Deuce

In Las Vegas schmelzen die Zebrastreifen. Fliessen an den Straßenrand, gemeinsam mit dem Teer. Vermutlich in der Hoffnung, wenigstens der Bordstein spendet etwas Schatten. Der ist allerdings entweder nur abends oder nur morgens so freundlich, wenn die Sonne nicht mehr senkrecht vom blauen Himmel brennt. Nicht strahlt, brennt. Brennt auch auf der Haut des Wanderers. Wandert zur Bushaltestelle in der Wüste, Linie Deuce. Fährt auf dem Las Vegas Boulevard von Norden nach Süden. Auch, freilich.

In Las Vegas schmelzen auch die Häuser. Die mit Metallfassade jedenfalls, auf die Idee können auch nur Nordamerikaner kommen. Auch, freilich.

In Las Vegas schliessen Hausbesitzer die Eingangstüren mit der Bohrmaschine ab. Von Holzhäusern, freilich auch, mit grossen Fensterflächen. Schrauben eine Schraube, vermutlich zwei, in Tür und Türrahmen, Schlösser halten gruselige Einbrecher nur kurz auf. Eine lange Schraube schon länger, zwei noch länger. Denken Hausbesitzer vermutlich. Denken vermutlich auch nicht an gewitzte Einbrecher, die mit schönen grünen Bohrmaschinen auch Schlösser aufbohren, Lange Schrauben herausschrauben. Zwei auch, freilich.

In Las Vegas fliegen Bälle im Straßenverkehr. Über hohe Werbebanden, in den nächsten Block. Im nächsten Block ist eine Buswendeschleife. Busfahrer warnen Schilder alle zwanzig Meter vor fliegenden Bällen. Vermutlich vollkommen überraschend fliegen Bälle in die Buswendeschleife, insbesondere für Busfahrer, die jeden Tag zehn Mal ihren Bus an der Buswendeschleife wenden. Auch, freilich.

In Las Vegas gibt es Notausstiege nur in jeder zweiten Sitzreihe. In Deuce-Bussen jedenfalls. Quasi Pech haben die Busreisenden, die in der falschen Sitzreihe sitzen. Die weist ein Schild darauf hin, dass sich der Notausstieg in der Sitzreihe hinter ihnen befindet. Dabei sitzen sie doch am gleichen Fenster wie die Sitzreihe hinter ihnen. Oberhalb der Sitzreihe hinter ihnen befindet sich aber ein Hebel, mit dem das Fenster aus dem Rahmen gehebelt werden kann. Dann können die Busreisenden in der falschen Sitzreihe vermutlich notfalls aussteigen. Auch, freilich.

In Las Vegas drohen Getränkeautomaten mit Mord. Angst. Gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zumindest. Zumindest wenn ein unwirscher Getränkekäufer den Getränkeautomat schüttelt und rüttelt. Mag der Getränkeautomat offenbar gar nicht, fällt über den unwirschen Getränkekäufer her, quasi. Oder auch, freilich.

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