Geburtstag (1)

Herzlichen Glückwunsch. Von Herzen. Zum ersten Jahrestag, heute. Wurdest ja gar nicht geboren, nur veröffentlicht. Mein Blog. Die Idee ist schon älter. Hörte: Ganz unwitzig bist du doch auch nicht. Tatsächlich. Las Verschattet und Land unter. Großartig! Ja, Ausrufezeichen.

Probierte mich mal aus mit Augenlaser. Lasen fünf Augen, Gefängnis und grün nur drei. Oder auch fünf. Stadtplan lasen mehr Augen, ist der einzige Eintrag, den heute nur noch ein Auge lesen kann. Schwierig, so eine Blogmigration, verstehe ich ja schon. Nein, überhaupt nicht. Vollkommen wahnsinnig? Auch über die Schneebit kann kein Auge mehr etwas lesen. Veröffentliche hier demnächst mehr als ein Jahr alte Texte. Und ein Selbstportrait. Das erste.

Niemals mehr als drei Augen lesen Gemeinschaftswerk und Werkstattmeisterin. Komplimente sind ja auch nur für eine Person. Immerhin gibt’s sie auch als Tag. Auf meinem Blog. Dem einjährigen. War faul an 100 Tagen. Erfolgreich mit Über, Tällibahn und freilich Augenlaser. Vor einem Jahr einmal gelesen. Immerhin. Glückwunsch.

Zunfthaus zur Zimmerleuten

zunfthaus-zur-zimmerleutenKein Wunder, dass ich das Zunfthaus zur Zimmerleuten nur hinter einer schick bemalten Plane kenne. Es brannte am 14. November 2007 aus. War sicher schick vorher, wird sicher wieder schick, in einem Jahr. Weil schon die Plane schick ist, knipste ich knapp fünf Monate nach dem Brand ein Foto. Während des ersten Zürich-Besuchs. Auf dem Rückweg vom See. Zum Bahnhof. Vier Stunden Zugfahrt lagen vor mir. Vier Stunden, während denen ich nicht eine Zeile las. Im Buch. Nur auf dem Handy-Bildschirm.
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The look book

the-look-bookQuasi ein Bilderbuch, ein Buch zum Gucken. Lesen, dafür muss man ja auch gucken. Das Buch gibt’s neuerdings im Internet. Ist schon ganz gut geworden, freilich nicht fertig. Das Portfolio wird ja täglich größer, quasi. Portfolio der Werbeideen. Werbetexte ja auch. Lustiger englischer Beschreibungen. Deutscher Firmen, Eigenarten, Produkte. Für Briten, die sind ja auch nett. Manche zumindest, in London kenne ich einige. Weiterlesen

S-Bahnhopping

s-bahnhoppingDas geht freilich in Zürich gar nicht. Denn hier gibt’s keine Laserkette. Die annonciert, in der S-Bahn. Wie in München, den Augenlaser. Angst, noch immer, etwas. Die annoncieren noch immer, in München. Heute in U-Bahn-Schächten, an Rolltreppenwänden, in S-Bahnwagons. Wie vor einem Jahr. Abends um kurz vor zehn stieg ich in die Tram 25. Die Tram wohlgemerkt. Hochdeutsch in München. Am Rosenheimer Platz begann das S-Bahnhopping. Weiterlesen

Wasser (2)

Mein Bruder schlug vor, ich sollte Geschenkideenausdenker werden. Wie diese: Wasser. Aus dem See, dem netten. Zutraulich, auch. Möchte ihn verschenken, wenigstens ein paar Milliliter. Die von dem bringen Glück. Haben sie schon, tatsächlich. Nicht nur tatsächlich, auch.

In der sehenswerten Odeon Apotheke gibt’s nur hässliche braune Flaschen. Und kein Etikett, fürs Seewasser. Hab‘ gefragt. Wollten ihren Namen nicht beschmutzen. Mit Seewasser? Trinkwasserqualität. Schröder ist doof, dachten sie vermutlich. Geschenkideenausdenker.

In der Bellevue-Apotheke gibt’s immerhin schicke Flaschen. Wenn auch nur im Lager, im zweiten Stock. Die Apothekerin hasst den Schröder. Hat sie zum Frühsport gezwungen. Zwei Mal treppauf, treppab. Um sieben. Morgens, freilich. Für drei Franken. Zwei wasserdichte Flaschen, bitte. Für Seewasser. Nach dem Etikett traute ich mich nicht mehr zu fragen. Für Seewasser?

