Wahlwerbung

Zürich wählt. Die größte Stadt der Schweiz, rotgrün regiert. Kandidaten und Parteien fluteten bis Freitag die Briefkästen mit Wahlwerbung. Auch Briefkästen, an denen Hochdeutsche Namen stehen. Manchmal auch die falschen, daran sind aber nicht die Kandidaten, Parteien schuld. Freilich.

Schon schuld sind die Kandidaten, Parteien an dem, was in den Wahlwerbeprospekten steht. Können nicht immer nur die Werbetexter schuld sein. Freilich schreiben die auch viel Schund, Kandidaten, Parteien aber auch. Las freilich alles. Las von der Sozialdemokratischen Partei, kurz SP: „Dabei wurden innovative Ansätze verfolgt wie die Zusammenlegung zu einer gemeinsamen Schuleinheit mit dem Schulhaus Hirschengraben und die Neuaufteilung des Einzugsgebietes über drei Schulkreise hinweg.“ Bin freilich schwer beeindruckt, unglaublich innovativ. Die Grünen schreiben sich ähnlich Innovatives ins Regierungsprogramm: „Sicherer und komfortabler Veloverkehr, autofreies Wohnen und weniger Parkplätze!“ Ausrufezeichen. Stellt sich für mich die Frage nicht, welche Kandidaten, Partei ich wählen würde: Für ein Auto ist nun wirklich kein Platz auf dreiunddreißig Quadratmetern. Einparkieren müsste ich überdies wohl mit einem Kran, denn einen Fahrstuhl haben wir nicht. Rückwärts vermutlich ja auch. Zurück nehmen die Liberalen hoffentlich die sechs, in Worten: sechs, Wahlwerbeprospekte. Eine Kandidatin sieht sich durch die Hobbys „Kantorei Enge, Militär-Sanitätsverein Zürich, Nothilfekurse, Sanitätsdienste“ für den Gemeinderat bestens qualifiziert. Singen und Erste Hilfe scheint dort notwendig. Auch, vermutlich. Dringend, vermutlich auch. Die Grünliberalen sehen dringenden Handlungsbedarf beim Verkehr: „Um die Mobilitätsbedürfnisse effizient und umweltschonend zu befriedigen, muss die Infrastruktur für den ÖV ausgebaut sowie der Langsamverkehr gefördert werden.“ Aber auch langsam fördern, bitte, den Langsamverkehr, nachher kommt der noch auf Touren. Dass die Wähler nicht aus dem Knick kommen, befürchtet die Evangelische Volkspartei, kurz EVP: „Motivieren Sie Ihre Familie und Ihre Bekannten auch zum EVP-Wählen.“ Besonders schön ja auch: auch. Bin freilich unschuldig am Satz im Wahlwerbeprospekt. Kandidaten, Partei sollten sich oder auch auch nicht unbedingt zum Vorbild nehmen. Oder auch. Die Christlichdemokratische Volkspartei, abgekürzt CVP, mag oder auch auch. Die Sätze, die keine sind, jedenfalls. „Mehr Inhalt. Mehr Respekt. Mehr Zürich.“ Weniger Punkte hilft auch. Schön ja aber auch: „Mehr Inhalt.“ Quasi die zentrale Forderung der CVP. Auch dringend, vermutlich. Keine Zweifel lässt die SVP, kurz für Schweizerische Volkspartei, aufkommen. Ließ sie schon bei Minaretten nicht. Auch nicht in Zürich: „Darum stehen sie ein für eine konsequente Bekämpfung … der Arroganz von gewissen Ausländern.“ Keine Zweifel, Herr SVP-Kandidat Zweifel. Über die sind die Schweizer Demokraten freilich auch erhaben. Fordern bewehrt mit einem Ausrufezeichen: „Schluss mit der Ausländer-Gewalt! Schlägertypen prügeln Passanten halb tot.“ Da kann ich einstimmen: Schluss mit der Gewalt im Ausland. In München auch. Ausrufezeichen. Zwei. Eine Wahl ist die SD für Zürcher sicher nicht.

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