Sterbekasse

Lernt nie aus. Der Schleswiger auch nicht, was in seiner Nachbargemeinde geschieht. Neuberend. Hat eine Sterbekasse. Auch Leichenkasse, Totenlade genannt. Damit machen Sterbende nicht etwa Kasse, Leichen auch nicht, Tote laden auch nicht. Sterbende bitten auch nicht zur Kasse, sondern haben sie gefüllt. Bevor sie Leichen und Tote sind. So der Plan. Den haben zweihundertzwanzig Neuberender jedenfalls. Zahlen zwölf Euro im Jahr, für einen Auszahlungsbetrag von vierhundertfünfzig Euro. So billig sind in Neuberend offenbar Beerdigungen. Oder kein Neuberender greift in die Sterbekasse. Allerdings registrierte die Sterbekasse im letzten Jahr zwei Austritte. Natürliche hoffentlich nicht. Zwei Eintritte aber auch. Der Redaktor der „Schleswiger Nachrichten“ ließ sich zu einer sensationellen Schlagzeile hinreißen: Mitgliederzahl bei der Sterbekasse konstant. Bin freilich begeistert, hätte auch noch ein Ausrufezeichen angehängt. Aber der Redaktor wusste noch mit anderen vermutlich investigativ recherchierten Fakten zu überzeugen: Der Sterbekassenvorsitzende beabsichtigt, sich letztmalig im Amt bestätigen zu lassen. Wünsche dem Vorsitzenden freilich nur das Beste. Beim Thema Sterbekasse sollte aber die Frage erlaubt sein, ob ihm die Entscheidung nicht vielleicht auch abgenommen wird. Hoffe nicht, freilich. Freilich hätte ich aber gern gewusst, wie viel Bestechung der Redaktor für den Hinweis bezahlt hat, dass es zum Abschluss der Jahresversammlung Kartoffelsalat mit Würstchen für alle Mitglieder gegeben hat. Kann noch viel lernen von Schleswiger Redaktoren.

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