Ausnüchterungsstelle

Sechshundert Zürcher torkeln nachts durch Zürich. Pro Jahr, versteht sich. Ab morgen haben sie ein neues Zuhause im schönen Kreis eins. Zwar nicht mit Limmatblick, aber nur wenige Meter zum Fluss. Im historischen Gebäude, selbstredend, mit Portier, Sicherheitsdienst selbstredend auch. Schlimmstenfalls auch mit ärztlicher Betreuung. Auch dieser schlimmste Fall kostet nicht einmal mehr, Miete. Die Miete ist freilich hoch, im schönen Zürcher Kreis eins. Stundenmiete, in dem Fall, Stundenhotel, quasi. In dem auch minderjährige Zürcher bedient werden. Skandalös, quasi. Allerdings werden ja aber die Erziehungsberechtigten von dem Besuch, Bedienung, unterrichtet. Holen die Minderjährigen dann fix ab, sonst wird’s noch teurer. Drei Stunden kosten sechshundert Franken, genannt Kurzzeit-Pauschale. Mehr als drei neunhundertfünfzig. Flatrate, quasi. Die Betreiber des Etablissements rechnen trotzdem nicht mit dem großen Reibach. Investierten fast eine Million Franken, glauben, dass sie dreihundertfünfzigtausend Miese machen. Wegen der kurzen Öffnungszeiten freilich auch, von Freitag zweiundzwanzig bis Sonntag fünfzehn Uhr. Den wenigen Zimmern, zwölf, gekachelt, mit Matraze, Toilette. Ist ja aber auch noch ein Provisorium, quasi, ein Ausweichquartier wird gesucht. Ebenerdig, muss keine schicke Auffahrt haben wie das Amtshaus im schönen Kreis eins. In dem auch die Stadtpolizei Zürich residiert, ab morgen auch die erste Schweizer Ausnüchterungsstelle.

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