punschen

Das Haupthaar ist blond, der Schal verbirgt die schwarzen Spitzen, Ränder. Zum Glück, danke, Schal. Erst auf den zweiten Blick trägt sie keine Perücke. Die Haare blondiert, geschwärzt, Strähnen sind nicht mehr in Mode. Bei jeder zweiten Frau, vermeide das Wort Dame. Unbändiges Lachen quillt aus den weit aufgerissenen Mündern, die abwechselnd von der Zigarette und dem Punsch aus Glasbechern gefüllt werden. Abgefüllt, keine Lebkuchen, kein Marzipan. Davon gab’s zuhause mehr als genug, dicke Wangen plappern ohne Unterlass. Schnacken, beim Punschen.

Junge Mädchen, keine Deern, sie sind nicht schmuck genug, punschen auch. Schubsen sich nicht umher, höchstens den letzten Schluck im Glasbecher. Umklammern den nächsten, Glasbecher. Für zwei Euro zwanzig, mit Schuss. Freilich. Rum. Wärmt behandschuhte Hände, durstige Kehlen. Nimmersatte. Aus denen krächzen hochdeutsche Laute, sehr hochdeutsche. Platt sprechen hier nur die Alten. Die punschen freilich auch, ohne Perücke, auch mit blondierten, geschwärzten Haaren. Dicken, faltigen Wangen. Glatt gezogen von voluminösen Schlücken. Beim Punschen, im eiskalten Schleswiger Stadtweg. Über dem Weihnachtsschmuck segeln die Möwen. Dem Lollfuß auch. Bevor sie landen auf der gefrorenen Schlei, den Kopf tief ins Gefieder stecken. Lustige Lachmöwen haben im Sommer einen schwarzen Kopf, im Winter einen weißen.

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