Vuvuzela

Bei jedem Spiel der Fußballweltmeisterschaft steckt der Fernsehproduzent ein Mikrofon in einen Hummelstock. Bienenstock alternativ, gibt ja auch nicht überall fleißige Hummeln. Die Hummeln, Bienen, summen dann lustig um das Mikrofon herum, damit die Fernsehzuschauer glauben, Vuvuzelas zu hören. Permanent während des Spiels, einen so langen Atem haben die Fans gar nicht. Auch nicht knapp siebenundsechzigtausend. Brauchen auch noch Luft zum Singen: Oh, wie ist das schön. Denn die Vuvuzela eignet sich gar nicht als Flüstertüte. Nur als Trompete, wer unqualifiziert hineinbläst, bekommt keinen Ton heraus. Also summen Hummeln, Bienen. Clevere Fernsehproduzenten, quasi.

Hatte freilich gar nicht mit so viel Cleverness gerechnet. Angst, quasi, auch, etwas, um das Gehör. Vuvuzelas machen so viel Krach wie ein Flugzeugtriebwerk, las ich. Las auch von Beschwerden der Fußballgucker bei den Fernsehproduzenten. Von Beschwerden der Fernsehproduzenten beim Fußballweltverband. Der beschwichtigte: Zu einer Fußballweltmeisterschaft in Südafrika gehören Vuvuzelas. Flugzeugtriebwerke, quasi. Oder auch Hummelstöcke mit Mikrofonen darin, wie sie die Fernsehproduzenten nutzen. Ungenutzt blieben die vorsorglich in Zürich gekauften Ohrstöpsel. Blieben aber auch im Hotel, Weiterlesen

Ticketabholstellen

Vor einem Monat eröffnete der King Shaka Airport Durban. Im Norden von Durban. Der alte liegt im Süden, ist noch auf der Landkarte eingezeichnet. Der neue mit guter Anbindung, freilich. Verkehrsanbindung auch, Fußballweltmeisterschaftsbesucher bringen Busse billig in die Stadt. Schlechter Internetanbindung aber offenbar, am Abend des zweiten Tages der Fußballweltmeisterschaft waren drei Selbstbedienungs-Ticket-Terminals in der Ticketabholstelle am King Shaka Airport Durban offline. Ein Flugzeug landete mit geschätzt hundertfünfzig deutschen Fußballfans. Schweizer freilich auch, zwanzig, vielleicht. Einem Deutschen aus Zürich, auch. Der fuhr unverrichteter Dinge nach Umhlanga.

Umhlanga hat ein Einkaufstheater. Gibt Leute, die würden Einkaufszentrum sagen. Südafrikaner sagen Einkaufstheater, Theatre of Shopping vielmehr. In jedem Schaufenster klebt das Fußballweltmeisterschaftslogo, ein Säuseln von Vuvuzelas liegt in der Luft. Klimatisierte Luft, dankbarerweise, die frische Luft heizt die Sonne unverwölkt auf fünfunddreißig Grad. Heiße Luft steht vor allen Eingängen des Einkaufstheaters. Steht nur so herum. Steht im Weg aber auch, wie eine Wand. Gegen die läuft der Ticketabholstellenbesucher unwillkürlich. Nach einer Stunde in der Ticketabholstelle. Von drei Selbstbedienungs-Ticket-Terminals war Weiterlesen

Papierflieger

Hatte Schlimmeres befürchtet. Als Papierflieger. Beim Freundschaftsspiel Schweiz gegen Italien im Stade de Genève. Italien schießt ein Tor und igelt sich dann vor dem Sechzehnmeterraum ein. Die Schweiz rennt verzweifelt an, scheitert an zwanzig italienischen Beinen, Luigi Buffons Armen. Fängt schließlich noch einen Konter und verliert zwei zu null. Gegen den Fußballweltmeister. Nach drei Niederlagen in Folge. Seit der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft. Vor der Fußballweltmeisterschaft.

