deutscher Filz (1)

Im Gegensatz zu Aushang kann ich den deutschen Filz nicht unkommentiert stehen lassen. Obwohl das ja auch nur ein Aushang war. Wie Aushang, den muss ich nicht wohl nicht erklären, kann mich dem nur anschließen. Auch ein Deutscher wünscht sich von den Moslems, dass sie ihn mit den Christen nicht allein lassen. Sehr gruselig, dass so etwas überhaupt jemand schreiben muss. Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch.

Die lustigen Bewohner des Cabaret Voltaire schreiben auf Hochdeutsch. Den neuen Aushang. Der Ausdruck finanziert auch von der Stadt Zürich. Würde auch Franken überweisen, einen Drucker kaufen, Toner, Papier. Deutsche Professoren an Zürcher Universitäten, Hochschulen vermutlich auch. Akademische Räte, Doktoranten. Der deutsche Filz halt. „Der deutsche Filz“ – der nächste Coup der Initiatoren der Minarett-Initiative. Bin freilich zutiefst beeindruckt von der Argumentation, wurde aber von einem Schweizer auch schon gefragt, ob ich’s überhaupt noch hören kann. Weiterlesen

Kalenderwoche

Tage später ist dann zweitausendneun auch endlich zu Ende. Gemäß europäischer Zeitrechnung ist heute der letzte Tag der dreiundfünfzigsten Kalenderwoche. Europäer sind aber nur zweite Wahl. Nordamerikaner erste, selbstverständlich. Für sie hat die erste Kalenderwoche auch schon begonnen. Sie benutzen in der Tabellenkalkulation die eins, bei der schönen Funktion „Kalenderwoche“. Europäer die zwei, bei ihnen beginnt die Woche zum Glück erst am Montag. Es genügt nicht, das schöne Wort „Kalenderwoche“ zu benutzen, um der dusseligen Tabellenkalkulation zu signalisieren, sie soll jetzt gefälligst die europäische statt der amerikanischen Konvention für die Kalenderwoche verwenden.

Wäre ja aber auch zu schön, wenn’s so einfach wäre. Ist’s freilich nicht, denn die dusselige Tabellenkalkulation verrechnet sich trotz der erstklassigen Nordamerikaner, Weiterlesen

Sonnenbrille

Reise nie wieder ohne Sonnenbrille. Besitze zwei, vermisste beide auf beiden Reisen. Besitze nur die erste Sonnenbrille nicht mehr, eine schicke Fliegersonnenbrille, klappbar. Auch die Gläser, nicht nur langweilig die Bügel. Aber auch die beiden Sonnenbrillen mit Klappbügel wären mir recht gewesen, auf den beiden Reisen. Nach Las Vegas und Paris.

Freilich nicht wegen des gruseligen Morbus Eales. Allerdings war eine Sonnenbrille nach einer Augenlaserbehandlung, Verzeihung, Augen-Laserbehandlung schon angenehm. Wegen der weit getropften Pupillen. Wurden weit getropft, damit sie sich nicht verengen während der Laserschüsse auf die Netzhaut. Im dunklen Augenarztzimmer. Am hellen Aachener Löhergraben Weiterlesen

Spanngurte

Jeder Koffer besitzt Spanngurte. Die braucht freilich nie irgendjemand. Die sind vielmehr immer nur im Weg, wenn der Koffer ausgeräumt wird. Beim Einräumen stören die immerhin niemanden, will nicht ungerecht sein mit Spanngurten. Gespannt über dem Kofferboden, den freilich niemals leeren. Fast.

Es sei denn, die Reise geht nach Nordamerika. Dann lohnt es sich nicht, den Koffer zu füllen. Den Koffer mit gespannten Spanngurten. Gespannt über einer Hose, einem Pulli, drei T-Shirts von der Deutschen Bank. Einer Kamera in der zu kleinen Tasche auch, die ist aber noch immer zu klein. Trotz der Reise nach Nordamerika. Weiterlesen

Wüste

Gibt eine Steigerung von Gefängnis. Nordamerikanisches Gefängnis. Öffne kein Fenster, reguliere keine Klimaanlage, nehme keine Brause ab, reiße kein Toilettenpapier ab, trinke kein Wasser. Immerhin läuft kein Schröderprogramm, bin ja auch dankbar. Etwas. Vermutlich wissen nordamerikanische Hoteliers schlicht nur nicht, wie sie Schröder auf ihrer nordamerikanischen Tastatur eintippen können. Können aber nette Tischler beauftragen – wüsste da sogar welche –, schöne Fenster zu tischlern mit einem Griff und einer Mechanik, regulierbare Klimaanlagen bräuchte es dann gar nicht so dringend, Dollars wären da für Sanitärinstallateure, die lustige Regenwaldbrausen installieren, dickes Toilettenpapier mit Perforationen gleich mitliefern, Chlorfilter auch noch im Sortiment haben. Die installieren auch, unbedingt dringend. Putze noch nie so gern mit Colawasser die Zähne, ohne Gas auf Schweizerdeutsch. Ungechlortes Wasser gibt’s in der Wüste nur in Flaschen.
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Umfrage

Möchte gern auch einmal gefragt werden zur Attraktivität von Ländern, dem politischen Klima, der touristischen Anziehungskraft, der Lebensqualität. Gut, würde vermutlich nicht so viele repräsentative Sätze sagen. Keinen: Italien? Gibt’s das nach dem Fußballsommer zweitausendsechs überhaupt noch? Nordamerika? Gibt’s doch erst seit einem Jahr wieder. Österreich? Dort wurde jemand ganz nettes geboren, er musste aber fliehen. Das ist ganz gruselig. Belgien? Die leckersten Pommes der Welt. Dänemark? Die machen die besten Ølvæksel der Welt. UmfrageDeutschland? Hui, schwierig. In einer kleinen Stadt weht immer der Wind, in einer großen der Föhn. Der eine manchmal so stürmisch, dass ich mich dagegen lehnen kann und nicht umfalle, der andere immer schön blau. Warm auch. Schweiz? Weiterlesen

