Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen

Selbstdiagnose

Das Berner Bundesamt für Gesundheit weiß offenbar gruselige Dinge über die Mitbürger. Lese ich, oder auch nicht. Denn in der Pendlerzeitung stand’s am Morgen, am Abend schon nicht mehr auf der Zeitungsseite. Die Seite des Bundesamts für Gesundheit weiß auch von nix, die Seite der Universität Freiburg auch nicht. Der Besitzer einer Telefonnummer und einer E-Mail-Adresse möglicherweise. Er weiß aber auch mehr über psychische Störungen, schrieb er doch ein Standardwerk. Aus Bern. Eins davon stand in Jena, drei in Aachen, keins daheim. Nur Kopien. Für zehn Pfennig pro Doppelseite, verkleinert. Danke für die ein oder andere gute Erklärung von Störungsbildern, Herr Professor Meinrad Perrez. Auch Angst. Angst hat heute der gute Herr Perrez vor dem Telefonklingeln, vermutlich. E-Mails auch, von Angstpatienten, eventuell. Auch sehr gruselig. Nicht die E-Mails, die Anrufe. Die Selbstdiagnose.
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Handschrifterkennung

Handschrifterkennung1Werde beim Anblick der Box von Windows NT 3.1 immer melancholisch. Benutzte es ja nie, startete bei Windows 3.1, MS-DOS 5.0 vielmehr. Mit einer schwarzen Escom-Kiste, Slimline-Desktop hiess der damals wohl. In die seriöse Computerei, die Commodores waren Spielzeuge. Lustige Spielzeuge, lehrreiche auch. Spiele noch heute Larry durch, wenn mich jemand davor setzt. Ports of Call auch. VizaWrite nicht mehr, schrieb nur fünfundneunzig Texte damit. In vier Jahren. Gab Wochen, in denen ich genau so viele schrieb. Als Redaktor, Redakteur dazumal noch. Unter Windows 5.0.

Spielte eben Windows 6.1 auf, auf das schöne Tablet. In fünfzehn Minuten, das Festplatte Partitionieren kostete fast die meiste Zeit. Mehr Zeit als das Diskettenwechseln bei Windows 4.0. Das sich nicht von CD installieren lies. Erkannte das CD-Laufwerk mit einfacher Geschwindigkeit nicht, da brachte ich die schicke blaue Box zurück in den Elektronikmarkt. Weiterlesen

Achterbahn

Die kann ja auch das Leben sein. Aufwärts geht’s mit viel Schwung, oder auch mit den Rädern. Langsamen Rädern, die mühsam drehen, Widerstand überwinden, ruckeln. Den Fahrgast durchschütteln, ihm Respekt vor der Auffahrt abringen. Vor dem, was auf dem Gipfel folgt, auch. Wie im Leben, aufwärts geht’s langsam, mit großem Kräfteverschleiss, oder eben mit viel Schwung. Wie von selbst, wie auf der Achterbahn. Auf ihr geht’s nur schwungvoll aufwärts nach der Abfahrt, aus dem Kopfstand etwa. Oder auch der steilen Schussfahrt. Abwärts, nach der Auffahrt. Kann freilich nicht immer nur aufwärts gehen, auf der Achterbahn, dem Leben ja auch nicht. Auf den Gipfel verharren wäre zu schön, keine Kraft aufwänden, keine Talfahrt fürchten, kreischen, Augen weit geöffnet. Sich mit ausgestreckten Armen dem Gipfel entgegen recken. In Erinnerung an das Wohlbehagen, den schönen Ausblick über die Täler. Gleistäler, Täler des Lebens ja auch.
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Waschmaschine

Waschmaschine1Um die geht’s freilich gar nicht, obwohl die ja auch tourte. Das Bullauge zum Schaufelrad erinnert aber auch an eine Waschmaschine. Saß in Aachen vor einer, stundenlang, in München auch. Stundenlang, freilich. Bis die eigene geliefert wurde, die nicht unter die Arbeitsplatte passte. Wegen der Anschlüsse, meinte der Monteur. Als wir sie demontierten, sahen wir, dass er Recht hatte. Nun steht die Waschmaschine neben anderen, in der Scheune. Münchner Scheune. In der Schleswiger Scheune steht das Butterkuttermodell. An Bord der Zürcher Butterkutter gibt’s keine Butter. Lassen sich quasi das Geschäft ihres Lebens entgehen: Weiterlesen

Abgas-Wartungsdokument

Abgas-Wartungsdokument1Schlimm genug, dass Zürcher Kontrollschilder knapp sind. Zu viele Autos im Kanton. Das ZH-Kontrollschild als Zier, nicht für jedes Auto freilich. Den schönen Käfer zieren kleine Schweizer Kontrollschilder nicht, vorn nicht, hinten auch nicht. Obwohl es doch zweizeilige Kontrollschilder für die Motorhaube gibt. Dem Käferfahrer war’s offenbar gleichgültig, das Aussehen seines schönen Motorwagens. Gibt andere, die achten darauf, wie ihr Ferrari, Lamborghini, Mustang oder Rolls Royce aussieht. Die ersteigern sich auch Kontrollschildnummern, für Tausende Franken.
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Jakobstraße

