Güselsack

Endlich sitzt er hinter Gittern. Quasi. Unbedingt verdient ist ja die Verurteilung, wegen skrupelloser Züri-Sack-Fälschung. Ausrufezeichen. Dem skrupellosen Handel mit gefälschten Züri-Säcken vielmehr. Nichts desto trotz Ausrufezeichen. Fälschte freilich nicht selbst. Malte keine blauen Buchstaben auf graue und nicht schöne weiße Züri-Säcke, zog auch keine andersfarbig blauen Bändel durch die grauen, nicht schönen weißen Bändelschlaufen. Benutze auch keinen dünnen Kunststoff, las ich, haben die Männer mit den großen Lupen nicht so gut hingeschaut. Trotz der großen Lupen, sahen sicher andere gruselige Dinge durch die großen Lupen. Wer weiß, Sahen aber auch keine schwachen Schweißnähte, wegen denen die gefälschten Züri-Säcke leichter reißen. Der Güsel auf schöne Fliesen fällt.

Fiel freilich nicht, auf schöne Fliesen in der Küche, im Treppenhaus auch nicht. Das Güsel, Schweizerdeutsch für Abfall. Güselsäcke statt Abfallsäcke, quasi. Beutel sagt der Hochdeutsche. Tönt aber auch ulkig, wenn der Hochdeutsche Sack sagt. Beim Züri-Sack nicht ganz so ulkig, kauft die aber auch nicht jede Woche. Besaß noch einen Vorrat an Züri-Säcken, als der Betrug aufflog. Weiterlesen

Liegewagen

Liegewagen1Warum heißt es eigentlich, dass Möwen schreien? Weil sich ihre Rufe für den Menschen wie Schreie anhören. Offenbar. Möwen singen in ihren Ohren vielleicht lieblich. Schreien sich sicher nicht zu: Jonathan, pass auf, wo du hinfliegst. Auf der Brücke steht schon wieder so ein glotzender Tourist mit einem kleinen roten Kasten vor dem Kopf. Oder doch, hätten viel zu schreien, in Zürich. Schreien ja auch schon morgens, wenn noch lange kein Touristen mit albernen Kameras fuchteln. Rufen sich vielleicht zu: Moin Moin. Oder lachen den Altstadtbewohner aus, wenn er spät die Fensterläden öffnet, weil er verschlafen hat. Sein Handtuch von der Wäscheleine in die Gasse fällt, weil er es nicht festgeklammert hat. Oder prahlen mit ihren Gleitflügen: Bin eben etwas mehr als einen Kilometer gesegelt, über der Limmat, vom Central zum Bauschänzli. Allerdings hören das Bahnfahrer auch bei offenem Wagonfenster nicht, auch nicht bei offenem Liegewagenfenster.
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Lebensohrmarke

LebensohrmarkeAuf der Lebensohrmarke steht freilich die Lebensohrmarkennummer. Wäre je auch doof, wenn nicht. Die Kuh wüsste nicht, wo sie hingehört. Werbegrafiker glauben ja, sie könnten Kühe mal mir nichts, dir nichts in die Schweiz malen, Werbetexter das unterschrieben. Überschreiben ja auch, mit einem lustigen Spruch. Hochdeutschen, geht so lustig. Lustig ist freilich, dass die Kuh eine Lebensohrmarke trägt, auf der eine österreichische Lebensohrmarkennummer aufgedruckt ist. Der Werbekunde Weiterlesen

Telefonhäuschen

Telefonhaeuschen1Telefonierte jüngst in einem Telefonhäuschen, vermutlich das erste Mal in dieser Dekade. Freilich nicht ohne mein Mobiltelefon, das musste mir die Rufnummer anzeigen. Konnte just in dem Moment nicht telefonieren, weil das Mobiltelefon kein Netz fand. Sicher Methode der Mobilfunknetzbetreiber, damit Telefonhäuschen nicht aussterben. Oder der Mobiltelefonproduzenten auch, die schwache Antennen in ihre Telefone einbauen. Telefonhäuschen unter Naturschutz stellen, quasi, akut vom Aussterben bedroht, auch. Der Waadtländer WWF fühlt sich sicher nicht zuständig.
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Regelanstoßzeiten

Die haben nix mit dem Anstoßen beim gepflegten Feierabendbier auf dem Bauschänzli zu tun. Obwohl es dafür freilich auch Regeln gibt. Schweizerdeutsche. Bei Regelanstoßzeiten geht’s um die Bundesliga, die Hochdeutsche. Freilich würde mir das ein oder andere Bayernmitglied wohl beim Hochdeutsch wiedersprechen, weil die Liga doch bayrisch dominiert sei. Ja auch, quasi. Aber die Regelanstoßzeiten sind schon ziemlich Hochdeutsch, wenn nicht gar Behördendeutsch. Das gefiele vermutlich der Deutschen Fußball Liga nicht, wenn man sie als Behörde und ihre Verlautbarungen als Behördendeutsch tituliert. Ist aber so, das weiß die Liga offenbar selber, versteckt die Verlautbarungen hinter einer Anmeldemaske. Die bösen Redaktoren sollen sich zuerst artig ausweisen, bevor sie die hochwichtigen und inhaltsvollen Verlautbarungen lesen dürfen. Oder sie lesen schlicht die Pressemappe, aber das könnte ja jeder. Die bösen Redaktoren, nicht ausgewiesenen, auch.