Apple

Fiel freilich nicht auf die Firma namens Apfel herein, als ich den vermutlich teuersten Apfel meines Lebens kaufte. Gab die ominöse Firma Apfel noch gar nicht, als vier lustige Musikanten die Firma Apfel gründeten. Mit Hilfe des Apfels sollten Musiker Musik machen können, davon leben auch. Filmemacher Filme machen auch. Auch davon leben, freilich. Nicht nur von Granny Smith. Nur Obst ist ja auch ungesund. Obwohl Äpfel ja schon lecker sind, Granny Smith auch. Gibt dreissig tausend Leckerbissen für Musikliebhaber.
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SwissCube

SwissCube1Seit acht Uhr einundvierzig hat die Schweiz einen Satellit. Endlich. Dringend, quasi. Der SwissCube ist allerdings nur ganz klein. Und die Schweizer haben es nicht einmal erfunden: Nordamerika hat sich ausgedacht, dass Studenten kleine Satelliten bauen und ins All schießen können. Klein heißt zehn Zentimeter Kantenlänge und höchstens ein Kilo Gewicht. Daran haben sich freilich Lausanner Studenten gehalten, wollten doch auch einmal einen Satelliten ins All schießen. Geschossen haben freilich nicht die Nordamerikaner, die hatten bis eben noch Ärger mit den Schweizern. Weiterlesen

Project Vista

Project VistaKeine Angst, rüste nicht auf Vista auf. Schreibe auch nichts über Softwareinstallationen, genügt ja, wenn das der Redaktor tut. Schreibe vielmehr über Codenamen, den hatte ja auch Vista. Longhorn. So heißt eine Bar zwischen den Bergen Whistler und Blackcomb im kanadischen British Columbia. Whistler Blackcomb sind die Codenamen von XP und Sieben. Auch, und ein Skigebiet. Dort jagen im nächsten Frühjahr Skifahrer nach bronzenen, silbernen und goldenen Medaillen. Biathleten ja auch, genießen vielleicht den Ausblick und Weitblick. Laut Merriam-Websters Wörterbuch heißt Vista Ausblick oder Weitblick.
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Heroldsformel

Bin vermutlich demnächst schon auf der ersten Suchmaschinenseite zu lesen. Mit der Erklärung für Heroldsformel. Die kennt der nette Duden nicht, die Wikipedia auch nicht. Merkwürdig. Dabei ist’s doch ganz einfach: Der Herold war im Mittelalter ein Botschafter, der Botschaften seines Herren überbrachte. Was auch sonst. Die Formel ist keine mathematische Gleichung, sondern eine Formulierung. Redensart, auch. Stolperte heute über die Formel: Der König ist tot, es lebe der König. Die Heroldsformel, las ich. Freilich hatte der Herold soeben seinen Herren verloren, dem er hätte eine Botschaft überbringen sollen. Aber nun hatte er ja einen neuen Herren, dem er Botschaften überbringen konnte. Quasi.

Heroldsformel1Aus Nordamerika zwitscherte gestern Abend der Herold, der König sei ins Krankenhaus gebracht worden. Noch kein Wort vom Tode des Königs, vom neuen freilich auch nicht. Den gibt es vermutlich ja auch gar nicht. Wüsste jedenfalls nicht wen. Ruhe in Frieden, Michael Jackson. Werde deine Musik vermissen. Das überirdische „Black or White“, etwa.
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Freya

Knipse nun auch schon Butterkutter. Habe mich offenbar angesteckt bei zwei Freunden. Sie erfreuen sich an Schaufelraddampfern, fuhren mit vielen, bauten Modelle, restaurierten, schmiedeten Rettungspläne, zeichneten auch Pläne. Schöne Pläne, danke dafür auch. Freilich nur die gezeichneten, für die geschmiedeten sollten trottelige Nordamerikaner dankbar sein. Sind sie freilich nicht, offenbar, leider. Eben doch trottelig.

Freya1Das wäre noch ein Kompliment für die Reederei. Der ist das sogar das „Für“ zu schade, um ein gruseliges „S“ einfach anzuhängen. Geht allerdings auch ums Leben auf der Freya. Da hilft, dass großzügige, lichtdurchflutete Salons Service auf hohem Niveau garantieren. Ja, auch. Quasi. Das Fest fürs lesende Auge ist freilich die Interpunktion. Von wem hat die Reederei wohl das Synonym „schwimmendes Museum“ geklaut, wenn sie sich so öffentlich von der Bezeichnung distanzieren muss? Spare mir die Antwort.
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Sudoku

sudoku1Die nordamerikanische Rätsellobby war empört, vermutlich. Die, die es erfunden haben, lese ich. Nicht die Schweizer, ausnahmsweise. Wirklich nur ausnahmsweise. Auch nicht die Japaner, klingt ja so. Die Nordamerikaner waren empört, zutiefst, vermutlich. Über das Verballhornen ihrer Erfindung in der Werbung. Aber lustig. Heute war sie weg, die verballhornende Werbung. Kann die Nordamerikaner schon einmal etwas verballhornen, in der Werbung, auch. Vor der Apotheke, wie passend. Am Zürcher Kunsthaus.
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