DVD (2)

Über ein Jahr stand die Kaufkassette auf dem Wunschzettel. Im Internetkaufhaus. Das weist ja Wunschzettelbesitzer freundlicherweise darauf hin, wenn ein Artikel auf dem Wunschzettel zurück im Sortiment ist. Kehrte aber leider nicht zurück ins Sortiment, das registrierten auch die lustigen Regalsortierer im Internetkaufhaus. Sortierten also die Artikelnummer lustig neu ein. Ins Kühlregal. Freilich nicht die Kaufkassette, die hält sich ja auch ungekühlt. Joghurt freilich nicht, mit null Komma eins Prozent Fett auch nicht. Der trägt aber jetzt die Artikelnummer der Kaufkassette im Internetkaufkaus. Joghurt namens Andechser Natur Bio Pfirsich-Mango ist quasi ein Äquivalent für „Verwirrung der Gefühle„. Auch, vermutlich.

Besser sortiert ist das lustige Zweite Deutsche Fernsehen. Das produzierte „Verwirrung der Gefühle“ auch mit, auch für die Kaufkassette. Auch fürs Archiv, zu meinem Glück, dort lag der Film seit der letzten Sendung am achtzehnten November neunzehnhunderteinundachtzig. Nun ist eine Kopie verkauft. Nicht auf einer Kaufkassette allerdings, Andechser Natur Bio Pfirsich-Mango freilich auch nicht. Eine schöne DVD.

Die DVD nimmt den Leser, Seher natürlich auch, mit in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals schrieb ja auch der Autor das schöne Buch. Die Inszenierung spart indes wichtige Details aus. So studiert Roland Keller ja zunächst in einer Großstadt, genießt das Studentenleben, die Freiheit, weit entfernt vom strengen Elternhaus zu leben. Das erahnt der Seher aber erst, als Roland Keller angeheitert mit Kommilitonen, Kommilitoninnen auch, von seinem Vater im Treppenhaus vor seiner Studentenbude erwischt wird. Etwas klarer wird es auf der Reise in den neuen, ländlichen Studienort. Dabei muss aber Roland Keller schon quasi mit sich selbst sprechen, damit der Seher mehr im Bilde ist. Wenn jetzt die Verwirrung des Sehers noch nicht komplett ist, dann hat er nichts verpasst. Denn die Geschichte beginnt ja auch erst. Weiterlesen

Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

Erbgut

Auch die Leidenschaft für Backwaren ist vererbbar. Unerforscht indes, nach welcher Mendel’schen Regel. Dominant freilich, sonst wäre es selbstverständlich keine Leidenschaft. Erbgut, das Leiden schafft, gutes Erbe aber auch. Lecker auch, die Mandelhörnchen.

Sind hierzulande nur als Mandelbögli ohne leckere, in Schokolade getauchte Enden zu haben, in Bern. Im schönen München gibt’s echte Mandelhörnchen an der Ecke Implerstraße und Oberländerstraße, für unglaublich wenig Geld auch. Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Vuvuzelastrumpf

Blickte neidisch vom Balkon auf das schwarzrotgoldene Fahnenmeer auf der Regerstraße. Vor vier Jahren, würde heute wieder blicken. Blicke heute aber auf ein Rinnsal blaugrünrotgelbschwarzweißer Fahnen. Fahnen in den Autofenstern in Johannesburg. Blaugrünrotgelbschwarzweiß und Schwarzrotgold war die häufigste Kombination in Durban, Port Elizabeth. Freilich nach zweimal Blaugrünrotgelbschwarzweiß. Zweimal Schwarzrotgold ganz selten, in Johannesburg nirgends. In München quasi überall, vor vier Jahren. Ausverkauft.

