Quartett

Die Länge einer Lokomotive wird in Länge über Puffer gemessen. Lernte ich, als ich als Kind ein Lokomotivenquartett spielte. Erinnere aber nicht mehr die längste Lokomotive, die schnellste, die älteste. Auch nicht, wie viele der Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett mich längs und quer durch die Bundesrepublik zogen. Ziehen auch, den Zug von München nach Zürich ziehen Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett. Ziehen vermutlich noch die nächsten zwei Jahre, bis endlich die Strecke modernisiert ist. Für dreihundertfünfunddreißig Kilometer brauchen selbst Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett nicht unbedingt vier Stunden. Derzeit schon noch.

Kann sich die Zeit nicht einmal mit Quartettspielen vertreiben, denn der Quartettautomat am Zürcher Hauptbahnhof ist ja kaputt. Oder auch nicht, liest man das Schild richtig: doppelt defekt ist gleich intakt. Der Schildschreiber dachte sich vermutlich nur, doppelt hält besser. Auch, vermutlich.
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Bestäuberdienstleistungen

Gibt Meldungen, die wirklich aufrütteln, verängstigen, auch. Wie die aus Liebefeld im Kanon Bern: Die Zahl der Bienenvölker geht europaweit zurück. Das ist freilich ganz gruselig. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, berichten die Agrarwissenschaftler aus Liebefeld auch vom Rückgang anderer Bestäuber, den Schwebfliegen und den Wildbienen. Sie verniedlichen nichts: Es besteht die Gefahr, dass Bestäuberdienstleistungen, von denen viele Feldfrüchte abhängig sind, nicht mehr erfüllt werden. Quasi verheerend, wirklich. Im Frühling blühen keine schönen Blumen mehr, schöne Bäume schlagen nicht mehr aus. Weil die Bestäuberdienstleitungen nicht erbracht wurden, Bienenvölker aussterben. Bienenhonigesser freilich nicht, die essen weiter leckeren Bienenhonig. Aus Übersee, notfalls. Dort wuchs Weiterlesen

deutscher Filz (2)

Die Dollars in den Augen blinken würden mir bei einer solchen Anfrage: Unvermittelt landet eine E-Mail im Postfach, in der jemand schreibt, er besäße Stühle von einem renommierten nordamerikanischen Möbelproduzenten, für die er sechszehn Gleiter bräuchte. Auch, vermutlich, dächte ich. Vielleicht auch noch zwei Stühle mehr, vier, sechszehn Gleiter. Oder auch andere schöne Möbel, Sessel, Tische. Also flink die Antwort geschrieben, da winkt das Geschäft. Der Arm wurde lahm. Vier Stunden, fünf, winken. Dann ein Anruf: Ob wir Gleiter führen? Sie haben noch keine Antwort bekommen? Habe die E-Mail weitergeschickt. Die Antwort ist: Wir haben sie nicht an Lager und erwarten eine Antwort des Produzenten, wie schnell er liefern kann und was sie kosten.

Bin freilich extrem beeindruckt. Da winkt das Geschäft beidarmig, quasi. Aber wer nicht will, der hat offenbar schon. Weiterlesen

Sekundenkleber

Es kommt mir immer wie eine halbe Weltreise vor. Die Reise zum Zürcher Hauptbahnhof. Wenn ich reise, laufen ginge auch, freilich. Für den Einkauf reiste ich, nicht wegen der vielen Waren, dem schweren Gepäck. Der Bequemlichkeit halber. Reise außerdem ja selten mal zum Hauptbahnhof, kann auch am schönen Bellevue, Stadelhofen quasi alles Mögliche einkaufen. Oder auch von dort abreisen, zum Flughafen etwa. Dabei ist der Hauptbahnhof nur im Weg, quasi. Für den Einkauf von abstrusen Dingen liegt er gerade recht auf dem Weg. Wie Sekundenkleber.

Sekundenkleber ist genau genommen ja etwas ganz gruseliges. Der klebt Sekunden. Nicht in, die. Werbetexter von einer der Schweizer Genossenschaften versuchen die Sekunden noch etwas vom Kleber zu entfernen und koppeln Sekunden und Kleber. Freilich nur halbherzig, die Werbetexter haben nicht etwa Mitleid mit den Sekunden. Sekunden-Kleber liest sich schlicht besser auf einer schlanken Tube. Als Sekundenkleber.