Regelanstosszeiten1Las darin von den neuen Regelanstoßzeiten, freilich erst nach dem zweiten Samstagstermin. Aber vor dem zweiten Sonntagstermin. Der ersten Bundesliga. Las auch vom schicken orangen Logo, mit Herz. Das ist ja schon auch nett von den sechsunddreißig Vereinen. Fanden das Herz aber vermutlich schöner als das Blutgrätschelogo, rote, freilich. Weiterlesen

Telefon

Die Schweiz ist ja ein vermutlich einer der größten Telefonhersteller der Welt. Die Schweizer ja auch eifrige Produzenten. Quasi bei jedem Telefonat wird ein Telefon gebaut, manchmal auch zwei: zu Beginn und immer am Schluss. Telefon heißt auf Schweizerdeutsch auch Rückruf und Anruf. Bin ja ganz froh, nach dem Umräumen nun mehr Platz im Büro zu haben, für die Telefone. Werden ja gut versorgt, die Redaktoren. Mit Testgeräten freilich auch, auch mit Anrufen. Telefonen, Entschuldigung. Höre: „Merci fürs Telefon.“ Sagte ich nicht, noch. Schrieb es einmal, bedankte mich für den Anruf. Frage den Kollegen aber, warum er ankündigt, ein weiteres Telefon zu machen, wo er doch schon zwei auf seinem Tisch hat. Freilich im Scherz, den verstand er. Ulkig, diese Schweizer Telefonproduktion.
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Heimatort

Heimatort1Den haben die Schweizer erfunden. Quasi. Ist Tradition, wohl eher. Traditionell haben Schweizer einen Geburtsort und einen Heimatort. Bürgerort auch genannt, in der Enzyklopädie. Im Pass steht Heimatort, die Bundesverwaltung schreibt mehr als zweihundert Mal vom Heimatort und nur hundertdreizehn Mal von Bürgerort. Ist vermutlich Schweizerdeutsch, quasi. Heimatort ist Hochdeutsch. Oder auch umgekehrt. Wie dem auch sei, den Heimatort kann sich der Schweizer nicht aussuchen, der Heimatorte sich den Schweizer aber auch nicht. Quasi. Der Heimatort wird vererbt, von der unehelichen Mutter oder dem ehelichen Vater. Oder man verheiratet sich mit dem Heimatort. Frau freilich auch. Nur brave Inhaber eines Ausländerausweises suchen sich ihren Heimatort aus, wenn sie Schweizer werden. Ob ein Ausländerausweisinhaber mal so mir nix, dir nix einen schönen Heimatort kriegt, entscheidet freilich der Heimatort. Die dort lebenden Schweizer vielmehr, vermutlich viele mit einem ganz anderen Heimatort.
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Tramunterbruch

Tramunterbruch1Wird freilich kein Tram unterbrochen. Gestoppt vielmehr, oder vollkommen sinnlos umgeleitet. Die schöne grüne Linie 11 fährt jetzt ab dem Bellevue die Strecke der schönen grünen Linie 8. Freilich nicht mit den schönen alten Tramwagons. Die wiegen vielleicht mehr, aber die Strecke vom Bürkliplatz über die Quaibrücke und das Bellevue zum Kunsthaus wird ja gar nicht erneuert. Ominös. Ist freilich ganz gleichgültig, fährt doch noch immer eine Linie vom Bellevue zum Klusplatz. Und eine zur Börsenstrasse, mit dem Ausblick über die Limmat. Eine schöne grüne, trotz des skandalösen Tramunterbruchs.

Tramunterbruch2Gab ja Aufschreie des Entsetzens am ersten Ferientag. Kantonsferien. Auf Hochdeutsch Ferien, diesmal auch. Aber viele Pendler hatten auch Ferien, Schweizerdeutsch, quasi. Vielleicht nicht Dreißigtausend wie an einem normalen Werktag, aber Tausende pendelten schon über den Bahnhof Stadelhofen nach Zürich. Sie fanden ihr Tram nicht mehr, ihren Bus auch nicht. Sieben Linien waren verschwunden, nahmen übers Wochenende Reissaus, quasi. Auch in die Ferien, auf der Flucht vor den Touristenmassen, auch. Weiterlesen

Klosterfrau Melissengeist

Wird Kindern gern auf einem Teelöffel mit einem Stück Würfelzucker verabreicht. Auch in der gruseligen DDR, hörte ich. Geschmuggelt über die Grenze, gab’s freilich nicht im Konsum. Nicht einmal im Intershop. Im Westpaket vielleicht. Bekam das ja auch, nach Jena, aus dem Glitzerweschtn. Dort gab’s freilich Hektoliter Klosterfrau Melissengeist. Für Kinder auf einem Teelöffeln mit einem Stück Würfelzucker. Auch. In Lausanne heute auch. Für Kinder. Auf einem Teelöffel mit einem Stück Würfelzucker.

