grauer Klotz

Stadtplanzeichner haben freilich auch keinen einfachen Beruf. Müssen dicke Trambahnlinien in enge Straßen quetschen. Mehrere auch, über Brücken, schönes Wasser überbrücken. Wasser ist ja immer blau. Stimmt wohl, in dem Fall. Blaue Haltestellen mit Umsteigmöglichkeit verbergen schöne Orte, Plätze auch. In dem Fall sogar eine Kirche. Das Fraumünster steht unter dem Paradeplatz. Stimmt freilich gar nicht, unter dem Paradeplatz lagern Milliarden. Franken und Gold. Das Fraumünster hat auch einen Schatz: Die verbotenerweise fotografierten Chagall-Fenster. Sie ziehen Besucher am Wochenende an. Auch. Meine.
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verspiegelt

Alle Zimmer des kleinen Heims. Schönen Heims, auch. Schöne Spiegel auch, viele kleine, die gucken sich noch gegenseitig an. In die Unendlichkeit quasi, aus fünf gucken schon Augen. Acht Paare, bebrillte, verdunkelte, auch. Junge freche wie die der Frau Werkstattmeisterin sind die einzigen, die in den kleinen Spiegel an der gegenüberstehenden Wand gucken. Darf mich nicht beklagen, knipste ich doch die Fotos alle selbst. Acht fehlen noch, aber nur die Fotodrucke, von Augen. Auch. Menschen, auch. Der Fotodrucker steht im Wandschrank, der sich nun endlich auch im Spiegel sehen kann. Bohrte mit der geliehenen Schlagbohrmaschine Löcher in dicke Mauern, weiche, alte, auch. Für den Spiegel, der nur ein Rahmen sein sollte. Für den Butterkutterplan. Der wird aufgezogen, sieht sich dann auch im Spiegel. Weiterlesen

schlitteln

schlittelnHeißt freilich Schlittenfahren auf Schweizerdeutsch. Mag kurze Wörter, schlitteln auch. Sonnenbrand wegen des Blaus über dem Hochnebel, in Kindergesichtern. Auch. Erst grün während der kurvigen Anfahrt, dann glänzend beim Anblick meterlanger Eiszapfen. Eisig während der kilometerlangen Abfahrt. Des Schlittelns. In Les Diablerets. Ganz so steil wie die steilste U-Bahn Europas geht’s dort nicht bergab. Schlief knapp unterhalb des Gipfels der maximal zwölf Prozent Steigung. Über dem Bett thronte der Taschenatlas der Anatomie. Meiner nicht, der steht in Zürich. Warm hinter dicken Mauern.

Umtriebsentschädigung

umtriebsentschaedigungIst keine Wiedergutmachung für zu viel Umtrieb. Schlicht Schweizerdeutsch für Vertragsstrafe. Behördenschweizerdeutsch. Mag keine Entschädigung. Für den Ausflug ins nahe Baar. Kalt war es, der blaue Himmel wolkenlos, Sonne strahlte auf schneebedeckte Felder, Industriebauten auch. Eine Palme am Wegesrand freute sich über die wärmenden Strahlen. Am Irrwegesrad. Weiterlesen

Zitat (10)

Du siehst nur einen Pastis. Ich hingegen, der ich in das hineinschauen muß, was ich male, sehe die Pflanze, aus der er gemacht ist, die Stürme, denen die Pflanze getrotzt hat, die Hand, die die Aniskörner geerntet hat, deren Reise bis hierher, rieche den Duft des Anises und sehe die Farbe, ehe er dem Alkohol zugefügt wurde.

Schreibt Paulo Coelho in „Elf Minuten“. Bis dahin fast mechanisch hart dokumentierend, obwohl es in Brasilien so gruselig nun auch nicht war. In Genf schon, kein Grund um jubilierend zu erzählen. Dann malt der Maler das erste Wortgemälde, einer bestürmten Pflanze, sonderbaren. Exotischen auch. Steht stolz im prasselnden Regen, biegt – nicht wiegt – sich im Wind. In der Ferne durchschneidet das Feuer des Leuchtturms den Regen an Fäden. Ein Tropfen perlt auf dem Anisblatt, schimmert in lustigsten Farben, bald orange, blau, grün. Als die Sonne die warmen Hände ausstreckt am Morgen nach dem Sturm.

Nähkästchen

do-it-yourself-set

Aus dem plaudert man ja, manchmal gern, auch. Gewährt einen Einblick in Dinge, die anderen sonst nicht zugänglich sind. Lese ich in einem Geschenk. Der Geschenkideenausdenker versagte zuletzt, gleich mehrmals. Hat die besten Geschenkideen spontan. Manche Menschen machen es ihm auch leicht, einige verstecken sich auf dem Blog. Verstecke ich auf dem Blog, auch. Sie kennen ihre Verstecke. Ich auch. Wünschte mir manchmal, sie wären so einfach zu finden. Die Menschen. Wie Geschenkideen.

