Bezirksmuseum Josefstadt

Wien hat einen berühmten Sohn. Gibt es ein Museum für Stefan Zweig? Freilich war die Frage geschenkt, wusste natürlich, dass es kein Museum gibt. Täuschte mich indes. Es gibt ein Stefan-Zweig-Archiv im Bezirksmuseum Josefstadt. Geöffnet Mittwoch von achtzehn bis zwanzig Uhr, Sonntag von zehn bis zwölf Uhr. Auch.

Sie wollen die Ausstellung über Großstadtkinder sehen, war die Begrüßung im Bezirksmuseum Josefstadt. Auch, die Antwort. Möchte bitte auch das Stefan-Zweig-Archiv sehen, die Präzisierung. Oh, da werden Sie enttäuscht sein, wurde mir beschieden. Wurde auch beschieden, dass ich kein Foto knipsen darf, vom Messingschild links auf Augenhöhe neben der Tür nicht, dem Raum hinter der Tür auch nicht. Sie öffnete sich aber für den Blick eines Auges. Das sah. Zum Glück gibt es Worte, die andere auch sehen lassen, was es sah.

Sie sehen einen vielleicht fünfzehn Quadratmeter großen Raum. Der Tür gegenüber ein deckenhohes Fenster, rechts daneben noch eins. Gegenüber den Fenstern – links und rechts neben der Tür – je eine mannshohe Vitrine voller Bücher. Ungeordnet, gestapelt auch. Bücher auch von Stefan Zweig, aber nur auch. Auch Taschenbücher zeitgenössischer Autoren. Stefan Zweigs Zeitgenossen, wohlgemerkt, seine verehrten Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, auch. Noch mehr Bücher im meterhohen Sideboard links an der Wand, davor eine lose Sitzgruppe. Zwei Tische, drei Sessel, von ihnen zwei die gleichen, womöglich sogar zeitgenössisch. Unbedeckt aber, die Tische, Sessel, die zwei Tische rechter Hand bedeckt mit weißen Laken. Unbedeckt an der rechten Wand ein geschlossenes Sideboard, darauf gestapelt hellblaue Archivschachteln. Womöglich gefüllt mit Fotos. Darüber an der Wand – wie gegenüber – Ausstellungskästen mit Fotos. Ahnen Stefan Zweigs, mit gedruckten Bildunterschriften auf rechteckigen Papierstreifen. Rechts an der Wand daneben ein bekanntes Portrait Stefan Zweigs. Das verschmitzte Lächeln belohnt jeden Weg. Indes ist das Portrait aus den dreißiger Jahren. Damals lebte Stefan Zweig freilich gar nicht mehr im achten Wiener Bezirk, der Josefstadt. Nur von neunzehnhundertzwei bis drei in der Tulpengasse sechs, von neunzehnhundertdrei bis vier ein paar Straßen weiter in der Buchfeldgasse zwei, neunzehnhundertsieben bis neunzehn noch ein paar Straßen weiter in der Kochgasse acht. Immerhin hängt dort neben der Tür eine Gedenktafel. Die Tür des Stefan-Zweig-Archivs schloss sich wieder. Sie soll sich an einem runden Geburtstag wieder öffnen, aber wohl nicht im November.

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