Brasilien (1)

Steht quasi schon fest, wer heuer Fußballweltmeister wird. Brasilien freilich. Wissen zwei Quellen. Unabhängige freilich, glaubwürdige auch. Gibt freilich auch Quellen, die andere Weltmeister zu glauben kennen. Nicht Brasilien, freilich, sind aber ja auch nicht ganz unabhängig. Quellen aus Zürich, über Zürich, die Schweiz auch. Die Schweiz ist quasi schon Weltmeister. Im Sammeln von Fußballerbildchen. Acht Fußballerbildchen kauft jeder Schweizer. Kaufte sie auch schon Wochen vor den Deutschen, der Verkauf startete schlicht früher. Vor den Brasilianern freilich auch, aber die kaufen auch nicht alle. In São Paulo nahm eine Bande dreißig Geiseln, um hundertdreißigtausend Fußballerbildchen zu erpressen. Sechshundertsiebzigtausend Fußballerbildchen entwendeten Räuber aus der Druckerei in Barueri. Quasi fast eine Million Fußballerbildchen gratis. So kann Brasilien auch Weltmeister werden. Auch, freilich.

Auch ja gemäß der aktuellen Weltrangliste. Die führt Brasilien an, einmal mehr. Freilich weil Spiele von vor zwei Jahren aus den Ergebnissen gestrichen wurden. Vor zwei Jahren, als Brasilien zitterte um die Weltmeisterschaftsteilnahme. Wie Weiterlesen

Joggeli

Die passende Wurst gibt’s dazu freilich auch. Im Stadion aber nur, wäre natürlich auch doof, wenn Wurstbräter die Wurst auch außerhalb des Stadions verkaufen. Schmeckt aber nicht gut, fad, mit einer lieblosen halbtrockenen halben Brotscheibe serviert. Senf, selbstredend. Auch fad. Das Stadion ist ja aber auch unspektakulär, der Basler Sank-Jakobs-Park, kurz Joggeli. Auf Schweizerdeutsch, Entschuldigung, Baseldeutsch, sonst beleidige ich vermutlich alle Schweizer außerhalb von Basel, Baselland. Reiste erstmals ins guselige Basel. Angst, etwas, auch. Nicht wegen des Fußballs, auf den setzte ich die Hoffnung. Der Tabellenzweite gegen den Tabellenersten, macht Mut. Sah auch Fußball, aber hauptsächlich vom Weiterlesen

Umfrage

Möchte gern auch einmal gefragt werden zur Attraktivität von Ländern, dem politischen Klima, der touristischen Anziehungskraft, der Lebensqualität. Gut, würde vermutlich nicht so viele repräsentative Sätze sagen. Keinen: Italien? Gibt’s das nach dem Fußballsommer zweitausendsechs überhaupt noch? Nordamerika? Gibt’s doch erst seit einem Jahr wieder. Österreich? Dort wurde jemand ganz nettes geboren, er musste aber fliehen. Das ist ganz gruselig. Belgien? Die leckersten Pommes der Welt. Dänemark? Die machen die besten Ølvæksel der Welt. UmfrageDeutschland? Hui, schwierig. In einer kleinen Stadt weht immer der Wind, in einer großen der Föhn. Der eine manchmal so stürmisch, dass ich mich dagegen lehnen kann und nicht umfalle, der andere immer schön blau. Warm auch. Schweiz? Weiterlesen

Jahrhundertblamage

Zürich ist offenbar kein guter Rasen. Wegen der Jahrhundertblamage. Dabei findet der Zürcher Suchmaschinenbetreiber die Jahrhundertblamage schnell. Steht in einer Reihe mit der deutschen Supersteuerreform von neunzehnhundertneunzig, den zwar gefälschten, aber trotzdem gruseligen Hitler-Tagebüchern. Quasi. Dann folgt dreimal die Jahrhundertblamage. Eines Deutschen ja auch, elf Schweizern aber auch.

