Spezial-Curry-Bratwurst

Hieß die Currywurst ursprünglich. Lese ich. Lese auch, dass Herta Heuwer die Currywurst am vierten September neunzehnhundertneunundvierzig kreierte. Verkaufte vermutlich auch, dringend quasi, Herta Heuwer lebte davon, Imbisse zu verkaufen. In ihrer Imbissbude, in Berlin. Dem zerbombten Berlin. Zu Recht zerbombtem Berlin. Berliner zerbombten ja quasi ganz Europa. Auch.

Von Berlin aus eroberte die Currywurst Europa. Friedlich. Oder von Zürich aus, ebenfalls friedlich, freilich. Dem Zürcher Olaf Böhme gehört die Marke „Chillup“, Spezial-Curry-Bratwurstsauce quasi. Ein Schweizer hat’s erfunden, quasi. Lese ich. Im Berliner Currywurstmuseum. Höre dort auch „Currywurst“. Gestammelt in bester Pottmundart von Herbert Grönemeyer neunzehnhundertzweiundachtzig. Geschrieben von Ulknudel Diether Krebs. Beide essen Currywurst sicher auch ganz gern. Wie ich. Esse die Currywurst im Currywurstmuseum genauso gern wie die Currywurst von Weiterlesen

Arabisch

Abschreiben ist doof, dachten sich vermutlich die lustigen Zürcher Dadaisten beim neuen Aushang. Druckten lustig arabische Buchstaben auf den Aushang. Musste diesmal jemanden kennen, der Arabisch kann. Kann nicht einfach abschreiben, oder auch gar nix schreiben. Wie bei Aushang. Immerhin darf im Kanton Bern ein Minarett gebaut werden. Weil die Baubewilligung vor der Verfassungsänderung erteilt wurde. Ohne Baubewilligung hätte es auch nicht unbedingt eine Verfassungsänderung bedurft. Bauverordnungsnovellen in sechsundzwanzig Kantonen statt einer Verfassungsänderung. War offenbar ökonomischer, quasi. Grusel.

Überhaupt nicht gruselig ist der Entscheid des Stadtzürcher Stimmvolks, der Stadt Zürich, das lustige cabaret voltaire bis zum hundertjährigen Jubiläum der Dada-Bewegung zu unterstützen. Mit einem Millionenbetrag. Indes fragt sich der Bewohner Zürichs, wie der Millionenbetrag bis zweitausendsechszehn reichen soll, wenn allein dreihunderttausend Franken Miete jährlich bezahlt werden müssen. Vielleicht bitten deshalb die Dadaisten: Weiterlesen

Burka

Hätte gleich wieder zurück fliegen müssen, vermutlich. Mit einer Burka. Von Nizza nach Zürich. Nachdem die französische Nationalversammlung die Burka verboten hatte. Französische Grenzbeamte hätten mich als Burkaträger identifiziert, vermutlich auch ohne die Männer mit den großen Lupen zu konsultieren. Höchstens um den Gesetzestext zu lesen, dann hätten sie mich freilich einreisen lassen müssen. In einer Burka. In Nizza, in Zürich freilich auch. In Zürich gibt’s ja aber gar keinen Burkaverleih, deshalb reiste ich ohne Burka ein, aus auch. In Frankreich, wo die Nationalversammlung mit dreihundertsechsunddreißig zu einer Stimme gegen die Burka gestimmt hat. Bei zweihundertvierzig Enthaltungen, allerdings. Trotzdem: eine Gegenstimme.

Eine noch breitere Mehrheit befürwortet in der Schweiz ein Burkaverbot. Von links über die Mitte nach rechts. Rechts hat mit der gruseligen Weiterlesen

Leibwächter

Mag freilich keine Mehrbettzellen. Mehrbetthotelzimmer freilich auch nicht. Ein Bett genügt vollkommen, nett auch, wenn es breit ist. Das Hotelzimmer in Johannesburg ist einmal mehr größer als das schöne kleine Heim in Zürich. Nur das Hotelzimmer, freilich. Bad, Balkon, Kochnische, Schlafzimmer etwa genau so groß. Mag allerdings gar keine Hotelzimmer. Bad, Balkon, Kochnische, Schlafzimmer auch nicht. Quasi Einbettzelle, immerhin nicht Mehrbett. Trotzdem Fluchtreaktion.

