Ausschaffungsinitiative (1)

Schweizer sind ja gar nicht so wenig kriminell. Schreibe freilich nicht ich, schreibt das Bundesamt für Statistik. Das schreibt: zweiundfünfzig Prozent der Beschuldigten in Strafverfahren sind Schweizer, neunundzwanzig Prozent ständig in der Schweiz lebende Ausländer, vier Komma vier Prozent Asylsuchende, vierzehn Prozent Ausländer ohne längerfristige Aufenthaltserlaubnis. Das schreibt nicht, wer wohl die anderen null Komma sechs Prozent Beschuldigten sind. Aber so sind sie, die Statistiker. Jeder Bäcker eines Tortendiagramms würde fragen, wer wohl schon von seinem Backwerk genascht hat. Die Statistiker möglicherweise. Die brauchten sicherlich noch Energie für eine zweite Rechnung, um die Statistik auch für eine populäre Volkspartei attraktiv zu rechnen. Das geht so: Bei den Gewaltstraftaten leisten die Männer mit den großen Lupen ganze Arbeit. Sie klären vier von fünf Straftaten auf. Respekt dafür auch. Die Statistiker finden das freilich auch ganz toll und schreiben, dass diese Stichprobe ja besonders aussagekräftig ist. Ist sie nicht, Weiterlesen

Regenschirmscanner

Gibt freilich wenig nahe liegenderes als einen Regenschirmscanner. In London. Regnet ja quasi permanent hier, wenn gerade einmal nicht, wabert nasser grauschwarzer Nebel durch Hinterhöfe, Straßenschluchten, Alleen. Mikrometerkleine Tropfen jubilieren durch London, ruhen sich aus auf Kabelschächten, Abwasserrohren an den Hauswänden, in den Ritzen des brüchigen Fensterputzes. Oder auch auf Regenschirmen, die quasi jeder Passant trägt. In allen Regenbogenfarben, mit allen Buchstaben bedruckt, gemustert auch, klassisch kariert. Der unifarben schwarze liegt im Hotelzimmer, bin schließlich nicht aus Zucker. Regnet allerdings auch gar nicht. Immer. In London.

Häufig aber vermutlich ja schon. Dann läuft freilich auch der Regenschirmscanner im Dauerbetrieb. Wenn nicht nur lustige Regentropfen sich auf die Londoner Blätter, Wiesen, Bürgersteige, Autodächer platschen lassen, sondern ja auch listige Schurken durch Londoner Straßen streifen. Sie tragen freilich auch Regenschirme, spannen sie aber selbstverständlich nicht auf. Sonst würde der Gewehrlauf nass, der Säbel würde zu rosten beginnen. Listige Schurken tragen also einen Hut, führen den Regenschirm quasi spazieren durch London. Nett ja auch, für die Regenschirme. Für die Männer mit den großen Lupen freilich auch, Weiterlesen

Burka

Hätte gleich wieder zurück fliegen müssen, vermutlich. Mit einer Burka. Von Nizza nach Zürich. Nachdem die französische Nationalversammlung die Burka verboten hatte. Französische Grenzbeamte hätten mich als Burkaträger identifiziert, vermutlich auch ohne die Männer mit den großen Lupen zu konsultieren. Höchstens um den Gesetzestext zu lesen, dann hätten sie mich freilich einreisen lassen müssen. In einer Burka. In Nizza, in Zürich freilich auch. In Zürich gibt’s ja aber gar keinen Burkaverleih, deshalb reiste ich ohne Burka ein, aus auch. In Frankreich, wo die Nationalversammlung mit dreihundertsechsunddreißig zu einer Stimme gegen die Burka gestimmt hat. Bei zweihundertvierzig Enthaltungen, allerdings. Trotzdem: eine Gegenstimme.

Eine noch breitere Mehrheit befürwortet in der Schweiz ein Burkaverbot. Von links über die Mitte nach rechts. Rechts hat mit der gruseligen Weiterlesen

Langfinger

Auf dem Zürcher Flughafen gibt’s zum Glück diesen Verpackungsdienst für Koffer. Die wickeln auch die unförmigste Tasche ein, Koffer freilich auch, Handgepäck sicher auch. Danach kann dem Gepäck nichts mehr passieren, sehe ich. Es kann in Pfützen im Regen stehen, an scharfen Kanten vorbeigezogen werden, vom Trolley fallen auch wenn es zwischen anderen Gepäckstücken eingeklemmt ist. Und freilich hinterhältige Langfinger nicht mehr ihre langen Finger in das Gepäck stecken. Wirklich ja großartig, so ein Verpackungsdienst. Allerdings hat der Verpackungsdienstkunde keine Freude daran, wenn er die nasse Folie abwickeln muss, eine ganz scharfe Kante durch die Folie und den Koffer schneidet und die Folie in Fetzen hängt, der eingeklemmte, folienumwickelte Koffer vom Wagen in eine Pfütze fällt. Oder auch der Langfinger nicht nur lange Finger hat, sondern auch noch ein Messer, um die Folie zu zerschneiden. Doof dann auch, der Verpackungsdienst.

