Spur (2)

In der Schule habe ich mich durch ein Buch gequält. Die Schachnovelle. Er hat alle Bücher hier stehen. Hörte ich die Unmutsbekundung. Aus einem anderen Mund auch eher lustlos: Einen Stefan-Zweig-Spaziergang gibt es nicht. Nur Rundgänge zu Ludwig van Beethoven, Gustav Klimt, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Peter Schubert. Oder auch zu den Schauplätzen des Films „Der dritte Mann“, den Orten des jüdischen Wiens, durch die unterirdischen Kryptas, die Kellerkneipen. Sehenswert, natürlich, chronologisch vermutlich auch.

Chronologisch auch der Stefan-Zweig-Spaziergang: beginnt bei der Wiener Filiale der mechanischen Weberei Moritz Zweig in der Eßlinggasse fünfzehn, quasi dem ersten Standbein der Familie Zweig in Wien. Eine Parallelstraße weiter südlich, in der Werdertorgasse, besuchte Stefan Zweig von achtzehnhundertsiebenundachtzig bis zweiundneunzig die Volksschule. Weder am einen noch am anderen Ort ein Hinweis auf den Sohn der Stadt, seinen Vater freilich auch nicht. Am Wasagymnasium aber. Kaiserlich und königliches Staats-Gymnasium steht über der Tür, daneben eine Gedenktafel: Weiterlesen

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Wäscheklammernsack

Gibt Dinge, die findet man nur, wenn man sie nicht sucht. Einen Wäschklammernsack zum Beispiel. Der hing unverhofft im Kaufhaus der Genossenschaft. Fand dort Steckdosenadapter, die braucht man auch nicht suchen, die gibt’s dort immer. Massenweise Steckdosenadapter, für viele Zugezogene. Wer einen Steckdosenadapter benötigt, braucht womöglich auch einen Wäscheklammernsack, dachten sich vermutlich geschäftstüchtige Genossenschaftseinkäufer. Womöglich auch, Wäscheklammernsäcke benötigen freilich auch lustige Schweizer, die ja gar keinen Steckdosenadapter brauchen. Aber ja genug haben vom unpraktischen Kunststoffsack, der natürlich an keiner Leine hängenbleibt. Oder auch genug von der Wäscheklammernschürze, die natürlich unschön aufträgt. Oder aber auch genug vom Wäschekorb, in dem die Wäscheklammern natürlich immer unter der schön gewaschenen Wäsche liegen, sie hervor gewühlt werden müssen. Wie praktisch ist da ein Wäscheklammernsack, Weiterlesen

Rockstar Großhirnrinde

Über zu wenig Kultur können wir uns in Zürich nun wirklich nicht beklagen. Im Mai wird aber ein echtes Glanzstück geboten: die internationale Psycho-Combo „Großhirnrinde“ ist einen Tag lang live zu sehen. In der Originalbesetzung selbstverständlich, mit Doktor Congedo aus Grenoble, Professor Doktor Doppelmayr aus Salzburg, Professor Doktor Herrmann aus Oldenburg, Professor Doktor Pineda aus San Diego. Unter den weiteren Dozenten der Philosophie und Neurowissenschaften sind vermutlich ja auch noch diverse virtuose Künstler, die den Tag zu einem Erfolg machen. Ein Augenmerk auch auf die Vorgruppen, stattliche drei an der Zahl: Empathie, Großhirn, Interventionen. Angemessen allerdings auch, angesichts des Stars des Abends. Großhirnrinde. Der natürlich im Grossen Hörsaal auftritt, im Universitätsspital Zürich. Wenn sich die Veranstalter mit dieser Location – die selbstredend angemessen ist – mal nicht verkalkuliert haben. Angesichts eines so großartigen Starauftritts.