JahrhundertblamageDie elf Schweizer spielten lustig auf dem Letzigrund, am Ende des Fußballsommers. Des vergangenen ja, der für die Schweizer ein schöner Fußballsommer. Die elf nicht so sehr schön, die übrigen sieben Komma sieben Millionen ja aber wenigstens. Hatten Spaß mit den Gästen aus Europa. Die Gäste aus Europa hatten auch Spaß mit den Schweizern. Weiterlesen

Messegast

Gibt Leute, die in den ersten Märzwochen Urlaub machen. Eine Märzwoche, andere fahren zu Freunden oder Verwandten, auch eine Märzwoche. Dritte räumen das Kinderzimmer, Schlafzimmer, WG-Zimmer, oder besitzen ein Gästezimmer. Die Leute fragen nach Butter, Margarine, Mohnbrötchen, Schwarzbrot, Marmelade, Honig, harten Eiern, weichen Eiern, Kaffee, Tee. Manchmal auch nach der Morgentoilette, immer nach dem Geld, dem Haustür- und Wohnungsschlüssel. Fragen den Frühstücker auch nach der Heimat, der Wohnung, dem Beruf, der Arbeit, manchmal nach Karten. Der Messegast hat immer Karten, in den letzten Jahren übrig, auch.
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Verhaltenskodex

Verhaltenskodex1Kodex schreibt man ja mit k, die hippe Deutsche Bahn und der sportliche Deutsche Fußball-Bund ja nicht. Schreiben einen Verhaltenscodex für bahnreisende Fußballfans. Der Verhaltenskodex ist ja im Internet schwierig zu finden, hängt auch nicht aus, auf Bahnhöfen, in Stadien des Deutschen Fußball-Bundes. Dann wird’s aber auch schwierig für Fußballfans, sich nach dem Verhaltenskodex zu verhalten, die Herren von der Bahn, dem Fußball-Bund. Die wollen den Verhaltenskodex auf Handzetteln verteilen. Verhaltenscodex, Entschuldigung. Der Kodex enthält neun Regeln.

Erstens Rücksicht auf Mitreisende, zweitens maßvoller Alkoholkonsum, drittens vermeiden von Beschädigungen und Verschmutzungen, viertens den Eisenbahnbetrieb nicht stören, fünftens sich nicht an Provokationen und körperlichen Auseinandersetzungen beteiligen, sechstens keine Solidarität mit Straftätern, siebtens die Polizei- und Ordnungskräfte an der Durchführung ihrer Maßnahmen nicht behindern, achtens keine Pyrotechnik in Bahnhöfen zu Zügen verwenden, neuntens bei Fehlverhalten von mitreisenden Fußballfans nicht wegschauen.
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Krematorium Sihlfeld

Krematorium Sihlfeld1Ist ja auch langweilig, es sich immer vor dem Fenster bequem zu machen. An der frischen Luft, einer Brise salzigem Seeduft. Roch das ja auch vor einem Jahr noch nicht, kenne nun eine Steigerung von seeduftenden Handtüchern: seeduftende Kopfkissen. Auf dem schlief Marie Antoinette vor einem Jahr ein um die andere Nacht, wenn Müdigkeit mich umnachtete. An frühen Tagen. Die mit der Trambahnfahrt quer durch Zürich begannen. War an der zweiten Station schon nicht mehr in Zürich, sondern mit Marie Antoinette in Paris, in Temple. Die zweite Station ist Krematorium Seefeld. Hält heute dort das Tram, bin ich zurück bei Marie Antoinette in Paris, gleichgültig, welches Buch ich lese. Aber vor Heinar Kipphardts Buch „März“ und Woody Allens Buch „Ohne Leit kein Freud“ muss ich warnen. Bin ja gutherzig und geduldig, Weiterlesen

Trikotsponsor

Trikotsponsor1Im Paradies ist ja noch Platz, reichlich. Ein halber Quadratmeter vielleicht, elf vielmehr. Für Firmen, die Jena im Herzen haben. Hatte zuvor der Inhaber einer Firma, in der jeder Mitarbeiter eine Anhängerkupplung montieren kann. Auch zwei Geraer, der eine baut massive Häuser, der andere stattet Küchen aus. Derzeit haben die Fans Jena im Herzen. Carl Zeiss ja auch, als Namensgeber für seine ehemalige Werkself. Aber nur Namensgeber, kein Geldgeber. Viel Geld geben wollten dubiose russische Investoren, durften aber nicht. Wäre kein Fan geblieben von HeidelbergCement Jena. Oder ebenso gruselig: Rasen Ballsport Jena, kurz RB Jena. Zum Glück ist der Brausefabrikant nach Leipzig gereist. RB Leipzig nahm einen Punkt mit aus Jena, nach dem Spiel gegen die zweite Mannschaft. So wird’s nix mit dem Aufstieg aus der fünften Liga, Herr Brausefabrikant.
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Regelanstoßzeiten

