Poststelle

Achtzehn Uhr zehn. Mit einem Ruck hält das Tram am Kreuzplatz. Am, nicht auf. Die Poststelle liegt auch am Kreuzplatz. Am anderen Ende, freilich, achtzehn Uhr dreizehn. Der Vorraum der Poststelle ist dunkel, der vergitterte Rollladen versperrt die Glastür. Bis achtzehn Uhr dreißig sollte er offen sein. Das Tram fährt eben über den Kreuzplatz, hält am. Am, anderen Ende. Acht Minuten später wieder. Am Helmhaus auch, am anderen Limmatufer das Fraumünster, dahinter die Poststelle. Schließt um achtzehn Uhr. Dachte, die Poststelle im Bahnhof schließt vermutlich nicht schon. Dachte falsch, gibt gar keine Poststelle im Bahnhof. Am aber, am Sihlquai, auch. Achtzehn Uhr fünfundfünfzig, gedrückt auf die Wartecouponausgabetaste. Sie werden bedient in zwölf Minuten, sechsundneunzig Kunden vorher. Die fünfzehn offenen Schalter sind länger offen als bis neunzehn Uhr. Müssen. Die Sihlpost bis einundzwanzig Uhr. Beeindruckend.

Beeindruckend auch die Kinderpost, sehr, in der Auslage der Sihlpost. Neukundenakquiseinstrument, quasi. Heutige Kinder verschicken in Zukunft ihre Grüße per Brief, Postkarte. Freilich frankiert, mit A-Prioritaire-Etikett, bezahlt mit Tausendfrankenschein. Bargeld, freilich, posteigene Debitkarten gibt’s auch nicht als Zubehör für die Kinderpost. Immerhin akzeptieren die Poststellen vom neuen Jahr an auch gruselige postfremde Debitkarten, in Klammern Maestro, Schweiz weit. Freilich um die Attraktivität für Kundinnen und Kunden weiter zu steigern. Danke dafür, auch. Musste aber ihr Image auch polieren, die Post. Dringend, denn Redaktoren wähnten sie schon vor dem Aus. Quasi. Musste lesen, dass nur jede vierte Poststelle bestehen bleibt. Freilich weil seit dem Jahr zweitausend nur noch jeder zweite schöne Brief und jedes zweite schöne Paket mit der Post verschickt wird. Das böse Internet ist selbstredend Schuld, insbesondere bei den Paketen. Schon auch praktisch, Lautsprecher durch das Telefonkabel zu schicken. Redaktoren schickten nach, dass drei Poststellen geschlossen wurden: Buchillon, Lausanne Chalet-à-Gobet und Rorschach-Ost. Die übrigen zweitausenddreihundertachtundvierzig sind noch offen. Freilich nicht alle um achtzehn Uhr zehn.

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