Sicher mit der Einladung sind die Veranstalter aber nicht. Denn manchmal ist der Konjunktiv zwar unglaublich höflich, aber fehl am Platz. Genau wie ein langer Satz: Weiterlesen

Gefahrensignal

Sollte zurzeit noch jemand nach einem Plagiat suchen, über das noch niemand aufgeregt hat, bin über eins gestolpert: Rüsselsheimer Autobauer haben den Markennamen für ihre Mittelklasselimousine schamlos beim Ittinger Bundesamt für Strassen abgekupfert. Ohne Fußnote selbstverständlich. Würde freilich auch den Treibstoffverbrauch immens steigern, müsste jeder Astra mit einer hochgestellten eins herumfahren. Dachspoiler quasi. Still und heimlich geklaut. Dem Urheber fällt das womöglich noch nicht einmal gleich auf, weiß ja auch das Bundesamt für Strassen nicht ganz so genau, warum es sich nun ausgerechnet „Astra“ abkürzt. Schreibt es jedenfalls nicht. Womöglich wegen des Bieres.
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Demokratiequalität

Was für ein Debakel. Die Schweizer Demokratie ist nur Mittelmaß, las sich die Schlagzeile. Die quasi alle druckten, elektronisch veröffentlichten auch. Kein ernstzunehmendes Blatt wollte sich mit den lustigen Wissenschaftlern der altehrwürdigen Universität Zürich anlegen, nachfragen freilich auch nicht. Redaktoren hätten fragen können, warum denn die Jahre zwischen neunzehnhundertfünfundneunzig und zweitausendfünf untersucht wurden. Quasi veraltete Daten, überhaupt nicht mehr repräsentativ. Hätten auch fragen können, ob die lustigen Forscher denn übersehen haben, dass das Frauenstimmrecht ja weit vor neunzehnhundertfünfundneunzig landesweit eingeführt wurde. Neunzehnhundertneunzig per Gerichtsurteil quasi diktiert wurde, entgegen dem Willen der Landsgemeinde Appenzell Innerrhoden. Das hatte freilich aber gar keinen Einfluss auf die Demokratiequalität, denn die wurde ja erst ab neunzehnhundertfünfundneunzig ermittelt. Die lustigen Wissenschaftler versuchen ihre Landsleute aber auch etwas zu beruhigen, die Demokratie sei so schlecht nicht. Die Qualität steigt in den letzten Erhebungsjahren an. Verglichen mit dem Mittelmaß, Italien, der Tschechischen Republik, Malta. Quasi die Vorzeigedemokratien, auch, natürlich. Weiterlesen

Ølvæksel (3)

Flensburg ist freilich immer eine Reise wert. Wegen der Deutschen Bank auch, wegen Fahnen-Fischer selbstverständlich auch. War die erste Deutsche Bank Deutschlands, ist heute nicht mehr die Deutsche Bank. Gibt die Deutsche Bank ja aber auch in Flensburg, gewährt dort fatale Rabatte von fünfzig Prozent. Wird vermutlich den Anlegern nicht so gut gefallen, den Kunden schon, zumindest denjenigen, die gerne rote und grüne Wollpullover tragen. Blaue selbstredend auch, die gibt’s ja aber auch bei Fahnen-Fischer. Troyer aus dem Seglerhaus, selbstverständlich, gestrickt aus dickem blauen Seemannsgarn. Das hält netterweise die Kälte ab, auch, Wind auch, aber der wehte gar nicht. Nur Fahrtwind blies, starker zum Glück, auf der Reise ins benachbarte Kruså. Für den alljährlichen Ølvæksel.

Vækselten freilich kein Øl an der früher billigen dänischen Tankstelle, vækselten nicht einmal lustige dänische Kronen. Fürs Øl auch nicht. Für die Fransk Hot Dogs auch nicht, für die Jul Hot Dogs auch nicht, die Hot Dogs freilich auch nicht. Tranken auch gar kein Øl zu den Hot Dogs, sind ja saftig genug. Warm auch, nur die Remoulade im Fransk Hot Dog, der Rotkohl auf dem Jul Hot Dog, die rohen Zwiebeln auf dem Hot Dog nicht. Alle drei trotzdem eine Gaumenfreude, im Weiterlesen

Erbgut

Auch die Leidenschaft für Backwaren ist vererbbar. Unerforscht indes, nach welcher Mendel’schen Regel. Dominant freilich, sonst wäre es selbstverständlich keine Leidenschaft. Erbgut, das Leiden schafft, gutes Erbe aber auch. Lecker auch, die Mandelhörnchen.

Sind hierzulande nur als Mandelbögli ohne leckere, in Schokolade getauchte Enden zu haben, in Bern. Im schönen München gibt’s echte Mandelhörnchen an der Ecke Implerstraße und Oberländerstraße, für unglaublich wenig Geld auch. Weiterlesen