Zitat (36)

Man konnte einfach nicht überhören, daß er zunächst einen Sturmhimmel entwarf, unter dem einige Kräfte ziemlich aneinandergerieten, und er machte es dem Frühling keineswegs leicht, sich durch all das Wühlen, all das Tosen, den dunklen Trotz hindurchzuarbeiten und schließlich seine blaue Fahne aufzuziehen – wenn das etwas sagt. Dann jedoch ließ er den Frühling ausdauernd triumphieren mit Möwenruf und Schiffssirene, mit kleinem Wellenschlag, mit fröhlichem Glucksen und einer Art besessenem Murmeln;

Ja, Herr Siegfried Lenz, das sagt etwas. Wünschte mir freilich, der Frühling stünde wirklich schon vor der Tür, nicht der gruselige Winter. In dem ich meine eigene „Deutschstunde“ habe, keine Strafarbeit zwar, eine Fleißarbeit aber. Protagonisten erschaffen für einen Roman, einen Kriminalroman Weiterlesen

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Ausschaffungsinitiative (1)

Schweizer sind ja gar nicht so wenig kriminell. Schreibe freilich nicht ich, schreibt das Bundesamt für Statistik. Das schreibt: zweiundfünfzig Prozent der Beschuldigten in Strafverfahren sind Schweizer, neunundzwanzig Prozent ständig in der Schweiz lebende Ausländer, vier Komma vier Prozent Asylsuchende, vierzehn Prozent Ausländer ohne längerfristige Aufenthaltserlaubnis. Das schreibt nicht, wer wohl die anderen null Komma sechs Prozent Beschuldigten sind. Aber so sind sie, die Statistiker. Jeder Bäcker eines Tortendiagramms würde fragen, wer wohl schon von seinem Backwerk genascht hat. Die Statistiker möglicherweise. Die brauchten sicherlich noch Energie für eine zweite Rechnung, um die Statistik auch für eine populäre Volkspartei attraktiv zu rechnen. Das geht so: Bei den Gewaltstraftaten leisten die Männer mit den großen Lupen ganze Arbeit. Sie klären vier von fünf Straftaten auf. Respekt dafür auch. Die Statistiker finden das freilich auch ganz toll und schreiben, dass diese Stichprobe ja besonders aussagekräftig ist. Ist sie nicht, Weiterlesen

Z1

Heute vor gut siebzig Jahren war es schlicht unmöglich, im Deutschen Technikmuseum Rechenmaschinen zu fotografieren. Damals wurden dort Pferdefuhrwerke mit Eis beladen, während sich Pferde ausruhten. Vom Ziehen der Fuhrwerke freilich, vom Hochsteigen der Pferdetreppe aber auch. Bleibt ihnen heute erspart, das Treppensteigen, das Ziehen der Fuhrwerke oftmals auch. Heute steigen Besucher die Treppe empor, nicht die Pferdetreppe, die Museumstreppe freilich. Wenn sie Rechenmaschinen fotografieren möchten, die es vor gut siebzig Jahren nicht einmal gab.

Viele Besucher – auch siebzigjährige – haben heute mehr Rechenleistung in ihrer Kamera als die Rechenmachine besaß. Auch fast vierzigjährige Redaktoren mit Kompaktkameras. Weiterlesen

Leckwarner

Freilich eine ganz großartige Erfindung, der Leckwarner. Eines Schweizers. Der vermutlich genug von Wasserschäden hatte. Von Lüfterungetümen auch, die zwar beim Mauerwerktrocknen zwar nicht viel Lärm machen, aber ja dann auch nicht viel Mauerwerk trocknen. Von Kehrblechen vermutlich auch, die zwar als Wasserschaufel taugen, aber ja die Quelle nie austrocknen können. Oder auch von Haarrissen in Wasserschläuchen, die kein Auge sieht, auch eins nicht, aus denen ja aber trotzdem Wasser rinnt. Wenig. Wenig rinnt aber auch. So erfand der Schweizer eben Pastillen, wenn’s mal wieder länger dauert beim Mauerwerktrocknen, Wasserschöpfen, Schlauchabdichten. Freilich auch den Leckwarner, der macht quasi Pastillen überflüssig. Denn Mauerwerk trockenlegen, Wasser schaufeln, Haarrisse suchen sind dank des Leckwarners freilich überflüssig. So der Plan.

