Langeweile

Trambahnfensterscheiben halten müde Arme. Darauf stützen sich Köpfe. In ihnen Augen, Blicke leer. Dabei gäb’s viel zu sehen an der Strecke. Stattdessen Langeweile. Am Hauptbahnhof fährt Tram 3 ein, noch warte ich auf sie. In jedem Fenster das gleiche Bild. Die Rahmen laden zum Abstützen ein. Breites Gummi, willkommen nach dem langen Tag. Auf mancher Tram 3 jubeln Fußballfans, die Arme und Köpfe strecken sich ins Fensterglas. Zürcher Müdigkeit hinter Geheimfavoriten. Oder Deutschen, auch.
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Anderswo

Wo ist eigentlich anderswo? Da wäre ich häufig so gern. Wirklich? Autofahrten sind ganz gruselig. Ich starte nur mit dem Ziel, anderswo anzukommen. Ich fahre ewig, sitze, schnacke, pausiere, lese Kilometerzahlen auf Schildern und hoffe, sie seien bald zwei-, dann einstellig. Am Ziel sehne ich mich sofort zurück. Kein Spaß anderswo.

Der Wunsch nach anderswo ist eine Ausrede. In Aachen war Jena anderswo. Kein Kilometerzählen, kein pausieren, keine Autofahrt. Arcopal-Teller, täglich stundenlang Skript und Media Markt zur Ablenkung. Aber die alte neue Liebe zur Musik und die Studentenfeten auf der Pontstraße waren dort, wo ich war. Und schön, trotz dem Anderswo.
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