Zitat (37)

Da prasselte es verschwiegen im Ofen, die Röstkartoffeln dufteten knusprig, und es duftete das Bauernbrot und der goldfarbne Käse, ein halbierter massiger Rundlaib, und das Arvenholz der Wandtäfelung duftete, und der Wein , wirklich: er glutdurchwogte einen. (Lob und Dank dem Conrad Ferdinand Meyer für dies Verb.)

Rezitiert der Protagonist Gaudenz de Colana des großartigen Conrad Ferdinand Meyers „Die Veltlinertraube“. Erinnert nicht den ganzen Text. Glutdurchwogt aber, als die Veltinertraube ihn glutdurchwogt. Herrlich, das Wort, das Gefühl vermutlich ja auch. Nahm indes mit mulmigem Gefühl das Buch zur Hand. Ulrich Bechers hoch gelobte „Murmeljagd“. Empfohlen von belesenen Augen. Die hinter zwei Gläsern von Zeile zu Zeile hüpfen vor Lesefreude. Würden womöglich auch aus den Höhlen hüpfen vor Lesefreude, zum Glück sind Gläser davor. Meine Augen hüpften auch, das mulmige Gefühl wich der Lesefreude. Im Buchgeschenk, das ich zweimal verschenkte, nun wieder geschenkt bekommen habe. Weil der Beschenkte ein neues Buchgeschenk bekam, endlich. Endlich verlegt wieder ein Verlag Herrn Ulrich Becher. Der als einer der jüngsten Schriftsteller schon mit dreiundzwanzig mit ansehen musste, wie Bücher brennen. Seine Bücher. Die „Murmeljagd“ war zum Glück noch nicht geschrieben, sie hätte aber auch gebrannt. Mag gar nicht an die Glut denken, zu herrlich das Wort glutdurchwogt.

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