Ausschaffungsinitiative (1)

Schweizer sind ja gar nicht so wenig kriminell. Schreibe freilich nicht ich, schreibt das Bundesamt für Statistik. Das schreibt: zweiundfünfzig Prozent der Beschuldigten in Strafverfahren sind Schweizer, neunundzwanzig Prozent ständig in der Schweiz lebende Ausländer, vier Komma vier Prozent Asylsuchende, vierzehn Prozent Ausländer ohne längerfristige Aufenthaltserlaubnis. Das schreibt nicht, wer wohl die anderen null Komma sechs Prozent Beschuldigten sind. Aber so sind sie, die Statistiker. Jeder Bäcker eines Tortendiagramms würde fragen, wer wohl schon von seinem Backwerk genascht hat. Die Statistiker möglicherweise. Die brauchten sicherlich noch Energie für eine zweite Rechnung, um die Statistik auch für eine populäre Volkspartei attraktiv zu rechnen. Das geht so: Bei den Gewaltstraftaten leisten die Männer mit den großen Lupen ganze Arbeit. Sie klären vier von fünf Straftaten auf. Respekt dafür auch. Die Statistiker finden das freilich auch ganz toll und schreiben, dass diese Stichprobe ja besonders aussagekräftig ist. Ist sie nicht, denn nicht einmal jede zehnte Straftat ist eine Gewaltstraftat. Wie dem auch immer sei, denken sich die Statistiker und schreiben: der Anteil der ausländischen Beschuldigten mit ständigen Wohnsitz ist mit zweiundvierzig Prozent „deutlich“ höher als der Anteil der Ausländer an der Schweizer Bevölkerung. Der liegt nämlich nur bei zweiundzwanzig Prozent, schreiben die Statistiker. Respekt dafür auch. Zweiundvierzig ist größer als zweiundzwanzig, rechnen können sie, die gewieften Statistiker. Schreiben aber nicht so gut, denn sie schreiben nicht, dass im Anteil der Ausländer an der Schweizer Bevölkerung freilich auch die Asylsuchenden, die Ausländer mit kurzfristiger Aufenthaltserlaubnis, die mysteriösen null Komma sechs Prozent enthalten sind. Allein bei den Beschuldigten ist das fast jeder Fünfte, quasi ein zu vernachlässigender Anteil, meinen die Statistiker. Was tut man nicht alles für ein wenig Wohlwollen.

Die Schweizer Parteien tun freilich ein wenig mehr für ein bisschen Wohlwollen der Stimmbürger. Geben den Bürgern sogar Vorlagen an die Hand: Die Schweizerische Volkspartei mit einem gruselig vorausgefüllten Stimmzettel, einem unfassbaren sechsundzwanzigseitigem Argumentarium, einem quasi dankbaren, trotzdem hässlichen Kurzargumentarium auf zwei Seiten, einem unsäglichen Filmchen. Das Votum ist danach klar: ja zur Ausschaffungsinitiative. Mit nein stimmen die Grünen, freilich ebenfalls mit Argumentarium, Filmchen, aber enttäuschender weise ohne vorausgefüllten Stimmzettel. Quasi gut so, denn das doppelte Nein zu Ausschaffungsinitiative und Gegenvorschlag ist zwar exzellent, die Enthaltung bei der Stichfrage aber doch Quatsch. Enthalten hilft quasi niemandem – oder auch allen. Das ist die Parole der Sozialdemokratischen Partei, die den Bürgern auch noch Stimmzettelvorlagen, Argumentarium und Filmen ersparen. Alles andere ist ja auch ganz schön kriminell.

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