Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

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Lebensqualität (1)

Da hat ja wer offenbar ganz genau hingeguckt. Hundertacht Komma sechs zu hundertacht. Im Vorjahr hundertacht Komma sechs zu hundertacht. Quasi unverändert. Hoch allerdings. Die Indexwerte für Lebensqualität in Wien und Zürich. Wien Komma sechs vor Zürich. Unverändert. Stagnation bei der Lebensqualität, Komma sechs, auch. „Die Rangliste ergibt sich aus einem Punktebewertungsverfahren. Ausgangsstadt dieses Bewertungsverfahrens ist New York mit einem Index von hundert Punkten.“ Schreiben die Autoren. Mehr nicht. Aber Komma sechs.

Freilich könnte Komma sechs für einen netten Sohn Wiens stehen. Er ist aber leider schon gestorben. Sehr traurig, aber seinen Spuren folgend durch Wien zu wandern ist sicher erlebenswert. Gelangt dann in sein schönes Wohnhaus, das ist heute ein Hotel. Sicher ja auch ganz erlebenswert. Aber Komma sechs? Freilich gäbe es da noch unweit von Wien eine Filiale der schönen Deutschen Bank. Die wäre freilich auch ein Argument für Lebensqualität. Aber keinesfalls Komma sechs.
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Pavelló Alemany

Er hat glücklicherweise viele Namen. Einer ist Pavelló Alemany, katalanisch für deutscher Pavillon. Auf keinem Schild im Umkreis von zwei Kilometern steht Pavelló Alemany. Am Plaça d’Espanya nicht, am Poble Espanyol nicht, am Palau Nacional nicht, auf dem Messegelände Montjuïc auch nicht. Immerhin ja auf dem Satellitenfoto, das vermutlich viele Besucher vor dem Besuch angucken. Finden den Pavelló Alemany dann vermutlich aber trotzdem nicht, ist ja quasi nicht ausgeschildert. Ist freilich auch kein weißes Rechteck, ein weißes Vieleck vielmehr. Aus der Vogelperspektive jedenfalls. Vögel sehen aber auch zwei Planschbecken, eine sich reckende, nackte Dame. Satelliten übersehen das glücklicherweise, wären sonst ja auch unflätige Spannersatelliten. Weiterlesen

Spanngurte

Jeder Koffer besitzt Spanngurte. Die braucht freilich nie irgendjemand. Die sind vielmehr immer nur im Weg, wenn der Koffer ausgeräumt wird. Beim Einräumen stören die immerhin niemanden, will nicht ungerecht sein mit Spanngurten. Gespannt über dem Kofferboden, den freilich niemals leeren. Fast.

Es sei denn, die Reise geht nach Nordamerika. Dann lohnt es sich nicht, den Koffer zu füllen. Den Koffer mit gespannten Spanngurten. Gespannt über einer Hose, einem Pulli, drei T-Shirts von der Deutschen Bank. Einer Kamera in der zu kleinen Tasche auch, die ist aber noch immer zu klein. Trotz der Reise nach Nordamerika. Weiterlesen

Curry 36

Curry361Gibt Internetseiten, die man nicht vor dem Mittagessen besuchen sollte. Hörte, dass das verheerende Folgen hatte, fast, freilich nur. Verletzte gab’s keine. Hatte nur die Internetseite verschickt, die gleich weitergeschickt wurde. Vor dem Mittagessen, ist ja auch garstig. Dabei ist’s gar nicht so superlecker. Lecker schon, ohne Vergleich vermutlich auch superlecker. Finden leider auch sehr viele Berliner, Touristen vermutlich auch. Ist ein geheimer Insidertipp im Reiseführer. Dahin verirren sich nur wenige Touristen, ist ja auch nicht ganz einfach zu finden. Mit dem Taxi freilich schon, das ist allerdings auch billig. Preiswert auch. Nachts auch, Touristen haben bis fünf Uhr Zeit. Oder frühstücken Currywurst. Um neun. Weiterlesen

Schuppen

Schuppen1Der Redaktor ist freilich dankbar für einen Schlafplatz. Im Schuppen, Fünfsterneschuppen, in dem Fall. Hätte auch gerne in einem Viersterneschuppen genächtigt, drei auch. Oder auch zwei. Einem. Nächtigte freilich nicht im Bett mit Frotteebettvorleger. Auf den Kopfkissen mit Wettervorhersagekarte und Zimmerfrühstücksbestellanhänger auch nicht. Ging aber auch nicht mit eingeschweißten Frotteeschuhen über tiefe Zimmerteppiche, Flurteppiche. Nahm immerhin einmal die Fernsteuerung zur Hand. Um das Schröder-Fernsehprogramm abzuschalten. Einmal reicht ja auch, die schwarze Mattscheibe ist ja auch ganz dekorativ. Nimmt aber viel Platz weg. Dort könnten besser schöne Kleider von der Deutschen Bank liegen, schwarze, auch.
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Nähetui

Hotelübernachtungen sind ja auch ganz praktisch. Meist liegen im Bad oder der Garderobe nützliche Utensilien, die nicht nur während der Hotelübernachtung zu gebrauchen sind. Das wiegt freilich den Grusel der Hotelübernachtung nicht auf. Nimmt aber die Angst, etwas.

naehetui1Vor Jahren fand ich in Barcelona, Berlin, London oder wo auch immer ein nettes Nähetui. In einem gruseligen Hotelzimmer, so viel ist sicher. Das blieb freilich nicht in dem gruseligen Hotelzimmer, nahm es mit ins schöne München. Zügelte es nach Zürich. Seit zwei Wochen fehlt dem Jackett ein Knopf. Dem nicht mehr ganz so schönen von der Deutschen Bank. Schön genug aber, um den Knopf noch wieder anzunähen. Fand sogar den Ersatzknopf, der ist auch gezügelt. Das Nähetui ja auch. Ist eins von der netten Sorte: Nimmt dem Einäugigen das Einfädeln ab.