Am See war Mirko längst besiegt, in der Schachnovelle. Las fröstelnd in kalter Seeluft, von Windungen des Dr. B. Schmiegsame Sätze wärmen am nebligen Morgen. Mirko gewann, das Buch war aus. Der See kalt. Flasche auf der Steintreppe. Kaum liegt sie dort, gehen Wellen. Schuhe unter Wasser, Seewasser in der Flasche. Auf dem Etikett steht: See, nett.

PS: Bin gemein, heute. Zu Euch, Ihr treuen Leser. Vom Wasser weiß ich schon seit Dienstag. Heute verschenke ich’s. Soll freilich eine Überraschung sein. Das Wasser. Deshalb musstet Ihr warten. Verzeihung, bitte. Redaktor auf der Wies’n. Im schönen München, auch.

Verkäufer

Marketing ist ja nicht mein Ding, selbst schon gar nicht. Irgendwann ging’s nicht mehr, da schrieb ich etwas. Mein schärfster Kritiker fand’s gut. Marketing für andere klappt offenbar, Sätze basteln aus Stichwörtern. Sie finden sich darin wieder, der alte Herr sie auch. Mit seinem Kunden über den Autohof spazieren. Millionenschwere Versicherungsverträge oder Tennissocken. Manche Menschen verkaufen alles. Mit dem Geheimrezept: privat.

Buchstaben rennen die Zeile entlang, schneller als sie dürfen. Kurze Sätze, kurze Absätze. Fakten bleiben allein, kein Wort mag sich an sie lehnen. Die Entf-Taste löscht sie schließlich aus.

Höre Geschichten vom Tag. Seinen Kunden befreunden. Freunden kauft man das ab. Das Auto für 103.000 Franken. Reden ja, für 103.000 Franken. Keine Taste getraut zu drücken, für 103.000 Franken. Szenen eines Autokaufs statt höflichem Geplänkel. Schwingen statt schwimmen auf der Wellenlänge. Wortspiele, seltene. Den Satz des Abends schreibt wer anders. Kurz, prägnant, Volltreffer. Würde kann ich verhindern, denn man freut sich ja. Würde sich zwar auch freuen, aber Freude braucht das Hilfsverb ja nicht schmälern. Leser stolpern über den Schröder-Satzbau. Typisch, wurde mir gesagt. Auch, tatsächlich. Verkäufer werde ich auch nicht, selbst schon gar nicht.

Schifffahrt

Hopp und Schokolade im Einkaufskorb. Für die Kollegen und als Reiseproviant. Heut‘ ist ein Tag, um in See zu stechen. Generalprobe mit der Tram, in neun Minuten daheim, bald. Nachbarschaft kennenlernen. Gegenüber des Schiffsanlegers steht die Bank, auf der ich das Glück fasste. SMS nach London und München. Dringend. Sonne strahlte, der Himmel lachte blau mit mir. Heute steht die rotgrüne Fahne mit vierblättrigem Kleeblatt im Wind. Naturgewalt streichelt die Limmat, die kräuselt sich vor Behagen.

An Bord nur mit einem Vierkant. Seegang erst auf dem See. Der bringt Glück, schon beim Panoramablick. Das Reiseproviant aus 99 Prozent Kakao ist bitter, braucht aber den Tag nicht mehr versüßen. Pünktlich zum Termin, auch um neun, trotz Wochenendstress. Keine Ruhe bis zum Mittagessen: Mein Bruder macht es mir wieder mal vor. Fünfzehn Tage und besser: Dachterrasse. Ich brauchte fast vier Jahre, um ihm ins Ausland zu folgen. Bald bin ich angekommen, hier. In Zürich. Er fährt auf Kurzurlaub. In Zürich.

Ausländer

Amtlich, doppelt geprägt. Ausländerausweis mit Aufenthaltsbewilligung, Foto für das Gemeinschaftswerk. Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat einen Bürger mehr. Und sie ist 65 Stutz reicher. Das war Schweizerdeutsch für Franken. Woher das stammt, wissen aber auch nicht alle. Mal klären beizeiten. Der Einladung ins Kreisbüro gefolgt. Nummer 9, demnächst Kreis 1. Dann nochmal 25 Franken, ich habe Sie gewarnt, sagte die Beamtin. Noch einen Monat warten auf 477 Jahre.

Jeder will eine Kopie, die Buchhaltung, die Bank, die Versicherung, Wohnungsverwalter. Nur die Vermieter nicht, bestimmt. München auch nicht, die wollen mich nicht einmal sehen. Abschied per PDF-Formular, zwei Durchschläge. Verknüpfte Felder ersetzen Kohlepapier. Drei Unterschriften, und eine Briefmarke, den ersten Brief an den Schröder in Zürich habe ich schon getippt.