Fußballweltmeister sind aber freundliche Gäste, bringen Gastgeschenke mit. Keine Eigentore, freilich. Wären auch zu große Gastgeschenke, üppig verpackt. Kleine Gastgeschenke unter guten Nachbarn. Tausende zahlungskräftige Tifosi, zahlten sechzig bis hundertzehn Franken pro Platz. Im ausverkauften Stade de Genève. Fast jeder Zweite Italiener. Die zweite italienische Mannschaft auf dem Platz war auch ein Gastgeschenk, der zweite italienische Torwart Federico Marchetti freilich auch. Ihm glitt Weiterlesen

Zitat (33)

Freilich eine lange Reise von Pawlowsk nach Windhoek. Kilometerlang auch. Auch ohne Flugzeug, Eisenbahn, Automobil, Schiff. Selbst dem Finger auf der Landkarte, im Buch. Zwei Büchern freilich. Reist sich gut mit Büchern. Ganz ohne Bordkarte, InterCityExpress-Zuschlag, Autobahnmaut. Aber ja mit Wellengang.

Lange Schatten zerschnitten das Land,

Komma. Wäre der Satz doch bloß schon zu Ende, stünde dort ein simpler Punkt. Bloß kein Komma. Oder ein Halbsatz folgte, der beschreibt, wie sich lustige Wassertropfen ein Palmenblatt herunterkugeln. Dabei freilich auch lustige Schatten werfen, an den Schnittkanten. Oder auch ein Schatten über rotem und gelbem Sand liegt, die Deutschlandfahne in die Landschaft malt. Die hätte zwar für den Moment nur daliegen können, später dann ja aber wieder wehen im Wind.

die Sonne stand tief.
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Ausfuhr

Kenne die Ansicht von Postkarten: Rechts eine Kirche mit zwei Türmen, links im Hintergrund eine Kirche mit einem Turm, davor noch eine. Dazwischen fliesst ein Fluss. Stehe auf der Zürcher Quaibrücke. Von hier sind es circa zwei Stunden ans Bodenseeufer. Hier wie dort parkieren Dampfer rückwärts aus, schnappen Schwäne nach Brotkrumen, segeln vereinzelt lustige Möwen durchs Blau, gleiten lustige weiße Dreiecke übers Blau, besitzen Touristen alle Bänke. Besitzen auch alle Kaffeehausstühle, glotzen ungeniert in Schaufenster. Hier sind die Deutschen Touristen, auch. Dort die Schweizer Touristen, auch. Aber zumeist verlangen in der Schweiz lebende Deutsche nach der Ausfuhr. Hier freilich nicht, dort schon, penetrant. Hochdeutsch, auch. Wunderte mich über die Schlangen an allen Kassen.

Erbat mir an einer Kasse auch ein Ausfuhrformular. Freilich nicht für die Ausfuhr, nur für den Ausfuhrblog. Hörte hinter vorgehaltener Hand von üblen Praktiken: Manche Geschäftsleute teilen Einkäufe im Wert von mehr als zweihundert Euro auf mehrere Quittungen auf, damit die Käufer keinen Zoll bezahlen müssen. Verabscheuungswürdig, freilich, das Ausfuhrformular ist weitestgehend vorausgefüllt: Weiterlesen

