Portraitfoto

Gibt glücklicherweise genügend Menschen, die sich mit dem Fotoapparat auskennen, mit dem Fotografieren auch. Sie knipsen steife Portraitfotos ohne ein Wort zu sagen, knipsen lockere Portraitfotos, wenn sie ein Wort sagen, oder auch seriöse Portraitfotos, wenn sie jemanden anderes ein Wort sagen lassen. Im besten Fall alle drei, dann fällt die Auswahl schwerer. Im besten Fall kennt sich der Auswähler auch noch mit dem Fotoapparat aus, mit dem Fotografieren unbedingt auch. Dann fällt die Auswahl freilich leichter. Gibt alle drei Portraitfotos, eins gefiel nicht einmal dem einen Auge. So sehen alle Augen weiter die, die schon schwarzweiß gedruckt wurden, oder auch ausgestellt sind.

Gibt freilich auch günstigere Methoden, ein Portraitfoto zu knipsen. Zum Beispiel in einem Besprechungszimmer, einem Fotostudio, einem stahlverstrebten, gläsernem Pavillon. Als in London, am Ufer der Themse. Muss sich in London, am Ufer der Themse, immerhin nicht mit dem Fotoapparat auskennen, dem Fotografieren auch nicht. Weiterlesen

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Regenschirmscanner

Gibt freilich wenig nahe liegenderes als einen Regenschirmscanner. In London. Regnet ja quasi permanent hier, wenn gerade einmal nicht, wabert nasser grauschwarzer Nebel durch Hinterhöfe, Straßenschluchten, Alleen. Mikrometerkleine Tropfen jubilieren durch London, ruhen sich aus auf Kabelschächten, Abwasserrohren an den Hauswänden, in den Ritzen des brüchigen Fensterputzes. Oder auch auf Regenschirmen, die quasi jeder Passant trägt. In allen Regenbogenfarben, mit allen Buchstaben bedruckt, gemustert auch, klassisch kariert. Der unifarben schwarze liegt im Hotelzimmer, bin schließlich nicht aus Zucker. Regnet allerdings auch gar nicht. Immer. In London.

Häufig aber vermutlich ja schon. Dann läuft freilich auch der Regenschirmscanner im Dauerbetrieb. Wenn nicht nur lustige Regentropfen sich auf die Londoner Blätter, Wiesen, Bürgersteige, Autodächer platschen lassen, sondern ja auch listige Schurken durch Londoner Straßen streifen. Sie tragen freilich auch Regenschirme, spannen sie aber selbstverständlich nicht auf. Sonst würde der Gewehrlauf nass, der Säbel würde zu rosten beginnen. Listige Schurken tragen also einen Hut, führen den Regenschirm quasi spazieren durch London. Nett ja auch, für die Regenschirme. Für die Männer mit den großen Lupen freilich auch, Weiterlesen

Pferdeampel

Bin demnächst auf tausend Fotos zu sehen. Von London-Besuchern. Dort ist die größte Schwierigkeit, nicht von Linsen angeglotzt zu werden. Oder auch den Klick aus Mobiltelefonlautsprechern erst zu hören, wenn man aus dem Blickwinkel der glotzenden Linsen heraus ist. Am Piccadilly Circus, am Hyde Park Corner, vor Harrods, am London Castle, auf der Tower Bridge. Überall werden freilich großartige Fotos geknipst, tausende, quasi. Geblitzt auch, wie wild. Bei Tageslicht insbesondere gerne. Einmalige Fotos, quasi. Niemals hat jemand aus dieser besonderen Perspektive ein Foto geknipst, diese sehenswerte Sehenswürdigkeit abgelichtet. Noch nie mit dem Partner im Vordergrund, vermutlich wirklich. War ein anderer Partner, vor oder hinter der Kamera. Oder auch beides. Sicher gab’s aber schon Trillionen Fotos der Sehenswürdigkeiten. Nun Trillionen und eine. Großartige, freilich. Facebook bekommt demnächst die Rechte an allen geschenkt. Verkaufen lässt sich das Foto freilich auch nicht mehr, gibt ja schon Trillionen davon.

