Gleisschlagwochenende

Die Gleise waren vorbereitet. Seit März. Gelegt, quasi. Auf das Gleisschlagwochenende. Ein Wochenende lang wurden Gleise geschlagen. Meint man. Impliziert der Name, meint man auch. Sehr gruselig. Freilich schlug niemand bemitleidenswerte Gleise, schon gar nicht das ganze Wochenende lang. Auch schlug niemand Gleise zwischen Münsterbrücke und Hechtplatz. Auch freilich nicht das ganze Wochenende lang. Obwohl das ganze Wochenende vermutlich ja auch genügt hätte, um Gleise auszuwechseln. Am Gleisschlagwochenende. Haben sich die Texter der Stadt Zürich ein martialisches Wort für Gleise auswechseln ausgedacht. Wohlweislich vermutlich, um die Oberdorfanwohner das Fürchten zu lehren. Vor kreischenden Gleisen, schreienden vermutlich auch. Nachts auch. Obwohl ja die Zürcher Stadttexter in Aussicht stellten: „Selbstverständlich setzen wir alles daran, den unvermeidlichen Lärm auf ein Minimum zu reduzieren.“ Schreie der Gleise etwa. Nachts. „Damit wir die Aufrechterhaltung des regulären Trambetriebs gewährleisten können, sind wir gezwungen, diverse Arbeiten wie Schweissen und Betonieren während der nächtlichen Betriebspausen auszuführen.“ Beruhigend, beim Schweissen und Betonieren muss kein Gleis schreien. Kreischen vielleicht, kennen aber die Oberdorfanwohner gar nicht anders. Schrie unter der Last der Tram vermutlich auch. Spaziere lieber das Limmatquai entlang, da muss kein Gleis schreien. Am Hechtplatz freilich schon gar nicht, aber die Gleise durften ja auch am gruseligen Gleisschlagwochenende liegen bleiben, da hatten die Zürcher Stadttexter etwas zu voreilig getextet. Bei der Lärmwarnung freilich auch. Einzig das Gleisbett rabiat aushöhlende Baggerschaufeln, die Betonbrocken aus unnötiger Höhe auf die Ladefläche der Kipper schleuderten, lärmten. Gleise schrien nicht. Obwohl sie freilich Grund gehabt hätten, müssen sie doch nun auf den Limmatblick verzichten. Schrie auch.

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2 Gedanken zu „Gleisschlagwochenende

  1. Nette Brücken soll bitte niemand schlagen, sie verkürzen ja den Weg zur schönen Bank am See. Der Brückenschlag, hauptsächlich, würde aber ja auch diverse Umwege gehen. Mit dem Buch in der Hand, freilich.

    Zurzeit regnet es nur, da hat das Buch viel auszuhalten. Die Bank freilich auch, ich aber auch. Liege am Wochenende unter Palmen, am Pool. Mit dem Buch in der Hand, freilich.

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