Mandelkerne

Der Wunsch jedes experimentell arbeitenden Psychologen ist es, eine direkte Beziehung zwischen einem Stimulus und einer biologischen Reaktion herstellen zu können. Wenn ein Mensch ein Signal bekommt, geschieht in seinem Kopf genau eine bestimmte Reaktion. Wenn der Psychologe diese Kausalität für alle Menschen zeigen kann, ist sein Wunsch erfüllt. Freilich kann man beim Wunsch erfüllen auch etwas nachhelfen, mit Statistik zum Beispiel. Oder auch Messmethoden, Stichproben, Experimentdesigns. Freilich kann und auch. Oder auch.

Zu auch tendierten offenbar Zürcher Ärzte und Psychologen bei dem Experiment mit dem dekorativen Titel „Die eigenen Gefühle in den Griff bekommen„. Experiment wohlgemerkt. Kontrollierte Versuchsbedingungen, für alle Teilnehmer gleich, Teilnehmer vergleichbar, keine Störung. Zu schön, um wahr zu sein, quasi, wenn Menschen teilnehmen. Kommt aber in der Medizin und der Psychologie kaum um Menschen umhin. Quasi. Die Zürcher luden sich dreißig ein. Gesunde, selbstredend, Menschen sind ja quasi immer gesund. Denken freilich auch immer darüber nach, wie sie sich fühlen, insbesondere, wenn sie gerade auf einer Bahre liegen und ihr Kopf von einem Magneten umkreist wird. In einem Magnetresonanztomografen. Darin liegen Menschen auch täglich, quasi. Dreißig Zürcher offenbar schon, quasi Magnetresonanztomografenschläfer. Dachten also quasi unter vollkommen alltäglichen Bedingungen darüber nach, wie sie sich fühlen. Gut, vermutlich. Einer vielleicht nicht, er lag am Montag im Magnetresonanztomografen. Hatte einen eingeschweißten Mandelgipfel von der Genossenschaft essen müssen, denn der Oberdorfbeck hatte geschlossen. Tragisch, freilich nicht nur für ihn. Aber ja auch. Neunundzwanzig kamen an anderen Tagen und hatten ein Mandelgipfel vom Oberdorfbeck gegessen. Die sind ja auch lecker. Schmeckten ihnen auch, sie fühlten sich gut. Dachten sie auch. Das sahen freilich auch die Ärzte und Psychologen auf dem Magnetresonanztomografen. Bei dem einen nicht so gut, dafür bei den neunundzwanzig. Dort zeigte der Magnetresonanztomograf wenig Aktivität in den Mandelkernen. Auch wenn Mandelkerne ja laut dem Taschenatlas der Anatomie Gefühle verarbeiten. Aber das bewusste Nachdenken über die Gefühle führte zu einer geringeren Aktivität der Mandelkerne. Schreiben freilich die Ärzte und Psychologen, am ersten April. Wollen jetzt auch psychotherapeutisch mit dem Experimentergebnissen arbeiten. Angstpatienten behandeln, Depressionspatienten auch. Angst und Depression lindern, indem Patienten über die negativen Gefühle nachdenken. Dann lindern sie sich quasi von alleine. Oder doch lieber mit Mandelgipfel vom Oberdorfbeck. Leider nicht lustig, auch.

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Ein Gedanke zu „Mandelkerne

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