Zitat (30)

Freilich lese ich noch, will auch niemandem vorenthalten, welches schöne Buch. Mir wurde neulich unterstellt, ist lese ein Gebetbuch. Gebunden, schwarz. Lese freilich kein Gebetbuch, bete auch nicht zu dem Buch. Trage es trotzdem gern mit mir herum, mag es auch aussehen wie ein Gebetbuch. Sieht nur so aus wie eins, ist ein schönes Buch aus der Süddeutschen Bibliothek, ohne Schmuckumschlag. Schön dick aber, hatte es schon einmal halb gelesen. Nun ganz, die andere Hälfte fehlt mir sehr. Zerriss freilich kein schönes Buch, verlieh es nur. Verleihen ist offenbar eine Vorstufe des Zerreißens. Wenn dem so ist, verleihe ich nie wieder ein Buch. Pech für alle, die das auf schönem Papier lesen möchten:

Und wie in der antiken Tragödie die Chöre in Strophe und Gegenstrophe sich zur Rechten und Linken des von seinem Gewissen bedrängten Menschen, so erheben sich nun Stimmen von außen und von innen, die einen zur Härte mahnen, die andern zur Nachsicht.

In dem Zwiespalt befindet sich Elisabeth wegen des Todesurteils gegen Maria Stuart, schreibt Stefan Zweig. Ich mich täglich, stündlich. Jeder, vermutlich, auch. Fällen freilich keine gruseligen Todesurteile, das Gewissen drängt aber auch bei einer E-Mail, Erinnerung, nicht gereichten Hand. Mich zurzeit oft wie es Elisabeth drängte. Wenn ich nicht gerade flüchte. Lese.

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