Ticketabholstellen

Vor einem Monat eröffnete der King Shaka Airport Durban. Im Norden von Durban. Der alte liegt im Süden, ist noch auf der Landkarte eingezeichnet. Der neue mit guter Anbindung, freilich. Verkehrsanbindung auch, Fußballweltmeisterschaftsbesucher bringen Busse billig in die Stadt. Schlechter Internetanbindung aber offenbar, am Abend des zweiten Tages der Fußballweltmeisterschaft waren drei Selbstbedienungs-Ticket-Terminals in der Ticketabholstelle am King Shaka Airport Durban offline. Ein Flugzeug landete mit geschätzt hundertfünfzig deutschen Fußballfans. Schweizer freilich auch, zwanzig, vielleicht. Einem Deutschen aus Zürich, auch. Der fuhr unverrichteter Dinge nach Umhlanga.

Umhlanga hat ein Einkaufstheater. Gibt Leute, die würden Einkaufszentrum sagen. Südafrikaner sagen Einkaufstheater, Theatre of Shopping vielmehr. In jedem Schaufenster klebt das Fußballweltmeisterschaftslogo, ein Säuseln von Vuvuzelas liegt in der Luft. Klimatisierte Luft, dankbarerweise, die frische Luft heizt die Sonne unverwölkt auf fünfunddreißig Grad. Heiße Luft steht vor allen Eingängen des Einkaufstheaters. Steht nur so herum. Steht im Weg aber auch, wie eine Wand. Gegen die läuft der Ticketabholstellenbesucher unwillkürlich. Nach einer Stunde in der Ticketabholstelle. Von drei Selbstbedienungs-Ticket-Terminals war Weiterlesen

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Sicherheitsinstruktionen

Sind selbstredend unspektakulär, entsprechend häufig ignoriert, auch. Da fällt es quasi gar nicht auf, wenn sich mal ein Fehler einschleicht. Das Flugzeug hat sieben statt acht Notausgänge zum Beispiel. Ein lustiger Zeichner war gerade abgelenkt, vergas mir nichts, dir nichts ein Oval auf die Bordwand zu malen, einen roten Pfeil hindurch zu ziehen. Passagiere wundern sich, warum die Flugbegleiterin ihnen das Öffnen der Notausgangstür erklärt, sie zum Verstauen des Gepäcks in den Handgepäckstauräumen auffordert. In den Sicherheitsinstruktionen steht doch gar nix von dem Notausgang. Verdammt, meint der Chefzeichner, zweite Auflage. Passagiere wissen nicht, wohin mit ihren Händen. Hinter den Kopf, den Kopf auf die Knie ziehend. Vor die Brust, aufrecht sitzen bei der Wasserlandung, wie es die Sicherheitsinstruktionen zeigen. Verdammt, meint der Chefzeichner, dritte Auflage. Vorher erst einmal eine Zigarette, meint der Zeichner. Zeichnet hinterher freilich ein lustiges Quadrat mit abgerundeten Ecken, darin einem länglichen waagerechten Rechteck mit zwei Wellen an einem Ende. Sehr dekorativ, meint der Chefzeichner, bei einer Zigarette. Aber verdammt: es fehlen zwei rote Striche. Vierte Auflage. Bei der fünften Auflage könnte der Zeichner noch lustige Wellen Weiterlesen

Landschaftsbauer

Gibt Werbung, die wirkt. Für Landschaftsbau zum Beispiel. Auf einem Transporter stand Landscape Incorporated, mit einem Namen davor, freilich. Namen sind ja Schall und Rauch, mag außerdem gar keine Werbung machen. Nur für Landscape Incorporated. Eine freilich nordamerikanische Firma, die vermutlich Landschaften baut. Auch, vermutlich. Die hat ja noch viel zu tun. In Nordamerika, Las Vegas auch. Auch dringend, quasi. Aber Aufträge kommen vermutlich nur von gruseligen Hotelbesitzern: Bauen sie mir eine Badelandschaft, Himmel wie im alten Rom, Fassaden und Plätze auch. Pyramiden wie im alten Ägypten. Oder auch New Yorker Fassaden, Grossstadtlandschaft. In der der Wind pfeift, laut, wenn er um die Ecken weht. Nett ja auch vom Wind, könnte sich auch heran säuseln. Pfeift lieber, wenn er um hunderte Meter hohe Ecken herum weht. Könnte allerdings ja auch Nordamerikaner massiv irritieren, plötzlich Weiterlesen

Deuce

In Las Vegas schmelzen die Zebrastreifen. Fliessen an den Straßenrand, gemeinsam mit dem Teer. Vermutlich in der Hoffnung, wenigstens der Bordstein spendet etwas Schatten. Der ist allerdings entweder nur abends oder nur morgens so freundlich, wenn die Sonne nicht mehr senkrecht vom blauen Himmel brennt. Nicht strahlt, brennt. Brennt auch auf der Haut des Wanderers. Wandert zur Bushaltestelle in der Wüste, Linie Deuce. Fährt auf dem Las Vegas Boulevard von Norden nach Süden. Auch, freilich.