Der Plan eines Schweizers. Er plant immer noch, plant vermutlich auch den weltweiten Vertrieb des Leckwarners. Schweizweiten zumindest vorerst, Deutschschweizweiten ganz sicher. Zürcher Hausbesitzer sind ganz sicher froh um den Leckwarner, Zürcher Wohnungsmieter freilich auch Weiterlesen

Traumhausmodell

Auch das Traumhausmodell steht nicht in Zürich, Verzeihung liebe Hausbesitzer. Könnte indes bald auch in Zürich stehen, allerdings ja nur auch. Ein großes Traumhausmodell steht aber im Berliner Bauhaus-Archiv. Das ist sehr streng mit seinen Gästen. Kein Gast darf ein Foto knipsen, vom Traumhausmodell, der Kandem-Leuchte, der Wagenfeld-Lampe. Verständlich, freilich, wollen die Erben der Bauhaus-Lehrer und Bauhaus-Schüler doch nicht, dass gruselige italienische, chinesische, nordamerikanische Kopien von den Originalobjekten produziert und verschleudert werden. Einen ganz anderen Grund haben die Bauhaus-Archivare allerdings beim schönen großen Traumhausmodell: Ihm fehlt schlicht eine Wand. Weiterlesen

Spezial-Curry-Bratwurst

Hieß die Currywurst ursprünglich. Lese ich. Lese auch, dass Herta Heuwer die Currywurst am vierten September neunzehnhundertneunundvierzig kreierte. Verkaufte vermutlich auch, dringend quasi, Herta Heuwer lebte davon, Imbisse zu verkaufen. In ihrer Imbissbude, in Berlin. Dem zerbombten Berlin. Zu Recht zerbombtem Berlin. Berliner zerbombten ja quasi ganz Europa. Auch.

Von Berlin aus eroberte die Currywurst Europa. Friedlich. Oder von Zürich aus, ebenfalls friedlich, freilich. Dem Zürcher Olaf Böhme gehört die Marke „Chillup“, Spezial-Curry-Bratwurstsauce quasi. Ein Schweizer hat’s erfunden, quasi. Lese ich. Im Berliner Currywurstmuseum. Höre dort auch „Currywurst“. Gestammelt in bester Pottmundart von Herbert Grönemeyer neunzehnhundertzweiundachtzig. Geschrieben von Ulknudel Diether Krebs. Beide essen Currywurst sicher auch ganz gern. Wie ich. Esse die Currywurst im Currywurstmuseum genauso gern wie die Currywurst von Weiterlesen

Arabisch

Abschreiben ist doof, dachten sich vermutlich die lustigen Zürcher Dadaisten beim neuen Aushang. Druckten lustig arabische Buchstaben auf den Aushang. Musste diesmal jemanden kennen, der Arabisch kann. Kann nicht einfach abschreiben, oder auch gar nix schreiben. Wie bei Aushang. Immerhin darf im Kanton Bern ein Minarett gebaut werden. Weil die Baubewilligung vor der Verfassungsänderung erteilt wurde. Ohne Baubewilligung hätte es auch nicht unbedingt eine Verfassungsänderung bedurft. Bauverordnungsnovellen in sechsundzwanzig Kantonen statt einer Verfassungsänderung. War offenbar ökonomischer, quasi. Grusel.

Überhaupt nicht gruselig ist der Entscheid des Stadtzürcher Stimmvolks, der Stadt Zürich, das lustige cabaret voltaire bis zum hundertjährigen Jubiläum der Dada-Bewegung zu unterstützen. Mit einem Millionenbetrag. Indes fragt sich der Bewohner Zürichs, wie der Millionenbetrag bis zweitausendsechszehn reichen soll, wenn allein dreihunderttausend Franken Miete jährlich bezahlt werden müssen. Vielleicht bitten deshalb die Dadaisten: Weiterlesen