Eine der besten Geschenkideen des Geschenkideenausdenkers geht so: 20 Überraschungseier essen, den Inhalt jeweils in einen Luftballon stopfen. Eine Porzellanbrosche in eine Kunststoffkugel legen, diese ebenfalls in einen Luftballon stopfen. Dann 21 Ballons aufblasen, verknoten. Freilich darf nicht zu viel Luft in die Ballons, sonst passen sie nämlich nicht mehr in einen Monitorkarton. In Packpapier eingeschlagenen Monitorkarton, wohl gemerkt, soll schließlich ein Geschenk werden. Wohl dem, auch, der einen großen Röhrenmonitor besitzt, zumindest den Karton dazu. Besitzer eines Flachbildschirms haben freilich ein Problem, auch wenn sie gut in kleineren Wohnungen leben können. In doofe Flachbildschirmkartons passen niemals 21 Luftballons. Den großen, luftgefüllten Karton schließt ein breites Stoffband mit roter Schleife. Oder blauer, oder grüner. Lila ist wohl derzeit Mode. War’s vor circa 15 Jahren nicht, so alt ist die Geschenkidee.

Kristallschmuck

Einen weißen Becher verziert der Designer mit hellblauen, hellgrünen, rosa Schmetterlingen, vielleicht will er sogar Künstler genannt werden. Gleichfarbige geschliffene Kristalle deuten Augen auf den Flügeln an. Flattern den Becher hinauf, vielleicht ein Dutzend Schmetterlinge. Becher aus edlem chinesischem Porzellan, nicht aus billigem Steingut. Respekt. Für so viel Geschmacklosigkeit. Grusel, auch.

SwarovskiVom Kristallglasschleifer stammt der Baumschmuck auf dem Zürcher Christkindlimarkt. Im Bahnhof. Der größte überdachte Weihnachtsmarkt Europas. Mit einer 15 Meter hohen Fichte. Sie muss 21.000 geschliffene Kristalle tragen, hunderte Girlanden. Die Arme. Ihr schönes grünes Kleid überstrahlt von blauen, grünen, roten Blitzen. Im Scheinwerferlicht. Drei Meter hohe Plexiglasscheiben verhindern, dass Menschen, Glühweintrinker das Baumharz schnuppern, Kinderhände Fichtennadeln berühren. Der Stamm umringt von Ausstellungsfläche, kristallene Kerzenständer, Engelchen, Eisvögel darauf. Hinter Plexiglas freilich auch, könnte ja jemand mitnehmen. Preise fehlen selbstredend, den Schock gibt’s am Verkaufsstand daneben gratis. Nicht geschenkt, ich würde Geld dafür nehmen. Entsorgen kostet schließlich auch. Wie heißt grottenhässlich auf Schweizerdeutsch?

Bilderrahmen

Zürcher Bürgersteige sind geteert. Wohl dem, der rutschfestes Schuhwerk trägt, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen. Trägt er auch noch einen Spiegel, lang und schmal, schwer auch, ist er besonders rutschgefährdet. In der Achterbahn für Rollstuhlfahrer, geteert freilich auch, ohne Handlauf aber. In der Altstadt liegt netterweise Kopfsteinpflaster. Dort sind die Wege aber auch kurz für den Spiegelträger.

bilderrahmenDer hat einen Tag zu lange gewartet mit der Bilderrahmensuche. Wie immer erst die Arbeit, die anderen auch. Von denen half freilich keiner beim Tragen. Durch den Schneeregen, der gestern nicht fiel. Heute aber den ganzen Tag, quasi ideal für Bilderrahmentransporte. Noch besser für Spiegeltransporte, die sind noch etwas schwerer. Hatte auf einen hölzernen Bilderrahmen spekuliert, nur den Rahmen, ohne Bild, Passepartout und Glas, notfalls auch restaurierungsbedürftig. Es gab zwei Bilder mit 1,30 Meter Länge, beide mit gefrästem, silbernem Rahmen. Grusel etwas. Auch wegen der Motive: Alm mit Bäumen, Blumenbeeten und Kühen, schneebedeckte Berge im Hintergrund, blauer Himmel freilich. Panorama bietet sich an beim Querformat. Fürs Hochformat ist ein Spiegel ideal. Nicht ideal ist sein Gewicht, seine Unhandlichkeit. Sechs zierliche Spiegel hängen über meinem Kopf an der Wand. Aus dem ersten grüßt Marie Antoinette von der Fensterbank.