Nun hat es der Verpackungsdienstkunde freilich einfach, zumindest den letzten Fall zu verhindern. Weiterlesen

Güselsack

Endlich sitzt er hinter Gittern. Quasi. Unbedingt verdient ist ja die Verurteilung, wegen skrupelloser Züri-Sack-Fälschung. Ausrufezeichen. Dem skrupellosen Handel mit gefälschten Züri-Säcken vielmehr. Nichts desto trotz Ausrufezeichen. Fälschte freilich nicht selbst. Malte keine blauen Buchstaben auf graue und nicht schöne weiße Züri-Säcke, zog auch keine andersfarbig blauen Bändel durch die grauen, nicht schönen weißen Bändelschlaufen. Benutze auch keinen dünnen Kunststoff, las ich, haben die Männer mit den großen Lupen nicht so gut hingeschaut. Trotz der großen Lupen, sahen sicher andere gruselige Dinge durch die großen Lupen. Wer weiß, Sahen aber auch keine schwachen Schweißnähte, wegen denen die gefälschten Züri-Säcke leichter reißen. Der Güsel auf schöne Fliesen fällt.

Fiel freilich nicht, auf schöne Fliesen in der Küche, im Treppenhaus auch nicht. Das Güsel, Schweizerdeutsch für Abfall. Güselsäcke statt Abfallsäcke, quasi. Beutel sagt der Hochdeutsche. Tönt aber auch ulkig, wenn der Hochdeutsche Sack sagt. Beim Züri-Sack nicht ganz so ulkig, kauft die aber auch nicht jede Woche. Besaß noch einen Vorrat an Züri-Säcken, als der Betrug aufflog. Weiterlesen

Schuppen

Schuppen1Der Redaktor ist freilich dankbar für einen Schlafplatz. Im Schuppen, Fünfsterneschuppen, in dem Fall. Hätte auch gerne in einem Viersterneschuppen genächtigt, drei auch. Oder auch zwei. Einem. Nächtigte freilich nicht im Bett mit Frotteebettvorleger. Auf den Kopfkissen mit Wettervorhersagekarte und Zimmerfrühstücksbestellanhänger auch nicht. Ging aber auch nicht mit eingeschweißten Frotteeschuhen über tiefe Zimmerteppiche, Flurteppiche. Nahm immerhin einmal die Fernsteuerung zur Hand. Um das Schröder-Fernsehprogramm abzuschalten. Einmal reicht ja auch, die schwarze Mattscheibe ist ja auch ganz dekorativ. Nimmt aber viel Platz weg. Dort könnten besser schöne Kleider von der Deutschen Bank liegen, schwarze, auch.
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Fahrzeugfahndung

Winterthur ist freilich immer eine Reise wert. Insbesondere für einen Buchtipp von einem Winterthurer, wenn Winterthurer Buchhändler das Buch auch verkaufen. Mir. Der Buchtipp war Jeremias Gotthelfs „Meistererzählungen“, „Die schwarze Spinne“ vielmehr. Kostet in Winterthur allerdings doppelt so viele Franken wie Euros im schönen München. Wird ja aber auch von dem Kritiker „eine der größten Novellen in deutscher Sprache“ genannt. Las auch die größte, die gab’s nicht in Winterthur.

Fahrzeugfahndung1Dafür gibt’s Kurzparkzonen für Radfahrer in Winterthur. Reiste freilich nicht mit dem Rad nach Winterthur. Velo auf Schweizerdeutsch. Schlicht mit der Bahn, im schönen ersten Stock. Dort liest es sich ja gut, lange, auf der langen Reise nach Winterthur. Veloreisende müssen sich ja eilen, haben sie ihr Velo am Bahnhofplatz an der Ecke Turner-Strasse parkiert. Dort wird das Velo nach dreißig Minuten durch große Lupen beäugt. Freilich von den Männern mit den großen Lupen. An der Stadthausstrasse ja erst nach zwei Tagen. Weiterlesen

Dämmerungseinbrüche

Daemmerungseinbrueche1Schaffe es gar nicht mehr zum Lesen an den See, wegen der Dämmerungseinbrüche. Da will ich die Kampagne unbedingt unterstützen. Die Kampagne, Dämmerungseinbrüche zu verhindern. Sind freilich gruselig, die Dämmerungseinbrüche, viel zu früh ja auch. Vor der Umstellung der Uhren auf die Winterzeit nehmen Dämmerungseinbrüche zu, berichten die Männer mit den großen Lupen aus ihrer Erfahrung der vergangenen Jahre. Beobachteten durch die großen Lupen die flächendeckende Verbreitung von Dämmerungseinbrüchen. Machen nicht an der Kantonsgrenze halt, die Dämmerungseinbrüche. Deshalb wollen auch die Männer mit den großen Lupen im Kanton Zürich mit ihren Kollegen im Kanton Schwyz die Dämmerungseinbrüche verhindern. Haben sich schreiende Botschaften auf ihre Autos geklebt: Verdacht – Ruf an! Patrouillieren bis Ende Januar durch die Quartiere. Mit großen Lupen in der Tasche, freilich, Weiterlesen