Bei der Flucht aus dem Hotelzimmer gesellte sich ein Leibwächter an meine Seite. Gesellte freilich nicht, abgeordnet vielmehr. Vom Hotel, die Gegend sei nicht sicher. Inmitten von Johannesburg. Inmitten des Fußballsommers. Angst.

Grusel am Ziel, erwartete einen renovierten Prunkbau. Marmorböden, Holzvertäfelung, Designermöbel, quasi. Auf dem Constitution Hill. Ein Gefängnis. Hier wich auch der Leibwächter von meiner Seite, die Gegend ist sicher. Zu. Kein Leibwächter erforderlich, quasi. Auf dem Rundgang durch Mehrbettzellen, Duschzellen, Waschzellen, Isolationszellen, Folterkammern, Wärterräume. Über Exerzierhöfe auch, wo Gefangene nach der Arbeit Leibesübungen zu absolvieren hatten. Weiterlesen

Wellenbrecher

Auch nett vom Weltfußballverband, Deutschland zweimal am Indischen Ozean spielen zu lassen. Für Deutschland eventuell nicht so nett, musste immer tausend Kilometer fliegen. Von Pretoria an die Küste. Für deutsche Fans freilich schon, müssen freilich auch fliegen, tausend Kilometer von Durban nach Port Elizabeth, mussten ja aber auch schon zuvor zehntausend Kilometer fliegen. An den Indischen Ozean.

Am Indischen Ozean fühlen sich Küstenbewohner quasi heimisch. Auch. Eine steife Brise weht um die Nase, Wind pfeift um die Ohren, wiegt das Schilf, dunkle Wolken eilen rasch am Auge vorüber. Oder auch kleine weiße Wolken, wie weiße Tupfer am blauen Himmelskleid. Dazu segeln lustige Möwen über Dünen, Strände, Wellenberge. Wellen haben Spaß am Auftürmen, Rollen, Brechen, die Gischt spritzen zu lassen. Millionen Tröpfchen in den Wind zu werfen, auf das sie glitzern in Milliarden Farben im Sonnenschein. Am Strand legen sich Wellen auf warmen Sand, ruhen aus, bevor es sie zurück ins kühle Nass zieht. Wünschen sich, Weiterlesen

Gegensprechanlage

Jedes Gefängnis hat eine Gegensprechanlage. Gefängniszelle auch, Hotelzimmer freilich auch. Hotels in Umhlanga auch, ordinäre Häuser allerdings auch. Kaum ein Hotel, Haus umzingelt nur eine ordinäre Mauer. Übermannhoch, freilich. Auf den meisten Mauern thront noch ein Gitter, spitz gezackt freilich, Elektrozaun, mindestens fünf Drähte übereinander, Natodraht, gerollt, mit Widerhaken. Hinter den Mauern, Gittern, Elektrozäunen, Natodrähten kläffen Hunde. Auch. Ein Spaziergang entlang einer Straße gleicht dem Gang entlang eines Gefängnisreihenhauses. Kilometerlangen. Kilometerweit kein Passant zu sehen. Fällt mir gar nicht auf, ich fahre die Strecke immer mit dem Auto, höre ich. Sehr gruselig, sage ich nicht. Ist’s aber.

Taxis rollen durch scheppernde Rolltore, nachdem der Taxifahrer mit der Gegensprechanlage sprach. Oder auch nicht. Rollen. Scheppern schon, wenn der Hotelgast das scheppernde Rolltor öffnet, um auf das Taxi zu warten. Nachts, mit mulmigem Gefühl. Mit dem Funksender in der Tasche, wichtiger als der Hotelschlüssel, Hotelzimmerschlüssel quasi. Der Funksender öffnet das Gefängnistor, der Hotelschlüssel den Trakt, der Hotelzimmerschlüssel die Zelle. Draußen ist die Angst, drinnen die Weiterlesen

