Benzin-Boykott

Da mache ich freilich mit. Unbedingt, Benzin muss boykottiert werden. Ausrufezeichen. Freilich unbedingt auch, wenn das Benzin aus dem gruseligen Libyen stammt. Rohöl vielmehr. In Libyen geben Väter ihren Söhnen so gruselige Namen wie Hannibal und wundern sich dann, wenn ihre Söhne verhaftet werden. Nur weil sie mutmasslich mal eine Haushälterin misshandelt haben. In einem Staat fernab von Libyen, freilich, sonst könnte ich ja gar nix drüber schreiben. Freilich auch ein gruseliger Staat, der einfach Söhne von Vätern, die ihre Söhne Hannibal nennen, verhaftet. Lebe schon in Angst, quasi, weil ich nach einer Währung benannt wurde. Aber ja zu meinem Glück nicht nach der Währung des Staates, der mir nichts, dir nichts Söhne von Vätern, die ihre Söhne Hannibal nennen, verhaftet. Müsste in der Währung Benzin bezahlen – aber das boykottiere ich ja. Quasi, unbedingt. Benzin-BoykottSofort, freilich auch. Würde freilich auch unbedingt und sofort einen Aufkleber kaufen, wenn ich Benzin kaufen würde. Im Staat… na ja, weißt schon, der mit dem Hannibal. Grusel. Der Aufkleber kostet viel Geld. Weiterlesen

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Festwiese

Festwiese1Der Himmel hatte sich schick gemacht. Im blauen Kleid mit dezenten weißen Tupfern und einem gelben Punkt. Für die Million Münchner, Millionen Gäste Münchens ja auch. Die hatten sich freilich auch schick gemacht. Weiße Rüschen blaue Karos. Blauweiß gestreifter Hemdkragen. Für den Besuch auf der Festwiese. Die Millionen strömten aus allen Himmelsrichtungen. Blauen. Aus Hotelzimmern ja auch, die sind auch immer ganz gruselig. Acht Euro für den Blog, dreißig für dreißig. Oder auch null für null. Das neu eröffnete Hotel wirbt zurzeit mit günstigen Zimmerpreisen. Fünfundsechzig, nicht hundertfünfundfünfzig. Während der Wies’n.
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Messegast

Gibt Leute, die in den ersten Märzwochen Urlaub machen. Eine Märzwoche, andere fahren zu Freunden oder Verwandten, auch eine Märzwoche. Dritte räumen das Kinderzimmer, Schlafzimmer, WG-Zimmer, oder besitzen ein Gästezimmer. Die Leute fragen nach Butter, Margarine, Mohnbrötchen, Schwarzbrot, Marmelade, Honig, harten Eiern, weichen Eiern, Kaffee, Tee. Manchmal auch nach der Morgentoilette, immer nach dem Geld, dem Haustür- und Wohnungsschlüssel. Fragen den Frühstücker auch nach der Heimat, der Wohnung, dem Beruf, der Arbeit, manchmal nach Karten. Der Messegast hat immer Karten, in den letzten Jahren übrig, auch.
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Zitat (22)

Wenn er in Paris mit einer Gelegenheitsfreundin im Spätherbst spazieren ging, war ihm kein reineres Glück vorstellbar gewesen als jene goldenen Abende mit dem rauhen Geruch der Maronen und der Kohlebecken, mit den schmachtenden Akkordeons und den unersättlichen Verliebten, die niemals aufhörten, sich auf den offenen Terrassen zu küssen, hatte er sich aber dennoch, Hand aufs Herz, dazu bekannt, daß er nicht bereit war, all dies für einen einzigen Augenblick seiner Karibik im April zu tauschen. Er war noch zu jung gewesen, um zu wissen, daß das Gedächtnis des Herzens die schlechten Erinnerungen ausmerzt und die guten erhöht und daß es uns dank dieses Kunststücks gelingt, mit der Vergangenheit zu leben.

Schön auch, das aus einer so noblen Feder zu lesen. Getippt auf einer nobelgepriesenen Schreibmaschine, vermutlich. Davor saß Gabriel García Márquez und tippte „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Beschrieb unser nettes Gedächtnis. Das ist ja ganz gut eingerichtet: Es erinnert die schönen Szenen, vergisst die hässlichen. Das klappt ganz gut. Trotz des Gefängnisses.

Frage freilich, wieso das so gut klappt. Wie so vieles, erklärte Sigmund Freud, wieso das so gut klappt. Auch wenn ihm die wenigsten glauben, damals nicht, heute auch nicht. Er ja auch nicht, sich selbst. Wollte nicht, dass seine Theorie empirisch geprüft wurde. Wurde sie aber, wird noch heute. Wird ja auch noch praktiziert, die Psychoanalyse. Als eine von drei anerkannten Therapiemethoden bei psychischen Erkrankungen. Geld verdienen Psychologen auch mit der Gesprächstherapie und der Verhaltenstherapie. Aber eben auch mit der Psychoanalyse. Und Freuds Verdrängungshypothese. Die geht so:
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Wegweiser (1)

Wegweiser11Fotografiere gern auch die Wegweiser, beim Spiel mit dem Vordergrund und dem Hintergrund. Auch auf Touristenfotos. Touristen fotografieren sich ja auch gern vor Zürich im Hintergrund. Das Fraumünster, Sankt Peter, die Münsterbrücke, die Limmat, die Wasserkirche mit Helmhaus, das Grossmünster. Von links nach rechts. Im Hintergrund, davor Fratzen, Käse, Kamerataschen seitlich am Gürtel, khakifarbene Hosen mit abtrennbaren Beinen, Bergsteigsandalen. Am gestreckten Arm gehaltene Kamera freilich auch noch. Oder rot blinkende Kamera mit Selbstauslöser. Blitzende Kamera. Vor dem Hintergrund. Dann sehen die Fotografen immerhin, wer abgelichtet wurde. Nur nicht, wo.
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Milchkaffee

War heute in Graubünden. An der Via Mala. Im Buch. Sieben Stunden nach fünf Minuten Fußweg. Trank dort einen Milchkaffee. Einen. In sieben Stunden. Hätte besser Sonnenmilch mitgenommen. Sieben Stunden Sonne plus Reflexion, von der spiegelglatten Wasseroberfläche. Heute spiegelglatt, gestern aufgewühlt, vom Wind, Schiffsschrauben, Schneeschmelze. Schnee schmilzt freilich in Graubünden, fließt als Rhein in den Bodensee. Als See nach Zürich, auch. Dort liest es sich ja gut. Bei einem Milchkaffee.
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Windschatten

Können ja Bäume spenden, Häuser auch. Sträucher mit ersten zarten Knospen nicht. Müssen sie aber auch gar nicht, unter der fast geschlossenen Wolkendecke, der weiße Kreis wärmt Seebesucher. Sie erröten, sitzen sie fünf Stunden am Wasser. In dem noch der Herbst schwimmt, verwelkte Blätter. Aufgewirbelt von den Wellen des Ausflugsdampfers, der Fontäne. Noch nicht des Butterkutters. Weiterlesen