Die haben nix mit dem Anstoßen beim gepflegten Feierabendbier auf dem Bauschänzli zu tun. Obwohl es dafür freilich auch Regeln gibt. Schweizerdeutsche. Bei Regelanstoßzeiten geht’s um die Bundesliga, die Hochdeutsche. Freilich würde mir das ein oder andere Bayernmitglied wohl beim Hochdeutsch wiedersprechen, weil die Liga doch bayrisch dominiert sei. Ja auch, quasi. Aber die Regelanstoßzeiten sind schon ziemlich Hochdeutsch, wenn nicht gar Behördendeutsch. Das gefiele vermutlich der Deutschen Fußball Liga nicht, wenn man sie als Behörde und ihre Verlautbarungen als Behördendeutsch tituliert. Ist aber so, das weiß die Liga offenbar selber, versteckt die Verlautbarungen hinter einer Anmeldemaske. Die bösen Redaktoren sollen sich zuerst artig ausweisen, bevor sie die hochwichtigen und inhaltsvollen Verlautbarungen lesen dürfen. Oder sie lesen schlicht die Pressemappe, aber das könnte ja jeder. Die bösen Redaktoren, nicht ausgewiesenen, auch.

Regelanstosszeiten1Las darin von den neuen Regelanstoßzeiten, freilich erst nach dem zweiten Samstagstermin. Aber vor dem zweiten Sonntagstermin. Der ersten Bundesliga. Las auch vom schicken orangen Logo, mit Herz. Das ist ja schon auch nett von den sechsunddreißig Vereinen. Fanden das Herz aber vermutlich schöner als das Blutgrätschelogo, rote, freilich. Weiterlesen

Kunstrasen

Auf schönem grünem Gras fühlen sich lustige Grashüpfer ja wohl. Menschen freilich auch, auch Fußballer, die für den Grasshoppers Club Zürich spielen. Vermutlich, nach den bisher vier Spielen der Schweizer Liga liegt ein anderes Urteil nahe: Sie fühlen sich nicht so wohl, auf dem Grün. Die Grasshoppers verloren zweimal, gewannen einmal. Verloren auch heute, in Wankdorf. Auf dem gruseligen Kunstrasen fühlten sich die Grasshoppers sicher unwohl. Grashüpfer ja auch.

Kunstrasen1Unwohl war den Ordnern im Wankdorf vielleicht, als sie einen Fußballfan mit dem Buch „Baader-Meinhof-Komplex“ ins Stadion ließen. Damit hätte er werfen können, oder die schönen Seiten durch einen gruseligen Feuerwerkskörper ersetzen können. Angst war freilich vollkommen unberechtigt, denn es war ja ein vollkommen Weiterlesen

Uhrencup

Uhrencup1War zweitausend Besucher zu spät, um auch eine Uhr zu gewinnen. Bei der Zuschauerverlosung in der Uhrenstadt. Grenchen. Im Schweizer Mittelland, Niemandsland auf Berndeutsch, lies ich mir sagen. Liegt auf halbem Weg zwischen Bern und Basel. Beide spielten beim Uhrencup, Basel ja mit einem ganz gruseligen Trikotsponsor. Die einheimische Uhrenindustrie wirbt auf keinem Trikot, nicht einmal mit der Bahnhofsuhr. Nur auf dem Stellwerk, dort aber auch nur mit Buchstaben. Ganz dekorativ wäre ja eine Breitling als Bahnhofsuhr, quasi. Die bekommen nun vermutlich Basler Spieler, als Entschädigung quasi. Für den gruseligen Trikotsponsor. Und die lange Reise ins Schweizer Niemandsland. Mittelland, Entschuldigung.
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Bürodrehstuhl

Wurde besorgt gefragt, ob ich denn einen neuen bräuchte. Sagt man freilich nicht nein, auch wenn noch ein neuer im Keller steht. Beladen, wie alles im Keller, selbst die Fahrräder. Mit dem Betreibungsregisterauszug, Schweizerdeutsch für Schufa-Verbraucherauskunft, auch. Übergangsweise freilich, demnächst werden die Räder ausgefahren. Müssen noch eine geklebt bekommen, eine Velovignette. Obligatorische Haftpflichtversicherung für Velos auf Schweizer Straßen, Zürichs Radwegen auch.
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