Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

Erbgut

Auch die Leidenschaft für Backwaren ist vererbbar. Unerforscht indes, nach welcher Mendel’schen Regel. Dominant freilich, sonst wäre es selbstverständlich keine Leidenschaft. Erbgut, das Leiden schafft, gutes Erbe aber auch. Lecker auch, die Mandelhörnchen.

Sind hierzulande nur als Mandelbögli ohne leckere, in Schokolade getauchte Enden zu haben, in Bern. Im schönen München gibt’s echte Mandelhörnchen an der Ecke Implerstraße und Oberländerstraße, für unglaublich wenig Geld auch. Weiterlesen

Zitat (36)

Man konnte einfach nicht überhören, daß er zunächst einen Sturmhimmel entwarf, unter dem einige Kräfte ziemlich aneinandergerieten, und er machte es dem Frühling keineswegs leicht, sich durch all das Wühlen, all das Tosen, den dunklen Trotz hindurchzuarbeiten und schließlich seine blaue Fahne aufzuziehen – wenn das etwas sagt. Dann jedoch ließ er den Frühling ausdauernd triumphieren mit Möwenruf und Schiffssirene, mit kleinem Wellenschlag, mit fröhlichem Glucksen und einer Art besessenem Murmeln;

Ja, Herr Siegfried Lenz, das sagt etwas. Wünschte mir freilich, der Frühling stünde wirklich schon vor der Tür, nicht der gruselige Winter. In dem ich meine eigene „Deutschstunde“ habe, keine Strafarbeit zwar, eine Fleißarbeit aber. Protagonisten erschaffen für einen Roman, einen Kriminalroman Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Sterbekasse

Lernt nie aus. Der Schleswiger auch nicht, was in seiner Nachbargemeinde geschieht. Neuberend. Hat eine Sterbekasse. Auch Leichenkasse, Totenlade genannt. Damit machen Sterbende nicht etwa Kasse, Leichen auch nicht, Tote laden auch nicht. Sterbende bitten auch nicht zur Kasse, sondern haben sie gefüllt. Bevor sie Leichen und Tote sind. So der Plan. Den haben zweihundertzwanzig Neuberender jedenfalls. Zahlen zwölf Euro im Jahr, für einen Auszahlungsbetrag von vierhundertfünfzig Euro. So billig sind in Neuberend offenbar Beerdigungen. Oder kein Neuberender greift in die Sterbekasse. Allerdings registrierte die Sterbekasse im letzten Jahr zwei Austritte. Natürliche hoffentlich Weiterlesen

Sekundenkleber

Es kommt mir immer wie eine halbe Weltreise vor. Die Reise zum Zürcher Hauptbahnhof. Wenn ich reise, laufen ginge auch, freilich. Für den Einkauf reiste ich, nicht wegen der vielen Waren, dem schweren Gepäck. Der Bequemlichkeit halber. Reise außerdem ja selten mal zum Hauptbahnhof, kann auch am schönen Bellevue, Stadelhofen quasi alles Mögliche einkaufen. Oder auch von dort abreisen, zum Flughafen etwa. Dabei ist der Hauptbahnhof nur im Weg, quasi. Für den Einkauf von abstrusen Dingen liegt er gerade recht auf dem Weg. Wie Sekundenkleber.

Sekundenkleber ist genau genommen ja etwas ganz gruseliges. Der klebt Sekunden. Nicht in, die. Werbetexter von einer der Schweizer Genossenschaften versuchen die Sekunden noch etwas vom Kleber zu entfernen und koppeln Sekunden und Kleber. Freilich nur halbherzig, die Werbetexter haben nicht etwa Mitleid mit den Sekunden. Sekunden-Kleber liest sich schlicht besser auf einer schlanken Tube. Als Sekundenkleber.

Kaufte Sekundenkleber von einer der Schweizer Genossenschaften. Zwei, Genossenschaften und Sekundenkleber. Kaufte zum zweiten Mal in meinem Leben Sekundenkleber. Besitze freilich den ersten Sekundenkleber nicht mehr. Kaufte den allerdings freilich auch nicht bei einer Schweizer Genossenschaft, bei Divi. In Schleswig. Einem Warenhaus, das heute nicht mehr Divi heißt. Aber noch immer Sekundenkleber verkauft. Auch freilich. Verkaufte damals auch Star-Wars-Figuren. Für viel Geld. Sekundenkleber freilich auch, für unglaublich viel Geld. An Star-Wars-Fans, die ihrem R2-D2 ein Bein ausgedreht hatten. Oder auch abgebrochen. Das klebte freilich kein herkömmlicher Kleber, nur Sekundenkleber. Weiterlesen

punschen

Das Haupthaar ist blond, der Schal verbirgt die schwarzen Spitzen, Ränder. Zum Glück, danke, Schal. Erst auf den zweiten Blick trägt sie keine Perücke. Die Haare blondiert, geschwärzt, Strähnen sind nicht mehr in Mode. Bei jeder zweiten Frau, vermeide das Wort Dame. Unbändiges Lachen quillt aus den weit aufgerissenen Mündern, die abwechselnd von der Zigarette und dem Punsch aus Glasbechern gefüllt werden. Abgefüllt, keine Lebkuchen, kein Marzipan. Davon gab’s zuhause mehr als genug, dicke Wangen plappern ohne Unterlass. Schnacken, beim Punschen.

