Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

Erbgut

Auch die Leidenschaft für Backwaren ist vererbbar. Unerforscht indes, nach welcher Mendel’schen Regel. Dominant freilich, sonst wäre es selbstverständlich keine Leidenschaft. Erbgut, das Leiden schafft, gutes Erbe aber auch. Lecker auch, die Mandelhörnchen.

Sind hierzulande nur als Mandelbögli ohne leckere, in Schokolade getauchte Enden zu haben, in Bern. Im schönen München gibt’s echte Mandelhörnchen an der Ecke Implerstraße und Oberländerstraße, für unglaublich wenig Geld auch. Weiterlesen

Südafrikatourist

Die nüchterne Bilanz ist: Südafrika hat wegen der Fußballwertmeisterschaft seinen Kreditrahmen um mehr als vier Milliarden Dollar aufstocken müssen. Indes: Der Rahmen musste eh aufgestockt werden, da half auch keine Fußballweltmeisterschaft. Offenbar. Auch wenn die avisierten neunhundert Millionen Dollar in Land geblieben wären – nicht nur fünfhundert. Vierhundertfünfzigtausend Besucher statt dreihunderttausend. Die dreihunderttausend ließen also verhältnismäßig viel Dollar im Land, Rand, freilich. Der Rand ging auf einen Höhenflug, Preise für Reiseführer freilich auch. Versuche seit Monaten, einen zu verkaufen. Für einen Rappenbetrag, mittlerweile.

Annähernd für einen Rappenbetrag wurden Eintrittskarten an Südafrikaner verkauft. Freilich gut so, Südafrikaner verdienen im Monat auch nur annähernd einen Rappenbetrag. Kaum ein Südafrikaner konnte sich einen Sitzplatz leisten, so blieben sie leer. Auch die von Südafrikatouristen, die bezahlten freilich keinen Rappenbetrag für die Sitzplätze. Bezahlten vielmehr einen Rappenbetrag für die Stadtrundfahrt zur Eintrittskartenvorverkaufsstelle, die vom Stadion aus freilich immer quasi am anderen Ende der Stadt lokalisiert war. Immer in einem Einkaufszentrum, freilich, Weiterlesen

Vorfreude (3)

Ein Junge steht vor einem Schaufenster. Darin drei Buchstaben, Uhren auch. Eine auch. Die. Die alle überstrahlt, obwohl sie nicht einmal oben auf dem Ständer steht. Auf halber Höhe des mit Samt ausgeschlagenen Schaukastens. Die ist’s trotzdem, sehen strahlende Augen. Die er tragen möchte, wenn er einmal selbst Geld verdient. Viel Geld. Sehr viel Geld. Als Jugendlicher verdient er noch immer kein Geld. Steht aber wieder vor einem Schaufenster, darin drei Buchstaben. Die Uhr auch. Mittlerweile nicht mehr auf halber Höhe des mit Samt ausgeschlagenen Schaukastens. Fast auf dem Boden. Der Boden seiner Sparbüchse ist bedeckt. Für die. Als junger Mann geht er am Schaufenster vorbei, bewusst, betritt den Juwelier, wartet vor dem Schaukasten, in dem die Uhr auf dem Boden dekoriert ist. Die. Fragt nach ihr, hört schleimtriefende Komplimente über exzellenten Geschmack, kann es nicht erwarten, dass sich die Juweliertür hinter ihm schließt. Sie schließt. Hinter einem Papiertaschenträger. Trägt eine Papiertasche mit drei Buchstaben. Darin die. Trägt sie übers Trottoir des Zürcher Bellevues. Am steifen Arm, kein Schlenkern sehe ich.

Weiterlesen

Z1

Heute vor gut siebzig Jahren war es schlicht unmöglich, im Deutschen Technikmuseum Rechenmaschinen zu fotografieren. Damals wurden dort Pferdefuhrwerke mit Eis beladen, während sich Pferde ausruhten. Vom Ziehen der Fuhrwerke freilich, vom Hochsteigen der Pferdetreppe aber auch. Bleibt ihnen heute erspart, das Treppensteigen, das Ziehen der Fuhrwerke oftmals auch. Heute steigen Besucher die Treppe empor, nicht die Pferdetreppe, die Museumstreppe freilich. Wenn sie Rechenmaschinen fotografieren möchten, die es vor gut siebzig Jahren nicht einmal gab.

