Wellenbrecher

Auch nett vom Weltfußballverband, Deutschland zweimal am Indischen Ozean spielen zu lassen. Für Deutschland eventuell nicht so nett, musste immer tausend Kilometer fliegen. Von Pretoria an die Küste. Für deutsche Fans freilich schon, müssen freilich auch fliegen, tausend Kilometer von Durban nach Port Elizabeth, mussten ja aber auch schon zuvor zehntausend Kilometer fliegen. An den Indischen Ozean.

Am Indischen Ozean fühlen sich Küstenbewohner quasi heimisch. Auch. Eine steife Brise weht um die Nase, Wind pfeift um die Ohren, wiegt das Schilf, dunkle Wolken eilen rasch am Auge vorüber. Oder auch kleine weiße Wolken, wie weiße Tupfer am blauen Himmelskleid. Dazu segeln lustige Möwen über Dünen, Strände, Wellenberge. Wellen haben Spaß am Auftürmen, Rollen, Brechen, die Gischt spritzen zu lassen. Millionen Tröpfchen in den Wind zu werfen, auf das sie glitzern in Milliarden Farben im Sonnenschein. Am Strand legen sich Wellen auf warmen Sand, ruhen aus, bevor es sie zurück ins kühle Nass zieht. Wünschen sich, Weiterlesen

Gegensprechanlage

Jedes Gefängnis hat eine Gegensprechanlage. Gefängniszelle auch, Hotelzimmer freilich auch. Hotels in Umhlanga auch, ordinäre Häuser allerdings auch. Kaum ein Hotel, Haus umzingelt nur eine ordinäre Mauer. Übermannhoch, freilich. Auf den meisten Mauern thront noch ein Gitter, spitz gezackt freilich, Elektrozaun, mindestens fünf Drähte übereinander, Natodraht, gerollt, mit Widerhaken. Hinter den Mauern, Gittern, Elektrozäunen, Natodrähten kläffen Hunde. Auch. Ein Spaziergang entlang einer Straße gleicht dem Gang entlang eines Gefängnisreihenhauses. Kilometerlangen. Kilometerweit kein Passant zu sehen. Fällt mir gar nicht auf, ich fahre die Strecke immer mit dem Auto, höre ich. Sehr gruselig, sage ich nicht. Ist’s aber.

Taxis rollen durch scheppernde Rolltore, nachdem der Taxifahrer mit der Gegensprechanlage sprach. Oder auch nicht. Rollen. Scheppern schon, wenn der Hotelgast das scheppernde Rolltor öffnet, um auf das Taxi zu warten. Nachts, mit mulmigem Gefühl. Mit dem Funksender in der Tasche, wichtiger als der Hotelschlüssel, Hotelzimmerschlüssel quasi. Der Funksender öffnet das Gefängnistor, der Hotelschlüssel den Trakt, der Hotelzimmerschlüssel die Zelle. Draußen ist die Angst, drinnen die Weiterlesen

Zitat (33)

Freilich eine lange Reise von Pawlowsk nach Windhoek. Kilometerlang auch. Auch ohne Flugzeug, Eisenbahn, Automobil, Schiff. Selbst dem Finger auf der Landkarte, im Buch. Zwei Büchern freilich. Reist sich gut mit Büchern. Ganz ohne Bordkarte, InterCityExpress-Zuschlag, Autobahnmaut. Aber ja mit Wellengang.

Lange Schatten zerschnitten das Land,

Komma. Wäre der Satz doch bloß schon zu Ende, stünde dort ein simpler Punkt. Bloß kein Komma. Oder ein Halbsatz folgte, der beschreibt, wie sich lustige Wassertropfen ein Palmenblatt herunterkugeln. Dabei freilich auch lustige Schatten werfen, an den Schnittkanten. Oder auch ein Schatten über rotem und gelbem Sand liegt, die Deutschlandfahne in die Landschaft malt. Die hätte zwar für den Moment nur daliegen können, später dann ja aber wieder wehen im Wind.

die Sonne stand tief.
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Quartett

Die Länge einer Lokomotive wird in Länge über Puffer gemessen. Lernte ich, als ich als Kind ein Lokomotivenquartett spielte. Erinnere aber nicht mehr die längste Lokomotive, die schnellste, die älteste. Auch nicht, wie viele der Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett mich längs und quer durch die Bundesrepublik zogen. Ziehen auch, den Zug von München nach Zürich ziehen Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett. Ziehen vermutlich noch die nächsten zwei Jahre, bis endlich die Strecke modernisiert ist. Für dreihundertfünfunddreißig Kilometer brauchen selbst Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett nicht unbedingt vier Stunden. Derzeit schon noch.

