle oder schöne Posen. Fishfinder und Kescher genügen. Denke doch lieber an die Schröder-Brüder im schönen gelben Haus, mit Teich hinterm Wall. Auch wenn kein Fisch biss.