Viele Besucher – auch siebzigjährige – haben heute mehr Rechenleistung in ihrer Kamera als die Rechenmachine besaß. Auch fast vierzigjährige Redaktoren mit Kompaktkameras. Weiterlesen

Traumhausmodell

Auch das Traumhausmodell steht nicht in Zürich, Verzeihung liebe Hausbesitzer. Könnte indes bald auch in Zürich stehen, allerdings ja nur auch. Ein großes Traumhausmodell steht aber im Berliner Bauhaus-Archiv. Das ist sehr streng mit seinen Gästen. Kein Gast darf ein Foto knipsen, vom Traumhausmodell, der Kandem-Leuchte, der Wagenfeld-Lampe. Verständlich, freilich, wollen die Erben der Bauhaus-Lehrer und Bauhaus-Schüler doch nicht, dass gruselige italienische, chinesische, nordamerikanische Kopien von den Originalobjekten produziert und verschleudert werden. Einen ganz anderen Grund haben die Bauhaus-Archivare allerdings beim schönen großen Traumhausmodell: Ihm fehlt schlicht eine Wand. Weiterlesen

Spezial-Curry-Bratwurst

Hieß die Currywurst ursprünglich. Lese ich. Lese auch, dass Herta Heuwer die Currywurst am vierten September neunzehnhundertneunundvierzig kreierte. Verkaufte vermutlich auch, dringend quasi, Herta Heuwer lebte davon, Imbisse zu verkaufen. In ihrer Imbissbude, in Berlin. Dem zerbombten Berlin. Zu Recht zerbombtem Berlin. Berliner zerbombten ja quasi ganz Europa. Auch.

Von Berlin aus eroberte die Currywurst Europa. Friedlich. Oder von Zürich aus, ebenfalls friedlich, freilich. Dem Zürcher Olaf Böhme gehört die Marke „Chillup“, Spezial-Curry-Bratwurstsauce quasi. Ein Schweizer hat’s erfunden, quasi. Lese ich. Im Berliner Currywurstmuseum. Höre dort auch „Currywurst“. Gestammelt in bester Pottmundart von Herbert Grönemeyer neunzehnhundertzweiundachtzig. Geschrieben von Ulknudel Diether Krebs. Beide essen Currywurst sicher auch ganz gern. Wie ich. Esse die Currywurst im Currywurstmuseum genauso gern wie die Currywurst von Weiterlesen

Arabisch

Abschreiben ist doof, dachten sich vermutlich die lustigen Zürcher Dadaisten beim neuen Aushang. Druckten lustig arabische Buchstaben auf den Aushang. Musste diesmal jemanden kennen, der Arabisch kann. Kann nicht einfach abschreiben, oder auch gar nix schreiben. Wie bei Aushang. Immerhin darf im Kanton Bern ein Minarett gebaut werden. Weil die Baubewilligung vor der Verfassungsänderung erteilt wurde. Ohne Baubewilligung hätte es auch nicht unbedingt eine Verfassungsänderung bedurft. Bauverordnungsnovellen in sechsundzwanzig Kantonen statt einer Verfassungsänderung. War offenbar ökonomischer, quasi. Grusel.

Überhaupt nicht gruselig ist der Entscheid des Stadtzürcher Stimmvolks, der Stadt Zürich, das lustige cabaret voltaire bis zum hundertjährigen Jubiläum der Dada-Bewegung zu unterstützen. Mit einem Millionenbetrag. Indes fragt sich der Bewohner Zürichs, wie der Millionenbetrag bis zweitausendsechszehn reichen soll, wenn allein dreihunderttausend Franken Miete jährlich bezahlt werden müssen. Vielleicht bitten deshalb die Dadaisten: Weiterlesen

Portraitfoto

Gibt glücklicherweise genügend Menschen, die sich mit dem Fotoapparat auskennen, mit dem Fotografieren auch. Sie knipsen steife Portraitfotos ohne ein Wort zu sagen, knipsen lockere Portraitfotos, wenn sie ein Wort sagen, oder auch seriöse Portraitfotos, wenn sie jemanden anderes ein Wort sagen lassen. Im besten Fall alle drei, dann fällt die Auswahl schwerer. Im besten Fall kennt sich der Auswähler auch noch mit dem Fotoapparat aus, mit dem Fotografieren unbedingt auch. Dann fällt die Auswahl freilich leichter. Gibt alle drei Portraitfotos, eins gefiel nicht einmal dem einen Auge. So sehen alle Augen weiter die, die schon schwarzweiß gedruckt wurden, oder auch ausgestellt sind.