Höre immer wieder ein Lied. Einige Lieder manchmal, hauptsächlich doch aber eins. Am Ende. Das wechselt vielleicht einmal im Monat. Jedes halbe Jahr. Höre mit Winamp, seit Jahren nicht anders. Hörte schon in Studienzeiten so. Als MP3 noch rar waren, schnelle Internetleitungen auch. Bezahlte Musik aus dem Internet auch. CDs noch nicht so rar. Hörte eine CD in der Jakobstraße. Der Aachener. In einer Kieler WG. Die Mitbewohnerin schenkte mir ein Tablett, nach dem Hören.
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DSM-IV

Gibt Anekdoten, die sind zu gruselig, um nicht erzählt zu werden. Gruselig für mich, freilich. Also: Fuhr vor Jahren mit einer Kommilitonin von Aachen nach Köln, um dort eine Prüfung zu absolvieren. Zu bestehen, trifft’s besser. Mit eins. Las auf dem Hinweg in geliehenen Lehrbüchern, kannte die Texte in meinen Büchern auswendig. Wusste, wo ein Satz auf der Seite der Bücher steht. Beim Taschenatlas der Anatomie klappte das Jahre früher nicht so gut. Bestand trotzdem, daran bestand diesmal kein Zweifel. Verrücktmachen war meine Spezialität. Als nichtdiplomierter Psychologe. Nach Köln lockte aber eine weitere Note fürs Diplomzeugnis. Bekam dann den Vortritt, das ist ja nicht meine Art. Hörte, dass ich mir ja ein besonders schwieriges Störungsbild ausgesucht hätte. Durfte erzählen, ohne Zwischenfragen. Nach 15 Minuten wurde es dem Professor uns seiner Assistentin zu bunt, komplimentierten mich aus dem Büro. Mit den Worten: Sie wissen ja eh mehr über die Störung als wir zusammen. Die Tür blieb fünf Minuten geschlossen. Geöffnet für wenige Sekunden, dann wieder geschlossen. Wir haben uns für eine Eins entschieden.

Das DSM-IV im englischen Original war seinerzeit eine Rarität in Aachen. Hatten nur die Kliniken, nicht einmal die Universitätsbibliothek. Bestellte es für sehr viel Geld, erst nach der Prüfung in Köln. Prüfung in Anführungsstrichen. Beschäftigte mich weiter mit dieser Störung, freilich nicht hauptberuflich. Vielleicht doch Hauptberuf, das Studium Nebenjob. Gruselig war’s, für mich.
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Musdat

Freilich eine Abkürzung. Erdacht in Zeiten, in denen Dateinamen noch aus acht Zeichen bestanden. Drei Zeichen als Suffix. Steht für Musik-Datenbank. Hätte freilich auch Musidate heißen können. Hätte dann aber keine Jahreszahl mehr anhängen können. Musdat94.wdb wäre die älteste gespeicherte Datei gewesen. 1992 erstmals geschrieben. Dazu der frühe Schröder:
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Agenda

Buchkalender auf Hochdeutsch, aber auch Agenda. Kein Schweizerdeutsch, heißen hier schlicht Agenda, nicht Buchkalender. Sind mittlerweile reduziert freilich, halber Preis. In Jena bezahlen Jenenser und Jenaer sicher nicht zehn Euro, einen vielleicht. Für einen Buchkalender. Kaufte vor zehn Jahren dort einen Buchkalender, selbstredend bei Böckel, oberhalb des Johannisplatzes. Begründete eine Tradition, der Buchkalender von 1999.
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Schuhschrank

schuhschrankKaum ein Boden ist eben, kaum eine Decke gerade. Im schönen kleinen Heim. Die Besuchergalerie hängt im Wasser. Die Besucher gucken trotzdem schräg, weil niemand eine schiefe Decke vermutet. Gucken einander an, die Besucher. Zwei starren ins Leere, tatsächlich irgendwie. Frau Werkstattmeisterin blickt herab. In der Galerie. Jeder Besucher ist dort schon ausgestellt. In der Galerie. Im Spiegel. Für den fehlt der Platz in der Garderobe. Bald steht dort immerhin ein Schuhschrank. Endlich nicht mehr aus dem Möbelhaus mit dem Elch, Studienzeiten sind endlich Vergangenheit. In Aachen kaufte ich die ersten Regale, sie füllten in München das Wohnzimmer. Heute steht darauf der Butterkutter. Oder es liegt der Plan darauf. Des Butterkutters. Bin stolzer Besitzer der ersten Kopie, leider nicht handsigniert. Noch hängt er nicht, der Plan, über Riemenböden unter schrägen Decken.
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Velogarage

velogarageAn der Schifflände. In Schaffhausen. Dort ist’s auch ganz gruselig am bitterkalten Sonntagmorgen. Kein Mensch auf den Straßen der schönen kleinen Altstadt. Die bittere Kälte war sicher ein Grund, der Morgen ein anderer. Selbst die Möwen standen einbeinig auf schneebedeckten Pollern, dem zweiten Bein war’s zu kalt. Wohlig warm vergraben im Gefieder. An der Schifflände, wo Rheinschiffe landen. Im Sommer, im Frühling sicher auch. Dann zetern die Möwen auch nicht so sehr über das kalte Rheinwasser. Schreien schwimmend. Stromabwärts hin zum Rheinfall, der ist drei Kilometer entfernt. Von der Altstadt. Der Velogarage unterhalb des Wasserspiegels auch.
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