Von der lustigen Pferdeampel vermutlich erst Milliarden. Zwölfstellig, quasi. Ist aber eine freundliche Installation, auf Augenhöhe der Pferde die grünen und roten Pferdesymbolbilder, auf Armhöhe der Reiter der Taster. Touristische Fußgänger wundern sich vermutlich zwar, warum Londoner Ampeln so unfreundlich sind, ihnen grüne und rote Pferde als Spiegelbilder vorzuhalten, die Taster so weit oben installiert sind. Möglicherweise denken touristische Fußgänger aber auch einen Moment nach, bevor sie auf den Taster an der Pferdeampel drücken. Könnte helfen, Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Zitat (35)

Dieser Prozeß der Kondensierung und damit Dramatisierung wiederholt sich dann noch einmal, zweimal und dreimal bei den gedruckten Fahnen; es wird schließlich eine Art lustvoller Jagd, noch einen Satz oder auch nur noch ein Wort zu finden, dessen Fehlen die Präzision nicht vermindern und gleichzeitig das Tempo steigern könnte. Innerhalb meiner Arbeit ist mir die des Weglassens eigentlich die vergnüglichste.

Die Jagd am Schreibtisch. Beethovens mächtigem Schreibtisch. Mächtige Jagden, vermutlich auch. Hunderte Seiten Beute quasi, bei „Marie Antionette“. Bei „Maria Stuart“ auch, leider nicht mehr an Beethovens Schreibtisch. An englischen Schreibtischen, gemieteten, Jagdrevier London, Bath. Dort jagte Stefan Zweig auch durch „Die Welt von Gestern„, in der er uns Lesern sein Pläsier offenbart. Ein ganz großes Vergnügen, die Jagd. Auch. Heute auch noch an Schreibtischen, im Jagdrevier Computer. Weiterlesen

Zitat (34)

Nichts liegt mir ferner, als mich damit voranzustellen, es sei denn im Sinne eines Erklärers bei einem Lichtbildervortrag; die Zeit gibt die Bilder, ich spreche nur die Worte dazu…

Zum Glück hatte Leitz im Jahr Neunzehnhundertsechsundzwanzig den Diaprojektor schon erfunden, sonst hätte Stefan Zweig seine „Die Welt von Gestern“ womöglich noch mit Schautafeln bebildern müssen. Oder gar mit Worten. Freilich ist es falsche Bescheidenheit, der Zeit die Illustratorrolle zu überlassen. Lernte nur in der Schule die Eckdaten der Zeit, sehe quasi nur Schemen. Bilder malt Stefan Zweig. Sehe ihn die Weiterlesen

Sicherheitsinstruktionen

Sind selbstredend unspektakulär, entsprechend häufig ignoriert, auch. Da fällt es quasi gar nicht auf, wenn sich mal ein Fehler einschleicht. Das Flugzeug hat sieben statt acht Notausgänge zum Beispiel. Ein lustiger Zeichner war gerade abgelenkt, vergas mir nichts, dir nichts ein Oval auf die Bordwand zu malen, einen roten Pfeil hindurch zu ziehen. Passagiere wundern sich, warum die Flugbegleiterin ihnen das Öffnen der Notausgangstür erklärt, sie zum Verstauen des Gepäcks in den Handgepäckstauräumen auffordert. In den Sicherheitsinstruktionen steht doch gar nix von dem Notausgang. Verdammt, meint der Chefzeichner, zweite Auflage. Passagiere wissen nicht, wohin mit ihren Händen. Hinter den Kopf, den Kopf auf die Knie ziehend. Vor die Brust, aufrecht sitzen bei der Wasserlandung, wie es die Sicherheitsinstruktionen zeigen. Verdammt, meint der Chefzeichner, dritte Auflage. Vorher erst einmal eine Zigarette, meint der Zeichner. Zeichnet hinterher freilich ein lustiges Quadrat mit abgerundeten Ecken, darin einem länglichen waagerechten Rechteck mit zwei Wellen an einem Ende. Sehr dekorativ, meint der Chefzeichner, bei einer Zigarette. Aber verdammt: es fehlen zwei rote Striche. Vierte Auflage. Bei der fünften Auflage könnte der Zeichner noch lustige Wellen Weiterlesen