In Lausanne lernen Kinder Deutsch und Französisch. Von anderen Kindern auch. Die zweisprachigen Kinder könnten den anderen Kindern lernen, dass auf Hochdeutsch „Klosterfrau Melissengeist“ gewünscht wird, wenn jemand geniest hat. Statt Gesundheit zu wünschen. Wäre freilich gemein und ja verwerfliche Werbung. Könnte ja genau so gut Nonnen-Melissengeist heißen, oder auch Pinguin-Brand, las ich. Klingt freilich nicht so lustig wie „Klosterfrau Melissengeist“ nach dem Niesen.
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Linie

Heuer ist nicht typisch Schweizerdeutsch, freilich freilich auch nicht. Redaktoren wurden beschimpft für zu viel Hochdeutsch, von den schweizerdeutschen Lesern. Die gehen ja auch gern zur Konsumation. Auch wenn die nicht inbegriffen ist, im Eintrittspreis von 20 Franken. Für zwei Vorträge über Demenz. Exklusive Konsumation, das schrieb ich schon. Ein Stockwerk höher, darüber schrieb ich auch schon. Noch zwei Stockwerke höher hörten die Redaktoren die Schelte. Freilich nicht, weil sie heuer geschrieben hätten. Wegen dem Vermenschlichen von Software. Tut man ja auch nicht.

Linie1Drogen bestellt man freilich auch nicht. Noch dazu im schicken Münchner Seehaus. Ist aber so ulkig, dass es alljährlich wieder Spaß machte. Würde auch heuer noch klappen, denn Linie gibt’s im Seehaus sicher immer noch nicht. Oder nur für Max Strauß. Der bekommt sicher vom Kellner alles, auch eine Linie. Ich freilich nicht, obwohl ich fragte und jedes Mal große Augen sah, den Kellner sich zu mir herunterbeugen. Oder die Nachfrage hörte: Wie bitte? Der Kellner die gleiche Frage noch einmal hörte: Haben Sie eine Linie? Weiterlesen

Zack (1)

Jass ist ja rasch erklärt. Das beliebteste Schweizer Kartenspiel, ideal für vier Spieler, spielten vier Stunden. Zack, in München. Den S-Bahnhof Hirschgarten gibt’s noch nicht. Musste den Fahrplan im Kopf nicht überdenken. Konnten vorn, mittig, hinten in die Züge steigen, um nahe der Treppen auszusteigen. Rolltreppen rollen langsam, höre ich. In Bern gibt’s nur Rolltreppen, überlege ich. Die rollen so langsam, der Fahrgast als solcher merkt es gar nicht. Saß und aß im dortigen Tramdepot neben dem Bärengehege das erste Mal in der Sonne heuer, nun schon vor Monaten. Nur auf einer Terrasse, Biergärten gibt’s wenige in Bern, Zürich auch. München aber.

Zack11Den Nockherberg etwa. Der Bannerschubser gab acht von zehn Punkten, trotz fehlender Blaskapelle und ausbaufähigem Wetter. Zack. Sieben Punkte vom Bayernmitglied, Frauen mit weitem Ausschnitt fehlten. Dem Digital Living fehlte der Vergleich, deshalb gab’s keine Punkte. Oder wegen der nüchternen Stimmung, obgleich der Biergarten für sonst voll O.K. befunden wurde, das Bier als solches als süffig, das Personal als asiatisch (1,20 Meter) und schwarz (1,70 Meter). Zack. Der Nockherberg war mittags am Vatertag quasi leer. Der Schweizer als solches hat Mühe, die Maß zu leeren. Eine. Wie soll das bloss in den nächsten zwei Biergärten werden. Angst, etwas.
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Fußballkommentatoren

Bin freilich nicht verwöhnt. Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner und Marcel Reif mögen zwar das Kommentieren gelernt haben, kommentieren von Fußballspielen auch, im Radio auch, vielleicht. Höre trotzdem lieber den Stadionton, die Fangesänge, den Jubel, das Raunen. Als Kommentare von Beckmann oder Kerner oder Reif. Kann man ja nie abschalten. Fragen an Experten schon, die bedauerlichen Experten. Für wen beantworten die Experten die Fragen? Habe noch nicht eine gute Frage gehört. Weder von Beckmann noch von Kerner. Von Reif auch nicht. Bin auch nur Fußballgucker. Bitte nicht kommentieren, Beckmann, Kerner und Reif. Danke.

Gilt aber auch für Sascha Ruefer, Beni Thurnheer und Dani Wyler. Kann man ja abschalten, wegschalten, besser geschrieben. Wenn auf dem Österreicher auch Fußball gezeigt wird. Wie vom Schweizer Fernsehen. So ganz ohne Bezahlfernsehen Arsenal und ManU sehen, Chelsea und Barça auch. Weiterlesen