deutscher Filz (2)

Die Dollars in den Augen blinken würden mir bei einer solchen Anfrage: Unvermittelt landet eine E-Mail im Postfach, in der jemand schreibt, er besäße Stühle von einem renommierten nordamerikanischen Möbelproduzenten, für die er sechszehn Gleiter bräuchte. Auch, vermutlich, dächte ich. Vielleicht auch noch zwei Stühle mehr, vier, sechszehn Gleiter. Oder auch andere schöne Möbel, Sessel, Tische. Also flink die Antwort geschrieben, da winkt das Geschäft. Der Arm wurde lahm. Vier Stunden, fünf, winken. Dann ein Anruf: Ob wir Gleiter führen? Sie haben noch keine Antwort bekommen? Habe die E-Mail weitergeschickt. Die Antwort ist: Wir haben sie nicht an Lager und erwarten eine Antwort des Produzenten, wie schnell er liefern kann und was sie kosten.

Bin freilich extrem beeindruckt. Da winkt das Geschäft beidarmig, quasi. Aber wer nicht will, der hat offenbar schon. Vermutlich Kunden, die die Ausstellungsräume besuchen, damit sie sich die Möbel nicht im Museen angucken müssen. Auch, ja vermutlich. Keine Kunden, die wissen, dass es für diese Möbel auch Gleiter vom Originalproduzenten gibt, schreiben, wie viele sie brauchen und ob sie am Lager sind. Beide kaufen nicht.

Kaufte keine Gleiter, auch in Zukunft keine Möbel beim Empfänger der E-Mail. Benötigte die Gleiter fix, hätte nicht einmal billig sein müssen. War’s aber, fix, auch. Nun gleiten breite Stahlkufen beklebt mit Filz über schöne Riemenböden, Fliesen. Allerdings mit deutschem Filz.

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Ein Gedanke zu „deutscher Filz (2)

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