Gibt freilich auch günstigere Methoden, ein Portraitfoto zu knipsen. Zum Beispiel in einem Besprechungszimmer, einem Fotostudio, einem stahlverstrebten, gläsernem Pavillon. Als in London, am Ufer der Themse. Muss sich in London, am Ufer der Themse, immerhin nicht mit dem Fotoapparat auskennen, dem Fotografieren auch nicht. Weiterlesen

Regenschirmscanner

Gibt freilich wenig nahe liegenderes als einen Regenschirmscanner. In London. Regnet ja quasi permanent hier, wenn gerade einmal nicht, wabert nasser grauschwarzer Nebel durch Hinterhöfe, Straßenschluchten, Alleen. Mikrometerkleine Tropfen jubilieren durch London, ruhen sich aus auf Kabelschächten, Abwasserrohren an den Hauswänden, in den Ritzen des brüchigen Fensterputzes. Oder auch auf Regenschirmen, die quasi jeder Passant trägt. In allen Regenbogenfarben, mit allen Buchstaben bedruckt, gemustert auch, klassisch kariert. Der unifarben schwarze liegt im Hotelzimmer, bin schließlich nicht aus Zucker. Regnet allerdings auch gar nicht. Immer. In London.

Häufig aber vermutlich ja schon. Dann läuft freilich auch der Regenschirmscanner im Dauerbetrieb. Wenn nicht nur lustige Regentropfen sich auf die Londoner Blätter, Wiesen, Bürgersteige, Autodächer platschen lassen, sondern ja auch listige Schurken durch Londoner Straßen streifen. Sie tragen freilich auch Regenschirme, spannen sie aber selbstverständlich nicht auf. Sonst würde der Gewehrlauf nass, der Säbel würde zu rosten beginnen. Listige Schurken tragen also einen Hut, führen den Regenschirm quasi spazieren durch London. Nett ja auch, für die Regenschirme. Für die Männer mit den großen Lupen freilich auch, Weiterlesen

Pferdeampel

Bin demnächst auf tausend Fotos zu sehen. Von London-Besuchern. Dort ist die größte Schwierigkeit, nicht von Linsen angeglotzt zu werden. Oder auch den Klick aus Mobiltelefonlautsprechern erst zu hören, wenn man aus dem Blickwinkel der glotzenden Linsen heraus ist. Am Piccadilly Circus, am Hyde Park Corner, vor Harrods, am London Castle, auf der Tower Bridge. Überall werden freilich großartige Fotos geknipst, tausende, quasi. Geblitzt auch, wie wild. Bei Tageslicht insbesondere gerne. Einmalige Fotos, quasi. Niemals hat jemand aus dieser besonderen Perspektive ein Foto geknipst, diese sehenswerte Sehenswürdigkeit abgelichtet. Noch nie mit dem Partner im Vordergrund, vermutlich wirklich. War ein anderer Partner, vor oder hinter der Kamera. Oder auch beides. Sicher gab’s aber schon Trillionen Fotos der Sehenswürdigkeiten. Nun Trillionen und eine. Großartige, freilich. Facebook bekommt demnächst die Rechte an allen geschenkt. Verkaufen lässt sich das Foto freilich auch nicht mehr, gibt ja schon Trillionen davon.

Von der lustigen Pferdeampel vermutlich erst Milliarden. Zwölfstellig, quasi. Ist aber eine freundliche Installation, auf Augenhöhe der Pferde die grünen und roten Pferdesymbolbilder, auf Armhöhe der Reiter der Taster. Touristische Fußgänger wundern sich vermutlich zwar, warum Londoner Ampeln so unfreundlich sind, ihnen grüne und rote Pferde als Spiegelbilder vorzuhalten, die Taster so weit oben installiert sind. Möglicherweise denken touristische Fußgänger aber auch einen Moment nach, bevor sie auf den Taster an der Pferdeampel drücken. Könnte helfen, Weiterlesen

Strafarbeit

Habe in Zürich noch nicht eine Compact Disc gekauft. In Schleswig, London, Jena, Aachen, München, New York schon. Sonst wo auf der Welt auch. Lernte Städte quasi auf dem Weg zum nächsten Musikhändler kennen. Zuerst noch mit Schallplatten in der Tüte, dann Kassetten, dann Compact Discs, dann wieder Schallplatten. Besaß dann schon alle Compact Discs, die Internetdiskografie wies aus, dass Lieder nur in Vinyl gepresst wurden. Lieder, die fehlten in der Sammlung. Von zuletzt tausendzweihundertdrei Compact Discs, dreiundachtzig Schallplatten, drei Kassetten. Die Sammlung waren glücklicherweise schon immer katalogisiert, mit den Katalognummern der Plattenfirmen. Unglücklicherweise sind nicht alle Interpreten bei ein und derselben Plattenfirma unter Vertrag. Unglücklicherweise führen Plattenfirmen ihre Kataloge unterschiedlich, drucken neue Kataloge, pressen neue Compact Discs, Schallplatten, elektrisieren neue Kassetten. Listen Compact Discs gar nicht mehr im Katalog auf oder listen Compact Discs auch niemals im Katalog auf. Katalogisiert sind die Compact Discs, Schallplatten, Kassetten trotzdem. Weiterlesen