Schusswaffensuizide

Einigen Wörtern täten Bindestriche gut. Schusswaffensuizide ist eins davon. Freilich müssen wir nicht um suizidgefährdete Schusswaffen fürchten. Schweizer ausnahmsweise auch nicht, obwohl ein Zürcher Wissenschaftler offenbar auch Schusswaffensuizide erforscht. Auch, wohlgemerkt. Erforscht im Hauptberuf vermutlich eher Suizide mit Schusswaffen. Wiederum auch, womöglich. Weiß aber viel über Schusswaffensuizide, Suizide mit Schusswaffen auch, berichtet etwa, dass fast jeder dritte Suizid von Männern mithilfe einer Schusswaffe geschieht, sich aber nur jede dreißigste Frau mit einer Schusswaffe das Leben nimmt. Kennt selbstredend auch die Erklärung für den Geschlechterunterschied: Männer kennen sich eher mit Waffen aus, Frauen im Apothekerschrank. Das sind natürlich sehr gruselige Einsichten, mal ohne auch und oder. Will allerdings auch hoffen, dass Männer Schusswaffen nicht mit Medikamenten laden, Frauen keine Schusswaffen im Apothekerschrank deponieren, Männer sie den Frauen womöglich dort verstecken, garstiger Weise. Dann wären vermutlich auch neue Erklärungen des Zürcher Suizidforschers gefragt. Freilich kennt er ja aber auch noch mehr Fakten, gesammelt von seinen Kollegen in Australien zum Beispiel: Weiterlesen

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Demokratiequalität

Was für ein Debakel. Die Schweizer Demokratie ist nur Mittelmaß, las sich die Schlagzeile. Die quasi alle druckten, elektronisch veröffentlichten auch. Kein ernstzunehmendes Blatt wollte sich mit den lustigen Wissenschaftlern der altehrwürdigen Universität Zürich anlegen, nachfragen freilich auch nicht. Redaktoren hätten fragen können, warum denn die Jahre zwischen neunzehnhundertfünfundneunzig und zweitausendfünf untersucht wurden. Quasi veraltete Daten, überhaupt nicht mehr repräsentativ. Hätten auch fragen können, ob die lustigen Forscher denn übersehen haben, dass das Frauenstimmrecht ja weit vor neunzehnhundertfünfundneunzig landesweit eingeführt wurde. Neunzehnhundertneunzig per Gerichtsurteil quasi diktiert wurde, entgegen dem Willen der Landsgemeinde Appenzell Innerrhoden. Das hatte freilich aber gar keinen Einfluss auf die Demokratiequalität, denn die wurde ja erst ab neunzehnhundertfünfundneunzig ermittelt. Die lustigen Wissenschaftler versuchen ihre Landsleute aber auch etwas zu beruhigen, die Demokratie sei so schlecht nicht. Die Qualität steigt in den letzten Erhebungsjahren an. Verglichen mit dem Mittelmaß, Italien, der Tschechischen Republik, Malta. Quasi die Vorzeigedemokratien, auch, natürlich. Weiterlesen

DVD (2)

Über ein Jahr stand die Kaufkassette auf dem Wunschzettel. Im Internetkaufhaus. Das weist ja Wunschzettelbesitzer freundlicherweise darauf hin, wenn ein Artikel auf dem Wunschzettel zurück im Sortiment ist. Kehrte aber leider nicht zurück ins Sortiment, das registrierten auch die lustigen Regalsortierer im Internetkaufhaus. Sortierten also die Artikelnummer lustig neu ein. Ins Kühlregal. Freilich nicht die Kaufkassette, die hält sich ja auch ungekühlt. Joghurt freilich nicht, mit null Komma eins Prozent Fett auch nicht. Der trägt aber jetzt die Artikelnummer der Kaufkassette im Internetkaufkaus. Joghurt namens Andechser Natur Bio Pfirsich-Mango ist quasi ein Äquivalent für „Verwirrung der Gefühle„. Auch, vermutlich.

Besser sortiert ist das lustige Zweite Deutsche Fernsehen. Das produzierte „Verwirrung der Gefühle“ auch mit, auch für die Kaufkassette. Auch fürs Archiv, zu meinem Glück, dort lag der Film seit der letzten Sendung am achtzehnten November neunzehnhunderteinundachtzig. Nun ist eine Kopie verkauft. Nicht auf einer Kaufkassette allerdings, Andechser Natur Bio Pfirsich-Mango freilich auch nicht. Eine schöne DVD.