Zugvögel

zugvoegelWarum treten Möwen eigentlich nicht im Zirkus auf? Lachmöwen mit schwarzem Kopf, Silbermöwen auch ohne Verkleidung geschmückt. Tolle Kunststücke sehen Zürcher und Touristen von Möwen vor dem Zirkuszelt, in warmer Sonne unter blauem Himmel. Temperatur für den Übergangsmantel wäre gewesen, im Schatten nur für den Wintermantel. Mitten im Dezember.

Heute sind Zugvögel längst fort. Möwen sind keine Zugvögel, zu meinem Glück. Bleiben mit mir in Zürich. Kreisen über den See, die Limmat, picken im Flug nach dem Brotrest zwischen den Fingern. Lassen sich füttern während sie gegen den wenigen Wind anfliegen. Über der Münsterbrücke, gesäumt von Touristen, Telefonen mit Kameras. Könnten auch die Schreie aufnehmen, in die Welt hinaus übertragen. Gezanke ums Brot. Fände es spaßig, wenn die Möwen statt des Brots am ausgestreckten Arm in die Kameralinse picken würden. Geschähe euch recht, ihr sucherlosen Telefonfotografen.

Sonnenbad

sonnenbad

Freilich zu schön, um wahr zu sein, wäre das Sonnenbad. Die Sonne am blauen Himmel hat keine Kraft mehr, Zürcher zu wärmen. Bitterkalt war’s am Sonntag, nur im kleinen Heim nicht. Obwohl die Heizung seit Freitagmorgen aus war, hielten dicke nette Mauern und Doppelglassprossenfenster die Wärme fest. Jeden Abend wieder, freilich läuft die Heizung durch. Der Handtuchwärmer auch. Am Morgen strömt warmer Seeduft aus dem Handtuch. Der stand nicht im Wohnungsexposé. Verlange eine Mieterhöhung, unbedingt.

Schreibtisch (2)

schreibtisch2Benannte einen Blogeintrag um, in Schreibtisch (1). Nicht vermutet, dass der kleine Schreibtisch wirklich klein ist. Zu klein, selbst für das kleine Heim. Schönes aber, lobt der Baderbub, neidisch, etwas: Jeden Rappen wert, geniale Lage, mitten im Dörfli. Es schlief noch, das Dörfli, als er den Schreibtisch brachte, den braunen, kleinen. Mit grünen Sockeln, wie die Fensterläden. Am Freitagmorgen. Steht freilich nicht mehr in der Küche, der Kärcher-Karton nicht mehr im Wohnzimmer. Er stabilisierte den Schreibtisch, dick verpackt, fixiert mit Vorsicht-Glas-Klebeband. Kein Glas am Tisch, trotzdem nett vom Absender. Die Verpackung jeden der 2.000 Cent wert. Kosten nicht nach Gewicht. Den Rolladenkasten umarmt wanderte der Schreibtisch über Riemenböden ans Fenster. Tageslicht von links, wie aus der Heimat geraten.

Blau und Holz schmückten das Zimmer. Wie in München. In Zürich nun Holz und Natur. Blauer Sesselbezug in der Wäsche. Bettbezug auch. Das Möbelhaus mit dem Elch verkaufte naturfarbene Wäsche. Hölzerne Bilderrahmen auch, quadratische, für die Galerie. Ein Bild jedes Besuchers hängt dort. Auch.

Kapuze

Fäden füllen die Seenplatte auf der Oxford Street. Unter dem Vorsprung der Essen-Filiale lösen sich Fäden auf in Spray. Die wasserdichte Membran stemmt sich gegen Spray, die Fäden. In den Schuhen und der Jacke. Nicht der Kapuze, die fehlt. Am Schirm prallen Tropfen der Markise ab, dicke. Fäden auch, lange. Stundenlange.

Die Membran hält Stunden, hielt schon vor Jahren. 20. Im Jugendwunsch, blauer Jacke mit eingerolltem Fuchs. Und Membran. In der Kapuze auch. Ein Kiesel riss ein Loch in den linken Ärmel, beim Fahrradsturz am Gallberg. Fast der Weltuntergang, nicht die Wunde. Kleine. Mit dem blauen Flicken trug die Jacke zuletzt wer, der gerade Butterkutter fährt, vermutlich, oder Model T. Durch Nordamerika. Feiernd unbedingt auch. Wartet auf sein Geschenk. Butterkuttern. In München oder Zürich. Die Reise nach Zürich verhinderte die Butterkuttertour, keine Fäden oder Spray. Im September, schon damals in der Fahrradjacke, mit Membran, heute laminiert. Ohne Kapuze. Deshalb mit Schirm durch Fäden und Spray. Gemeinsam mit der Wendejacke von der Deutschen Bank. Innenseite sah noch nie die Welt draußen. Die Kapuze schon. In Zürich noch nass vom Londoner Regen.