Papierflieger

Hatte Schlimmeres befürchtet. Als Papierflieger. Beim Freundschaftsspiel Schweiz gegen Italien im Stade de Genève. Italien schießt ein Tor und igelt sich dann vor dem Sechzehnmeterraum ein. Die Schweiz rennt verzweifelt an, scheitert an zwanzig italienischen Beinen, Luigi Buffons Armen. Fängt schließlich noch einen Konter und verliert zwei zu null. Gegen den Fußballweltmeister. Nach drei Niederlagen in Folge. Seit der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft. Vor der Fußballweltmeisterschaft.

Fußballweltmeister sind aber freundliche Gäste, bringen Gastgeschenke mit. Keine Eigentore, freilich. Wären auch zu große Gastgeschenke, üppig verpackt. Kleine Gastgeschenke unter guten Nachbarn. Tausende zahlungskräftige Tifosi, zahlten sechzig bis hundertzehn Franken pro Platz. Im ausverkauften Stade de Genève. Fast jeder Zweite Italiener. Die zweite italienische Mannschaft auf dem Platz war auch ein Gastgeschenk, der zweite italienische Torwart Federico Marchetti freilich auch. Ihm glitt der Ball durch die Arme, der an italienischen Verteidigerbeinen vorbei von der Sechzehnmeterlinie geschossen worden war. Auch ein schönes Gastgeschenk.

Fortan flogen Papierflieger auf den Rasen. Schweizer Zuschauer zerrissen beim Torjubel das Stadionheft, falteten Papierflieger, veranstalteten Weitflugwettbewerbe. Auch, vermutlich. Auch vor Wut, vermutlich. Italien glich vier Minuten später aus. Zuschauer versuchten mit ihren Papierfliegern die Eckfahne zu treffen. Oder auch die Torauslinie. Fotografen zu ärgern. Vermutlich auch aus Langeweile nach der vierzehnten Minute. In der dreißigsten Minute ganz sicher, als sich die Spieler unverhofft vor den beiden Trainerbänken versammelten. Trend geht zur Zweitpause, quasi, fällt quasi auch gar nicht auf, wenn die Zuschauer Zielwerfen veranstalten. Mit Papierfliegern. Oder auch die La Ola durchs Stade de Genève rollen lassen. Aus Langeweile vermutlich, auch, sicher nicht aus Dankbarkeit für den tollen Fußball auf dem Rasen. Aber hatte ja Schlimmeres befürchtet. Als das eins zu eins. Das wäre ein Erfolg gegen den Europameister Spanien. Befürchte Schlimmeres. Hopp Schwiiz.

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