Kann sich die Zeit nicht einmal mit Quartettspielen vertreiben, denn der Quartettautomat am Zürcher Hauptbahnhof ist ja kaputt. Oder auch nicht, liest man das Schild richtig: doppelt defekt ist gleich intakt. Der Schildschreiber dachte sich vermutlich nur, doppelt hält besser. Auch, vermutlich.
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Curry-Grindel

Manche Bonuskarten haben glücklicherweise kein Verfallsdatum. Verfielen sonst garantiert, freilich nicht wegen dem leckeren Angebot. Wegen der Entfernung zur Filiale, hauptsächlich. Curry-Grindel hat nur eine Filiale, an der Ecke der Hamburger Grindelallee. Die ist vermutlich tausend Kilometer entfernt von Zürich. Diese Reise lohnt allerdings, freilich nicht nur wegen des Herzstempels auf der Bonuskarte. Aber ja auch.

Auch aber ja wegen der Currywurst mit Pommes. Hauptsächlich. Gibt auch nur einen Herzstempel für Currywurst mit Pommes, nicht für Currywurst, nicht für Pommes. Für scharfe, extrascharfe, feine, grobe Currywurst mit Zwiebelsauce auch nicht, Pommes Schranke freilich auch nicht. Aber Weiterlesen

Weltmeister

Hauptbahnhof ZürichWäre ja ein guter Schweizer. Zumindest beim Bahnfahren. Da sind die Schweizer Weltmeister, vermeintlich, aber nur bei den gefahrenen Schienenkilometern, nicht der Zahl der Fahrten. Aber in beiden Disziplinen vor den Deutschen, nur die Japaner fahren häufiger mit dem Zug. Würde auch die noch übertreffen, würde ich Fahrten aus dem schönen München ins gruselige Poing mitzählen. Dann wäre ich häufiger als einundsiebzig Mal mit dem Zug gefahren. Mit den neunzehn Bahnreisen übertreffe ich nicht einmal die Schweizer, die fuhren zwanzig Mal. Bin aber mit siebentausendfünfhundertsechsundsiebzig mit Abstand Weltmeister der zurückgelegten Schienenkilometern. In letzten Jahr. Der vermeidliche Weltmeister Schweiz fuhr nicht einmal ein Drittel. Sie fuhren vor zwei Jahren noch weniger Bahn. Einmal weniger aus dem schönen Zürich ins schöne München, quasi. Sind etwa dreihundertdreiunddreißig Kilometer.
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Liegewagen

Liegewagen1Warum heißt es eigentlich, dass Möwen schreien? Weil sich ihre Rufe für den Menschen wie Schreie anhören. Offenbar. Möwen singen in ihren Ohren vielleicht lieblich. Schreien sich sicher nicht zu: Jonathan, pass auf, wo du hinfliegst. Auf der Brücke steht schon wieder so ein glotzender Tourist mit einem kleinen roten Kasten vor dem Kopf. Oder doch, hätten viel zu schreien, in Zürich. Schreien ja auch schon morgens, wenn noch lange kein Touristen mit albernen Kameras fuchteln. Rufen sich vielleicht zu: Moin Moin. Oder lachen den Altstadtbewohner aus, wenn er spät die Fensterläden öffnet, weil er verschlafen hat. Sein Handtuch von der Wäscheleine in die Gasse fällt, weil er es nicht festgeklammert hat. Oder prahlen mit ihren Gleitflügen: Bin eben etwas mehr als einen Kilometer gesegelt, über der Limmat, vom Central zum Bauschänzli. Allerdings hören das Bahnfahrer auch bei offenem Wagonfenster nicht, auch nicht bei offenem Liegewagenfenster.
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Vogelfluglinie

Vogelfluglinie1Könnte Fehmarnbeltquerung heißen. Vogelfluglinie schreibt sich ja aber viel schöner, liest sich auch viel schöner. Aber nicht alles, was schön ist, ist auch zeitgemäß. Muss ich lesen. Heute fahren auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und Rødbyhavn fünf schöne Fähren. Fahren freilich nicht mit 160 Stundenkilometern wie Personenzüge, nicht mit 120 Stundenkilometer wie Güterzüge. Aber sie gleiten über das Wasser, nachdem es hieß: Leinen los. Dann holten Seeleute die Taue ein, schossen sie auf. Die Seeleute haben sich damit abgefunden, nur 19 Kilometer, vielmehr 10 nautische Meilen, zur See zu fahren. Schlimm genug, dass sie nur so kurz in See sind. In neun Jahren fahren die Seeleute gar nicht mehr zur See. Denn dann steht die Schrägseilbrücke über den Fehmarnbelt. Keiner schreibt über Seeleute freilich. Die Betreiberfirma der Fehmarnbeltquerung nicht, die dänische Regierung und der deutsche Bundestag auch nicht. Musste ja das letzte Wort haben bei dem Plan, Dänemark näher an Deutschland heranzubringen. Weiterlesen

Generalabonnement

Generalabonnement1Ist freilich kein General, der regelmäßig zu Besuch kommt. Auch kein Abonnement aller Schweizer Druckwerke, obwohl das dem Redaktor ja gar nicht schlecht zu Gesicht stünde. Dringend, quasi, mehr lesen über sein Gastgeberland. Nicht nur das Gezwitscher der NZZ. Schriebe der Redaktor für die NZZ, brauchte er gar kein Generalabonnement. Könnte laufen, am Seeufer entlang, in die Redaktion hinter dem Zürcher Opernhaus. So muss er gruselige Minuten mit dem Tram fahren. Sieben. Verlängert in der Sommerpause seinen Arbeitsweg künstlich: mit der Schifffahrt vom Limmatquai zum Bürkliplatz. Freilich auch mit dem Generalabonnement.