Fußgängerstreifen

Der Bürgersteig heißt in der Schweiz zum Glück schon Trottoire. Hieße sonst vermutlich demnächst so. Denn Bürgersteig ist freilich diskriminierend. Für Bürgerinnen ungeeignet, quasi. Nur für Bürger, Fußgänger auch. Allerdings meint Fußgängerstreifen auch gar nicht den Streifen für Fußgänger, neben dem Streifen für Fahrräder, Verzeihung Velos, auf dem Trottoire. Fußgängerstreifen, Verzeihung, Fussgängerstreifen freilich, heißt der schöne Zebrastreifen auf Schweizerdeutsch. Jetzt auch auf Schweizerdeutsch, quasi, wenn es nach der Dame und den Herren in der Stadtverwaltung Bern geht.

Die Dame und die Herren hörten und lasen viel Häme in den vergangenen Tagen. Auch, selbstredend. Für ihren Sprachleitfaden „Geschlechtergerecht formulieren„. Die ist freilich auch etwas albern. Hochdeutsch, auch, wie beim Zebrastreifen. Auch ja aber Englisch: Die freilich gruselige Mannschaft ist ein Team, das gruselige Benutzerhandbuch ein Manual. Politisch korrekt auch, endlich, auch: Der wirklich extrem gruselige Führerausweis Weiterlesen

Lebensqualität (1)

Da hat ja wer offenbar ganz genau hingeguckt. Hundertacht Komma sechs zu hundertacht. Im Vorjahr hundertacht Komma sechs zu hundertacht. Quasi unverändert. Hoch allerdings. Die Indexwerte für Lebensqualität in Wien und Zürich. Wien Komma sechs vor Zürich. Unverändert. Stagnation bei der Lebensqualität, Komma sechs, auch. „Die Rangliste ergibt sich aus einem Punktebewertungsverfahren. Ausgangsstadt dieses Bewertungsverfahrens ist New York mit einem Index von hundert Punkten.“ Schreiben die Autoren. Mehr nicht. Aber Komma sechs.

Freilich könnte Komma sechs für einen netten Sohn Wiens stehen. Er ist aber leider schon gestorben. Sehr traurig, aber seinen Spuren folgend durch Wien zu wandern ist sicher erlebenswert. Gelangt dann in sein schönes Wohnhaus, das ist heute ein Hotel. Sicher ja auch ganz erlebenswert. Aber Komma sechs? Freilich gäbe es da noch unweit von Wien eine Filiale der schönen Deutschen Bank. Die wäre freilich auch ein Argument für Lebensqualität. Aber keinesfalls Komma sechs.
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Sicherheitsinstruktionen

Sind selbstredend unspektakulär, entsprechend häufig ignoriert, auch. Da fällt es quasi gar nicht auf, wenn sich mal ein Fehler einschleicht. Das Flugzeug hat sieben statt acht Notausgänge zum Beispiel. Ein lustiger Zeichner war gerade abgelenkt, vergas mir nichts, dir nichts ein Oval auf die Bordwand zu malen, einen roten Pfeil hindurch zu ziehen. Passagiere wundern sich, warum die Flugbegleiterin ihnen das Öffnen der Notausgangstür erklärt, sie zum Verstauen des Gepäcks in den Handgepäckstauräumen auffordert. In den Sicherheitsinstruktionen steht doch gar nix von dem Notausgang. Verdammt, meint der Chefzeichner, zweite Auflage. Passagiere wissen nicht, wohin mit ihren Händen. Hinter den Kopf, den Kopf auf die Knie ziehend. Vor die Brust, aufrecht sitzen bei der Wasserlandung, wie es die Sicherheitsinstruktionen zeigen. Verdammt, meint der Chefzeichner, dritte Auflage. Vorher erst einmal eine Zigarette, meint der Zeichner. Zeichnet hinterher freilich ein lustiges Quadrat mit abgerundeten Ecken, darin einem länglichen waagerechten Rechteck mit zwei Wellen an einem Ende. Sehr dekorativ, meint der Chefzeichner, bei einer Zigarette. Aber verdammt: es fehlen zwei rote Striche. Vierte Auflage. Bei der fünften Auflage könnte der Zeichner noch lustige Wellen Weiterlesen

