Zitat (36)

Man konnte einfach nicht überhören, daß er zunächst einen Sturmhimmel entwarf, unter dem einige Kräfte ziemlich aneinandergerieten, und er machte es dem Frühling keineswegs leicht, sich durch all das Wühlen, all das Tosen, den dunklen Trotz hindurchzuarbeiten und schließlich seine blaue Fahne aufzuziehen – wenn das etwas sagt. Dann jedoch ließ er den Frühling ausdauernd triumphieren mit Möwenruf und Schiffssirene, mit kleinem Wellenschlag, mit fröhlichem Glucksen und einer Art besessenem Murmeln;

Ja, Herr Siegfried Lenz, das sagt etwas. Wünschte mir freilich, der Frühling stünde wirklich schon vor der Tür, nicht der gruselige Winter. In dem ich meine eigene „Deutschstunde“ habe, keine Strafarbeit zwar, eine Fleißarbeit aber. Protagonisten erschaffen für einen Roman, einen Kriminalroman Weiterlesen

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Arabisch

Abschreiben ist doof, dachten sich vermutlich die lustigen Zürcher Dadaisten beim neuen Aushang. Druckten lustig arabische Buchstaben auf den Aushang. Musste diesmal jemanden kennen, der Arabisch kann. Kann nicht einfach abschreiben, oder auch gar nix schreiben. Wie bei Aushang. Immerhin darf im Kanton Bern ein Minarett gebaut werden. Weil die Baubewilligung vor der Verfassungsänderung erteilt wurde. Ohne Baubewilligung hätte es auch nicht unbedingt eine Verfassungsänderung bedurft. Bauverordnungsnovellen in sechsundzwanzig Kantonen statt einer Verfassungsänderung. War offenbar ökonomischer, quasi. Grusel.

Überhaupt nicht gruselig ist der Entscheid des Stadtzürcher Stimmvolks, der Stadt Zürich, das lustige cabaret voltaire bis zum hundertjährigen Jubiläum der Dada-Bewegung zu unterstützen. Mit einem Millionenbetrag. Indes fragt sich der Bewohner Zürichs, wie der Millionenbetrag bis zweitausendsechszehn reichen soll, wenn allein dreihunderttausend Franken Miete jährlich bezahlt werden müssen. Vielleicht bitten deshalb die Dadaisten: Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Joggeli

Die passende Wurst gibt’s dazu freilich auch. Im Stadion aber nur, wäre natürlich auch doof, wenn Wurstbräter die Wurst auch außerhalb des Stadions verkaufen. Schmeckt aber nicht gut, fad, mit einer lieblosen halbtrockenen halben Brotscheibe serviert. Senf, selbstredend. Auch fad. Das Stadion ist ja aber auch unspektakulär, der Basler Sank-Jakobs-Park, kurz Joggeli. Auf Schweizerdeutsch, Entschuldigung, Baseldeutsch, sonst beleidige ich vermutlich alle Schweizer außerhalb von Basel, Baselland. Reiste erstmals ins guselige Basel. Angst, etwas, auch. Nicht wegen des Fußballs, auf den setzte ich die Hoffnung. Der Tabellenzweite gegen den Tabellenersten, macht Mut. Sah auch Fußball, aber hauptsächlich vom Weiterlesen

Selbstdiagnose

Das Berner Bundesamt für Gesundheit weiß offenbar gruselige Dinge über die Mitbürger. Lese ich, oder auch nicht. Denn in der Pendlerzeitung stand’s am Morgen, am Abend schon nicht mehr auf der Zeitungsseite. Die Seite des Bundesamts für Gesundheit weiß auch von nix, die Seite der Universität Freiburg auch nicht. Der Besitzer einer Telefonnummer und einer E-Mail-Adresse möglicherweise. Er weiß aber auch mehr über psychische Störungen, schrieb er doch ein Standardwerk. Aus Bern. Eins davon stand in Jena, drei in Aachen, keins daheim. Nur Kopien. Für zehn Pfennig pro Doppelseite, verkleinert. Danke für die ein oder andere gute Erklärung von Störungsbildern, Herr Professor Meinrad Perrez. Auch Angst. Angst hat heute der gute Herr Perrez vor dem Telefonklingeln, vermutlich. E-Mails auch, von Angstpatienten, eventuell. Auch sehr gruselig. Nicht die E-Mails, die Anrufe. Die Selbstdiagnose.
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Reisestecker

Reise freilich gar nicht. Höchstens in Zürich herum. Ohne Elektrogeräte allerdings, normalerweise. Benötige zum Lesen am See nicht unbedingt einen Föhn, Kaffeemaschine, Toaster. Obgleich die ja so nett wären, den Leser bei Minusgraden aufzuwärmen. Gibt am See allerdings auch gar keine Steckdose, benötigte für die allerdings auch einen Reisestecker. Für Fön, Kaffeemaschine, Toaster. Den überlebenswichtigen Sandwichtoaster freilich auch.

Reise von Zeit zu Zeit doch einmal. Auch zu Menschen mit Reisesteckern. Sie reisen aber freilich auch gar nicht, sind höchstens auf der Durchreise. Parkiert quasi, auf Schweizerdeutsch. In München. In jeder Münchner Steckdose steckt ein Reisestecker. Föhn, Kaffeemaschine, Toaster würden passen. Der überlebensnotwendige Sandwichtoaster auch. Äpfel, Fernseher, Lichterkette aber nicht. Nicht in München, nicht in Zürich. Könnten einen Reisesteckerringtausch machen, oder auch ein Kabelmassaker. Weiterlesen

Törtchen

Alle Welt schreibt über zwei Schokoriegel, die mal Räuber hießen und demnächst wieder heißen. Oder schon heißen, hätte heute aber Schokoriegel mit einem anderen Namen kaufen können. Freilich ist Räuber ein gruseliger Name für einen Schokoriegel, zwei vielmehr. Immerhin mussten die Räuber nie alleine durch die Lande ziehen, wenn sie ein heimeliger Lebensmittelladen auf dem Dorf verkaufen wollte. Immer waren sie zu zwei. Allein, heute, zu Eis erstarrt. Aber dann sind es ja auch keine Räuber mehr, oder Inkognito, quasi. Hießen nur im nicht englischsprachigen Ländern Räuber. Vor sechzehn Jahren beraubte ein wichtiger Geschäftsmann sie ihrer Identität, Schokoladenriegelessern ihrer Lieblingsspeise. Fanden sie gar nicht lustig, der Geschäftsmann sicher schon, denn er konnte nun für mehr Geld in die Ferien fliegen. Musste ja dort auch nicht die Räuber essen. Die stecken nun wieder in Automaten, liegen in Auslagen. In Zürich vermutlich auch. Als Geburtstagsgeschenk für die Schokoladenriegelesser.

ToertchenBekam auch einmal ein Geburtstagsgeschenk, das gibt’s heute auch nicht mehr. Allerdings ist der Geburtstag auch schon einen Moment her. Bekam eine ganze Torte geschenkt, Törtchen vielmehr. Erinnere allerdings nicht mehr, ob es Karamell oder Schokolade war. War aber lecker, die Kerze darauf brannte. Weiterlesen