Ego-Shooter

Ist freilich eine unsägliche Diskussion. Ego-Shooter ist gleich Mörder. Ist gleich. Für den Ständerat ist gleich. Für ein gutes Drittel des Ständerats ist gleich, genau genommen. Neunzehn von sechsundvierzig genügten für die Mehrheit, fünfzehn waren schon im Feierabend. Um neunzehn Uhr, bei der Abstimmung über das Verbot der „Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, des Verkaufs und der Weitergabe von Spielprogrammen, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen“. Denn: „In neueren Studien wird aber ein zunehmender empirischer Zusammenhang zwischen gewalttätigem Verhalten und dem Konsum von so genannten Killerspielen ausgewiesen.“ Indes kann ein empirischer Zusammenhang aber gar nicht zunehmen. Entweder gibt es einen empirischen Zusammenhang oder eben nicht. Nur mal angenommen, es gäbe ihn: Circa Zweihunderttausend Schweizer besitzen eine Waffe. Kein Spielzeug wie ein Schweizer Offizierstaschenmesser, eine Feuerwaffe. Freilich müssen auch circa zweihunderttausend Schweizer die Taschenmutition offiziell abgeben, so etwas wird ja aber auch schnell mal Weiterlesen

Zitat (32)

Aber es genügte ihm vollkommen, daß er ging und daß er wußte, wohin er ging. Doch kaum war eine Minute verstrichen, und er wußte nicht mehr, wohin er ging; er empfand es überhaupt nicht, daß er sich weiterbewegte. An einen neuen Gedanken zu denken, ekelte ihn und wurde ihm ganz unmöglich. Mit qualvoll angestrengter Aufmerksamkeit begann er, alles zu betrachteten, was ihm in den Weg kam, oder er betrachtete den Himmel, die Newa. Ein kleines Kind, das ihm begegnete, redete er an. Vielleicht war es nur die epileptische Spannung, die immer größer in ihm wurde.
Das Gewitter schien in der Tat, wenn auch nur langsam, heraufzuziehen. In der Ferne begann es schon zu donnern. Es wurde sehr schwül…

Lese seit zwei Monaten an einem Buch. Am Buch liegt’s nicht, den zwei Monaten hauptsächlich. Hauptsächlich zu wenig Zeit zum Lesen. In Fjodor Michailowitsch Dostojewskis „Der Idiot„. Lese eine schöne Übersetzung, Weiterlesen

Körperphantom

Angst am Küchentisch. Vor der Küchentischlampe, den hölzernen Küchentisch umgibt freilich kein angsteinflößendes elektromagnetisches Feld. Die Küchentischlampe aber schon, die einzige Lampe mit einer Energiesparlampe. Hörte: Stilbruch, die WG 24 mit einer Energiesparlampe zu illuminieren. Einer stabförmigen Kompaktleuchtstofflampe, ohne kugelförmige Hülle. Die hätte noch mehr Licht geschluckt, die Kompaktleuchtstofflampe ist schon düster genug. Illuminiert ja aber das halbkugelförmige Opalglas trotzdem ganz schön. Flößt aber ja auch ganz schön Angst ein.

Dem Leser freilich nur, liest nun nur noch im Abstand von mindestens dreißig Zentimeter von der schönen Küchentischlampe. Las im Abstand von zehn Metern vom gruseligen Körperphantom. Am Schreibtisch, im Internet, beim Bundesamt für Energie. Die Energie hat quasi auch ein eigenes Bundesamt abbekommen. Weiterlesen

Interlaken

Komme mir freilich manchmal auch etwas undankbar vor. Auf der Flucht aus dem Hotelzimmer. Gibt sicher eine ganze Menge Leute, die auch gern einmal im Victoria Jungfrau übernachten wollen. Will nicht, für kein Geld der Welt. Keine Minute zu viel in dem Hotelzimmer, freilich mit Schroeder-Fernsehprogramm. Einladend arrangierter Sitzgruppe. Taugt gerade einmal, um Fototasche, Haarwaschmittel, Ladegerät, Zahnbürste zu tragen. Keine Rast für Arm, Bein, Kopf. Freilich auch vollkommen unnötig nach zwei Stunden Zugfahrt des Redaktors nach Interlaken.