Landschaftsbauer

Gibt Werbung, die wirkt. Für Landschaftsbau zum Beispiel. Auf einem Transporter stand Landscape Incorporated, mit einem Namen davor, freilich. Namen sind ja Schall und Rauch, mag außerdem gar keine Werbung machen. Nur für Landscape Incorporated. Eine freilich nordamerikanische Firma, die vermutlich Landschaften baut. Auch, vermutlich. Die hat ja noch viel zu tun. In Nordamerika, Las Vegas auch. Auch dringend, quasi. Aber Aufträge kommen vermutlich nur von gruseligen Hotelbesitzern: Bauen sie mir eine Badelandschaft, Himmel wie im alten Rom, Fassaden und Plätze auch. Pyramiden wie im alten Ägypten. Oder auch New Yorker Fassaden, Grossstadtlandschaft. In der der Wind pfeift, laut, wenn er um die Ecken weht. Nett ja auch vom Wind, könnte sich auch heran säuseln. Pfeift lieber, wenn er um hunderte Meter hohe Ecken herum weht. Könnte allerdings ja auch Nordamerikaner massiv irritieren, plötzlich Weiterlesen

Deuce

In Las Vegas schmelzen die Zebrastreifen. Fliessen an den Straßenrand, gemeinsam mit dem Teer. Vermutlich in der Hoffnung, wenigstens der Bordstein spendet etwas Schatten. Der ist allerdings entweder nur abends oder nur morgens so freundlich, wenn die Sonne nicht mehr senkrecht vom blauen Himmel brennt. Nicht strahlt, brennt. Brennt auch auf der Haut des Wanderers. Wandert zur Bushaltestelle in der Wüste, Linie Deuce. Fährt auf dem Las Vegas Boulevard von Norden nach Süden. Auch, freilich.

In Las Vegas schmelzen auch die Häuser. Die mit Metallfassade jedenfalls, auf die Idee können auch nur Nordamerikaner kommen. Auch, freilich.

In Las Vegas schliessen Hausbesitzer die Eingangstüren mit der Bohrmaschine ab. Von Holzhäusern, freilich auch, mit grossen Fensterflächen. Schrauben eine Schraube, vermutlich zwei, in Tür und Türrahmen, Schlösser halten gruselige Einbrecher nur kurz auf. Eine lange Schraube schon länger, zwei noch länger. Denken Hausbesitzer vermutlich. Denken vermutlich auch nicht an gewitzte Einbrecher, die mit schönen grünen Bohrmaschinen auch Schlösser aufbohren, Lange Schrauben herausschrauben. Zwei auch, freilich.
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Gleisschlagwochenende

Die Gleise waren vorbereitet. Seit März. Gelegt, quasi. Auf das Gleisschlagwochenende. Ein Wochenende lang wurden Gleise geschlagen. Meint man. Impliziert der Name, meint man auch. Sehr gruselig. Freilich schlug niemand bemitleidenswerte Gleise, schon gar nicht das ganze Wochenende lang. Auch schlug niemand Gleise zwischen Münsterbrücke und Hechtplatz. Auch freilich nicht das ganze Wochenende lang. Obwohl das ganze Wochenende vermutlich ja auch genügt hätte, um Gleise auszuwechseln. Am Gleisschlagwochenende. Haben sich die Texter der Stadt Zürich ein martialisches Wort für Gleise auswechseln ausgedacht. Wohlweislich vermutlich, um die Oberdorfanwohner das Fürchten zu lehren. Vor kreischenden Gleisen, schreienden vermutlich auch. Nachts auch. Obwohl ja die Zürcher Stadttexter in Aussicht stellten: „Selbstverständlich setzen wir alles daran, den unvermeidlichen Lärm auf ein Minimum zu reduzieren.“ Schreie der Gleise etwa. Nachts. „Damit wir die Aufrechterhaltung des regulären Trambetriebs gewährleisten können, sind wir gezwungen, diverse Arbeiten wie Schweissen und Betonieren während der nächtlichen Betriebspausen auszuführen.“ Beruhigend, beim Schweissen und Betonieren muss kein Gleis schreien. Kreischen vielleicht, kennen aber die Oberdorfanwohner gar nicht anders. Schrie Weiterlesen