Fragte in Baumärkten, Ein-Euro-Läden, Lebensmittelhändlern, Kaufhäusern, Sportgeschäften, Tankstellen. Ausverkauft. Wochenlang. Wochenlang wogte das schwarzrotgoldene Fahnenmeer vor meinem Balkon. Ohne meine eigene Fahne. Freilich auch passend: ohne ein eigenes Auto. Aber ja mit dem Versprechen an den flammenden Fridolin, ihn Schwarzrotgold zu schmücken. Weiterlesen

Welteinkommen

Weit her ist es ja nicht mit der Dichtkunst von Beamten. Aber immerhin dichten Beamte. Deutsche, Schweizer sicher auch. Deutsche Beamte dichten Zusätze zu schönen Schweizer Adressen, überflüssige allerdings. Redundant zu dichten, dass Schiffe an einem Ort landen. Schiffe landen ist doch schon Dichtung genug. Klar, Schiffe landen an einem Ort, der Ort heißt ja aber schon so. Schiffe landen. Schön ja auch. Nicht so schön wie an der Schiffe landen. Demnächst dichten deutsche Beamte vermutlich noch Hechtplatz. An dem, vermutlich noch. Hat dann aber nix mehr mit Dichtung zu tun. Ist schlicht falsch.

Falsch ist ja auch, mir ein Welteinkommen anzudichten. Schicht auch. Konnten die dichtenden Beamten ja aber auch nicht wissen, dass ich gar keine Welt bin. Auf der Welt immerhin ein Einkommen hatte, freilich. Im schönen München, schönen Zürich. München, Zürich sind aber auch nicht die Welt. Meine Welt, freilich, das wissen freilich die Beamten aber ja nicht. Sprachen freilich nicht mit anderen Beamten über München, Zürich. Hätten in München, Zürich gehört, dass Zürich meine Welt ist, München nicht mehr so sehr meine Welt ist. Freilich schwierig zu verstehen, für jemanden, der noch nie in Zürich war. Weiterlesen

Eyjafjallajökull

Einmalige Gelegenheit, über ein so lustiges Wort zu schreiben. Schreibe es freilich nur mit Nachhilfe richtig, kann es kaum richtig aussprechen. Lustige Isländer können das Wort freilich richtig schreiben, aussprechen. Denken dabei aber ja auch an Inselbergegletscher. Europäer denken an Aschewolke, Flugverbot.

Hörte: Irgend so ein Vulkan auf Island ist ausgebrochen, der deutsche Luftraum gesperrt. Hörte das im Vorbeigehen, in Gedanken schon fast im neuen Terminal des Flughafens Barcelona. In der Luft, auch. Über den Wolken, auch. Aschewolken, auch. Plötzlich ging die Angst um. Freilich vor nichts weiter als einem weiteren Tag in Barcelona. Trotzdem Angst. Die verflog schnell, als sich die Nachrichtenlage änderte. Nur der norddeutsche Luftraum ist gesperrt, die Probebuchung des Fluges nach München Weiterlesen

Quartett

Die Länge einer Lokomotive wird in Länge über Puffer gemessen. Lernte ich, als ich als Kind ein Lokomotivenquartett spielte. Erinnere aber nicht mehr die längste Lokomotive, die schnellste, die älteste. Auch nicht, wie viele der Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett mich längs und quer durch die Bundesrepublik zogen. Ziehen auch, den Zug von München nach Zürich ziehen Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett. Ziehen vermutlich noch die nächsten zwei Jahre, bis endlich die Strecke modernisiert ist. Für dreihundertfünfunddreißig Kilometer brauchen selbst Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett nicht unbedingt vier Stunden. Derzeit schon noch.

Kann sich die Zeit nicht einmal mit Quartettspielen vertreiben, denn der Quartettautomat am Zürcher Hauptbahnhof ist ja kaputt. Oder auch nicht, liest man das Schild richtig: doppelt defekt ist gleich intakt. Der Schildschreiber dachte sich vermutlich nur, doppelt hält besser. Auch, vermutlich.
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Bahnsteigkarte

Ist gar nicht so einfach, eine Bahnsteigkarte zu lösen. Freilich zumeist auch überflüssig, gibt es doch lustige Streifenkarten, Tageskarten, Wochenkarten. Die gelten ja auch als Bahnsteigkarte. Kombiticket quasi. Bahnsteigkarten gibt’s am Automat nicht unter Einzelfahrkarten, Tageskarten, Wochenkarten, Zuschläge. Sind allerdings ja auch gar keine Fahrkarten, Zuschläge, kann ja nicht am Bahnsteig fahren, das Fahrrad, den Hund nicht mitnehmen. Gehen schon, spazieren auch. Zum Fahrkartenautomat hin, zum Beispiel, obgleich das ja streng genommen schon illegal ist. Ohne Bahnsteigkarte. Wer dann noch drei Minuten die Bahnsteigkarte in der Kartenauswahl sucht, macht sich vermutlich schon strafbar. Angst, auch, etwas.