Gibt ja aber auch ein Erwachen. Frühes. In Interlaken. Im Hotelzimmer. Sehr gruselig. Fototasche, Haarwaschmittel, Ladegerät, Zahnbürste trägt die einladend arrangierte Sitzgruppe. Innerhalb einer halben Stunde nicht mehr, alles zusammengerafft. In die Tasche gestopft, in Eile, das Geräusch der ins Schloss fallenden Tür lockt. Von außen, freilich. Fünfzig Schritte zum Fahrstuhl, will nicht den Fluchtplan suchen, die Treppe. Nochmal fünfzig Schritte. Am Concierge vorbei, freundlich grüßend, durch die Drehtür. Mit einem Atemzug beginnt der neue Tag. Den Hotelzimmerluft Weiterlesen

Gefahrenkarte

Der Einsatz der Schweizer Armee steht quasi kurz bevor. Ausrücken muss sie quasi gegen ganz Europa, Nordafrika auch. Alle bedrohen die Schweiz. Nicht nur Libyen, wo weiterhin ein Schweizer festgesetzt ist. Ein. Nein, alle bedrohen die Schweiz, mit gruseligen Missständen. Dollarzeichen für die Gefahr einer Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit über zehn Prozent, Währungszerfall. Schwarze Kleckse für soziale Unruhen wegen unsicherer Wirtschaftslage. Orange Kleckse für ethnische, politische, religiöse Unruhen. Rote Kleckse für Anschläge nach dem elften September. Atomraketen für den Besitz von Massenvernichtungswaffen. Panzer für eine kampfbereite Armee. Rotes Parallelogramm mit weißem Kreuz für Weiterlesen

Gehirnwoche

Unsere Anatomiedozentin sollte Recht behalten: Ich hatte im Beruf nie ein menschliches Großhirn in der Hand. Werde vermutlich auch nie ein menschliches Großhirn in der Hand haben. Ist ja aber auch nicht unbedingt erforderlich, als Redaktor. Als Psychologe freilich auch nicht, zur Jenaer Psychologenausbildung gehörte aber eine Vorlesung, ein Praktikum Anatomie. Klausur freilich auch, zum Lernen gab’s zum Glück den lustigen Taschenatlas der Anatomie. Prüfungspräparat freilich nicht, präparierten trotzdem menschliche Großhirne. Die wurden in einer Kunststoffwanne angeschwemmt, quasi. Aus der fischte sich jeder fünfte Psychologiestudent ein Großhirn für seine Präpariergruppe. Die schnitt dann drauf los, freilich mit dem aufgeschlagenen Taschenatlas der Anatomie auf dem Präpariertisch. Manchmal war Wasser in den Ventrikeln eingeschlossen, das ergoss sich über den Taschenatlas der Anatomie. Beim Aufschneiden des Großhirns. Sehr gruselig.

Heute wollen Dozenten einer nordamerikanischen Universität schon Kindern das Großhirn erklären. Auf der Seite „Neurowissenschaften für Kinder“ etwa. Mit lustigen Malvorlagen, auch von Neurologinnen. Typische Neurologinnen, haben mindestens einen dicken Zeigefinger, tragen Hornbrille, Schlips. Stecken ihre Oberkörper durch Löcher in der Wand. Weiterlesen

Minarett-Bastelbogen

Noch klafft die Gesetzeslücke in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Dem Artikel zweiundsiebzig fehlt Ziffer drei. Scheinbar ja nur. Nur im Internet. Dort wähnt sich der Minarettbauer noch in Sicherheit, dass er nichts Gesetzeswidriges tut. Wenn er ein Minarett baut. In der Schweiz. In der die Bundesverfassung, der Abschnitt, der das Verhältnis zwischen Kirche und Staat regelt, um die Ziffer drei ergänzt, vervollkommnt, beschädigt wird. Hinter der drei steht: Der Bau von Minaretten ist verboten. Punkt. Grusel.

Wähnte mich auf neutralem Boden, reise aber sicherheitshalber aus. Nehme den kürzesten Weg, Zugfahrt nach Konstanz. Oder auch Bregenz, wie viele andere auch. Die den Minarett-Bastelbogen gefunden haben. Ihn freilich in der Schweiz nicht Weiterlesen

Quartett

Die Länge einer Lokomotive wird in Länge über Puffer gemessen. Lernte ich, als ich als Kind ein Lokomotivenquartett spielte. Erinnere aber nicht mehr die längste Lokomotive, die schnellste, die älteste. Auch nicht, wie viele der Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett mich längs und quer durch die Bundesrepublik zogen. Ziehen auch, den Zug von München nach Zürich ziehen Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett. Ziehen vermutlich noch die nächsten zwei Jahre, bis endlich die Strecke modernisiert ist. Für dreihundertfünfunddreißig Kilometer brauchen selbst Lokomotiven aus dem Lokomotivenquartett nicht unbedingt vier Stunden. Derzeit schon noch.