Junge Mädchen, keine Deern, sie sind nicht schmuck genug, punschen auch. Schubsen sich nicht umher, höchstens den letzten Schluck im Glasbecher. Umklammern den nächsten, Weiterlesen

Umfrage

Möchte gern auch einmal gefragt werden zur Attraktivität von Ländern, dem politischen Klima, der touristischen Anziehungskraft, der Lebensqualität. Gut, würde vermutlich nicht so viele repräsentative Sätze sagen. Keinen: Italien? Gibt’s das nach dem Fußballsommer zweitausendsechs überhaupt noch? Nordamerika? Gibt’s doch erst seit einem Jahr wieder. Österreich? Dort wurde jemand ganz nettes geboren, er musste aber fliehen. Das ist ganz gruselig. Belgien? Die leckersten Pommes der Welt. Dänemark? Die machen die besten Ølvæksel der Welt. UmfrageDeutschland? Hui, schwierig. In einer kleinen Stadt weht immer der Wind, in einer großen der Föhn. Der eine manchmal so stürmisch, dass ich mich dagegen lehnen kann und nicht umfalle, der andere immer schön blau. Warm auch. Schweiz? Weiterlesen

Weltmeister

Hauptbahnhof ZürichWäre ja ein guter Schweizer. Zumindest beim Bahnfahren. Da sind die Schweizer Weltmeister, vermeintlich, aber nur bei den gefahrenen Schienenkilometern, nicht der Zahl der Fahrten. Aber in beiden Disziplinen vor den Deutschen, nur die Japaner fahren häufiger mit dem Zug. Würde auch die noch übertreffen, würde ich Fahrten aus dem schönen München ins gruselige Poing mitzählen. Dann wäre ich häufiger als einundsiebzig Mal mit dem Zug gefahren. Mit den neunzehn Bahnreisen übertreffe ich nicht einmal die Schweizer, die fuhren zwanzig Mal. Bin aber mit siebentausendfünfhundertsechsundsiebzig mit Abstand Weltmeister der zurückgelegten Schienenkilometern. In letzten Jahr. Der vermeidliche Weltmeister Schweiz fuhr nicht einmal ein Drittel. Sie fuhren vor zwei Jahren noch weniger Bahn. Einmal weniger aus dem schönen Zürich ins schöne München, quasi. Sind etwa dreihundertdreiunddreißig Kilometer.
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Lärmverteilung

Laermverteilung1Schleswig-Holstein hat gewählt, Deutschland hat gewählt, die Schweiz hat gewählt, Zürich auch. Zwischen den Küsten regieren wohl demnächst die Hummeln, zwischen der Küste und den Alpen ja offenbar auch. Circa eins Komma drei Millionen Eidgenossen ändern die Verfassung und schaffen die allgemeine Volksinitiative ab, knapp achtzigtausend Zürcher wollen keine Lärmverteilung.

Die Lärmverteilung wäre freilich ganz gruselig geworden. Die Initiative „Fairflug“ hatte das Ziel, den Fluglärm lustig in alle Richtungen rund um den Flughafen zu verteilen. Freilich mit dem Argument, Zürich könnte nur so weiter wachsen. Und freilich würde die Umwelt wohl auch geschont. Weiterlesen

Waschmaschine

Waschmaschine1Um die geht’s freilich gar nicht, obwohl die ja auch tourte. Das Bullauge zum Schaufelrad erinnert aber auch an eine Waschmaschine. Saß in Aachen vor einer, stundenlang, in München auch. Stundenlang, freilich. Bis die eigene geliefert wurde, die nicht unter die Arbeitsplatte passte. Wegen der Anschlüsse, meinte der Monteur. Als wir sie demontierten, sahen wir, dass er Recht hatte. Nun steht die Waschmaschine neben anderen, in der Scheune. Münchner Scheune. In der Schleswiger Scheune steht das Butterkuttermodell. An Bord der Zürcher Butterkutter gibt’s keine Butter. Lassen sich quasi das Geschäft ihres Lebens entgehen: Weiterlesen

Vogelfluglinie

Vogelfluglinie1Könnte Fehmarnbeltquerung heißen. Vogelfluglinie schreibt sich ja aber viel schöner, liest sich auch viel schöner. Aber nicht alles, was schön ist, ist auch zeitgemäß. Muss ich lesen. Heute fahren auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødbyhavn fünf schöne Fähren. Fahren freilich nicht mit 160 Stundenkilometern wie Personenzüge, nicht mit 120 Stundenkilometer wie Güterzüge. Aber sie gleiten über das Wasser, nachdem es hieß: Leinen los. Dann holten Seeleute die Taue ein, schossen sie auf. Die Seeleute haben sich damit abgefunden, nur 19 Kilometer, vielmehr 10 nautische Meilen, zur See zu fahren. Schlimm genug, dass sie nur so kurz in See sind. In neun Jahren fahren die Seeleute gar nicht mehr zur See. Denn dann steht die Schrägseilbrücke über den Fehmarnbelt. Keiner schreibt über Seeleute freilich. Die Betreiberfirma der Fehmarnbeltquerung nicht, die dänische Regierung und der deutsche Bundestag auch nicht. Musste ja das letzte Wort haben bei dem Plan, Dänemark näher an Deutschland heranzubringen. Weiterlesen