Generalabonnement2Mit dem Generalabonnement ist der Redaktor ja nicht alleine. 300.000 Schweizer haben das auch. Nur 29.000 Deutsche eine Bahncard 100. Kostet ungefähr das gleiche, in Euro freilich. Das Schweizer Streckennetz ist aber nur circa 23.500 Kilometer kurz. Das deutsche genau 33.862 Kilometer lang. Auch kurz. Nicht eingerechnet sind 115 Nahverkehre, in denen die Bahncard gilt. Neuerdings. Das Generalabonnement schon immer, für schöne Schifffahrten auch. Sogar Gondelfahrten. Für den Blick auf schönes Wasser. Oder Berge, Hügel auch. Für die Zugfahrt zum Basler Leuchtturm vorerst nicht. Schade. Wäre ein Grund gewesen, doch nach Basel zu reisen. Dort ist’s ja auch ganz gruselig. Ohne Leuchtturm, auch.
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schlitteln

schlittelnHeißt freilich Schlittenfahren auf Schweizerdeutsch. Mag kurze Wörter, schlitteln auch. Sonnenbrand wegen des Blaus über dem Hochnebel, in Kindergesichtern. Auch. Erst grün während der kurvigen Anfahrt, dann glänzend beim Anblick meterlanger Eiszapfen. Eisig während der kilometerlangen Abfahrt. Des Schlittelns. In Les Diablerets. Ganz so steil wie die steilste U-Bahn Europas geht’s dort nicht bergab. Schlief knapp unterhalb des Gipfels der maximal zwölf Prozent Steigung. Über dem Bett thronte der Taschenatlas der Anatomie. Meiner nicht, der steht in Zürich. Warm hinter dicken Mauern.

zutraulich

Der See ist noch warm. Wie warm, wollten wir wissen. Sitzend am Seeufer, ruhend nach den Zügelstrapazen. Hunderten Kilometern. Hunderten von Handgriffen, tausenden. Nur kalt geduscht, erfrischt in stehender Hitze. Wie warm sind 22 Grad? Treppab zum See, als Welle floss er in die Hände. Zutraulich. Weitergereicht, den See, den warmen. Ist er noch, auch. Und nett.

Schwäne sind es bestimmt leid, immer das aufgeweichte Brot zu essen. Mutmaßt der Restaurator. Zutraulich sind sie auch, auf der Suche nach Essen. Kaum steht ein Mensch am Ufer, kommen sie geschwommen. Wellen schwappen sie ans Ufer. Steintreppe, die tut weh. Posieren vor der Kamera nur gegen Brotkrumen. Schon der nächste Trog in Sicht. Am Abend auf der Limmat sehen sie aus wie gemalt. Regungslos dahin treiben. Keine Lust mehr auf labberiges Brot. Und Posieren vor der Kamera. Höchstens in Öl auf Leinwand, vor der Touristenkulisse.

Flughafen

Steril seid ihr, kühl. Kein Willkommen. Aber Großzügig eingerichtet, mit Polstergruppen, Einzelplätzen. Niemand sitzt gern neben Fremden. Liegt unbequem auf zwei Ritzen zwischen Sitzen. Weitläufig seid ihr. Weit laufen hauptsächlich, das muss man in euch. Auf Marmorböden, maschinell gefeudelt. Auf Laufbändern mit Ansage am Ende, Stolperfallen für Gespräche. Unvermittelt in den Arm fallen. Auf Laufbänder fürs Gepäck, hinter Theken mit hübschen jungen Damen. Sie wiegen, kontrollieren, blicken, fragen. Haben Sie den Koffer selbst gepackt? Hat Sie jemand gebeten, etwas mitzunehmen? Müssen sie. Zweihundert am Tag. Drücken dann den Knopf für die Reise. Des Koffers. Warten auf Vorfeldern, großen, die dürfen nicht betreten werden. Ausnahmsweise vom Bus zur Treppe. Treppauf husch, husch. Hinein in die Röhre.

Anspruchsvoll seid ihr auch, verlangt Lebensstunden. Zwei. Kostet Zeit. Teure, unbezahlbar. Mit Gold nicht aufzuwiegen, auch mit Blei nicht. Auch wenn’s schwerer ist. Bleierne Trägheit. Immer das gleiche. Die Reise zu euch dauert nochmal Stunden. Von euch weg auch, vorbei an wartenden Taxis, Schlangen, mit wartenden Fahrern. Unangenehm. Weil ihr so viel Platz braucht. Warten, meist unnütz. Auch Menschen warten in euch, manchmal sehnsüchtig auf Menschen. Nette auch. Mit Schildern. Auch nett. Für Menschen habt ihr Rüssel. Auf Rädern.