Generalabonnement

Generalabonnement1Ist freilich kein General, der regelmäßig zu Besuch kommt. Auch kein Abonnement aller Schweizer Druckwerke, obwohl das dem Redaktor ja gar nicht schlecht zu Gesicht stünde. Dringend, quasi, mehr lesen über sein Gastgeberland. Nicht nur das Gezwitscher der NZZ. Schriebe der Redaktor für die NZZ, brauchte er gar kein Generalabonnement. Könnte laufen, am Seeufer entlang, in die Redaktion hinter dem Zürcher Opernhaus. So muss er gruselige Minuten mit dem Tram fahren. Sieben. Verlängert in der Sommerpause seinen Arbeitsweg künstlich: mit der Schifffahrt vom Limmatquai zum Bürkliplatz. Freilich auch mit dem Generalabonnement.

Generalabonnement2Mit dem Generalabonnement ist der Redaktor ja nicht alleine. 300.000 Schweizer haben das auch. Nur 29.000 Deutsche eine Bahncard 100. Kostet ungefähr das gleiche, in Euro freilich. Das Schweizer Streckennetz ist aber nur circa 23.500 Kilometer kurz. Das deutsche genau 33.862 Kilometer lang. Auch kurz. Nicht eingerechnet sind 115 Nahverkehre, in denen die Bahncard gilt. Neuerdings. Das Generalabonnement schon immer, für schöne Schifffahrten auch. Sogar Gondelfahrten. Für den Blick auf schönes Wasser. Oder Berge, Hügel auch. Für die Zugfahrt zum Basler Leuchtturm vorerst nicht. Schade. Wäre ein Grund gewesen, doch nach Basel zu reisen. Dort ist’s ja auch ganz gruselig. Ohne Leuchtturm, auch.
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Stangen

Esse ja ganz gern Tapas. Am liebsten freilich in Barcelona, in der Bodega. Der Bodega. Geheimtipp, quasi. So geheim, dass ich den Weg dorthin zuletzt selbst nicht fand. Nun zeige ich ihn Menschen nur noch mit verbundenen Augen. Spanisch sprechenden Menschen, freilich, hungere mit Englisch, durste, auch. Zwei spanisch sprechende Freunde fanden die Bodega, per Zufall. Oder in der Not, als wir fast schwammen, im Hafenrestaurant. Das steuerten wir nicht wieder an, ein Jahr später. Vor drei Jahren wurde die Bodega unser Stammlokal. Alljährlich Anfang November, mit dem Stürmerstar. Hinterher noch in die Garagenbar. Dort gibt’s auch Moritz-Bier. In Stangen.
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Abkühlung (1)

Die wäre schon am Gepäckband in Hamburg dringend notwendig gewesen. Unbedingt auch. Bugsierte den 20-Kilo-Koffer nur mit Ach und Krach vom Laufband. Einhändig, brauchte die andere Hand zum Drücken. Nur Daumen und Zeigefinger, genau genommen. Zum Daumendrücken. Bringt Glück, hörte ich. Der See ja auch. Er war so nett, sich mit dem Daumen beim Glückbringen abzuwechseln. Vor der Schifffahrt, tatsächlich. Nach dem Besuch des Lighthouse, der ja viel schöner im Deutschen heißt: Leuchtturm. Im Spanischen auch: Faro.
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verspiegelt

Alle Zimmer des kleinen Heims. Schönen Heims, auch. Schöne Spiegel auch, viele kleine, die gucken sich noch gegenseitig an. In die Unendlichkeit quasi, aus fünf gucken schon Augen. Acht Paare, bebrillte, verdunkelte, auch. Junge freche wie die der Frau Werkstattmeisterin sind die einzigen, die in den kleinen Spiegel an der gegenüberstehenden Wand gucken. Darf mich nicht beklagen, knipste ich doch die Fotos alle selbst. Acht fehlen noch, aber nur die Fotodrucke, von Augen. Auch. Menschen, auch. Der Fotodrucker steht im Wandschrank, der sich nun endlich auch im Spiegel sehen kann. Bohrte mit der geliehenen Schlagbohrmaschine Löcher in dicke Mauern, weiche, alte, auch. Für den Spiegel, der nur ein Rahmen sein sollte. Für den Butterkutterplan. Der wird aufgezogen, sieht sich dann auch im Spiegel. Weiterlesen

Honignehmer

honignehmerGehört freilich zum Standardrepertoire des Geschenkideenausdenkers. Für schwierige Fälle, gibt ja Menschen, die schon wirklich alles haben. So richtig alles, also auch schon den roten Karmann Ghia, das braune Quietscheentchen, das Arzt-Deutsch-Wörterbuch, das Leuchtfeuer, das Wasser aus dem netten See, das Moritz-Bier, die Schlauchbrille, das Do-it-yourself-Hot-Dog-Set mit Küstennebel, den 78-er-Portwein, das Mikrofaserputztuch, den Spritzenrotstift, den Tablet-PC. Wunschlos, quasi. Weiterlesen