Sicherheitsinstruktionen

Sind selbstredend unspektakulär, entsprechend häufig ignoriert, auch. Da fällt es quasi gar nicht auf, wenn sich mal ein Fehler einschleicht. Das Flugzeug hat sieben statt acht Notausgänge zum Beispiel. Ein lustiger Zeichner war gerade abgelenkt, vergas mir nichts, dir nichts ein Oval auf die Bordwand zu malen, einen roten Pfeil hindurch zu ziehen. Passagiere wundern sich, warum die Flugbegleiterin ihnen das Öffnen der Notausgangstür erklärt, sie zum Verstauen des Gepäcks in den Handgepäckstauräumen auffordert. In den Sicherheitsinstruktionen steht doch gar nix von dem Notausgang. Verdammt, meint der Chefzeichner, zweite Auflage. Passagiere wissen nicht, wohin mit ihren Händen. Hinter den Kopf, den Kopf auf die Knie ziehend. Vor die Brust, aufrecht sitzen bei der Wasserlandung, wie es die Sicherheitsinstruktionen zeigen. Verdammt, meint der Chefzeichner, dritte Auflage. Vorher erst einmal eine Zigarette, meint der Zeichner. Zeichnet hinterher freilich ein lustiges Quadrat mit abgerundeten Ecken, darin einem länglichen waagerechten Rechteck mit zwei Wellen an einem Ende. Sehr dekorativ, meint der Chefzeichner, bei einer Zigarette. Aber verdammt: es fehlen zwei rote Striche. Vierte Auflage. Bei der fünften Auflage könnte der Zeichner noch lustige Wellen Weiterlesen

Landschaftsbauer

Gibt Werbung, die wirkt. Für Landschaftsbau zum Beispiel. Auf einem Transporter stand Landscape Incorporated, mit einem Namen davor, freilich. Namen sind ja Schall und Rauch, mag außerdem gar keine Werbung machen. Nur für Landscape Incorporated. Eine freilich nordamerikanische Firma, die vermutlich Landschaften baut. Auch, vermutlich. Die hat ja noch viel zu tun. In Nordamerika, Las Vegas auch. Auch dringend, quasi. Aber Aufträge kommen vermutlich nur von gruseligen Hotelbesitzern: Bauen sie mir eine Badelandschaft, Himmel wie im alten Rom, Fassaden und Plätze auch. Pyramiden wie im alten Ägypten. Oder auch New Yorker Fassaden, Grossstadtlandschaft. In der der Wind pfeift, laut, wenn er um die Ecken weht. Nett ja auch vom Wind, könnte sich auch heran säuseln. Pfeift lieber, wenn er um hunderte Meter hohe Ecken herum weht. Könnte allerdings ja auch Nordamerikaner massiv irritieren, plötzlich Weiterlesen

Deuce

In Las Vegas schmelzen die Zebrastreifen. Fliessen an den Straßenrand, gemeinsam mit dem Teer. Vermutlich in der Hoffnung, wenigstens der Bordstein spendet etwas Schatten. Der ist allerdings entweder nur abends oder nur morgens so freundlich, wenn die Sonne nicht mehr senkrecht vom blauen Himmel brennt. Nicht strahlt, brennt. Brennt auch auf der Haut des Wanderers. Wandert zur Bushaltestelle in der Wüste, Linie Deuce. Fährt auf dem Las Vegas Boulevard von Norden nach Süden. Auch, freilich.

In Las Vegas schmelzen auch die Häuser. Die mit Metallfassade jedenfalls, auf die Idee können auch nur Nordamerikaner kommen. Auch, freilich.

In Las Vegas schliessen Hausbesitzer die Eingangstüren mit der Bohrmaschine ab. Von Holzhäusern, freilich auch, mit grossen Fensterflächen. Schrauben eine Schraube, vermutlich zwei, in Tür und Türrahmen, Schlösser halten gruselige Einbrecher nur kurz auf. Eine lange Schraube schon länger, zwei noch länger. Denken Hausbesitzer vermutlich. Denken vermutlich auch nicht an gewitzte Einbrecher, die mit schönen grünen Bohrmaschinen auch Schlösser aufbohren, Lange Schrauben herausschrauben. Zwei auch, freilich.
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Vorfreude (2)