In Las Vegas schmelzen auch die Häuser. Die mit Metallfassade jedenfalls, auf die Idee können auch nur Nordamerikaner kommen. Auch, freilich.

In Las Vegas schliessen Hausbesitzer die Eingangstüren mit der Bohrmaschine ab. Von Holzhäusern, freilich auch, mit grossen Fensterflächen. Schrauben eine Schraube, vermutlich zwei, in Tür und Türrahmen, Schlösser halten gruselige Einbrecher nur kurz auf. Eine lange Schraube schon länger, zwei noch länger. Denken Hausbesitzer vermutlich. Denken vermutlich auch nicht an gewitzte Einbrecher, die mit schönen grünen Bohrmaschinen auch Schlösser aufbohren, Lange Schrauben herausschrauben. Zwei auch, freilich.
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Eyjafjallajökull

Einmalige Gelegenheit, über ein so lustiges Wort zu schreiben. Schreibe es freilich nur mit Nachhilfe richtig, kann es kaum richtig aussprechen. Lustige Isländer können das Wort freilich richtig schreiben, aussprechen. Denken dabei aber ja auch an Inselbergegletscher. Europäer denken an Aschewolke, Flugverbot.

Hörte: Irgend so ein Vulkan auf Island ist ausgebrochen, der deutsche Luftraum gesperrt. Hörte das im Vorbeigehen, in Gedanken schon fast im neuen Terminal des Flughafens Barcelona. In der Luft, auch. Über den Wolken, auch. Aschewolken, auch. Plötzlich ging die Angst um. Freilich vor nichts weiter als einem weiteren Tag in Barcelona. Trotzdem Angst. Die verflog schnell, als sich die Nachrichtenlage änderte. Nur der norddeutsche Luftraum ist gesperrt, die Probebuchung des Fluges nach München Weiterlesen

Körperphantom

Angst am Küchentisch. Vor der Küchentischlampe, den hölzernen Küchentisch umgibt freilich kein angsteinflößendes elektromagnetisches Feld. Die Küchentischlampe aber schon, die einzige Lampe mit einer Energiesparlampe. Hörte: Stilbruch, die WG 24 mit einer Energiesparlampe zu illuminieren. Einer stabförmigen Kompaktleuchtstofflampe, ohne kugelförmige Hülle. Die hätte noch mehr Licht geschluckt, die Kompaktleuchtstofflampe ist schon düster genug. Illuminiert ja aber das halbkugelförmige Opalglas trotzdem ganz schön. Flößt aber ja auch ganz schön Angst ein.

Dem Leser freilich nur, liest nun nur noch im Abstand von mindestens dreißig Zentimeter von der schönen Küchentischlampe. Las im Abstand von zehn Metern vom gruseligen Körperphantom. Am Schreibtisch, im Internet, beim Bundesamt für Energie. Die Energie hat quasi auch ein eigenes Bundesamt abbekommen. Weiterlesen

Mandelkerne

Der Wunsch jedes experimentell arbeitenden Psychologen ist es, eine direkte Beziehung zwischen einem Stimulus und einer biologischen Reaktion herstellen zu können. Wenn ein Mensch ein Signal bekommt, geschieht in seinem Kopf genau eine bestimmte Reaktion. Wenn der Psychologe diese Kausalität für alle Menschen zeigen kann, ist sein Wunsch erfüllt. Freilich kann man beim Wunsch erfüllen auch etwas nachhelfen, mit Statistik zum Beispiel. Oder auch Messmethoden, Stichproben, Experimentdesigns. Freilich kann und auch. Oder auch.

Zu auch tendierten offenbar Zürcher Ärzte und Psychologen bei dem Experiment mit dem dekorativen Titel „Die eigenen Gefühle in den Griff bekommen„. Experiment wohlgemerkt. Kontrollierte Versuchsbedingungen, für alle Teilnehmer gleich, Teilnehmer vergleichbar, keine Störung. Zu schön, um wahr zu sein, quasi, wenn Menschen teilnehmen. Kommt aber in der Medizin und der Psychologie kaum um Menschen umhin. Quasi. Die Zürcher luden sich dreißig ein. Gesunde, selbstredend, Menschen sind ja quasi immer gesund. Denken freilich auch immer darüber nach, wie sie sich fühlen, insbesondere, wenn sie gerade auf einer Bahre liegen und ihr Kopf von einem Magneten umkreist wird. In einem Magnetresonanztomografen. Darin liegen Menschen auch täglich, quasi. Dreißig Zürcher offenbar schon, quasi Magnetresonanztomografenschläfer. Dachten also quasi unter vollkommen Weiterlesen