Fido Dido

fido-didoDer Blickfang ist mindestens 15 Jahre her. Ein Rucksack, ein Schreibblock, ein T-Shirt. Mit Fido Dido. Den Rucksack verschenkte ich, vor 15 Jahren. Oder mehr. Jahre. War schon eine Rarität damals. In Deutschland. In Jena sowieso. Das Internet gab’s noch nicht. Für eine Bestellung in Spanien etwa. Dort war Fido Dido populär. Ist’s noch. Wirbt jetzt auch wieder für das Zuckergetränk. In Zürich, sah es im Sommer auf der Dachterrasse. Gruselte mich etwas. Kaufte dann noch eine Flasche. Bei der Genossenschaft zum aufgedruckten Einheitspreis. Fast wie der Falckenthal Korn auf dem Fensterbrett. Die Gießkanne aus dem Volkseigenen Betrieb Edelbrände und Spirituosen Luckenwalde. Für 13 Mark. Einheitspreis, ohne Werbetrick. Fiel heute herein, auf den Werbetrick, quasi. Vor 15 Jahren war es kein Werbetrick, eine Aufmerksamkeit vielmehr. Trinke die nie, freilich. Muss ich auch nicht, wird schlecht in diesem Monat. Dann kommt sie in den Züri-Sack. Entdeckte heute orange Dosen. In Baar. Die gehen ja grad gar nicht.

Zitat (10)

Du siehst nur einen Pastis. Ich hingegen, der ich in das hineinschauen muß, was ich male, sehe die Pflanze, aus der er gemacht ist, die Stürme, denen die Pflanze getrotzt hat, die Hand, die die Aniskörner geerntet hat, deren Reise bis hierher, rieche den Duft des Anises und sehe die Farbe, ehe er dem Alkohol zugefügt wurde.

Schreibt Paulo Coelho in „Elf Minuten“. Bis dahin fast mechanisch hart dokumentierend, obwohl es in Brasilien so gruselig nun auch nicht war. In Genf schon, kein Grund um jubilierend zu erzählen. Dann malt der Maler das erste Wortgemälde, einer bestürmten Pflanze, sonderbaren. Exotischen auch. Steht stolz im prasselnden Regen, biegt – nicht wiegt – sich im Wind. In der Ferne durchschneidet das Feuer des Leuchtturms den Regen an Fäden. Ein Tropfen perlt auf dem Anisblatt, schimmert in lustigsten Farben, bald orange, blau, grün. Als die Sonne die warmen Hände ausstreckt am Morgen nach dem Sturm.

Internationaler Erd-Rotations-Service

Sind wir mal froh, dass es für fast alles einen Service gibt. Outsourcing, fällt dem Redaktor ein. Aus gleich mehreren Ländern offenbar, sonst wäre der Service wohl kaum international. Vermutlich. Die Erd-Rotation veranstalten die Franzosen für uns, müssen wir uns nicht drum mühen. In Zürich nicht, in München nicht und schon gar nicht in Schleswig. Das wäre wohl auch kraftraubend, am Zahnrad für die Erd-Rotation drehen so weit entfernt vom Äquator. Besser Paris, dort drehen Franzosen am großen Zahnrad. Die Mitarbeiter des Internationalen Erd-Rotations-Services.
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Lighthouse

Heißt freilich Leuchtturm, viel schöner als im Englischen. Hörte: Das geht ja gar nicht. Aus einem Mund, der das sonst nie sagt. Sagt er. Auf Spanisch heißt Leuchturm Faro, lernte ich. Lighthouse steht auf dem Kalender 2009 im Seilereischaufenster in der Zürcher Torgasse. Schade, dass Leuchttürme in der Weltsprache Englisch so gruselig heißen. Immerhin in der Weltsprache Spanisch schöner, nett in Deutsch.

Leuchttürme sind ja nett, auch. Ihr Leuchtfeuer schaut sich um nach Augen, einem auch. Guckt entlang der Seebrücke weit aufs Meer hinaus, über die schäumende Brandung hinweg, über die Flut, die der Wellenbrecher besänftigt. Guckt auch ins Land hinein, in die guten Stube, das Schlafzimmer. Der Küstenanrainer, Frittenverkäufer und Glühweintrinker vielleicht. Sie stört bestimmt das Feuer, finden es nicht nett. Zum Kapitän ist das Leuchtfeuer aber schon nett. Warnt ihn vor dem nahen Ufer, den Klippen, den Untiefen. Den Matrosen wärmt es, signalisiert den nahen Heimathafen.

Auch ein Mensch kann ein Leuchtturm sein, rundum strahlend, nicht nur Freude aus.