Zunfthaus zur Zimmerleuten

zunfthaus-zur-zimmerleutenKein Wunder, dass ich das Zunfthaus zur Zimmerleuten nur hinter einer schick bemalten Plane kenne. Es brannte am 14. November 2007 aus. War sicher schick vorher, wird sicher wieder schick, in einem Jahr. Weil schon die Plane schick ist, knipste ich knapp fünf Monate nach dem Brand ein Foto. Während des ersten Zürich-Besuchs. Auf dem Rückweg vom See. Zum Bahnhof. Vier Stunden Zugfahrt lagen vor mir. Vier Stunden, während denen ich nicht eine Zeile las. Im Buch. Nur auf dem Handy-Bildschirm.
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Zitat (16)

Sie stehen einander gegenüber, und es ist etwas wie Feindschaft zwischen ihren Augen.

Schreibt Heinrich Böll in „Der Zug war pünktlich“. Las ich in Hurghada. Vor einem Jahr. Stand dort niemandem gegenüber, nur morgens dem Spiegel. Früh morgens, als gesprengt wurde. Damit die Wüste grünt. Las nach der Flucht aus dem Gefängnis Böll. Am Strand, im Kreise drehend, dem Schatten hinterher. Schrieb im Gefängnis den ersten Text, den nur braune Augen lasen. Sah noch nie Feindschaft in braunen Augen, zu meinem Glück. Hätte gern Fußball geguckt mit den braunen Augen, vorgestern und gestern. In Zürich guckt das keiner.

Bestnoten

Urlaub war ja überfällig. Vor einem Jahr. Heute hieße der Ferien. Auf Schweizerdeutsch. In der Schweiz ist Urlaub auch überfällig. Heute. Ferien. Nimmt zu viel mit in die Ferien. Vor einem Jahr dachte ich, ich sei gut eingedeckt. Mit Büchern, Plänen, Stiften, Blöcken, der neuen Kamera. Langweilte mich trotzdem unendlich. Im Ort mit den Bestnoten. Von russischen Urlaubsgästen, vermutlich. Vielen. Bestnoten und Urlaubsgästen.
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Fenstersauger

KärcherLas Weltneuheit. Von der Firma, die mit Wasserdampfstrahlern Geld verdient. Viel, auch. In Hurghada, London, München, New York, Zürich. Krisensicheres Geschäft mit Wasserdampf, nach der Weltherrschaft nun auch noch eine Weltneuheit. Ausrufezeichen stand freilich auf dem Preisschild. Hui. Aber schon cool, eine Sprühflasche mit Wischeraufsatz und der Fenstersauger. Akkubetrieben, für zehn Fenster. Ohne Sprossen freilich. Dann sicherlich nur fünf. Habe Sprossenfenster, aber die Sprossen zwischen den Scheiben. Fensterläden davor. Schöne grüne. Weiterlesen

Wasser (3)

Strandurlaub ist nix. Strandferien, Entschuldigung. Herumliegen, ja, lesen, auch. Aber tagelang nix tun, keine gute Idee. À la Hurghada, inmitten tausender Russen, zu allem Überfluss vielleicht noch. Grusel. Keine Chance. Fotoferien sind dagegen spaßig: In Madrid vor etwas mehr als drei Jahren zum Beispiel. Die Kamera im Anschlag beim Schlendern von einem zum nächsten sehenswerten Ort. Mit dem leider damals noch seltenen Blick fürs Alltägliche, die andere Perspektive. Aber das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Zürich trainiert. Freilich sind hier aber auch tausende Kuriositäten auf wenigen Quadratmetern versammelt. Ein Springbrunnen auf dem Platz zwischen Rämi- und Waldmannstrasse etwa. Auf dem Weg zum Bellevue, Kunsthaus, Bahnhof Stadelhofen. Täglicher Weg ins Büro, auch. Geblitzt sieht das Wasser aus wie gefroren. Kalt wird’s in Zürich.

Schreibtisch (1)

Vertrödelte beinahe die Auktion, am Dienstag um neun. Vom Geiz gepackt, vom niedrigen Preis verlockt, die Chance aufs höhere Gebot verspielt. Überboten, passierte lange nicht. Den Tisch für knapp über 50 Euro nicht ersteigert. Mittwochabend gab es wieder einen, kleiner Trost. Der stand aber schon beim doppelten Preis. Nicht restauriert, versteht sich.

Der Restaurator meines Vertrauens stellte Ferndiagnose: Wenn’s nur die Oberfläche ist, das kriegst ja mittlerweile hin. Die Frau Werkstattmeisterin II macht im November eh Möbel in der Werkstatt. Frag‘ nach Furnierschäden. Konstruktiv könnte da eventuell auch was Wackeln oder Klemmen (der Rolladen z.B.). Die Auskunft aus der nördlichen Heimat zum Sofort-Kaufen-Angebot landete im Spam-Ordner. Vollholz, kein Furnier. Vollhorst.
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Aufbauhaus

Geschenkideen, vom Geschenkideenausdenker, für Künstler, Restauratoren. Tatsächlich. Auch. Haben schon Angst, bestimmt. Rückblicke ins vergangene Jahrhundert, mehr wird nicht verraten. Geschenkideenausdenker ist gemein. Verrät aber eine Idee für ein Geschenk, das er vielleicht sich macht:

Aufbauhaus Poetry Office

Das Poetry Office. Aus dem Aufbauhaus. Zürcher. Gehe fast jeden Morgen dran vorbei, dem Architektenbüro am Bahnhof Stadelhofen. Mit Dach von Santiago Calatrava. Poetry Office ist ein großartiger Name: Poetry ist lesen, schreiben. Office ist die Textverarbeitung, das Tablet. Das Nette. Schreibe meist auf dem Tablet, nur in Hurghada auf dem Handy. Der Name verbindet.
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Z

Paradies unter Z. Das will ich so gern schreiben. Seit Wochen. Gab schon einmal so einen Satz, in Hurghada. Der fiel mir ein beim Strandspaziergang. Ich schrieb und verschenkte ihn. An jemanden mit einer Locke, tatsächlich. Sie war so nett, den Weg ins Paradies zu weisen. Leseparadies. Das gibt’s beim Buchhändler, unter Z. In Zürich am Bellevue, in der Füsslistrasse. In München auch. Und auch in Budapest. Dort hab ich ein Stück mitgenommen. Aus dem Paradies. Unter Z. Beim Foto aus der Hüfte stand es noch.