Die DVD nimmt den Leser, Seher natürlich auch, mit in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals schrieb ja auch der Autor das schöne Buch. Die Inszenierung spart indes wichtige Details aus. So studiert Roland Keller ja zunächst in einer Großstadt, genießt das Studentenleben, die Freiheit, weit entfernt vom strengen Elternhaus zu leben. Das erahnt der Seher aber erst, als Roland Keller angeheitert mit Kommilitonen, Kommilitoninnen auch, von seinem Vater im Treppenhaus vor seiner Studentenbude erwischt wird. Etwas klarer wird es auf der Reise in den neuen, ländlichen Studienort. Dabei muss aber Roland Keller schon quasi mit sich selbst sprechen, damit der Seher mehr im Bilde ist. Wenn jetzt die Verwirrung des Sehers noch nicht komplett ist, dann hat er nichts verpasst. Denn die Geschichte beginnt ja auch erst. Weiterlesen

Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

Erbgut

Auch die Leidenschaft für Backwaren ist vererbbar. Unerforscht indes, nach welcher Mendel’schen Regel. Dominant freilich, sonst wäre es selbstverständlich keine Leidenschaft. Erbgut, das Leiden schafft, gutes Erbe aber auch. Lecker auch, die Mandelhörnchen.

Sind hierzulande nur als Mandelbögli ohne leckere, in Schokolade getauchte Enden zu haben, in Bern. Im schönen München gibt’s echte Mandelhörnchen an der Ecke Implerstraße und Oberländerstraße, für unglaublich wenig Geld auch. Weiterlesen

Jugendbarometer

Bin ja auch froh, das noch erleben zu dürfen: eine Premiere. Mit viel Tam-Tam und großen Namen. Der zweitgrößten Bank der Schweiz zum Beispiel. Die gab Geld für die Premiere. Viel offenbar, hat ja aber auch viel. Nicht nur offenbar, ganz sicher. Die Premierenveranstalter waren sich dann auch ganz sicher, was sie mit dem ganz vielen Geld machen. Zum Beispiel Freunde aus Brasilien, Nordamerika einladen. Die passen ja ganz gut an einer Schweizer Premiere. Des ersten Schweizer Jugendbarometers. Schweiz interessiert sich erstmals für die Jugend. Mangelte womöglich bisher am Geld.

Das Barometer zeigt für die Jugendlichen keinen Geldmangel an. Den höchsten Ausschlag zeigt es beim Umgang mit Ausländern. „Ausländer, Integration, Rassismus und Asylfragen gehören zu den grössten Sorgen der Schweizer Jugend.“ Diese Feststellung gilt für fast zwei Drittel der Jugendlichen. Grusel. Für mehr als zwei Drittel gilt auch: Fernsehserien schauen, Musik herunterladen, Öffentlicher Verkehr, Sport, modische und günstige Kleidung, sich selbst sein und sich nicht verstellen, Ferien im Ausland, E-Mail, italienische Speisen, SMS bewegen die Jugendlichen, sind angesagt. Italienische Speisen bewegen fast neun von zehn Jugendlichen, sind angesagt. Italienische Speisen. Dabei gibt’s so leckeres Cordon Bleu.
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Südafrikatourist

Die nüchterne Bilanz ist: Südafrika hat wegen der Fußballwertmeisterschaft seinen Kreditrahmen um mehr als vier Milliarden Dollar aufstocken müssen. Indes: Der Rahmen musste eh aufgestockt werden, da half auch keine Fußballweltmeisterschaft. Offenbar. Auch wenn die avisierten neunhundert Millionen Dollar in Land geblieben wären – nicht nur fünfhundert. Vierhundertfünfzigtausend Besucher statt dreihunderttausend. Die dreihunderttausend ließen also verhältnismäßig viel Dollar im Land, Rand, freilich. Der Rand ging auf einen Höhenflug, Preise für Reiseführer freilich auch. Versuche seit Monaten, einen zu verkaufen. Für einen Rappenbetrag, mittlerweile.

Annähernd für einen Rappenbetrag wurden Eintrittskarten an Südafrikaner verkauft. Freilich gut so, Südafrikaner verdienen im Monat auch nur annähernd einen Rappenbetrag. Kaum ein Südafrikaner konnte sich einen Sitzplatz leisten, so blieben sie leer. Auch die von Südafrikatouristen, die bezahlten freilich keinen Rappenbetrag für die Sitzplätze. Bezahlten vielmehr einen Rappenbetrag für die Stadtrundfahrt zur Eintrittskartenvorverkaufsstelle, die vom Stadion aus freilich immer quasi am anderen Ende der Stadt lokalisiert war. Immer in einem Einkaufszentrum, freilich, Weiterlesen