Kaufte Sekundenkleber von einer der Schweizer Genossenschaften. Zwei, Genossenschaften und Sekundenkleber. Kaufte zum zweiten Mal in meinem Leben Sekundenkleber. Besitze freilich den ersten Sekundenkleber nicht mehr. Kaufte den allerdings freilich auch nicht bei einer Schweizer Genossenschaft, bei Divi. In Schleswig. Einem Warenhaus, das heute nicht mehr Divi heißt. Aber noch immer Sekundenkleber verkauft. Auch freilich. Verkaufte damals auch Star-Wars-Figuren. Für viel Geld. Sekundenkleber freilich auch, für unglaublich viel Geld. An Star-Wars-Fans, die ihrem R2-D2 ein Bein ausgedreht hatten. Oder auch abgebrochen. Das klebte freilich kein herkömmlicher Kleber, nur Sekundenkleber. Weiterlesen

Whisky (1)

Die Nordamerikaner brauchen noch ein e. Iren auch, Schotten nicht. Füllen ja aber auch den besseren Whisky ab. Wobei das impliziert, dass nordamerikanischer Whiskey gut ist. Grusel. Trank noch keinen guten. Trank aber auch noch keinen japanischen, soll ja gut sein, las ich. Wie wohl neue Baumwoll-T-Shirts, Leinenhandtücher, Ananas auf poliertem Holz schmecken? Wie Waldboden, Muscheln mit Tabasco, französisches Toastbrot mit schwarzem Tee? Wie der weltbeste Single Malt Whisky. Selbstredend. Eine Kategorie mit beeindruckenden zweiundvierzig Unterkategorien – auf keinen Fall festlegen auf einen Whisky, könnte einer zu kurz kommen. Einer kam. Freilich vollkommen skandalös, dass mein Lieblingswhisky nicht prämiert wurde. Ausrufezeichen. Weiterlesen

deutscher Filz (1)

Im Gegensatz zu Aushang kann ich den deutschen Filz nicht unkommentiert stehen lassen. Obwohl das ja auch nur ein Aushang war. Wie Aushang, den muss ich nicht wohl nicht erklären, kann mich dem nur anschließen. Auch ein Deutscher wünscht sich von den Moslems, dass sie ihn mit den Christen nicht allein lassen. Sehr gruselig, dass so etwas überhaupt jemand schreiben muss. Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch.

Die lustigen Bewohner des Cabaret Voltaire schreiben auf Hochdeutsch. Den neuen Aushang. Der Ausdruck finanziert auch von der Stadt Zürich. Würde auch Franken überweisen, einen Drucker kaufen, Toner, Papier. Deutsche Professoren an Zürcher Universitäten, Hochschulen vermutlich auch. Akademische Räte, Doktoranten. Der deutsche Filz halt. „Der deutsche Filz“ – der nächste Coup der Initiatoren der Minarett-Initiative. Bin freilich zutiefst beeindruckt von der Argumentation, wurde aber von einem Schweizer auch schon gefragt, ob ich’s überhaupt noch hören kann. Weiterlesen

Kalenderwoche

Tage später ist dann zweitausendneun auch endlich zu Ende. Gemäß europäischer Zeitrechnung ist heute der letzte Tag der dreiundfünfzigsten Kalenderwoche. Europäer sind aber nur zweite Wahl. Nordamerikaner erste, selbstverständlich. Für sie hat die erste Kalenderwoche auch schon begonnen. Sie benutzen in der Tabellenkalkulation die eins, bei der schönen Funktion „Kalenderwoche“. Europäer die zwei, bei ihnen beginnt die Woche zum Glück erst am Montag. Es genügt nicht, das schöne Wort „Kalenderwoche“ zu benutzen, um der dusseligen Tabellenkalkulation zu signalisieren, sie soll jetzt gefälligst die europäische statt der amerikanischen Konvention für die Kalenderwoche verwenden.

Wäre ja aber auch zu schön, wenn’s so einfach wäre. Ist’s freilich nicht, denn die dusselige Tabellenkalkulation verrechnet sich trotz der erstklassigen Nordamerikaner, Weiterlesen