Ladendieb

Ganz gut, dass Justitias Mühlen langsam mahlen. Für Möwen in Aberdeen. Wären heute vermutlich in gruselige Käfige eingesperrt, hätten als Wiederholungstäter auch keine Aussicht auf vorzeitige Haftentlassung. Müssten also vielleicht fünf Jahre absitzen. Eine Stunde Ausflug am Tag, nur wohl in einem größeren Käfig. Eine Stunde Besuch in der Woche, von den Möweneltern, Möwengeschwistern, Möwenfreunden. Die wissen lustige Geschichten zu schreien.

Von einem Ladendieb in Aberdeen etwa, der orange Chipstüten stahl. Spazierte ohne Skrupel in einen Kiosk, ging schnurstracks zum Chipstütenregal hinter der Tür, pickte eine Tüte auf und trug sie hinaus. Nun war die Tüte offen, quasi unverkäuflich, Pech, also die Chips flink aufgepickt. Vermutlich aber mit der Frage, warum Menschen so etwas essen. Vollkommen versalzenes, hartes, dünnes Brot. Dann doch schon lieber Krümel und Körner, auch wenn sie im Wasser aufgeweicht sind.
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Busfahrt

Busfahrt1Auch Bus fahren will ja gelernt sein, quasi. Abfahrtstafeln zu lesen, klar, die richtige Buslinie in die richtige Richtung zu nehmen, eh klar. Schwieriger ist das richtige Verhalten während der Busfahrt. Mit Polizeieskorte, schlimmstenfalls. Freilich nicht im Bus, die Eskorte fährt voraus. Wäre ja ganz gruselig, wenn die Damen und Herren mit den großen Lupen noch die busfahrenden Fahrgäste beäugten. Während die freilich ihre Säge aus der Tasche holen, um sich als Erinnerung eine Haltestange abzusägen, dabei die Stiefel mit Spikes und nassem schwarzen Waldboden an der Sohle auf den stoffbezogenen Sitzschalen parkierten, die Dame auf dem Sitzplatz daneben für den lieblichen Gitarrenriff um einen Stutz anhauen, freilich erst, nachdem sie ihr einen mundvoll Zigarrenrauch ins Gesicht geblasen haben. Das sähen die Damen und Herren mit den großen Lupen gar nicht gern. Der Zürcher Busfahrer ja auch nicht, deshalb klebt er in seinen Bus lustige Schilder, die den Fahrgast auf das richtige Verhalten während der Busfahrt hinweisen.

Neu sind zwei lustige Schilder. Weiterlesen

Züri-Sack

Zueri-SackAngst in Zürich. Vor gruseligen gefälschten Züri-Säcken. War die Schlagzeile der Tageszeitungen. Die Redaktoren schrieben über Schurken, die schon Mitte April aufgeflogen waren. Reisten ein in die Schweiz aus Österreich, wurden trotz Schengen kontrolliert. Die Grenzwächter inspizierten das Reisecar, Schweizerdeutsch für Automobil. Gruselig. Das Automobil transportierte auch acht Kartons mit Züri-Säcken. 1.800 Züri-Säcken. Die Reisenden gaben zu Protokoll, die Züri-Säcke für ihren Abfall gebrauchen zu wollen. Züri-Sack lebenslang, quasi. Freilich blöde Ausrede, die freilich ein Grenzwächter nicht glaubt. Die Grenzwächter glaubten auch nicht, dass die Reisenden unbedingt Züri-Säcke importieren müssen. Gibt ja genug Züri-Säcke in schönen Zürcher Läden. Die Zürcher Männer mit den großen Lupen suchten und fanden: Weiterlesen

Kaffeeautomat

Der Zürcher Klusplatz ist offenbar Brennpunkt krimineller Machenschaften. Angst, etwas, auch, bei jedem Überqueren. Morgens und abends. Vor Wochen fiel ein Schuss, nun einen Raub. Wieder reisten die Männer mit den großen Lupen an, starrten auf verdächtige Zigarettenkippen, eilig das Tram besteigende Pendler. Aussteigende Redaktoren auch, die traurig gucken, weil sie nun arbeiten müssen und nicht mehr ihr Buch lesen dürfen. Nach nicht einmal zehn Minuten Fahrt.
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