Kann sich die Zeit nicht einmal mit Quartettspielen vertreiben, denn der Quartettautomat am Zürcher Hauptbahnhof ist ja kaputt. Oder auch nicht, liest man das Schild richtig: doppelt defekt ist gleich intakt. Der Schildschreiber dachte sich vermutlich nur, doppelt hält besser. Auch, vermutlich.
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Kantönligeist

Zürcher sind die schönsten Eidgenossen. Sagen die Eidgenossen, nicht ich, freilich. Aber auch die arrogantesten, dümmsten, am meisten gehassten. Ihr Dialekt auch. Sage freilich auch nicht ich, sagen Aargauer, Berner, Basler. Aargauer sind die schlechtesten Autolenker der Schweiz, tragen weiße Socken. Beim Autofahren, vermutlich, Sportsocken, passend zum sportlichen Fahrstil. Berner sind die beliebtesten Schweizer, die langsamsten, sprechen aber den schönsten Dialekt. Dialekt sprechen hat dabei nix mit der Berner Langsamkeit zu tun, sage ausnahmsweise mal ich, Verständlichkeit auch nicht. Aber geht schon. Basel geht gar nicht, ist ganz gruselig. Unsympathisch, der hässlichste Dialekt. Sage nicht ich, in dem Fall. Gruselig schon, wurde aber nicht gefragt. Der Gruselfaktor, nicht ich. Hätte auch noch mehr zu ergänzen gehabt, Weiterlesen

Todestag (1)

Gibt’s leider mehrere davon. Zu viele schon, viel zu viele. Achtundsechzig Jahre gibt es diesen Tag schon. Ganz gruseliger Tag für die Menschen. Uns besonders, die wir gerne Bücher lesen. Hörte vor zwei Jahr tatsächlich Schwämerei, über einen Stefan. Kannte ich sonst gar nicht aus dem Mund, über einen Stefan. Stefan auch, freilich. Mark schwärmt heute auch von einem Stefan, tippte den Namen vermutlich schon hundertmal in Suchfelder ein. Fand selten etwas Erbauliches. Über diesen Tag jedenfalls. Heute ist der achtundsechzigste Todestag von Stefan Zweig.

Trug existentialistisches Schwarz, wie der Kollege bemerkte. Wusste nicht, warum, verriet es auch nicht. Er hätte es auch nicht nachschauen können, die Internetenzyklopädie weist auf den neunzigsten Weiterlesen

Mandelbögli

Bern ist immer eine Reise wert. Stellte ich fest. Freilich nicht wegen dem gruseligen Kindlifresserbrunnen. Der ist im Winter freilich schneebedeckt, das Foto passt nicht zum Blogeintrag aus dem Juli. Ein Berner schlug vor, ich solle doch einen Besen kaufen, damit den Kindlifresserbrunnen vom Schnee befreien. Dann müsse er weniger an die Stadt zahlen. Für die Müllabfuhr. Schnee ist ja aber nun mal kein Müll, die Müllabfuhr fährt auch gar keinen Schnee ab. Befreit den Kindlifresserbrunnen nicht vom Schnee. Dafür wird niemand etwas zahlen. Müssen. Der Kindlifresserbrunnen ist auch schneebedeckt gruselig, eben kein schönes Reiseziel. Bern ja aber, wegen der Mandelbögli. Auch.

Mandelbögli heißen freilich gar nicht Mandelbögli, sondern Mandelhörnchen. Auf Hochdeutsch, Berndeutsch vielleicht Mandelbögli. Ist auch etwas Wortklauberei, bin nur froh, Weiterlesen

Bestäuberdienstleistungen

Gibt Meldungen, die wirklich aufrütteln, verängstigen, auch. Wie die aus Liebefeld im Kanon Bern: Die Zahl der Bienenvölker geht europaweit zurück. Das ist freilich ganz gruselig. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, berichten die Agrarwissenschaftler aus Liebefeld auch vom Rückgang anderer Bestäuber, den Schwebfliegen und den Wildbienen. Sie verniedlichen nichts: Es besteht die Gefahr, dass Bestäuberdienstleistungen, von denen viele Feldfrüchte abhängig sind, nicht mehr erfüllt werden. Quasi verheerend, wirklich. Im Frühling blühen keine schönen Blumen mehr, schöne Bäume schlagen nicht mehr aus. Weil die Bestäuberdienstleitungen nicht erbracht wurden, Bienenvölker aussterben. Bienenhonigesser freilich nicht, die essen weiter leckeren Bienenhonig. Aus Übersee, notfalls. Dort wuchs Weiterlesen