Zitat (36)

Man konnte einfach nicht überhören, daß er zunächst einen Sturmhimmel entwarf, unter dem einige Kräfte ziemlich aneinandergerieten, und er machte es dem Frühling keineswegs leicht, sich durch all das Wühlen, all das Tosen, den dunklen Trotz hindurchzuarbeiten und schließlich seine blaue Fahne aufzuziehen – wenn das etwas sagt. Dann jedoch ließ er den Frühling ausdauernd triumphieren mit Möwenruf und Schiffssirene, mit kleinem Wellenschlag, mit fröhlichem Glucksen und einer Art besessenem Murmeln;

Ja, Herr Siegfried Lenz, das sagt etwas. Wünschte mir freilich, der Frühling stünde wirklich schon vor der Tür, nicht der gruselige Winter. In dem ich meine eigene „Deutschstunde“ habe, keine Strafarbeit zwar, eine Fleißarbeit aber. Protagonisten erschaffen für einen Roman, einen Kriminalroman wahrscheinlich. Mit Spannungsbogen freilich, nicht ganz so lang wie in der „Deutschstunde“ vermutlich. Aber sie war auch nicht das Erstlingswerk. Meins wird’s, ein Szenario erdachte ein Protagonist. Der die gruseligsten Szenen selbst schon schrieb: Sehe ihn sitzen in einem ratternden Zug, von Schleswig nach Jena. Sehe ihn auch wandern durch Jena, in einer Wohnung auch. Dort stank es. Ihm auch, er reiste von Jena nach Schleswig. Da war der Frühling längst vorbei, Fahnen standen blau im Ostwind. Möwen riefen auch, immer, quasi, rufen auch an jedem Vorwintermorgen in Zürich. Zu meinem Glück.

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