Verzeih‘ Maria. Du bist mir teuer, ich zahlte fast den doppelten Preis. 4.340 Forint. Zu mächtig auch, nach dem Restlicht ist mir nach etwas hellem. Dich lerne ich an langen Herbstabenden kennen, schätzen sicher, wie Marie Antoinette. Sie liegt noch auf dem Fensterbrett, nachts hinter grünen Fensterläden. Mit dem Schnitzmesser, dem Fußballfeuerzeug und dem Lustigen Taschenbuch. In 477 Jahren lag dort nie etwas Schöneres.
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Ferien

Kondensstreifen am blauen Himmel. Ferien woanders. Andere fliegen, ins Urlaubsparadies. Aus dem Prospekt, Langeweile beim Schmökern. Hurghada-Seite überblättert. Grusel. Planierte Strände, das hatten wir schon. Acht Tage noch Ferien, Schweizerdeutsch für Urlaub. London, New York, Istanbul. Mag ich heuer gern noch sehen, München sowieso. Manche Dienstreisen sind wie Urlaub, Ferien, Entschuldigung.

Schattige Bank am See. Hinter Schilf, Wasser plätschert auf die Steintreppe neben der Bank. Schoggigipfeli versüßen den Nachmittag, kalter Espresso aus der Kunststoffdose. Sehr bald brüht der Cube Espresso. Schwarze Kapsel. Nicht mehr 30 Minuten fahren bis zum Seeufer. Hinter grünen Fensterläden thront Marie Antoinette auf dem Sideboard. Sie wartet schon. Mit dem Schnitzmesser, dem Lustigen Taschenbuch, dem Feuerzeug. Sie ziehen am Mittwoch in den Wandschrank. Auf den Riemenboden. Ferien, morgens und abends. Schifffahren. Zum Butterkutteranleger, zur Bank am See. Ferienfliegern die Zunge rausstrecken.

Spiegel

Die hatte neulich Geburtstag. Grüße per E-Mail, trotzdem Glückwunsch. Gestern ging kein Wind, die Limmat morgens und abends spiegelglatt. Jeden Tag reif fürs Touristenfoto, der Blick aus dem Tramwagonfenster. Auf der Bahnhofbrücke, St. Peter und Fraumünster thronen über den Dächern des Lindenhofquartiers. Ihre Türme spiegeln sich im Wasser, auf St. Peters Uhr liest selbst der Einäugige die Stunde ab. Ist Europas größtes Ziffernblatt, fast neun Meter. Nett auch so. Könnte farbig sein, wie die Chromachron, auch aus der Schweiz. Die ist schon hier, im Schrank. Nicht wegen der Nahtlosbräune.

In Hurghada war sie nicht, auch nicht wegen der Nahtlosbräune. Angst. Fotos habe ich dort nur vom Schrott gemacht. Auf der Terrasse des Nichtraucherhauses sieht’s ganz ähnlich aus. Spiegelblick in die Vergangenheit. Heute auch noch auflandiger Wind, Himmel blau. Die Stimmung ist hier besser, frühstücken mit den Russen. Grusel, aber nur in Hurghada. Hotelzimmer gehen gar nicht, beneide keinen, der hier dort wohnen muss. Bald. Platz zum Schlafen auf Riemenböden. Hinter dicken Mauern, warmen. Ganz nah am Wasser. Gebaut. Noch steht das Gerüst.

Langeweile

Trambahnfensterscheiben halten müde Arme. Darauf stützen sich Köpfe. In ihnen Augen, Blicke leer. Dabei gäb’s viel zu sehen an der Strecke. Stattdessen Langeweile. Am Hauptbahnhof fährt Tram 3 ein, noch warte ich auf sie. In jedem Fenster das gleiche Bild. Die Rahmen laden zum Abstützen ein. Breites Gummi, willkommen nach dem langen Tag. Auf mancher Tram 3 jubeln Fußballfans, die Arme und Köpfe strecken sich ins Fensterglas. Zürcher Müdigkeit hinter Geheimfavoriten. Oder Deutschen, auch.
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Grün

Insassen sind an grünen Armbändern zu erkennen. Der Rezeptionist teilt sie aus, legt sie auch um. Jeder trägt sie, kein Entkommen, denn drei Mahlzeiten und Getränke überall gibt’s nur für Grünträger. Die überfällt Stumpfsinn. Sie trotten zum Trog, zeigen her ihr Band und öffnen mechanisch ihre Mäuler. Wie in der Apple-Werbung von 1984, nur den Hammer wirft keine.

Der Strand planiert, die Wege gefliest, die Hänge mit Steinen zubetoniert. Kein Sandkorn in der afrikanischen Wüste. Die, die der Wind trägt, fegen Hunderte Borsten von den Fliesen. Alle anderen spült der Kärcher von sandbraunen Fassaden.

Von mannshohen Mauern geschützt wird das Urlaubsparadies. Darin ist alles so grün wie die Armbänder.