Begann vor anderthalb Wochen. Mit der der Einladung. Nach Bern. Ins Bundeshaus. Im Seiteneingang steht eine Sitzgruppe. Aus sechs Stühlen, lederbezogenen, aus Flachstahl. Drängen sich um einen runden Beistelltisch, mit Glasplatte, aus Rundstahl. Flachstahl und Rundstahl passen freilich gar nicht, da hatte der Einrichtungsberater andere gute Argumente. Die Möbel sind den höchsten Gästen angemessen. Die Möbel sind vom gleichen Hersteller. Die Möbel sind vom gleichen Designer. Die Möbel sind aus der gleichen Epoche. Die Möbel zeichnete alle das MoMA aus. Die Möbel stehen auch in Brünn im gleichen Haus zusammen, der Villa Tugendhat. Solche Argumente zum Beispiel. Oder auch: Die Möbel sind alle ganz schön teuer. Das Argument überzeugte vermutlich. Fand kein Argument fürs Probesitzen. Hätte aber auch keine Ruhe gehabt, dafür war die Vorfreude viel zu groß. Freilich nicht auf die Einladung. Die Rückreise aber. Den Gang ins Bahnhofsuntergeschoss auch, den Einkauf beim Bäcker. Den Spaziergang aufs Gleis, das Einsteigen in den Zug, treppauf ins Obergeschoss. Den Sitzplatz am Fenster. Den Griff in die Tasche. Das Legen der Tüte auf den Tisch. Das Aufschlagen des Buchs, zwei Seiten lesen. Das Drehen am Rädchen für das Makroprogramm. Das Öffnen der Tüte. Für diesen Blick:
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Eyjafjallajökull

Einmalige Gelegenheit, über ein so lustiges Wort zu schreiben. Schreibe es freilich nur mit Nachhilfe richtig, kann es kaum richtig aussprechen. Lustige Isländer können das Wort freilich richtig schreiben, aussprechen. Denken dabei aber ja auch an Inselbergegletscher. Europäer denken an Aschewolke, Flugverbot.

Hörte: Irgend so ein Vulkan auf Island ist ausgebrochen, der deutsche Luftraum gesperrt. Hörte das im Vorbeigehen, in Gedanken schon fast im neuen Terminal des Flughafens Barcelona. In der Luft, auch. Über den Wolken, auch. Aschewolken, auch. Plötzlich ging die Angst um. Freilich vor nichts weiter als einem weiteren Tag in Barcelona. Trotzdem Angst. Die verflog schnell, als sich die Nachrichtenlage änderte. Nur der norddeutsche Luftraum ist gesperrt, die Probebuchung des Fluges nach München Weiterlesen

Pavelló Alemany

Er hat glücklicherweise viele Namen. Einer ist Pavelló Alemany, katalanisch für deutscher Pavillon. Auf keinem Schild im Umkreis von zwei Kilometern steht Pavelló Alemany. Am Plaça d’Espanya nicht, am Poble Espanyol nicht, am Palau Nacional nicht, auf dem Messegelände Montjuïc auch nicht. Immerhin ja auf dem Satellitenfoto, das vermutlich viele Besucher vor dem Besuch angucken. Finden den Pavelló Alemany dann vermutlich aber trotzdem nicht, ist ja quasi nicht ausgeschildert. Ist freilich auch kein weißes Rechteck, ein weißes Vieleck vielmehr. Aus der Vogelperspektive jedenfalls. Vögel sehen aber auch zwei Planschbecken, eine sich reckende, nackte Dame. Satelliten übersehen das glücklicherweise, wären sonst ja auch unflätige Spannersatelliten. Weiterlesen

Eurowerbung

Circa siebzig Franken kostet in Koblenz ein Mittagessen für drei, zwei Steaks auch. In Zürich höchstens für zwei, kein Steak freilich, Getränke auch nicht. Auch nicht für Touristen, die mit Euro zahlen, wie überall in Zürich. Können aber noch auf günstige Wechselkurse in Zürich hoffen, günstiger als bei der Bank jedenfalls. Oder auch am Bahnhof, Frankfurter sowieso. Wo die europäische Zentralbank wirbt. Für den Euro. Dringend notwendig offenbar, die Eurowerbung. Frage mich freilich, welchen Zweck die Eurowerbung hat. Niemand hat eine Wahl, den Euro nicht zu kaufen. In Euroland. Kann vielleicht noch mit Franken zahlen, im Zug von Zürich nach Kiel, München auch. In Kiel, München noch bei der Bank, die werben ja nun wirklich genug. Für miese Weiterlesen