Hatte zum Glück ja schon eine Tageskarte, hätte gar keine Bahnsteigkarte lösen müssen. Löste trotzdem, dreißig Cent Spende an den MVV, quasi. Der brachte mich ja netterweise auch zur neuen Haltestelle Hirschgarten. Weiterlesen

Todestag (1)

Gibt’s leider mehrere davon. Zu viele schon, viel zu viele. Achtundsechzig Jahre gibt es diesen Tag schon. Ganz gruseliger Tag für die Menschen. Uns besonders, die wir gerne Bücher lesen. Hörte vor zwei Jahr tatsächlich Schwämerei, über einen Stefan. Kannte ich sonst gar nicht aus dem Mund, über einen Stefan. Stefan auch, freilich. Mark schwärmt heute auch von einem Stefan, tippte den Namen vermutlich schon hundertmal in Suchfelder ein. Fand selten etwas Erbauliches. Über diesen Tag jedenfalls. Heute ist der achtundsechzigste Todestag von Stefan Zweig.

Trug existentialistisches Schwarz, wie der Kollege bemerkte. Wusste nicht, warum, verriet es auch nicht. Er hätte es auch nicht nachschauen können, die Internetenzyklopädie weist auf den neunzigsten Weiterlesen

Wahlwerbung

Zürich wählt. Die größte Stadt der Schweiz, rotgrün regiert. Kandidaten und Parteien fluteten bis Freitag die Briefkästen mit Wahlwerbung. Auch Briefkästen, an denen Hochdeutsche Namen stehen. Manchmal auch die falschen, daran sind aber nicht die Kandidaten, Parteien schuld. Freilich.

Schon schuld sind die Kandidaten, Parteien an dem, was in den Wahlwerbeprospekten steht. Können nicht immer nur die Werbetexter schuld sein. Freilich schreiben die auch viel Schund, Kandidaten, Parteien aber auch. Las freilich alles. Las von der Sozialdemokratischen Partei, kurz SP: „Dabei wurden innovative Ansätze verfolgt wie die Zusammenlegung zu einer gemeinsamen Schuleinheit mit dem Schulhaus Hirschengraben und die Neuaufteilung des Einzugsgebietes über drei Schulkreise hinweg.“ Bin freilich schwer beeindruckt, unglaublich innovativ. Die Grünen schreiben sich ähnlich Innovatives ins Regierungsprogramm: „Sicherer und komfortabler Veloverkehr, autofreies Wohnen und weniger Parkplätze!“ Ausrufezeichen. Stellt sich für mich die Frage nicht, welche Kandidaten, Partei ich wählen würde: Für ein Auto ist nun wirklich kein Platz auf dreiunddreißig Quadratmetern. Einparkieren müsste ich überdies wohl mit einem Kran, denn einen Fahrstuhl haben wir nicht. Rückwärts vermutlich ja auch. Zurück nehmen die Liberalen hoffentlich die sechs, in Worten: sechs, Wahlwerbeprospekte. Eine Kandidatin sieht sich durch die Hobbys „Kantorei Enge, Militär-Sanitätsverein Zürich, Nothilfekurse, Sanitätsdienste“ für den Gemeinderat bestens qualifiziert. Weiterlesen

Joggeli

Die passende Wurst gibt’s dazu freilich auch. Im Stadion aber nur, wäre natürlich auch doof, wenn Wurstbräter die Wurst auch außerhalb des Stadions verkaufen. Schmeckt aber nicht gut, fad, mit einer lieblosen halbtrockenen halben Brotscheibe serviert. Senf, selbstredend. Auch fad. Das Stadion ist ja aber auch unspektakulär, der Basler Sank-Jakobs-Park, kurz Joggeli. Auf Schweizerdeutsch, Entschuldigung, Baseldeutsch, sonst beleidige ich vermutlich alle Schweizer außerhalb von Basel, Baselland. Reiste erstmals ins guselige Basel. Angst, etwas, auch. Nicht wegen des Fußballs, auf den setzte ich die Hoffnung. Der Tabellenzweite gegen den Tabellenersten, macht Mut. Sah auch Fußball, aber hauptsächlich vom Weiterlesen